Andersrum

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Frank sagte er ich bring dich jetzt besser heim schon Mitternacht vorbei du musst morgen früh raus ich weiß der Umweg macht ihm nichts aus aber was hat er davon also zahlten wir bald und dann standen wir in der Passage hinter uns die Bar links das Parkhaus und rechts die Ausfahrt zur Straße heute geht’s andersrum sagte Horst mein Auto steht doch an der Straße diesmal ach so der da wirklich der da ich wundere mich schon nicht mehr also tschüs wir telefonieren und der andere stand immer noch neben dem Stützpfeiler ein Wagen fuhr eben an ihm vorbei ins Parkhaus und er drehte sich zur Seite um nicht geblendet zu werden so sah ich ihn auch im Profil da war er weniger hübsch sogar ein Doppelkinnansatz noch klitzeklein aber von vorn sehr ansehnlich der Typ jetzt wieder frontal Mitte zwanzig höchstens ein bisschen untersetzt schwarze Haare kurz geschnitten und ein Gesicht wie gemalt sehr friedvoll man müsste ihn streicheln vielleicht küssen auf jeden Fall den Arm um ihn legen er sah intensiv herüber und ich machte mich auf zu ihm er lächelte nicht ich war mir sicher er war neu hier ich war schon bei ihm und er zog mich sofort an sich ich spürte sein Fleisch unter dem T-Shirt weiß natürlich die blauen Jeans eng sehr eng in schwarzen Stiefeln unten festgezurrt meine Hand an seinem Hals dann am Nacken willst du mitkommen es ist nicht weit fünf Minuten zu Fuß höchstens ich spürte viel Zärtlichkeit für ihn zärtlich wird es werden

Willst du ficken willst du mich ficken ich mag auch Fistfucking und hast du Ledersachen zu Hause und Poppers vielleicht auch ein Wagen schießt an uns vorbei auf die Ausfahrt zu es ist nicht genug Platz für zwei wir lassen uns los und gehen zur Seite da steht ein Bauwagen der Komplex wird wieder mal umgebaut und jetzt nimmt er mich bei der Hand und zieht mich neben den Bauwagen und ich fange an zu reden und sage nein ich muss dich enttäuschen kein Poppers zu Hause das Zeug nehm ich nicht und Fisten ist mir zu gefährlich Leder na klar das schon nur Ficken ist nicht so mein Ding und dabei zieht er mich wieder an sich und ich spüre ihn nur noch ihn und Licht gleitet über uns die Scheinwerfer eines einfahrenden Autos und wir die Silhouette in dem Spalt zwischen Wand und Bauwagen und wie ich ihm das alles erkläre fummelt er an meinem Gürtel kriegt ihn schnell auf und so weiter und ich mache es bei ihm geradeso er ist ziemlich weich und dann bin ich hinter ihm wieder ein Scheinwerferlicht aber wenn wir so stehen sieht man es nicht genau ich dringe schon in ihn ein wie leicht das geht sehr angenehm dabei habe ich im Kopf er ist passiv verwöhnt er ist so weich dass er das Feste braucht den Halt die Grenze schon wieder das verdammte Licht wenn nun einer aussteigt und herüberkommt ich ziehe ihn schnell raus und stehe nun schräg hinter ihm fasse ihn an einer Backe an mollig der Knabe sie haben ihn gern großgezogen er hat alles bekommen lässt sich zum Dank jetzt von einem Kerl ficken wenn Mutti das wüsste und er weiß dass sie ihn dann hassen würde ein bisschen wenigstens und ich weiß dass er weiß dass ich es weiß ich schlage ihn also und fange an ihn zu fisten nur ansatzweise und befriedige mich dabei selbst Licht an Licht aus

Wollte dann mitkommen das Kind aber ich sagte lieber doch nicht ist eigentlich zu spät heute weißt du wir sehen uns bestimmt mal wieder und dann geht es besser ist doch blöd hier das viele Licht und er nickte und schaute auf mich gleichmütig so einen bringt nichts aus der Ruhe ich nahm mit seinen Geruch, das Weiche an ihm, seine Haut zu Hause habe ich ihn dann für mich mache ihn ganz und zärtlich wird es werden zärtlich
 

Vera S

Mitglied
Lieber Arno,
deine Geschichte gefällt mir, als besonders beeindruckend empfinde ich den Kontrast zwischen dem atemlos hervorgestoßenen Katalog aus Fistfuck, Leder und Poppers und dem doppelt gedachten "zärtlich wird es werden". Der sympathische Erzählers, dessen Scheingelassenheit schon durch den Bewusstseinsstrom entlarvt wird und der sich, so habe ich es verstanden, mehrfach kurzfristig anders entscheidet bzw. kurzschlussartig gegen seine Vorsätze handelt, ist für mich sehr nachvollziehbar.
Frank und Horst am Anfang verwirren mich ein wenig. Ich begreife ihre Funktion nur bedingt. Der Erzähler ist eigentlich müde und möchte nach Hause, schlägt aber die Angebote der beiden aus, ihn nach Hause zu bringen: Franks deshalb, weil er dessen Gutmütigkeit nicht ausnutzen will, wohl wissend, dass dieser gern mehr von ihm hätte, und Horsts, weil er die Gestalt des anderen Mannes bemerkt hat? Auch das "andersrum" von Horst erschließt sich mir nur bedingt. Es erscheint wie die Fortsetzung einer Vorgeschichte, die nur zu erahnen ist. Vielleicht geht es dir aber auch darum. Der Erzähler im Kreis der alten Bekannten - und plötzlich "der andere".
Liebe Grüße
Vera
 

Vera S

Mitglied
Entschuldige, ich hatte das "er" überlesen, damit hat sich die Verwirrung über den Anfang aufgelöst!
Lieber Gruß
Vera
 
Herzlichen Dank, Vera, für die freundliche Aufnahme meines Textes.

Wie man an deinem anfänglichen Irrtum sehen kann, hat Interpunktion schon ihren Sinn. Wenn ein Text mit "Frank sagte ..." beginnt und der Leser nicht damit rechnet, sich ganz ohne Interpunktion zurechtfinden zu müssen, geht er zunächst beinahe zwangsläufig davon aus, dass da ein gewisser Frank etwas geäußert hat. Es war mal ein Experiment, ich habe aber sonst Komma, Punkt usw. noch nicht komplett abgeschafft.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

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