An einem Abend

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blackout

Mitglied
Nur irgendwo knarrt eine Tür im Hause.
Von Nachbarns hört man Stimmen durch die Wände.
Ansonsten macht die Welt jetzt eine Pause.

Ach, sehr viel Zeit lässt sich der Abend heute.
Und nichts geschieht. Man könnte bloß noch heulen.
Die dumme Stille kriecht mir in die Häute.

Der Abend lässt mich an so vieles denken.
Das bisschen Glück? Es ist wie nie gewesen.
Manch Ärger nistet noch in den Gelenken.

Nur dies und das, die stille Zeit vertreiben.
Ich hör die Autos über Dämme rauschen.
Und immer trommelt Regen an die Scheiben.
 
Hallo blackout,

elegisch gereihte Zeilen, dazu gut gelungene Wendungen/Bilder wie Ärger, der in Gelenken nistet und Stille, die in Häute kriecht - das ist jetzt zwar nichts, was man so oder ähnlich noch nie gelesen hätte, aber es ist etwas, das diese Stimmung, diesen schwebenden Stillstand dennoch frisch, treffend und gelungen dar- und herstellt, also gefällt. Jedenfalls mir.

Aber es findet sich leider auch ein arger Patzer: heute / Häute geht gar nicht! (Natürlich geht so etwas dennoch, aber nur, wenn man etwa einen hilflos- naiven Dichter karikieren will.) Pure Reimnot kann es auch nicht gewesen sein, denn auf "heute" gibt's ja nun genug Reime.

Als weiterer, nicht ganz so schlimmer Schnitzer erscheint mir "Nachbarns". Das ist eine familiäre, bescheiden witzige und abgenutze Wendung, mit Anklang an die Kinderspache. Das passt hier gar nicht. ("Warum durfte Adam den Apfel nicht essen?" - "Gottens wollten den einmachen.")

Und schließlich ist auch der letzte Satz für mich änderungswürdig. Dieses "Und immer ..." lässt die kleine, aber feine Stimmungs- und Befindlichkeitsdarstellung unvermutet und unvermittelt parabelhaft abheben, ja geradezu pathetisch ins Allgemein- und Ewiggültige aufsteigen. Das ist was anderes, als mir der ganze Rest des Gedichtes sagt.

Grüße, Binsenbrecher
 

blackout

Mitglied
Hm, heute-Häute habe ich trotzdem gemacht, obwohl ich wusste, es geht eigentlich nicht. Aber ich fand das Bild ganz annehmbar. Werde ich ändern, hast ja recht.

"Nachbarns" würde ich nicht als Patzer sehen. Das ist Berliner Umgangssprache des durchaus "gebildeten" Berliners, die ich bewusst eingesetzt habe. Das ist so ein bisschen schnodderig, freundlich-distanziert. Und da ist es egal, ob man vielleicht schon mit den Nachbarn Geburtstag gefeiert oder am Biertisch gesessen hat - Nachbarn sind Nachbarns.

"Und immer" gehört auch in die Berliner Umgangssprache. Auch das ist so eine Berliner Übertreibung mit dem Hang zum Größenwahn. Nie regnet es jetzt, sondern "immer", auch dann, wenn es höchstens alle vier Wochen regnet. Der Berliner sagt eben immer "immer", wenn er einmal meint. Damit wollte ich der trüben Stimmung am Schluss einen verzweifelt-komischen Seufzer beigeben. Dass du das als pathetisch empfindest, finde ich lustig.

Daran habe ich beim Schreiben überhaupt nicht gedacht, dass nicht alle Leute Berliner sind, die diese "Feinheiten" nicht verstehen können. Ich habe aber keinen Dialekt eingesetzt, dann wäre es klar gewesen (obwohl ich schon Dialektgedichte geschrieben habe, du würdest dir die Haare raufen, sofern vorhanden, wenn du einen Berliner so richtig loslegen hörst), ich mag das nämlich nur in Maßen, da, wo es angebracht ist.

Jetzt verrate mir mal, wie man hier ein bereits gepostetes Gedicht noch ändern kann. Kann man es überhaupt?
Ich würde dann die heute-Häute ändern wollen.
Ich dachte an so etwas: "Erst sieben, ob ich nebenan mal läute?"

Hab vielen Dank, Binsenbrecher, vielleicht wird's noch was mit dem Gedicht dank dir.

blackout
 

moja

Mitglied
Liebe Blackout,

unter dem Gedicht und dem Kästchen - Gefällt Ihnen dieses Gedicht...blabla..befindet sich links ein kleines Feld und Zeichen: Bearbeiten.

Schönen Gruß, Moja
 

blackout

Mitglied
Nur irgendwo knarrt eine Tür im Hause.
Von Nachbarns hört man Stimmen durch die Wände.
Ansonsten macht die Welt jetzt eine Pause.

Ach, sehr viel Zeit lässt sich der Abend heute.
Und nichts geschieht. Man könnte bloß noch heulen.
Erst sieben. Ob ich nebenan mal läute?

Der Abend lässt mich an so vieles denken.
Das bisschen Glück? Es ist wie nie gewesen.
Manch Ärger nistet noch in den Gelenken.

Nur dies und das, die stille Zeit vertreiben.
Ich hör die Autos über Dämme rauschen.
Und immer trommelt Regen an die Scheiben.
 

blackout

Mitglied
Nur irgendwo knarrt eine Tür im Hause.
Von Nachbarns hört man Stimmen durch die Wände.
Ansonsten macht die Welt jetzt eine Pause.

Ach, sehr viel Zeit lässt sich der Abend heute.
Und nichts geschieht. Man könnte bloß noch heulen.
Erst sieben. Ob ich nebenan mal läute?

Der Abend lässt mich an so vieles denken.
Das bisschen Glück? Es ist wie nie gewesen.
Manch Ärger nistet noch in den Gelenken.

Nur dies und das, die stille Zeit vertreiben.
Ich hör die Autos über Dämme rauschen.
Und dauernd trommelt Regen an die Scheiben.
 

blackout

Mitglied
Binsenbrecher, du musst ihn ja verstehen, sonst taugt der ganze Vers nichts. Deshalb habe ich den letzten Vers umgeschrieben. Geht es so?

blackout
 
Naja, es ist Dein Gedicht. Jedenfalls ändert die Überlegung, nebenan mal eben zu läuten, die ganze Aussage des Textes ziemlich grundlegend. Ob Du das willst? Und "dauernd trommelt"? Hatte mich fast schon mit dem "immer" angefreundet.
 

blackout

Mitglied
Da hast du recht, Binsenbrecher. Jetzt liegt der Text am Boden und strampelt nur noch ein bisschen. Nein, ich muss ans Thema völlig neu rangehen. Wozu gibt es die Löschtaste?
Aber gut, dass du mich auf die Schwachstellen hingewiesen hast. Danke nochmal.

blackout
 

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