An der Supermarktkasse

3,60 Stern(e) 10 Bewertungen
Jetzt kann ich es auch ganz exakt in Worte fassen (beim ersten Lesen habe ich gewusst, dass mich etwas stört, konnte das diffuse Störgefühl aber nicht richtig in Worte fassen):
Die Ich-Erzählerin hat die Szene selbst als unschön empfunden und will ihren Eindruck dem Leser überstülpen. Besonders letzteres stört mich.
 

Ciconia

Mitglied
Herzlichen Dank, lieber Arno, dass Du hier als Gutbewerter in die Bresche springst. Dein Urteil über diesen Text weiß ich besonders zu schätzen.

Weiter oben habe ich ja schon geschrieben, was ich von theoretischen Schreibanleitungen halte. Was ich von stark ideologisch geprägten Textzerfledderungen halte, behalte ich lieber für mich. Auch das habe ich in der Leselupe gelernt.

So, und nun male ich noch ein paar Strichmännchen – oder auch mal ein Galgenmännchen - oder schreibe noch schnell zehn Limericks. Und dann begebe ich mich wieder lesend zu Elena Ferrante nach Neapel.

In diesem Sinne einen schönen Tag
und freundliche Grüße
Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

ich kann Deine Bewertung sehr gut einordnen, weil es in der LeLu oft nach demselben Schema verläuft: Ein zunächst von mehreren Lesern sehr gut bewerteter Text wird sehr schnell von mehreren anderen in Grund und Boden gewertet. Das passiert mir nicht zum ersten Mal. Immerhin hast Du mir (sicher nur vorübergehend) damit zum Einzug in die Bestenliste verholfen.

Schade, dass auch Du nicht den richtigen Zugang zu dieser Geschichte gefunden hast. Manchmal hilft es aber schon zum Verständnis, wenn man sehr genau liest, vielleicht auch zweimal.

Ich habe für meine Geschichte nicht bewusst das Thema „Behinderte im Alltag“ gewählt, sondern eine kurze Szene, die mich sehr zum Nachdenken anregte, geschildert.
Unmissverständliche Hinweise bei der Beschreibung der Frau finde ich hierzu nicht.
Das Aussehen der jungen Frau habe ich genau beschrieben.
Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches.
Ich glaube, viel treffender kann man ein Down-Syndrom nicht beschreiben, ohne es direkt zu benennen. Dies hättest Du erkennen können.
… geht es nach meinem Empfinden gar nicht mehr um Behinderung, sondern um den Job der Kassiererin. Da wird quasi nebenbei ein zweites Thema aufgemacht.
Auch falsch. Das Beschreibung der Kassiererin bildet einen gezielt gesetzten Kontrast zum Aussehen und Auftreten der Kundin.
Als es um die drei Zahnbürsten ging
Wieder falsch. Es geht um „zwei Packungen Ersatzzahnbürsten für eine elektrische Zahnbürste“, was vielleicht schon ein wenig merkwürdig ist. Aber vielleicht sollte sie diese für Andere mitbringen und man hat ihr nicht genügend Geld mitgegeben.

Vielleicht solltest Du Deinen Kommentar im Hinblick auf diese Hinweise noch einmal überdenken. Trotzdem danke, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
wäre eine neutrale Erzählperspektive wesentlich besser gewesen.
Ich bin nicht begriffsstutzig, SilberneDelfine. Aber auch ein gebetsmühlenartig vorgetragener Änderungsvorschlag ändert in diesem Fall nichts an meiner Einstellung.
Die Ich-Erzählerin hat die Szene selbst als unschön empfunden und will ihren Eindruck dem Leser überstülpen. Besonders letzteres stört mich.
Ich hoffe, meine Leser sind selbstbestimmt und selbstbewusst genug, dass sie sich nicht einfach einen Eindruck „überstülpen“ lassen …

Gruß Ciconia
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

bei der Beschreibung der Menschen mit Behinderungen stören mich die kindlichen Gesichter, das Kugelrunde, die Mandelaugen.

Ich kann Dir das nicht weiter erklären. Es bleibt bei mir ein ungutes Gefühl nach dem Lesen zurück. Die Menschen kommen mir vor wie vorgeführt.

Mein Empfinden.

Viele Grüße,

DS
 
Leitfaden für korrektes Schreiben

Achtung, Ciconia, jetzt wird's grundsätzlich. Wie können wir als Autoren künftig "ungute Gefühle" eines Lesers vermeiden? Am besten indem man weichzeichnet. Also besser nicht so genau beschreiben, was man tatsächlich gesehen hat. Zwar formuliert Wikipedia zum Down-Syndrom unter "Merkmale nach der Geburt": "nach oben außen hin geschrägte Lidachsen (geben den Augen ein etwas mandelförmiges Aussehen)" - aber schreib besser nichts in einem belletristischen Text von mandelförmigen Augen. Und wenn das Gesicht dir kindlich vorkommt, unterdrück diesen sich oft aufdrängenden ersten Eindruck beim Schreiben. Es könnte die Vorstellungen mancher Zeitgenossen von Inklusion beeinträchtigen - und das wollen wir doch nicht?

Was hinter dieser Empfindlichkeit steckt, ist alles andere als liberal, progressiv oder auch nur sachgerecht. Fontane hat diese Geisteshaltung mal so charakterisiert: "Stramm, stramm, alles über einen Kamm". In Wirklichkeit soll das real Abweichende vor unseren Augen zum Verschwinden gebracht werden, indem es gerade in seiner Eigenart negiert wird. Dieses Bestreben betrifft heute viele Minoritäten. Schwule können also Ehen führen wie alle anderen auch? Umso schlimmer, wenn sie diesem Bild nicht entsprechen wollen. Schwerbehindert? Auch dieser Begriff kann Unlustgefühle auslösen und wird auf Wunsch in "Schwer-in-Ordnung" abgeändert.

Auch das Thema Obdachlose ist mit größter Delikatesse zu behandeln. Tipp: allgemein beklagen, problematische Details ausblenden. Der Grüne Stephan von Dassel wäre niemals Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte geworden, hätte seine politische Basis vorher geahnt, er würde im Amt kein Blatt vor den Mund nehmen und offen über Missstände im Tiergarten oder am Hauptbahnhof reden, so wie seine Mitarbeiter sie ihm schildern.

Ich finde, wir können nicht nur als Autoren, sondern auch als Sprechende und Denkende gar nicht vorsichtig genug sein. Man kann das immer noch weiter treiben. Aus mongoloid wurde Down-Syndrom. Down? Unglückliche Wortwahl, löst negative Assoziationen aus.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

Ciconia

Mitglied
Ja, Arno, das ist eine gute Idee! Was habe ich auch schon alles falsch gemacht: Ich schrieb unter anderem über

- eine junge Frau, die über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenkt
- ein Kind, das im Krankenhaus im Sterben liegt
- eine Frau, die sich erdreistet, mit ihrem Auto zwei junge Schnösel auszutricksen
- einen Chef, der nicht halb so fein ist, wie er gerne sein möchte
- oder gar einen etwas heruntergekommenen Mann an einer Bushaltestelle
- oder - die Krönung! - ein Gedicht über eine ganze Familie, die sich an Heiligabend dem Alkohol hingibt.

Alles so lebensfremd, so völlig neben der heilen Welt liegend! Welch eine Zumutung für die Leser. Ich werde in mich gehen. Vielleicht schreibe ich demnächst mal eine Arztgeschichte („Dr. Winter, der Arzt mit den sanften Händen“ – ist das schon eine Wertung?), natürlich aus neutraler Erzählperspektive und nachdem ich das mir schon vor langer Zeit einmal empfohlene, 800 Seiten starke Werk „Grundlagen und Techniken der Schreibkunst“ zu Gemüte geführt habe.

Ich kann über die gegen diesen Text gelieferten Einwände nur noch den Kopf schütteln – und ich danke Dir, lieber Arno, für Deinen sarkastischen Beitrag. Er zeigt mir, dass ich noch nicht an allen vorbei schreibe.

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

deine Sicht als Autor/in auf den Text verstehe ich. Ich versuche, dir meinen persönlichen Eindruck als Leser zu vermitteln, weil mich der Text grundsätzlich interessiert hat (dabei folge ich keinem „LeLu-Schema“; diese Aussage von dir verstehe ich nicht).

Wenn ich beim Lesen deines Textes sofort auf der „richtigen Fährte“ gewesen wäre, wenn ich die angedeuteten Down-Syndrom-Merkmale richtig eingeordnet hätte, wenn ich mich nicht von den Zahnbürsten (ob zwei oder drei ist wohl nicht so relevant) hätte ablenken lassen, hätte mich die Geschichte (bzw. der eingefangene Moment) vielleicht auch gefangen, mich (wie dich) im positiven Sinne zum Nachdenken veranlasst und ich hätte den Text vielleicht ebenfalls gut bewertet. Nun bin ich aber wie beschrieben, gedanklich mehrmals „hängen“ geblieben. Dabei habe ich kein Problem mit der teils etwas wertenden Wortwahl. Ich hatte schlicht nicht das Gefühl, neben der/dem Prot zu stehen und die Situation „an der Supermarktkasse“ zu beobachten. Woran liegt das? Vielleicht bin ich ein unaufmerksamer, zu schneller und/oder unwissender Leser. Vielleicht ist der Text aber auch so geschrieben, dass er nicht jede/n (mich eingeschlossen) mitnimmt. Falls Letzteres der Fall sein sollte, kannst du gerne sagen, dass du schreibst und veröffentlichst, weil es dir Spaß macht und nicht weil alle Leser/innen deine Texte verstehen sollen. Falls dir aber auch eine breite Leserschaft Freude bereitet, ... nun ja, mach es, wie du magst. Meinen Leseeindruck habe ich dir geschildert. Er hat sich auch nach mehrfachem Lesen und Hilfestellungen nicht verändert.

Freut mich, dass du in der Bestenliste oben stehst - Lesen ist und bleibt eben ein absolut demokratischer Vorgang!

Auf bald,
MicM
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

Ich habe gesehen, dass du wenige Minuten vor meiner Antwort selbst einen Kommentar eingestellt hast. Da du ihn pauschal gehalten hast, ist unklar, ob du mich als einen deiner „Kritiker“ damit ebenfalls indirekt angesprochen hast. Davon unabhängig, wirkt dieser Kommentar auf mich sehr arrogant.

Bis zu diesem Punkt fand ich deinen Text und die Diskussion hierzu sehr interessant. Genau darum soll es in der LeLu ja gehen. Jetzt bin ich raus und werde mich wohl auch zukünftig von deinen Texten fern halten.

Ich bin versucht, auf deinen letzten Kommentar zu antworten: Wenn du kontroverse Themen magst, schreib doch mal was über
[ 4]- die Autorin, die keine Kritik erträgt.

Das führt nur leider nirgendwo hin. Schade.

MicM
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

ich glaube, Du hast überhaupt keinen Grund für Deine Empörung: Wo hast Du denn Kritik geäußert? Du hast mehrere „Spontane Leseeindrücke“ hinterlassen, aus denen ersichtlich wurde, dass Du erstens nicht genau gelesen und zweitens wesentliche Dinge u. a. mangels Unkenntnis des Krankheitsbildes nicht erkannt hattest. Du hast ferner Szenen falsch interpretiert, weil Du Dich angeblich nicht hineinfühlen konntest und „gedanklich mehrmals hängengeblieben“ bist. Für die Unkonzentriertheit der Leser kann ein Autor gewöhnlich nichts, denn die kleine Szene ist in klarer und deutlicher Sprache geschildert und bietet meines Erachtens keinerlei Grund zum Hängenbleiben. Ich fürchte fast, dass Du meinen letzten Kommentar auch nicht recht verstanden hast.

Deshalb: Ich finde Deinen Vorschlag gut, Dich künftig von meinen Texten fernzuhalten.

Gruß Ciconia
 

FrankK

Mitglied
Hallo Ciconia
Ich bin lange um deinen Text „herumgeschlichen“, nicht, weil ich mit diesem kleinen Kunststück nichts anzufangen wusste.
Erlaube mir im Vorfeld den Versuch, eine Brücke über alle beteiligten Diskutanten zu schlagen:
Jeder weiß etwas beizutragen, das den Text in die eine oder andere Richtung voranbringen könnte. Überwiegend geht es darum, aus der kurzen Szenenfolge etwas vermeintlich „Richtiges“ zu machen, eine Kurzgeschichte, eine Kurzerzählung oder eine Short-Shortstory.

Grundsätzlich
Manchmal ist es deutlich einfacher, einen langen Text zu schreiben. Der Verfasser / die Verfasserin kann umfangreicher die Figuren und die Situation schildern, die Umstände darlegen, den Ursprung beschreiben. Je kürzer eine Geschichte ist, um so mehr bewusste Lücken enthält sie. Lücken, die vom Leser mit seinen eigenen Erfahrungswerten gefüllt werden. Dies bedeutet aber, das jeder Leser (jede Leserin) mit anderem Grundwissen und anderen Erfahrungen diesen Text auch anders interpretiert.
Anders formuliert – ein kurzer Text markiert nur Eckpfeiler, an denen sich der Inhalt des Textes entlanghangelt. Der Raum zwischen den Eckpfeilern muss von den Lesern gefüllt werden.
Wir sind auf der Leselupe im Forum „Kurzprosa“. Das ist hier etwas anders definiert als in der üblichen Literaturwelt, liebe SilberneDelfine. Diesbezüglich hatten wir ja schon einmal die Diskussion, die Kurzprosa hier ist nicht mit den Short-Shortstories aus dem Creativ-Writing zu vergleichen. Hier auf der Leselupe genügt für die Kurzprosa schon eine einzelne Szene, ein Gedankengang, eine Momentaufnahme einer Situation (danke Arno, an so etwas hatte ich noch gar nicht gedacht). Ich empfinde diese Rubrik fast schon als so eine Art „Königsdisziplin“ in Punkto kürze und Verständlichkeit.
Hier muss ich jetzt für MicM eine Lanze brechen – wenn er Verwirrt auf den Einstieg in dieses Stück reagiert, könnte es auch daran liegen, dass er noch nie mit Menschen mit Down-Syndrom zu tun hatte. Hier hätte bereits zu Beginn deutlicher darauf hingewiesen werden können – ist aber andererseits eine aufhellende Wendung zum Schluss der Situationskombination.
Dieses Stück ist etwas mehr als eine Szene. Wir finden hier die ausführliche Szene an der Kasse und eine Endszene auf dem Parkplatz.
Blumenberg kritisierte unter anderem die relativ oberflächliche Darstellung und Charakterisierung der Nebendarsteller (Kundin, Kassiererin), da hat er anscheinend die Form „Kurzprosa“ außer acht gelassen. Als Verfasser (als Verfasserin) könnte ich in dieser Form faktisch einmal ausprobieren, ob die Szene „an sich“ überhaupt funktioniert. Einen Figurenaufbau könnte ich immer noch betreiben, so es denn eine andere Form als „LL-Kurzprosa“ werden sollte. Sein Argument mit dem Schluss des Stückes greife ich später selbst noch einmal auf. Mit „Wertung“ hat er meines Erachtens recht.

Warum kommentiere ich so spät?
Das hat mit der eigenen Erfahrung zu tun, ich musste in Gedanken diese Szene erst mehrfach durchspielen, bevor ich mich mit der geschilderten Situation anfreunden konnte. Aus eigener Erfahrung hätte ich gesagt: „Das wäre bei uns im Supermarkt (wo ich arbeite) in dieser Form nicht passiert!“
Kurz erklärt:
Seit 5 Jahren beliefere ich wöchentlich die Außenwohngruppe (AWG) der Lebenshilfe mit Lebensmitteln und Getränken. In diesem Haus leben 8 Menschen mit einem Handicap, davon 3 mit dem Down-Syndrom. Insofern habe ich die „Kundin“ sofort identifiziert. In der Regel wissen auch diese Leute, sich „vernünftig“ anzuziehen, ich hatte einen „Negativ-Reflex“ bezüglich eines scheinbar geschilderten Vorurteils und Klischees im Bauch, auch dies gefiel mir zunächst nicht, deswegen musste ich abwarten; hat sich ja dann auch aufgelöst.
Diese Leute aus der Außenwohngruppe kommen auch regelmäßig selbst zum einkaufen, selten mehr als drei oder vier Leutchen, aber immer(!) in Begleitung von mindestens einer Betreuerin / einem Betreuer, manchmal auch zwei. Das hat unter anderem einen Versicherungstechnischen Grund. In Abhängigkeit des gesetzlichen Status stehen manche der Bewohner der AWG unter einem gesetzlichen Vormund. Dies bedeutet, sie dürfen (offiziell) gar nicht selbst Geschäfte tätigen. Bis zu einem bestimmten Betrag (Taschengeld) wird es geduldet. Das Hauptproblem ist aber tatsächlich ein Versicherungsrisiko. Wenn einer dieser Bewohner vielleicht ein Glas Würstchen aus dem Regal nehmen möchte und dabei ein oder mehrere andere Gläser umstößt ... alleine durch das Geklapper und Geklimper könnte er sich erschrecken, weglaufen und noch mehr umstoßen ...
Ich schätze, sobald die Schadenssumme so drei- vierhundert Euro erreicht, kommt die Frage auf: „Wieso waren die überhaupt im Geschäft?“
Aber auch das habe ich heruntergeschluckt, das spielt für dein Werk keine Rolle.
Die Kassiererin muss an der Kasse sitzen. Sie hat Geld im Kassenfach. Sie kann (und darf!) nicht einfach aufstehen und für die Kundin etwas anderes hohlen. Allerdings – und auch dafür brauchte ich Zeit – haben die Kassiererinnen in unserem Supermarkt die Möglichkeit, noch jemanden herbeizurufen, der sich dann um das „Problem“ kümmert. Hinzu kommt die Tatsache, dass unser Personal mit den Bewohnern der AWG vertraut ist. Die Leute kommen seit Jahren in das Geschäft. Man kennt sich. Auch diese beiden Punkte spielten für deine Geschichte keine Rolle, weil deine Szene ja ganz anders aufgebaut war.
Trotzdem musste ich das erst einmal verdauen und beiseite legen, um mit einem unbefangenen Blick auf dein Werk schauen zu können. Und dies folgt nun:

Analyse
Da es sich nicht um eine vollständige Geschichte sondern nur um eine verkürzte Szenenabfolge handelt, gibt es hier keinen verwertbaren Plot oder gar eine Prämisse.
Der Kern der Situation könnte mit „Die Beobachtung“ umschrieben werden.

Szene 1:
An der Kasse, die Ich-Erzählerin (im folgenden IE), die Kundin, die Kassiererin und eine nebulöse mögliche andere Kundenschar.
Eine Kundin möchte etwas kaufen, hat scheinbar das falsche (zu teuer) erwischt. Die Szene steigert sich, als die Kundin nicht genug Geld dabei hat.

Szene 2:
Auf dem Parkplatz, die IE und ein Klein-Bus voller Menschen, darunter die Kundin
Nachbetrachtung der Szene durch die IE und Ausklang.


Das war es eigentlich, ich müsste jetzt ins Detail gehen. Dazu brauche ich aber leider – bitte nicht erschrecken – ein klein wenig Theorie des Schreibens. Hier die bereits erwähnte Theorie zur sogenannten „Erzählperspektive“. Ich mache es auch ganz kurz, gar nicht all zu viele Feinheiten.
Es gibt insgesamt vier Erzählperspektiven, basierend auf zwei Grundelementen.
Hier erzählst du aus der sogenannten „personal auktorialen“ Sicht. Das bedeutet „personenbezogen allwissend“. Hier sogar in der Sonderform „Ich-Erzählerin“, dies eröffnet weitere Möglichkeiten. Man nennt diese (beiden) Form(en) auch den „Personalmodus“.
Dies bedeutet für uns Leser: wir erfahren alles, was diese Person denkt und tut. Vom IE erfahren wir auch alles durch den „persönlichen Wahrnehmungsfilter“ der Figur, hier sind auch persönliche Wertungen in Form von Einschätzungen möglich und zulässig.
Beispiel:

Die Frau [blue](Beobachtung)[/blue] vor mir an der Supermarktkasse [blue](Beobachtung)[/blue] trägt einen grobmaschigen [blue](Beobachtung)[/blue], ärmlich wirkenden [blue](Einschätzung)[/blue] Pullover, der weit über ihre unförmigen [blue](pers. Wertung)[/blue] Hüften hinunter reicht. Ihre Haare wirken ungepflegt [blue](Einschätzung)[/blue], von einer Frisur kann man nicht sprechen[blue](pers. Wertung)[/blue].
Dichter kann man nicht in den Kopf einer IE hineinkriechen.
Werte Ciconia, selbst ohne Kenntnisse von Schreibtheorie hast du hier fast alles richtig gemacht. Diese Darstellung zieht sich durch den ganzen Text, nahezu perfekt und nahezu immer eindeutig. Wenn es mal nicht eindeutig ist (zugunsten einer vereinfachten Schreibweise) lege ich zu deinen Gunsten einfach die richtige Ausdrucksform an. Ist für mich als Leser (und insbesondere als Kritiker) machbar.
Wenn ich mir nun den ganzen Text anschaue, finde ich fast nichts, wo es klemmt. Ein paar winzige Details entdecke ich immer, du kennst mich. ;)

Um jetzt zum Schluss zu kommen, brauche ich noch einmal einen kurzen Ausflug in die Theorie.
Neben der „personal auktorialen“ Sicht (von dir verwendet in der Sonderform Ich-Modus) gibt es drei weitere, von denen die „nonpersonal auktoriale“ Sicht noch zu erwähnen wäre.
Du ahnst es vermutlich, es handelt sich hier um eine „nicht personenbezogene, allwissende“ Perspektive. Sie wird häufig auch als „Gott-Modus“ bezeichnet. Der Erzähler weiß einfach alles, kann jedem in den Kopf schauen und jeden Ort beschreiben. Im Gott-Modus nimmt der Erzähler den Leser an die Hand und legt ihm die Geschichtenwelt zu Füßen. Im Gott-Modus darf der Erzähler den Leser sogar direkt ansprechen.

Kommen wir jetzt zum Schluss, lass dich überraschen:
In der letzten Sitzreihe schaut eine [blue](Beobachtung)[/blue] traurige [blue](pers. Wertung)[/blue] junge Frau [blue](Beobachtung)[/blue], die immer noch wie ein Mädchen aussieht [blue](Beobachtung)[/blue], still [blue](Einschätzung)[/blue] aus dem Fenster. Ihre Augen wirken leer [blue](Einschätzung)[/blue]. Man hat ihr heute mehr zugetraut [red](allwissende Einschätzung)[/red], als sie bewältigen konnte[red](allwissende Wertung)[/red].
Der letzte Satz mit den roten Markierungen kann in seiner konkreten Darstellung nicht in dieser Form von einer IE stammen, dass kann sie einfach nicht wissen. Der letzte Satz muss relativiert werden, damit es zu einer „Einschätzung“ der IE wird und daraus ihre „persönliche Wertung“ erfolgt. Beispiel:
„Man hat ihr heute anscheinend mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.“

In der reinen Schreibtheorie formuliert:
Mit dem letzten Satz hast du einen massiven Bruch in der Erzählperspektive. Du wechselst vom Personal-Modus in den Gott-Modus.

Warum habe ich mich jetzt so ausführlich dazu ausgelassen? Damit du siehst, das selbst jene, die sich nicht mit der Theorie des Schreibens beschäftigen, es theoretisch doch fast vollständig richtig machen.
Randbemerkung, um es zusätzlich zu verdeutlichen:
Der Wahrnehmungsfilter der IE führt bei der IE zu einer persönlichen Wertung, diese Wertung ist für die Leser aber nicht verbindlich, die Leser können sich ein eigenes Urteil bilden.
Anders sieht es im Gott-Modus aus. Da werden Fakten (im Rahmen der Geschichte) dargestellt, die Leser müssen das so hinnehmen.


Noch ein paar Details:
Die Frau vor mir an der Supermarktkasse trägt einen grobmaschigen, ärmlich [blue]wirkenden[/blue] Pullover, der weit über ihre unförmigen Hüften hinunter reicht. Ihre Haare [blue]wirken[/blue] ungepflegt, [blue]von einer Frisur kann man nicht sprechen[/blue].
den „wirkenden“ könnte sich durch ein „erscheinenden“ ersetzen lassen. Die Relativierungen bei den Einschätzungen sind nicht immer leicht zu handhaben, damit die Erzählperspektive erhalten bleibt.
„Von einer Frisur kann man ...“ ist zum Beispiel so ein Grenzfall, wo es mal nicht eindeutig ist (zugunsten einer vereinfachten Schreibweise). Hier lege ich zu deinen Gunsten einfach die richtige Ausdrucksform an.
Schreibtheorie: Die IE verwendet hier ihren persönlichen Maßstab als allgemeinen Maßstab (allgemeingültig) an. Korrekter im Sinne der Perspektive müsste der Satz so lauten:
„Ihre Haare wirken ungepflegt, als Frisur kann ich das nicht bezeichnen.“
Vom Klang ist das etwas sperrig, vom Klang würde ich die Originalform beibehalten.

Während ich meinen Einkauf aufs Band lege, höre ich die Kassiererin sagen:
„Neunundzwanzig Euro vierundneunzig macht das dann.“
Vor dem Beginn der direkten Rede ist kein Zeilenwechsel erforderlich.

„Das wird nicht reichen[red]“.[/red]
Korrektur: Der Punkt innerhalb der direkten Rede.

Tja, das war es. Mehr ist mir nicht aufgefallen.


Fazit:
Eine interessante Situation, die Ich-Perspektive ließ mich einmal miterleben, wie die Wahrnehmung und Wertung anderer Menschen aussehen könnte. Dazu musste ich erst selbst genügend Abstand gewinnen.
Ich hoffe, ich habe dich mit meinen Ausführungen nicht all zu sehr gelangweilt.


Aufmunternde Grüße
Frank
 

Ciconia

Mitglied
Die Frau vor mir an der Supermarktkasse trägt einen grobmaschigen, ärmlich wirkenden Pullover, der weit über ihre unförmigen Hüften hinunter reicht. Ihre Haare wirken ungepflegt, von einer Frisur kann man nicht sprechen. Während ich meinen Einkauf aufs Band lege, höre ich die Kassiererin sagen:
„Neunundzwanzig Euro vierundneunzig macht das dann.“
Die Kundin, die sich nun der Kassiererin zuwendet, ist eigentlich mehr ein Mädchen als eine Frau. Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches. Sie kramt hektisch in ihrer kleinen Geldbörse, legt eine Münze nach der anderen auf das Band. Die hübsche junge Kassiererin, deren gepflegtes Äußeres einen fast schmerzlichen Kontrast zum Aussehen der Kundin bildet, wartet geduldig.
„Soll ich Ihnen vielleicht helfen?“, fragt sie schließlich freundlich.
Das Mädchen schüttet verzweifelt den gesamten Inhalt seines Portemonnaies aus. Ich überschlage kurz: maximal zehn Euro werden das sein. Die Kassiererin zählt, die Kundin starrt hilflos auf das Geschehen.
„Das wird nicht reichen."
„Dann eine!“
Erst jetzt sehe ich, was die junge Frau kaufen will: Zwei Packungen Ersatzzahnbürsten für eine elektrische Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta.
„Eine kostet dreizehnachtundneunzig, das reicht leider auch nicht“, antwortet die Kassiererin gelassen.
„Eine!“, ruft das Mädchen fast flehend und mit zunehmender Verzweiflung in der Stimme.
„Wissen Sie was“, schlägt die Kassiererin vor, „Sie lassen einfach die Zahnbürsten hier und nehmen nur die Zahnpasta. Einverstanden?“
Ich bewundere die junge Hübsche für ihre einfühlsame Art. Sie zählt die Münzen für die Zahnpasta ab, verstaut rasch das restliche Geld in der kleinen Geldbörse und drückt alles der Kundin in die Hand.
„Einen schönen Tag noch!“
Das Gesicht des Mädchens unter den zotteligen Haaren zeigt keine Regung. Sie nimmt die Situation hin, wie sie vielleicht schon viele in ihrem Leben hat hinnehmen müssen – verständnislos. Mit leicht gesenktem Kopf und hängenden Schultern trottet sie Richtung Ausgang.

Es geht zügig weiter an der Kasse, ich zahle schnell und merke plötzlich, wie selbstverständlich uns Dinge scheinen, die einem behinderten Menschen so große Probleme bereiten können. Als ich meinen Einkaufskorb auf dem Parkplatz ins Auto hebe, schiebt sich langsam ein kleiner roter Bus aus der Parkbucht gegenüber. Er trägt die Aufschrift „Sozialtherapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft Hof Gutsmann“. Unter den Fahrgästen herrscht anscheinend eine gute Stimmung, zwei Männer mit kindlichen Gesichtern albern herum und winken. Richtig, die habe ich vorhin am Zeitschriftenstand gesehen, wie sie eine Illustrierte nach der anderen aus den Regalen zogen und sich köstlich über die bunten Bilder amüsierten.

In der letzten Sitzreihe schaut eine traurige junge Frau, die immer noch wie ein Mädchen aussieht, still aus dem Fenster. Ihre Augen wirken leer. Man hat ihr heute wahrscheinlich mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Frank,

herzlichen Dank für Deinen ausführlichen und fairen Kommentar.
selbst ohne Kenntnisse von Schreibtheorie
Da musste ich erst einmal ein wenig schlucken. Es ist ja nicht so, dass ich nichts über Erzählperspektiven oder andere theoretische Grundlagen des Schreibens wüsste – erst vor einigen Monaten gab es hier eine Diskussion über eine Kurzprosa, die ich in der Du-Form geschrieben hatte, was auch nicht bei allen Leser gut ankam. Ich experimentiere durchaus immer mal wieder, manchmal schreibe ich eine Geschichte komplett um, weil mir die neutrale Beobachterposition nicht mehr gefällt und ich meine, dass ich in der Ich-Form näher dran bin am Geschehen. Ich selbst sehe auch kein Problem darin, dass dabei auch mal gewertet werden darf, da entferne ich mich auch gerne mal von der Theorie.

Der letzte Satz scheint hierbei ja besonders aufzustoßen. Ich hatte bereits vorgestern vorgeschlagen, ihn abzuändern. Dies habe ich nun getan.
Vor dem Beginn der direkten Rede ist kein Zeilenwechsel erforderlich.
Mir hat mal eine Redakteurin gesagt, bei einer wörtlichen Rede sollte man immer einen Zeilenwechsel vornehmen. Das Pünktchen habe ich selbstverständlich korrigiert. ;)

Damit möchte ich diese Geschichte eigentlich ruhen lassen. Endlosdiskussionen habe ich in den letzten Jahren zur Genüge ertragen müssen, das weißt Du, Frank, am besten. Und an diejenigen, die mir immer noch einen Schreibkurs oder ein Handbuch über kreatives Schreiben empfehlen möchten, die Frage: Würdet Ihr Eurer 70-jährigen Oma, die seit Jahrzehnten gerne und gut näht oder strickt, weil sie es schon in der Schule gelernt hat, einen Nähkurs empfehlen, um sich unbedingt noch weiter zu verbessern? Na? Eben! Lasst sie doch einfach nähen, so wie es ihr Spaß macht - weist sie aber dennoch freundlich darauf hin, wenn eine Naht mal komplett schiefgegangen ist.

Nochmals vielen Dank für Deine Mühe, lieber Frank!

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar an MicM von gestern Abend: Es muss natürlich heißen: Mangels [strike][red]Un[/red][/strike]Kenntnis.
 

MicM

Mitglied
Hallo FrankK,

da du dich auch zu mir geäußert hast, möchte ich ausnahmsweise in diesem Thread hierzu etwas in deine Richtung sagen.

Zunächst: eine gute Textanalyse von dir! Und danke, dass du für mich „eine Lanze brichst“! Das ist aber gar nicht nötig. Mir wurde gestern unbekannterweise per Ferndiagnose fast schon eine Psychogramm erstellt, das für sich selbst spricht und mich durchaus amüsiert hat.

Weil du zu mir schreibst: „wenn er verwirrt auf den Einstieg in dieses Stück reagiert, könnte es auch daran liegen, dass er noch nie mit Menschen mit Down-Syndrom zu tun hatte“, einmal kurz zu den Fakten bei der Frage, ob im gesamten ersten Absatz unmissverständlich ein Mensch mit Down-Syndrom beschrieben wird:

Was steht in ersten beiden Sätzen?
Die Frau vor mir an der Supermarktkasse trägt einen grobmaschigen, ärmlich wirkenden Pullover, der weit über ihre unförmigen Hüften hinunter reicht. Ihre Haare wirken ungepflegt, von einer Frisur kann man nicht sprechen.
Ärmlich wirkend, unförmige Hüften, ungepflegte Haare - was hat das mit DS zu tun? Das ist sehr unspezifisch; diese Beschreibung trifft (leider) auf Millionen Menschen zu.

Dann die Sätze vier und fünf - was steht da?
Die Kundin, die sich nun der Kassiererin zuwendet, ist eigentlich mehr ein Mädchen als eine Frau. Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches.
Mädchen, kugelrundes rotes Gesicht, mandelförmige Augen, kindlich - klar, das kann DS sein. Das kann genauso gut eine angetrunkene Chinesin oder eine schwitzende Inuk sein (nirgendwo steht, dass wir uns in Deutschland befinden; und selbst in Deutschland gibt es in gewissen Städten/Stadtteilen viele Ethnien). Doch braucht man gar nicht in die Ferne schweifen; man schlage in diesen Tagen nur die Zeitung auf und schaue sich ein Foto von Verena Bahlsen an, dann sieht man, wie alltäglich der hier beschriebene Phänotyp ist.

Testfrage: Was ist rosa und steht auf einem Bein? Richtig, mein neuer Barhocker, steht hier vor mir; ist doch eindeutig ...;)

Und ganz grundsätzlich denke ich: Statt einem unbekannten Leser mangelnde Kenntnisse zu unterstellen, hielte ich es für angebracht, die (fehlende) Distanz zum eigenen Text zu überprüfen.

Freue mich auf deine Analysen an anderer Stelle, FrankK.
Auf bald,
MicM
 
Wir sind auf der Leselupe im Forum „Kurzprosa“. Das ist hier etwas anders definiert als in der üblichen Literaturwelt, liebe SilberneDelfine. Diesbezüglich hatten wir ja schon einmal die Diskussion, die Kurzprosa hier ist nicht mit den Short-Shortstories aus dem Creativ-Writing zu vergleichen. Hier auf der Leselupe genügt für die Kurzprosa schon eine einzelne Szene, ein Gedankengang, eine Momentaufnahme einer Situation (danke Arno, an so etwas hatte ich noch gar nicht gedacht)
Hallo Frankk,

ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was du mir hier vorwirfst. Ich habe hier keine Maßstäbe angelegt, ob diese Geschichte Kurzprosa ist oder nicht, sondern nur angeregt, dass man Sachen, die man selbst erlebt hat, nicht unbedingt genauso darstellen muss und dabei auf das Buch verwiesen, wo ich das her habe - zudem war der Vorschlag in Zusammenhang mit einem Kritikpunkt von Blumenberg verbunden. Ich habe ihn nicht einfach so in den Raum geworfen.

Auch in den Regeln im Forum habe ich hier keinen Widerspruch zu creative writing gefunden.

Auch da

genügt für die Kurzprosa schon eine einzelne Szene, ein Gedankengang, eine Momentaufnahme einer Situation

Habe zwar unsere Diskussion nicht mehr genau im Kopf, aber ich habe, soweit ich weiß, weder hier wie da bestritten, dass Kurzprosa eine Momentaufnahme sein kann.

LG SilberneDelfine
 

FrankK

Mitglied
Hallo Ciconia
selbst ohne Kenntnisse von Schreibtheorie
klingt im Abgang etwas herb, entschuldige.
Ich wollte damit durchaus deine Fähigkeiten anerkennen.

... nicht bei allen Leser gut ankam ...
Wenn du versuchst, einen Text für alle Leser zu schreiben - hast du mindestens einen dabei vergessen: Dich selbst.

Experimentieren mit Perspektiven - völlig in Ordung.
Eine "Du-Ansprache" ist gewöhnungsbedürftig. Ich weiß gar nicht mehr, warum ich mich aus der Debatte herausgehalten hatte.

Die Änderung des letzten Satzes rückt die Aussage nun in die Perspektive der Ich-Erzählerin. So (finde ich) ist es besser.

Mir hat mal eine Redakteurin gesagt, bei einer wörtlichen Rede sollte man immer einen Zeilenwechsel vornehmen.
Das ist so pauschal falsch.
Die "Inquit-Formel" (Er sagte: / Sie sagte: ), also die "Einleitung einer wörtlichen Rede mitsamt Doppelpunkt" gehört zur wörtlichen Rede selbst.

Dieses Problem wird hier nicht so deutlich, weil das erste Wort innerhalb der direkten Rede auf Grund seiner Länge vom System in die nächste Zeile umgebrochen wird.

Zeilenwechsel sollte man vornehmen wenn die Dialogfiguren wechseln.

Irgendwo bin ich sogar einmal über die Aussage gestolpert, das eine mit Inquit-Formel eingeleitete wörtliche Rede nur einen (1) Satz umfassen darf. Dafür habe ich aber nichts im Regelwerk gefunden.


Alles Gute und einen schönen Abend
Frank



Hallo MicM
Verena B. passt nicht in das Schema, sie hat andere Augen.

Du hast einen einbeinigen, rosa Barhocker? :cool: Wo kriegt man sowas?

By the Way - das die Geschichte in Deutschland spielte, habe ich unterschwellig vorausgesetzt. ;)


Schönen Abend noch
Frank



Hallo SilberneDelfine
Als Vorwurf war das ganz bestimmt nicht gedacht.
Erinnerst du dich nicht mehr an die Diskussion? Ich fand sie sehr fruchtbar. Es ging unter anderem um die Frage, inwieweit Analysetechniken für einen Roman auf Kurzgeschichten und Kurzprosa (im Sinne von Short-Shortstories) angewendet werden könnten. Auch ging es um die Unterscheidungskriterien zwischen den einzelnen Genres.
Ich war auf deinen längeren Kommentar (14.05.2019 07:09) hereingefallen, da sprachst du mehrfach von "Geschichten".
Irgendwie hatte ich das verdreht zu "da sollte eine richtige Geschichte draus werden" - ich sollte es mir abgewöhnen, abends auf der Arbeit am Handy Kommentare über mehrere Seiten zu verfolgen und erste Antworten zu verfassen ...

Entschuldige Bitte und
auch dir noch einen schönen Abend
Frank
 
Hallo Frankk,

doch, natürlich erinnere ich mich noch an die Diskussion, die ich ebenso sehr interessant fand, habe sie aber nicht mehr auf Anhieb gefunden und hatte nicht mehr alles im Kopf. Inzwischen weiß ich wo sie ist :)

Entschuldigung angenommen, alles okay.

Dir auch einen schönen Abend! :)

LG SilberneDelfine
 

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