An der Supermarktkasse

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Ciconia

Mitglied
Hallo Frank,

danke für Deinen Hinweis auf die Inquit-Regelung - diese Unterscheidung war mir nicht bekannt. Wieder was dazugelernt! ;)

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo FrankK,

wieso passt Verena B. nicht ins Schema? Kann es sein, dass sich in deinem Kopf bereits zu sehr das Bild eines Menschen mit DS verfestigt hat? Versuche den Text mal unbefangen zu lesen; dort heißt es „mandelförmige Augen“ (noch nicht einmal „Mandelaugen“) - das trifft auf sehr viele unterschiedliche Frauen zu. Folgendes Textbeispiel:

„Schon als Kind war ich in Bahlsen-Kekse vernarrt. Als ich heute die Zeitung aufschlug, habe ich mich erneut in sie verliebt. Genau genommen in Verena Bahlsen, die Erbin des Keks-Konzerns, die in die Schlagzeilen geraten war. Sie war in etwa mein Alter. Bei dem Zeitungsartikel war ein Foto von ihr abgedruckt. [blue]Eigentlich mehr ein Mädchen als eine Frau. Ihr kugelrundes rotes Gesicht mit den mandelförmigen Augen verleiht ihr etwas Kindliches. [/blue]Und dann noch die Grübchen und die Sommersprossen. Ich war sofort verknallt. ...“

Dieselben Worte, anderer Kontext – immer noch dasselbe Bild im Kopf?

Auf bald,
MicM
 

FrankK

Mitglied
Ja, MicM
Immer noch dasselbe Bild im Kopf. Aber ich möchte einräumen, dass es möglicherweise daran liegt, dass ein gewisser "Schalter" bei mir sozusagen eingerastet ist.
Ob dieser aus dem eigenen Erfahrungsschatz kam oder aus der Erkenntnis nach der ersten Lesung bei mir eingerastet ist wage ich heute nicht mehr mit Sicherheit zu beurteilen.
Ich glaube aber immer noch, dass die Beschreibung ausreicht, um die Figur zu erkennen (als eine Figur mit DS).

Ich wünsche dir einen erfolgreichen Start in die neue Woche
Grüßend
Frank
 

MicM

Mitglied
Okay, FrankK, ich hab‘s versucht... ;)

Zum Abschluss nur noch einmal zur Klarstellung: die Merkmale vom DS wurden in den Sätzen 4 und 5 auch aus meiner Sicht zutreffend beschrieben. Nur eben nicht in einer so eindeutigen Weise, dass es nur DS hätte sein können. Und da für mich die ersten Sätze nach wie vor gar nicht nach DS klingen, sondern nach Pennerin, Hartz 4 oder ähnliches, wird für mich beim ersten Lesen kein klares Bild daraus. Ich verstehe auch nicht (literarisch betrachtet), warum nur am Ende im zweiten Absatz explizit vom behinderten Menschen geschrieben wird. Aber gut, wir sollten den Text wohl langsam ruhen lassen.

Dir ebenfalls einen guten Start in die Woche.
Auf bald,
MicM
 

Label

Mitglied
die Merkmale vom DS wurden in den Sätzen 4 und 5 auch aus meiner Sicht zutreffend beschrieben. Nur eben nicht in einer so eindeutigen Weise, dass es nur DS hätte sein können.

und wenn man das
kramt hektisch in ihrer kleinen Geldbörse, legt eine Münze nach der anderen auf das Band
und das
die Kundin starrt hilflos auf das Geschehen
mit einbezieht, wird sich jemanden der auch nur ein weniges über DS Menschen weiß, dieser Rückschluß geradezu aufdrängen.
Jedenfalls ging es mir so.
 

Willibald

Mitglied
Nun, der letzte Satz ist auch perspektiventechnisch in Ordnung. Gerade weil eine Ich-Erzählerin/ein Ich-Erzähler am Werk ist, wird dieser Satz nicht einem gottgleichen, allwissenden Ich zugeordnet. Vielmehr ist das zu lesen als die Conclusio aus den vielen Beobachtungen vorher, eine stimmige Conclusio meine ich. Ein Zusatz wie "wohl", "wahrscheinlich" oder ähnliches ist daher nicht nötig. Aber auch nicht störend.
Mir scheint es eher erfreulich, dass hier ein Satz formuliert wird, der dem Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess des aufmerksamen Lesers entspricht.
Abgesehen davon, ich finde es durchaus auch erfreulich, wenn FrankK Erzähltechnisches anreisst.
Beste Grüße
ww
 

Willibald

Mitglied
Salute!

Man hat ihr heute mehr zugetraut, als sie bewältigen konnte.
Nun, der/dieser letzte Satz aus den vorigen Fassungenist auch perspektiventechnisch in Ordnung.

Gerade weil eine Ich-Erzählerin/ein Ich-Erzähler am Werk ist, wird dieser Satz nicht einem gottgleichen, allwissenden Ich zugeordnet. Vielmehr ist das zu lesen als die Conclusio aus den vielen Beobachtungen vorher, eine stimmige Conclusio meine ich.

Ein Zusatz wie "wohl", "wahrscheinlich" oder ähnliches ist daher nicht nötig. Aber auch nicht störend.

Mir scheint es eher erfreulich, dass hier ein Satz formuliert wird, der dem Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess des aufmerksamen Lesers entspricht.

Abgesehen davon, ich finde es durchaus auch erfreulich, wenn FrankK Erzähltechnisches anreisst.
Beste Grüße
ww
 
Danke, Willibald, für die zutreffende Analyse der speziellen Formulierung und ihrer Stellung im Text von Ciconia. Nicht selten ist mir das auch begegnet: Ein, wie ich dachte, konkludenter Ausdruck genügt dem Leser nicht, er will es überdeutlich formuliert haben. Das geht jedoch häufig zu Lasten der Flüssigkeit und anderer Qualitäten des Textes. Meistens sperre ich mich dann. Wir schreiben hier belletristische Prosa, keine Gesetzesartikel, die jeder denkbaren Auslegung durch Gerichte standzuhalten haben.

Gut, dass du einmal diese beiden Aspekte ansprichst: Aufmerksamkeit und Erkenntnisfähigkeit des Lesers. Es soll ja neuere Untersuchungen geben, wonach das Leseverständnis in jüngerer Zeit im Durchschnitt abgenommen hat.

Schönen Morgengruß
Arno Abendschön
 

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