Anekdote vom Husarengeneral Hadik Graf von Futtak, fescher Held der

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Willibald

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Anekdote vom Husarengeneral Graf Hadik und seinem Pferd

Wir befinden uns, geehrte Damen und Herren, hier auf dem Budapester Burgberg. Aus Steigerungsgründen beginne ich die Führung mit mir.

Mein Name ist Peter Huba, leider bin ich nicht mehr so jung wie auf dem Schwarz-Weiß-Bild, was sich im Internet findet. Allerdings brauche ich noch keinen Regenschirm hochzuhalten, um meine Gäste führen zu können. Ursprünglich bin ich ein verpfuschter Ingenieur, aber nachher absolvierte ich auch das Germanistikstudium, ich habe dabei den Herrn Willibald W. kennengelernt. Er hat mich für diese Gruppe geholt. Ich bin qualifizierter Dolmetscher und Übersetzer für Deutsch, außerdem begleite ich Reisegäste in dieser Sprache. Seit einigen Jahren unterrichte ich als Honorarkraft das Fach Budapester Stadtführung in deutscher Sprache an einer Fachoberschule für Fremdenverkehr. An diesen vielerlei Tätigkeiten mag ich vor allem die Abwechslung, die man meiner Meinung nach braucht, um im Stil eine gewisse Frische beibehalten zu können. Bitte sehr.

Ich möchte diese Guide-Arbeit nur so lange machen, als ich meine Gäste noch mit einem persönlichen Engagement anreden kann. Ich mag souveräne Menschen, die eine Ausstrahlung von Freiheit haben, humorlose Menschen sollten mich bitte meiden. Und ein wenig bafeln, so wie Bohumil bafelte, das kann ich nicht vermeiden.

Kommen Sie also ein ganz kleines bisschen näher. Das hier ist das Denkmal für den Husarengeneral Andreas Hadik Graf von Futtak, in Ungarn geboren 1710. Er trat 1730 in die Armee Österreichs ein und stieg unter Maria Theresia durch kriegerische Verdienste bis zum Feldmarschall auf. Seine bekannteste Tat ist der Überfall auf Berlin. Im Oktober 1757 unternahm Hadik an der Spitze leichter ungarischer und kroatischer Truppen, etwa 5.000 Mann, den berühmten Zug nach Berlin, welcher als Berliner Husarenstreich bekannt wurde. Die preußische Hauptstadt hielt er am 16. Oktober (seinem Geburtstag) einen Tag lang besetzt. Er räumte Berlin am nächsten Tag, nachdem er der Stadt in sehr kurzer Zeit eine Geldzahlung von rund 200.000 Talern zur Abwehr einer Plünderung abgepresst hatte, dazu 25.000 Taler für die Truppe ( und nachdem der preußische Fürst Moritz von Dessau mit starken Truppen nur noch zwei Stunden von Berlin entfernt war). Und hier sitzt er in Husarenuniform auf seinem Pferd, der Andreas Hadik, unser Hadik.

https://thumbs.dreamstime.com/b/andras-hadik-horse-statue-budapest-29397000.jpg

Die ungarischen Husaren haben ja fesch ausgesehen. Es gab drei Bedingungen für die Aufnahme in ein Husarenregiment. Mindesthöhe 1,80 Meter, guter schulischer Abschluss, gutes Aussehen. Ganz typisch übrigens, dass Hadik 15 Zentimeter kleiner war. Bei Führungskräften galten eben schon damals teilweise andere Bedingungen.

Zu dieser Figur, dem Andreas Hadik von Futtak, noch eine gewisse Geschichte, die an und für sich nicht unbedingt zur Hochkultur gehört, sogar ein bisserl blöd ist. Aber so etwas gibt es ja auch in vielen anderen Städten. In Ungarn ist es allgemein üblich, dass die Studenten im letzten Studienjahr, wenn sie gerade fertig sind, im Frühling eine große Abschlussparty veranstalten. Das macht fast jede Hochschule und Uni.

Also, die Studienabgänger verkleiden sich so verrückt, wie es überhaupt nur geht, zu einem Maskenball und einem Umzug an dem Ort, wo sie jahrelang studiert haben. Und der Höhepunkt der Party ist eine Krönungszeremonie, bei der der sogenannte Nachholprüfungskönig gekrönt wird. Das ist jener Typ, der bis zum Diplom kam, aber dabei mit viel Fleiß und Mühe die höchste Anzahl von Nachholprüfungen ansammeln konnte. Er wird in diesen Feierlichkeiten zum Nachholprüfungskönig gekrönt. Dabei werden blöde Lieder und so Gedichte vorgetragen.

In Budapest, in ganz Ungarn eigentlich, sind die absoluten Nachholprüfungskönige immer von der Technischen Universität. Da kann man die imposanteste Zahl von Nachholprüfungen ansammeln.Unter vierzig Nachholprüfungen hat man übrigens absolut keine Chance, das ist die Mindestzahl etwa, ja - um König werden zu können.

Und die TU-Studenten holten anfang der 70er Jahre bei der hauptstädtischen Denkmalschutzbehörde eine Genehmigung zur freiwilligen Pflege dieses Denkmals. Sie verrieten nicht, dass sie die Denkmalspflege in ihrer Krönungszeremonie unterbringen wollten. Sie haben die Genehmigung bekommen.Es gibt ja gemeinnützige Studentenarbeit, Ehrenarbeit und so.

Und sie kamen dann hierher bei dem Umzug. Und während der Krönungszeremonie musste der aktuelle König die Hoden des Pferdes kurz polieren. Das haben sie so veranstaltet bei ihrer Krönungszeremonie. Sie pflegten das Denkmal aber nur an dieser Stelle.

In den ersten Jahren kam die Polizei. Im Sozialismus war es nämlich nicht so sehr beliebt, dass das Volk von sich heraus spontan etwas organisiert. Sie wurden davongeschickt von der Polizei. Sie zeigten ihre Genehmigung, aber trotzdem wurden sie davongeschickt. Aber sie kamen jedes Jahr und haben das wieder versucht. Und nach einigen Jahren hat dann die Polizei das geduldet. Seit Ende der 70er Jahre kommen die Studenten – übrigens von der Fakultät der Elektronik – vorbei und machen hier dann ihre Krönungszeremonie an dieser Stelle.

Und inzwischen ist es ein gewisser positiver Aberglaube in Budapest unter den Studenten, dass das Berühren dieser edlen Stelle einem vor besonders schweren Abschlussprüfungen nützen könnte. Deswegen glänzt es da so.

https://media3.trover.com/T/53ca770326c48d5d760003dd/fixedw_large_2x.jpg

Das ist ein bisschen blöd, wie ich schon am Anfang erwähnt hab, aber das gibt es ja eben auch. Und die Fußballer meinen ebenfalls, habe ich in deutschen Zeitungen gelesen, dass man Eier haben muss. Also eine kulturelle Universalie wie der Herr Willibald W. sagen würde.
 

FrankK

Mitglied
Hallo Willibald
Der Text ist zwar gut geschrieben, alles sauber und ordentlich und sehr historisch ... aber ...

... es dauert viel zu lange, bis Du auf die Pointe kommst. Der ganze Einstieg mit der Vorstellung des vermeintlichen Erzählers "Peter Huba" ist, für mein Empfinden, eher hinderlich als unterhaltsam.

Besonders "einladend umständlich" ist Dir dieser Part gelungen:
Und der Höhepunkt der Party ist eine [blue]Krönung[/blue]szeremonie, bei der der sogenannte [blue]Nachholprüfungskönig[/blue] [blue]gekrönt[/blue] wird. Das ist jener Typ, der bis zum Diplom kam, aber dabei mit viel Fleiß und Mühe die höchste Anzahl von [blue]Nachholprüfungen[/blue] ansammeln konnte. Er wird in diesen Feierlichkeiten zum [blue]Nachholprüfungskönig[/blue] [blue]gekrönt[/blue].Dabei werden blöde Lieder und so Gedichte vorgetragen.

In Budapest, in ganz Ungarn eigentlich, sind die absoluten [blue]Nachholprüfungskönige[/blue] immer von der Technischen Universität. Da kann man die imposanteste Zahl von [blue]Nachholprüfungen[/blue] ansammeln.Unter vierzig [blue]Nachholprüfungen[/blue] hat man übrigens absolut keine Chance, das ist die Mindestzahl etwa, ja - um König werden zu können.
Ich vermute, Du erkennst das Problem selber.


Also am besten deutlich straffen und etwas fescher und vor allem schneidiger - wie ein fescher Offizier eben - zackig auf die Pointe zu marschieren.

Ein Seitenhieb auf manche deutschen Fußballer ist durchaus gerechtfertigt. Etwas mit dicken (oder schweren) Eiern und dem "nicht laufen können" ...

Wäre schade, wenn dieses Stück so sang- und klanglos in der Versenkung verschwände.


Viel Erfolg beim Überarbeiten

Einen schönen Sonntag noch
Frank
 
A

aligaga

Gast
Lass dich nicht irre machen, o @Willibald - manche Stücke, so wie dieses, leben aus und von ihrer sprachlichen Opulenz wie die Stadtführer, die trotz ihres mit Bestnote bestand'nen Examens in Filosofie, Soziologie oder Slawistik keine rechte Lebensstellung gefunden haben und nun fremden Völkern für ein Trinkgeld etwas erklären müssen.

Sie sind meist begabte Rhetoriker, diese Stadtführer, werfen aber ihre Anaphern vor Säue, die lieber in Pappschachteln gereichtes, laues, auf der ganzen Welt gleich schmeckendes Fast Food fressen, als sich durch fremde Städte führen zu lassen.

Es gibt neben dem primitiven Kalauer und der dumpfen Schadenfreude einen Witz, der sich aus der Ironie speist und der gern Umwege nimmt, bis er ans Ziel kommt. Der Guhte Hrabal hat, wie du uns ja sagtest, das "bafeln" genannt.

Für Fußlahme und erwiesene Sprachschwächlinge sind solche ausgedehnte Stadttouren freilich nichts. Für die gibt's den Rummel in Rust, wo man sitzend im Kreis gefahren wird.

Heiter, sehr heiter

aligaga
 

FrankK

Mitglied
Hihi @ali
Lass dich nicht irre machen, o @Willibald - manche Stücke, so wie dieses, leben aus und von ihrer sprachlichen Opulenz wie die Stadtführer
Ich könnte Ihnen ja recht geben, aber ich fürchte, dann liegen wir beide falsch.

Für Fußlahme und erwiesene Sprachschwächlinge sind solche ausgedehnte Stadttouren freilich nichts.
Sie könnens einfach net lasse, nä?


Lächelnd
Frank



Hallo Willibald
Bilde Dir einfach Deine eigene Meinung.
Vielleicht erklärt meine Ausführung ein ganz klein wenig, warum hier so relativ schlechte "Noten" aufgeschlagen sind.

Dir noch einen schönen Sonntag
Grüßend
Frank
 
A

aligaga

Gast
Und noch was, o @Willibald: Kümmer dich ja nicht um die "Noten", die du hier kriegst. Sie sind alles andere als ein Gradmesser für Qualität. Vor allem die anonymen Einsen, die man von den tapf'ren Schriftgeleerten bekommt.

Die Einsen sind wertvoll! Sie zeigen am deutlichsten, wie sehr der Neid und der Hass am Ego der Möchtegerne zerrt. Ertrage die "Noten" der Missgünstlinge mit Stolz und Humor!

Heiter, sehr heiter

aligaga
 
A

aligaga

Gast
Ich mag souveräne Menschen, die eine Ausstrahlung von Freiheit haben, humorlose Menschen sollten mich bitte meiden. Und ein wenig bafeln, so wie Bohumil bafelte, das kann ich nicht vermeiden.
Ein Schlüsselsatz, der erklären hilft, o @Willibald, warum du hier so schlecht "benotet" wirst - die Koryphäen von Tante Guhgels Gnaden haben nicht nur keinerlei Sprachgefühl, sondern vor allem auch keinen Humor. Sie verwechseln ihn mit Schadenfreude und Häme.

@Ali sieht in Hrabal einen wie Fey, der zu seinen Lebzeiten von seiner Kunst nicht leben konnte und den das Volk am Ende verhungern ließ, ohne mit der Wimper zu zucken.

Erst posthum ließ sich das, was dieser Künstler zu sagen hatte und vor allem, wie er es tat, vermarkten; die heutigen "Kabarettisten", die uns im Öffentlich-Rechtlichen überfluten, sind und bleiben schlichte Nachahmer und schlechte Kopien dieses Künstlers.

Ein Souverän guhgelt nicht. Der lässt guhgeln!

Quietschvergnügt

aligaga
 

Willibald

Mitglied
Den Valentin spricht man mit "F"
und sein bürgerlicher Name schreibt sich mit F-e-y.
Aber sonst stimme ich Dir weitgehend (!) zu & bei,
o aligaga.

Hey! Du hast ja die orthodoxe Schreibweise schon implementiert. Wow!

Willibald & Pingelig
 
A

aligaga

Gast
Im Zeitalter der SMS, Apps und Fratzenbücher, wo nichts mehr geschrieben, sondern nur noch geschwätzt wird (@ali glaubt, sie nennten es "Twittern"), gibt's den Wortwitz nicht mehr, denn man kann ihn nicht guhgeln. Wer meint, doch, der bruchlandet beim Kalauer. Entmastet und gestrandet!

Heiter immer wieder weiter

aligaga
 


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