Aron Manfeld: Mein Kälbchen

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AbrakadabrA

Mitglied
Lieb stöckelst Du vom Bohlenbrett gebunden
Hinab zur Halle die Dein Fleisch begehrt
Das was Du bist im Tode nur verehrt
Verkehrt hängst Du schon bald in ein paar Stunden

In Reih und Glied gleich zwischen Deinen Alten
Die eben noch Familie Heimat sind
Die Kuh der Stier und Du als Rinderkind
Am Haken Kälbchen werdet Ihr erkalten

Sei froh Du Vieh dass Gott Dich dämlich schuf
Nachdem er sich beim Menschen schwer vertan
Der sich am liebsten selber fressen tät

Du muhst das Schwätzen wäre mein Beruf
Ganz recht hast Du ich red von Pietät
Und kaue Dich dabei wie Marzipan
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein sehr starkes Gedicht, das mich in seiner Bildsprache an den Expressionismus erinnert.
Ich setze es auf meine Favoritenliste.
 

L'étranger

Mitglied
Ich zweifle zwar, dass der Mensch viel weniger dämlich zu seinen Schlachtbanken läuft, und daran, dass er grundsätzlich weniger dämlich ist, aber er kann schwatzen und schreiben ;-).

Gelungen,

Gruß Lé.
 

AbrakadabrA

Mitglied
Wenn ich in Deine Augen seh
So schwindet all mein Leid und Weh
Doch wenn ich küsse Deinen Mund
So werd ich ganz und gar gesund

Heinrich Heine
 

Mimi

Mitglied
Später traf ich auf der Weide
Außer mir noch mehre Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.

( Wilhelm Busch)
 

AbrakadabrA

Mitglied
Liebe DichterkollegInnen,

ich war sehr überrascht, trotz meiner Unbeliebtheit in den Literaturforen auf diesen guten Widerhall zu stossen.

Die ethische Frage der Tötung von Lebewesen wird sich aus meiner Sicht in den nächsten Jahren allein aus ökologischen Gründen von selbst erledigen müssen. Wir alle spüren es, doch jeder wartet auf den ersten Schritt des Nachbarn, wie so oft im Leben.

Das Sonett hat einige kleine Schwachpunkte, die ich wie folgt korrigiere:

Lieb stöckelst Du vom Bohlenbrett gebunden
Hinab zur Halle die Dein Fleisch begehrt
Das was Du bist im Tode nur begehrt
Verkehrt hängst Du schon bald in ein paar Stunden

In Reih und Glied gleich zwischen Deinen Alten
Die eben noch Familie Heimat sind
Frau Kuh Herr Stier und Du das Rinderkind
Am Haken Kälbchen werdet Ihr erkalten

Sei froh Du Vieh dass Gott Dich dämlich schuf
Nachdem Er sich beim Menschen schwer vertan
Der sich am liebsten selber fressen tät

Du muhst das Schwätzen wäre mein Beruf
Ganz Recht hast Du ich red von Pietät
Zerkaue Dich dabei wie Marzipan



Ich danke Euch!
 

Walther

Mitglied
Liebe DichterkollegInnen,

ich war sehr überrascht, trotz meiner Unbeliebtheit in den Literaturforen auf diesen guten Widerhall zu stossen.
....
Hi Aron,
wie kommst du zu dieser fehleinschätzung? du bist vielleicht manchmal ein bisschen anstrengend. bin ich ebenfalls. andere haben auch so ihre marotten und maröttchen. easy, brother, be easy.
lg W.
 

AbrakadabrA

Mitglied
Mich ärgert halt, lieber Walther, dass viele erfahrene DichterkollegInnen meine Gedichte nicht offen kritisieren, so dass ich mich nicht selbst berichtigen müsste.

Die letzten Werke wurden inhaltlich kaum infragegestellt, so dass ich praktisch ein Spiegelgefecht führe.

Aber gut. Wie sagte Blaise Cendrars:

Ob ich eine Sekunde oder hunderttausend Jahre lebe: Egal!
 

Walther

Mitglied
Mich ärgert halt, lieber Walther, dass viele erfahrene DichterkollegInnen meine Gedichte nicht offen kritisieren, so dass ich mich nicht selbst berichtigen müsste.

Die letzten Werke wurden inhaltlich kaum infragegestellt, so dass ich praktisch ein Spiegelgefecht führe.

Aber gut. Wie sagte Blaise Cendrars:

Ob ich eine Sekunde oder hunderttausend Jahre lebe: Egal!
lb Aron,
das schlimmste - und ein privileg des literaten - ist es, sich selbst zu ernst zu nehmen. vielleicht nimmst du das als meinen rat an. vielleicht auch nicht.
lg W.
 


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