Anleitung zum Fremdgehen

1,70 Stern(e) 3 Bewertungen

Trasla

Mitglied
Manchen liegt das im Blut, die haben ein intuitives Talent dafür. Aber vielen fällt das garnicht so leicht, die wissen nicht wie sie anfangen sollen oder haben Bedenken. Was schade ist, denn Fremdgehen ist eine wundervolle Sache, die jeder mal ausprobiert haben sollte. In einer vermeintlich glücklichen, intakten Beziehung testet man ein wenig aus, wie tragfähig die Liebe wirklich ist. Wenn es sowieso gerade schwierig ist hat man ein wenig Abwechslung und den Vorteil, dass sich etwas verändert, wenn alles raus kommt.

Vielleicht legt sich der Partner mehr ins Zeug, vielleicht geht die Beziehung kaputt - auf jeden Fall geht es irgendwie weiter, besser als eine festgefahrene Situation alle Mal. Und dann hat man natürlich auch Sex dabei, was pauschal schon einmal toll ist und meist auch aufregender als mit einem vertrauten Partner. Es gibt also viele gute Gründe.

Bei der Auswahl seiner Affäre hat man verschiedene Optionen. Gut geeignet ist jemand, der auch in einer Beziehung steht, das hat den Vorteil dass einem nichts vorgeworfen oder man gar erpresst wird. Andere gute Möglichkeiten sind Menschen, die nicht wissen, dass man eine Beziehung hat, oder solche denen es eh völlig egal ist. Im Zweifel kann man auch immer versuchen zu behaupten, der eigene Partner wäre damit einverstanden.

Weil Fremdgehen natürlich im Prinzip und nach gesellschaftlicher Konvention ein moralisch verwerflicher Akt ist, können wir nicht einfach losziehen und ohne Gewissensbisse in fremde Betten hüpfen. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist gefragt. Zunächst sollte man gute Rahmenbedingungen schaffen, also gemütliche Atmosphäre, vielleicht unter Vorwand bei jemandem "auf dem Sofa" übernachten oder Ähnliches. Alkohol eignet sich wundervoll, nicht nur weil er tatsächlich enthemmt, sondern auch weil man vor anderen und sich selbst leichter Ausreden findet.

Das ist im Grunde auch der Kern der Sache - wenn man als Mensch mit Gewissen durchgehen und trotzdem fremdgehen möchte, muss man sich gut genug selbst etwas vormachen. Im Prinzip ganz einfach: Die Situation zunehmend intimer werden lassen, dabei aber immer hervorheben, dass eigentlich garnichts verfängliches geschieht. Man lehnt sich ja nur an. Die Hand ist halt da hin gerutscht. Natürlich zieht man das Oberteil für eine Massage aus. Und ja, die Hände berühren zwar den Busen, aber genau genommen nicht die Brustwarzen - damit ist das kein intimer Kontakt!

Profis können so natürlich viel weiter kommen als Anfänger, aber egal wie routiniert man ist: Irgendwann kommt der Moment, da man sich nichts mehr vormachen kann. Man erwischt sich quasi mit der Hand in der Hose, und muss dann schleunigst Phase zwei einleiten, ehe man aus Versehen "Sorry, ich kann das nicht" sagt und nach Hause rennt. "Jetzt ist es eh zu spät" lautet der Gedanke der Wahl. Solange einreden, man wäre noch nicht über die Grenze, bis man weit genug drüber ist um nicht mehr zurück zu können.

Mit ein bisschen Glück ist dann langsam auch der Körper gut dabei und unterstützt uns mit wohl dosierter Triebsteuerung. Ansonsten platzieren wir uns mit Hilfe von "Ob wir jetzt noch miteinander schlafen macht auch keinen Unterschied mehr" und "Ich bin betrunken und weiß nicht, was ich tue, ich denk morgen drüber nach". Und dann schalten wir den Kopf aus. Wenn wir uns gründlich überzeugt haben, dass wir momentan nichts mehr für unser Seelenheil tun können, dann folgt der Genuss.

Ein wenig kritisch wird nochmal der Moment danach, hier gilt die Faustregel: Wenn es gut war denken wir uns, dass es sich vielleicht sogar gelohnt hat, wenn wir eher nicht so begeistert waren können wir uns zu Gute halten, dass wir es immerhin nicht richtig genießen konnten. Anschließend einschlafen oder nach Hause fahren.

Herzlichen Glückwunsch, das Schwerste haben wir geschafft, jetzt folgt Nachbereitung.
Ob du es deinem Partner erzählen willst oder nicht: Folge deiner Laune. Begründungen gibt es genug. Wer alles gesteht ist ein ehrlicher Mensch, der lieber seine Beziehung riskiert als aufgrund von Lügen geliebt zu werden. Wer nichts sagt ist so selbstlos, die Bürde des Vorfalles alleine zu tragen, statt seinen geliebten Partner zu belasten.

Wenn du unbedingt gestehen willst, aber nicht weißt, was du sagen sollst: Nicht zu sehr rechtfertigen. Klar, wir haben einen Fehler gemacht und so weiter, aber eigentlich geht es um die Defizite unseres Partners. Vielleicht war es so unwiderstehlich sich endlich einmal wieder begehrt zu fühlen, als körperlich anregend wahrgenommen werden und sich verführerisch zu fühlen. Oder die Geborgenheit, das Gefühl geliebt zu werden. Gib dich oberflächlich schuldig, aber vergiss nicht, deinen Partner bei sich die Ursache suchen zu lassen.

Dann bist du nicht nur besser raus, sondern hast mit Glück auch erstmal wieder mehr Sex oder öfter frische Blumen. Ist das nicht der Fall nimmst du diese Mangelerscheinung natürlich bei nächster Gelegenheit zum Anlass, dir ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Vielleicht findet dein Partner ja auch Gefallen daran, sich nicht mehr alleine um all deine Bedürfnisse kümmern zu müssen.

Solltest du neugierig geworden sein aber immer noch unsicher, dann schreib mir einfach, falls du jung, weiblich und gutaussehend bist. Ich biete Übungsstunden für Anfänger und emotionale Beratung am konkreten Einzelfall.
 
Guten Tag,

ich habe Deinen Text mehrfach gelesen und mit jedem neuen Versuch hat sich mein Eindruck verstärkt, dass dieser Texte nicht ernst gemeint sein kann, sondern als Satire verstanden werden möchte.

Liege ich da richtig ? Wenn der Text ernst gemeint ist, hätte ich dann doch einige kritische Anmerkungen.


Herzliche Grüße

Winfried Stanzick
 

Trasla

Mitglied
Selbstverständlich ist das als Satire gemeint - kritische Anmerkungen zu Form und Stil möchte ich trotzdem gerne hören! Ich habe auch überlegt, ob das Stück ins Humor-Forum sollte, ich war mir unschlüssig.
Ich wollte vielleicht, dass man nicht mit einer "Haha, alles ein Witz"-Einstellung anfängt zu lesen, sondern offen an die Sache ran geht und meine Gedanken durchaus kritisch betrachtet.

In diesem Zusammenhang frage ich mich jetzt auch, ob die beiden 2er Bewertungen möglicherweise nicht Kritik an der Umsetzung des Werkes sind (was völlig in Ordnung wäre, wobei ich mich dann über Hinweise freuen würde) sondern ausdrücken sollen, dass man mit meiner (missverstandenen) Aussage nicht einverstanden ist.
 

petrasmiles

Mitglied
Das ist so eine Sache ...

... mit dem Fremdgehen ...

... offensichtlich hört da der Spaß bei den meisten auf.

Ich finde Deinen Text sehr gut geschrieben, es gibt eine Pointe, die sogar nett ist. Kein Grund also, 2en zu vergeben, oder 'grusslos' vorüber zu gehen.

Aber, ehrlich gesagt, ich konnte auch nicht 'lachen, grinsen, schmunzeln' etc. Es muss an dem Thema liegen.
Da hat wohl jeder 'Nicht-Soziopath' ein paar Gefühle im Köcher, und damit wird eine ironische Aufbereitung vielleicht als nicht adäquat empfunden. Vielleicht sogar, weil Du so beklemmend spielerisch mit Einstellungen und Argumenten umgehst.

Sowas' kommt vor, mach' Dir nichts 'draus.

Liebe Grüße
Petra
 

Trasla

Mitglied
Hallo Petra,
danke für deine netten Worte.

Ich habe das auch nciht so sehr geschrieben, um wen zum Lachen zu bringen, sondern um mir mal die Frechheit herauszunehmen, diesen in der Gesellschaft weitesgehend für unmöglich gehaltenen Standpunkt einzunehmen. Damit möchte ich den Leser nötigen, erst einmal für sich selbst darüber nachzudenken, wie denn die vorgetragenen Punkte entkräftet werden. Und ganz nebenbei wollte ich unterhalten.

Ich würde wirklich gerne erfahren, was den 2ern nicht gefiel, ebend um einschätzen zu können ob meine Idee doof ist, ob die Aussage ernst genommen wurde, oder ob das ganze einfach platt und witzlos rüber kommt.
Hmm.
 
Hallo, hier einige Vorschläge:

Im zweiten Absatz finde ich die Formulierung

"was pauschal schon einmal toll ist"

unglücklich gewählt.

Vielleicht: "was an sich schon einmal nicht schlecht ist" ?

Dritter Absatz; "oder solche KOMMA denen es ...

Vierter Absatz: vielleicht "also eine gemütliche Atmosphäre .."

Fünfter Ansatz: "Verfängliches"

Achter Absatz:; "Wenn es gut war KOMMA denken wir uns.."
nach "gelohnt hat" würde ich einen Punkt setzen

Neunter Absatz: Vorschlag: "Jetzt folgt die Nachbereitung"

"Wer alles gesteht KOMMA ist ein ...

"seine Beziehung riskiert KOMMA als .."

"Wer nichts sagt KOMMA ist so ..."

Vorletzter Absatz: "Ist das nicht der Fall KOMMA nimmst.."

Letzter Absatz: " Solltest du neugierung geworden sein KOMMA aber ..."


Herzliche Grüße und Glückwünsch zu diesem Text


Winfried Stanzick
 

Trasla

Mitglied
Manchen liegt das im Blut, die haben ein intuitives Talent dafür. Aber vielen fällt das garnicht so leicht, die wissen nicht wie sie anfangen sollen oder haben Bedenken. Was schade ist, denn Fremdgehen ist eine wundervolle Sache, die jeder mal ausprobiert haben sollte. In einer vermeintlich glücklichen, intakten Beziehung testet man ein wenig aus, wie tragfähig die Liebe wirklich ist. Wenn es sowieso gerade schwierig ist hat man ein wenig Abwechslung und den Vorteil, dass sich etwas verändert, wenn alles raus kommt.

Vielleicht legt sich der Partner mehr ins Zeug, vielleicht geht die Beziehung kaputt - auf jeden Fall geht es irgendwie weiter, besser als eine festgefahrene Situation alle Mal. Und dann hat man natürlich auch Sex dabei, was an sich schon einmal nicht schlecht ist, und meist auch aufregender als mit einem vertrauten Partner. Es gibt also viele gute Gründe.

Bei der Auswahl seiner Affäre hat man verschiedene Optionen. Gut geeignet ist jemand, der auch in einer Beziehung steht, das hat den Vorteil dass einem nichts vorgeworfen oder man gar erpresst wird. Andere gute Möglichkeiten sind Menschen, die nicht wissen, dass man eine Beziehung hat, oder solche, denen es eh völlig egal ist. Im Zweifel kann man auch immer versuchen zu behaupten, der eigene Partner wäre damit einverstanden.

Weil Fremdgehen natürlich im Prinzip und nach gesellschaftlicher Konvention ein moralisch verwerflicher Akt ist, können wir nicht einfach losziehen und ohne Gewissensbisse in fremde Betten hüpfen. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist gefragt. Zunächst sollte man gute Rahmenbedingungen schaffen, also eine gemütliche Atmosphäre, vielleicht unter Vorwand bei jemandem "auf dem Sofa" übernachten oder Ähnliches. Alkohol eignet sich wundervoll, nicht nur weil er tatsächlich enthemmt, sondern auch weil man vor anderen und sich selbst leichter Ausreden findet.

Das ist im Grunde auch der Kern der Sache - wenn man als Mensch mit Gewissen durchgehen und trotzdem fremdgehen möchte, muss man sich gut genug selbst etwas vormachen. Im Prinzip ganz einfach: Die Situation zunehmend intimer werden lassen, dabei aber immer hervorheben, dass eigentlich garnichts Verfängliches geschieht. Man lehnt sich ja nur an. Die Hand ist halt da hin gerutscht. Natürlich zieht man das Oberteil für eine Massage aus. Und ja, die Hände berühren zwar den Busen, aber genau genommen nicht die Brustwarzen - damit ist das kein intimer Kontakt!

Profis können so natürlich viel weiter kommen als Anfänger, aber egal wie routiniert man ist: Irgendwann kommt der Moment, da man sich nichts mehr vormachen kann. Man erwischt sich quasi mit der Hand in der Hose, und muss dann schleunigst Phase zwei einleiten, ehe man aus Versehen "Sorry, ich kann das nicht" sagt und nach Hause rennt. "Jetzt ist es eh zu spät" lautet der Gedanke der Wahl. Solange einreden, man wäre noch nicht über die Grenze, bis man weit genug drüber ist um nicht mehr zurück zu können.

Mit ein bisschen Glück ist dann langsam auch der Körper gut dabei und unterstützt uns mit wohl dosierter Triebsteuerung. Ansonsten platzieren wir uns mit Hilfe von "Ob wir jetzt noch miteinander schlafen macht auch keinen Unterschied mehr" und "Ich bin betrunken und weiß nicht, was ich tue, ich denk morgen drüber nach". Und dann schalten wir den Kopf aus. Wenn wir uns gründlich überzeugt haben, dass wir momentan nichts mehr für unser Seelenheil tun können, dann folgt der Genuss.

Ein wenig kritisch wird nochmal der Moment danach, hier gilt die Faustregel: Wenn es gut war, denken wir uns, dass es sich vielleicht sogar gelohnt hat. Wenn wir eher nicht so begeistert waren können wir uns zu Gute halten, dass wir es immerhin nicht richtig genießen konnten. Anschließend einschlafen oder nach Hause fahren.

Jetzt folgt Nachbereitung.
Ob du es deinem Partner erzählen willst oder nicht: Folge deiner Laune. Begründungen gibt es genug. Wer alles gesteht, ist ein ehrlicher Mensch, der lieber seine Beziehung riskiert, als aufgrund von Lügen geliebt zu werden. Wer nichts sagt, ist so selbstlos, die Bürde des Vorfalles alleine zu tragen, statt seinen geliebten Partner zu belasten.

Wenn du unbedingt gestehen willst, aber nicht weißt, was du sagen sollst: Nicht zu sehr rechtfertigen. Klar, wir haben einen Fehler gemacht und so weiter, aber eigentlich geht es um die Defizite unseres Partners. Vielleicht war es so unwiderstehlich sich endlich einmal wieder begehrt zu fühlen, als körperlich anregend wahrgenommen werden und sich verführerisch zu fühlen. Oder die Geborgenheit, das Gefühl geliebt zu werden. Gib dich oberflächlich schuldig, aber vergiss nicht, deinen Partner bei sich die Ursache suchen zu lassen.

Dann bist du nicht nur besser raus, sondern hast mit Glück auch erstmal wieder mehr Sex oder öfter frische Blumen. Ist das nicht der Fall, nimmst du diese Mangelerscheinung natürlich bei nächster Gelegenheit zum Anlass, dir ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Vielleicht findet dein Partner ja auch Gefallen daran, sich nicht mehr alleine um all deine Bedürfnisse kümmern zu müssen.

Solltest du neugierig geworden sein, aber immer noch unsicher, dann schreib mir einfach, falls du jung, weiblich und gutaussehend bist. Ich biete Übungsstunden für Anfänger und emotionale Beratung am konkreten Einzelfall.
 

Trasla

Mitglied
Hallo Winfried,
vielen Dank für deine hilfreichen Hiwneise, die ich gerne umgesetzt habe. Nach einem Moment des Überlegens schien mir alles schlüssig und sinnvoll, das hat mich weiter gebracht, Danke!
 

 
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