april, einmal anders

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blackout

Mitglied
Herrlich die "Gärten des Grauens"! Gut, das Land steht still, aber mal im Ernst, Ciconia: Glaubst du, dass die Bienen wegbleiben, die Magnolien frostgebräunt sind und die Kirschblüten ungeöffnet bleiben wegen Corona? Ich hoffe nicht. Was du beobachtet hast, ist eine Erscheinung des Jahres beim Übergang vom Winter zum Frühjahr. Kann schon passieren, ist schon oft passiert zu dieser Jahreszeit, hat aber mit dem Stillstand im Land meiner Ansicht nach nichts zu tun. Insofern ist dein Gedicht für mich nicht ganz begreiflich.

Gruß, blackout
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
resigniert rieseln
frostgebräunte magnolienblüten
auf kiesige gärten des grauens

grabeskälte bedeckt
das erstarrte land
Hallo Ciconia,

ich bin auch an der überspitzten Darstellung in den ersten beiden Strophen hängengeblieben.
Nach genauerer Überlegung habe ich mir aber gedacht, dass du es bewusst so dargestellt hast.
So zündet die "banale" Meise am Schluss bedeutend besser.
Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 

Ciconia

Mitglied
Glaubst du, dass die Bienen wegbleiben, die Magnolien frostgebräunt sind und die Kirschblüten ungeöffnet bleiben wegen Corona?
Nein, blackout, das glaube ich nicht. Das passiert wegen der ungewöhnlich langen Nachtfrostperiode. Und in diesem Jahr untermauert diese Kälte eben noch den unheimlichen Corona-Stillstand. Das wollte ich damit ausdrücken.

Gruß, Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Franke,

freut mich, dass Dir mein Gedicht gefallen hat.

Ich finde diese Darstellung nicht überspitzt, sie schildert lediglich den Ist-Zustand. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich den neu gestalteten Kiesgarten des Nachbarn, der fast alles Grün verbannt hat (ein Gartenkolumnist nannte so etwas mal Gärten des Grauens, ist also nicht von mir), und darin verblieb lediglich ein trauriger Magnolienbaum, der wegen des Frostes die Blätter auf den hellen Kies wirft.

Und ja: Die „banale“ Meise könnte weg von hier – der Mensch ist vorerst daran gehindert.

Gruß, Ciconia
 

hein

Mitglied
Hallo Ciconia,

das Gedicht passt zu dieser Zeit, auch wenn man nicht dauernd Corona im Kopf hat.

Ja, die Meise könnte weg. Aber zum Glück weiß sie es nicht, und so können wir uns jedenfalls an ihrem Gezwitscher erfreuen.

LG
hein
 

Curd Belesos

Mitglied
resigniert rieseln
frostgebräunte magnolienblüten
auf kiesige gärten des grauens

grabeskälte bedeckt
das erstarrte land
Moin,
in die kiesigen Gärten des Grauens, die bei jungen und alten Bauherren so beliebt sind, fallen die frostgebräunten, ehemals weißer Magnolienblüten.
Träume sterben und die gewollt puristisch gestalteten Mainstream-Gärten zeigen die Grabeskälte in den Zurschaustellenden, die innerlich erstarrt in einem Land ohne menschliche Anteilnahme leben. Warum aber bleiben wir.

Der von dir verdichtete Gedanke beeindrucken mich sehr.

LG
CB
 

Ciconia

Mitglied
Moin Curd,

vielen Dank für Deine Überlegungen zu diesem Gedicht, das für mich eine reale Momentaufnahme des vergangenen, viel zu kalten Aprils darstellt.

Mainstream also selbst in den Gärten. Und bei sonnigem Frostwetter und Corona-Beschränkungen wirken diese Kiesflächen auf mich eben noch trostloser. Darauf spielt kein Kind, dorthin verirrt sich auch kein Vogel.

Gruß, Ciconia
 

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