Auf der Kreuzfahrt

Die Geschichte musste ich leider in drei Teile teilen, da sie über 64 kb groß ist, aber vielleicht habt ihr ja trotzdem Interesse sie zu lesen. Die anderen Teile zu einem späteren Zeitpunkt. Viel Spaß beim Lesen.


Der Zeitpunkt der Reise steht endlich fest. In zwei Tagen geht es los und ich weiß noch gar nicht, was ich alles brauchen werde. Ich glaube ich gehe noch einmal einkaufen. Es fehlt mir noch ein Abendkleid und die passenden Accessoires. Für die Reise habe ich lange sparen müssen, doch das ist es mir wert. Ich liebe das Meer, die salzige Luft und den rauen Wind. Einiges an Reiseberichten habe ich auch schon gelesen und bin ein wenig aufgeregt, vor allem, wen ich dort alles kennen lernen werde.
Seit der Scheidung vor zwei Jahren habe ich mich zurück gezogen und musste lernen für mich zu leben. Das war sehr schwer, doch die Kreuzfahrt bringt mich sicherlich auf andere Gedanken. Es wird Zeit, dass ich dem Alltag entfliehe. Schluss mit dem Trübsal blasen, auf ins Abenteuer.
Heute ist Samstag und ich bin vor dem Weckerklingeln wach geworden, denn vor Aufregung konnte ich kein Auge zu machen. Die große Reisetasche ist gepackt und steht im Hausflur bereit. Mein Frühstück viel mager aus, denn meine Aufregung ließ nur eine Kleinigkeit zu. Für den Flug nach Luxor habe ich mir etwas sportliches und bequemes ausgesucht. Eine sandfarbene Hose und eine kurzärmlige, grüne Bluse, passend dazu Sportschuhe.
Als ich mich vor dem Spiegel im Flur betrachte, stelle ich fest, dass es sich gelohnt hat, zu trainieren. Es ist schon erstaunlich, was ich in so kurzer Zeit alles erreicht habe. Ich greife mir die Reisetasche und das Handgepäck. Das Taxi, welches ich bestellt habe, wartet bereits auf mich. Ein letzter Blick zurück und los geht’s. Im Taxi entspanne ich mich ein wenig und genieße die Fahrt zum Flughafen. Es ist noch früh, so dass wir in keinen Stau geraten. Ich gebe dem Fahrer ein gutes Trinkgeld und suche nach dem Flugschalter. Der Bodenstewardess überreiche ich meine Bordkarte, sie überprüft die Angaben und wünscht mir einen guten Flug. An Bord der Maschine, sitze ich am Fenster neben einem jungen Mann. Wir kommen schnell ins Gespräch und unterhalten uns während des gesamten Fluges, als auch schon die kommt: „Fasten Seat belt“ ohne Komplikation landen wir und die Gangway wird herangefahren.
Geblendet vom Sonnenlicht steige ich die Gangway herunter. Es ist sehr heiß und ich suche in meiner Tasche nach der Sonnenbrille. In der Halle wartet schon die deutschsprachige Reiseleiterin. Bis sich alle aus der Gruppe eingefunden haben, dauert es ein wenig, doch dann kann es losgehen. Der Reisebus, in den wir steigen, ist vollklimatisiert und wieder sitze ich neben dem jungen Mann. Ist das ein Zufall oder habe ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Bevor wir abfahren begrüßt uns die Reiseleiterin und erzählt uns ein wenig über die Stadt Luxor. Wir bleiben aber nicht lange, denn die MS Nile Rhapsody wartet am Nilufer auf uns. Als wir uns dem Ufer nähern und die Rhapsody in Sicht kommt, kann ich meine Aufregung kaum zurückhalten. Stehend im Bus drücke ich meine Nase an die Glasscheibe und stelle fest, dass sie meinen Vorstellungen entspricht. Der Bus hält und wirbelt den Sand auf, der sich über die Straße gelegt hat. Ich setze meine Sonnenbrille auf und ziehe mir den Sonnenschutz ins Gesicht. Voller Erwartungen steige ich aus dem Bus. Ich habe mir eine Kabine auf dem Vorderdeck reservieren lassen, denn ich weiß in der Nähe der Maschinen, ist an Schlaf nicht zu denken. An Bord angekommen, begrüßt uns der Steward und weist uns die Kabinen zu. Mit Schwung werfe ich die Reisetasche auf das frischgemachte Bett und schaue mich um. Es ist alles wie es sein soll. Das Bad ist klein aber zweckmäßig und die Matratzen sind auch nicht zu weich, so dass ich wohl gut schlafen werde. Ich mache mich frisch und ziehe mich um, es drängt mich die Neugier, an Deck zu gehen. Auf dem Deck ist es Hell erleuchtet. Überall sind an der Fassade Öllampen angezündet und geben eine beruhigende Stimmung wieder. Es fängt bereits an zu dämmern und ich kann gerade noch die letzte Glut der Sonne im Westen untergehen sehen. Ein fantastisches Panorama, hätte ich doch jetzt jemanden mit dem ich diesen Anblick teilen könnte. Aufgewühlt von der romantischen Stimmung, suche ich den Speiseraum, hier sollten wir uns alle mit der Reiseleiterin treffen und sie wollte uns etwas über den Ablauf der Reise mitteilen. Ich suche mir einen freien Platz aus und setze mich an den Tisch, von dem man alles überblicken kann. Wer setzt sich zu mir an den Tisch, wieder dieser junge Mann. Warum ist er nur so aufdringlich? Vorgestellt hatten wir uns schon auf dem Flug. Sein Name ist Umberto und Südamerikaner, seit Jahren ein überzeugter Single. Darum wundert es mich ein wenig, dass er so meine Nähe sucht. „Hallo Lorena, ich habe dich schon überall gesucht, wo warst du denn“? „Umberto, ich wusste nicht, dass es ohne mich nicht gehen wird, jetzt hast du mich ja gefunden. Habe ich dir den Kopf verdreht oder suchst du nur Gesellschaft, eine Reisebegleiterin, die dich bei Laune halten soll“? „Was denkst du von mir, ich dachte auch du suchst nach Abwechslung und bist abenteuerlustig und aufgeschlossener, entschuldige, wenn ich dich mit meiner Anwesenheit beleidigt haben sollte“. Schon ist er wutentbrannt vom Stuhl aufgesprungen und verlässt den Tisch. „Umberto, so warte doch“, aber er ist schon außer Sichtweite. Was habe ich mir bloß eingebildet, ich bin doch eine blöde Ziege, mit meinem direkten Angriff, habe ich Umberto bestimmt verletzt. Die Reiseleiterin betritt den Raum und begrüßt nochmals unsere Gruppe, einer fehlt, Umberto.
Am frühen morgen sollen wir in Theben West ankommen und das heißt zeitig aufzustehen.
Der Steward klopft an meine Kabine und ich schrecke aus dem Schlaf. Orientierungslos gehe ich ins Bad, dusche mit kaltem Wasser und rubble die Wasserperlen mit dem Handtuch trocken. Passend für den Ausflug suche ich eine bequeme Hose und ein T-Shirt aus. Umberto spukt in meinem Kopf, hoffentlich hat er überhaupt mitbekommen, dass wir zu den Monumenten fahren werden. Vielleicht sollte ich den Steward fragen, welche Kabine er hat und kann mich dann gleich bei ihm entschuldigen, für meine Kratzbürstigkeit. Als ich meine Kabine verlasse, finde ich den Steward und erkundige mich nach Umberto. Er ist sehr hilfsbereit und erklärt mir den Weg zum hinteren Deck, eine Etage tiefer. Ich klopfe an die Kabinentür, es rührt sich nichts. Nach einem weiteren klopfen, höre ich ein Rascheln und es öffnet sich die Tür. Umberto steht mit entblößten Oberkörper vor mir, er scheint sichtlich erstaunt zu sein. „Lorena, entschuldige bitte einen Moment, ich ziehe mir etwas über. Die Tür ist immer noch weit genug geöffnet, so dass ich meine Augen über seinen Oberkörper gleiten lasse und was ich sehe gefällt mir. Umberto wählt ein hellblaues Hemd und bedeckt seine Bräune. „So, jetzt kann ich dich herein bitten, nimm doch Platz“. „Umberto, ich wollte mich bei dir entschuldigen, es ist mir wirklich peinlich. Ich bin oft kratzbürstig und direkt im Umgang mit Männern, ich muss erst wieder lernen mit Menschen umzugehen. Seit zwei Jahren lebe ich allein und ich habe wenig männliche Begleiter gehabt. Ich weiß nicht was ich dir noch alles sagen soll, es ist schon schwer genug mich zu entschuldigen“. „Lorena, es ist gut, ich bin eigentlich nicht so empfindlich, aber irgendwie finde ich dich sympathisch und ehrlich ich hatte keine bösen Absichten. Komm lass uns den gestrigen Abend vergessen und den Ausflug gemeinsam genießen, einverstanden“? Ich nicke und wir gehen zusammen frühstücken.
Wir legen in Theben West an und ich freue mich die Königsgräber zu besichtigen. Die Gruppe versammelt sich vor dem gemieteten Reisebus. Wir bekommen noch ein paar Instruktionen von der Reiseleiterin mit auf den Weg, bevor es losgeht. Umberto überlässt mir den Fensterplatz, denn er hat inzwischen mitbekommen, dass ich fasziniert bin von der Umgebung. Während der Fahrt erzählt uns die Reiseleiterin alles über das Tal der Könige und als es in Sicht kommt, beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Wir haben Glück, wir sind die Ersten. Es hat sich gelohnt um fünf Uhr aufzustehen. Ich bin beeindruckt von den Ausmaßen und Form des Monuments. Zärtlich streichle ich über die Hieroglyphen auf dem Sandstein und versuche die Stimmung einzufangen, bei der sie gefertigt wurden. Versunken in den Mysterien fahre ich erschreckt hoch, denn Umberto hat seine Hand auf meine Schulter gelegt. „Lorena, entschuldige, dass ich dich erschreckt habe, aber die anderen sind schon wieder zum Bus zurück gegangen“. „War ich so lange in Gedanken versunken, ich habe das gar nicht bemerkt. Machst du noch ein Bild von mir für die Ewigkeit“? Ich gebe Umberto die Digitalkamera und er legt los, dann wird es Zeit, denn die Reiseleiterin winkt bereits. Das Grab des Tut-ench-Amuns und der Besuch der Hatschepsut beeindrucken mich ebenfalls. Die Mittagshitze hat uns inzwischen eingeholt. Im Bus versorgen wir uns mit Mineralwasser und spülen den trockenen, sandigen Geschmack herunter. Der Bus fährt schon zurück zum Anleger, so dass unsere Gruppe am späten Nachmittag wieder eintrifft.
Umberto und ich haben uns die ganze Zeit über unterhalten, über Architektur, Politik und wie die Menschen hier in der Wüste überleben. Persönliches hat er noch nicht Preis gegeben und das macht mich nur neugieriger. Vielleicht taut er auf, wenn wir uns auf dem Sonnendeck treffen. In der Kabine werfe ich meine Schuhe von mir, denn meine Füße fühlen sich schwer an und sind angeschwollen von der Stauwärme des Sportschuhs. Der Wüstensand hat sich überall verfangen, sogar in meinem Schlüpfer. Ich dusche und genieße das kühle Nass. Aus der Reisetasche suche ich etwas leichtes, ein gelbes Top und einen blauen Wickelrock, natürlich ohne, dass zu viel Haut zu sehen ist.
Auf dem Sonnendeck wartet bereits Umberto, er hat zwei Liegestühle für uns direkt an der Reling reserviert, ein Badelaken liegt auch schon aus. Umberto reicht mir einen kühlen Kräutertee. „Darf ich dir sagen, dass du gut aussiehst, du strahlst ja richtig“. „Ist ja auch kein Wunder bei diesen Eindrücken und der netten Begleitung“. Er lacht verschmitzt. Wir nehmen Platz und ich genieße die Aussicht. Das Sonnenlicht funkelt auf dem seichten Wasser und ich bewundere die doch üppigen Palmenhaine. Diese Ruhe und die Gesellschaft von Umberto lassen ihn immer sympathischer werden.
Der späte Nachmittag geht schnell vorüber und am Abend steht der nächste Programmpunkt an. Umberto und ich haben uns natürlich wieder verabredet.
Es klopft an meiner Kabinentür und Umberto steht in einem eleganten Anzug vor mir. „Lorena, mir stockt der Atem, du siehst umwerfend aus. Da bin ich aber stolz dein Begleiter zu sein“. „Ich kann dir das Kompliment zurück geben, der Anzug kleidet dich sehr gut“. Ich verschließe die Kabine und wir gehen auf das Oberdeck. Im Speiseraum tobt bereits das Leben. Wir finden einen Tisch etwas abseits und nehmen Platz. Der Ober nimmt unsere Bestellung auf und wir prosten uns erst einmal mit einem Aperitif zu.
Die Stimmung scheint ausgelassen zu sein, denn überall hört man das Geplauder der Mitreisenden. „Umberto, warum hast du dir ausgerechnet Ägypten als Reiseziel ausgesucht“? Erwartend schaue ich ihm in die Augen, doch ich kann kein reges Interesse finden. „Es war Zufall, dass ich hier gelandet bin, denn ich musste meine eigentlich geplante Reise umbuchen, aus zeitlichen und beruflichen Gründen, die dich sicherlich langweilen würden, wenn ich sie dir nenne. Ich bin jedenfalls froh, dass ich hier bin, denn sonst hätte ich dich nicht kennen gelernt, Lorena“. Ich lächle ein wenig verschämt und trinke ablenkend, von meiner leichten Röte, aus meinem Glas. Der Ober kommt und stellt uns das duftende Essen auf den Tisch. Ich bin schon gespannt, ob sich mein Gaumen an den gefüllten Tauben erfreut. Als Beilage gibt es pikant, gewürzte Gemüse. Umberto hat den passenden Wein dazu ausgesucht. Er füllt mir und sich das Glas. „Auf die uns noch bevorstehende Reise und Überraschungen, die kommen mögen“. Der Wein ist süffig und legt sich wie ein Hustensirup um meinen Hals. Das Taubenfleisch ist zart und hat den Geschmack von Wachteln. Das Gemüse ist sehr scharf und der Knoblauchgeschmack legt sich um meine Zunge. Leicht luftzufächelnd lösche ich den kleinen Brand mit Wasser. „Lorena, ist alles in Ordnung mit dir“? „Ja, es ist nur sehr lange her, dass ich so scharf gegessen habe und ganz vergessen, dass es einem den Schweiß auf die Stirn treibt“. Unsere Konversation verlief belanglos und Umberto verhält sich immer noch verschlossen. Irgendetwas muss in seinem Leben vorgefallen sein. Das Abendprogramm wird eingeläutet. Auf der kleinen Bühne finden sich Musiker ein und das Licht wird gedämpft. Der Veranstalter betritt die Bühne und kündigt den nubischen Stocktanz, den Masri an. Gebannt schaue ich auf sie. Vier Tänzerinnen betreten sie, sie tragen Kostüme mit Pailletten und als Gürtel bunte Tücher. Die orientalischen Trommeln unterstützen ihre leichtfüßigen Bewegungen. Zu einem Quadrat formiert an langen Stöcken aus Elfenbein werden sie immer schneller, bis die Trommeln abrupt aufhören zu spielen. Das Publikum ist begeistert und auch ich falle in den Beifall mit ein. Umberto ist inzwischen näher gerückt und genießt meine Nähe, denn als ich ihn anschaue, scheint sich in seinen Augen etwas verändert zu haben. Eine weitere Gruppe von Tänzerinnen wird angekündigt, die Hathordancer. Wieder beginnen Trommeln zu spielen und die drei Tänzerinnen beginnen mit ihren ästhetischen, weichfließenden Bewegungen. Ihre Kleidung besteht aus leicht transparenten Stoffen, der ihre Haut durchscheinen lässt, wie leuchtend, gelber Wüstensand. Ihre Körper fliegen nur so über die Bühne und ihre freien Bäuche bewegen sich im Rhythmus der Trommelsoli. Auch ich fange schon an unruhig auf dem Stuhl zu wippen, denn der Tanz wirkt erotisierend. Das Programm scheint kein Ende zu nehmen, denn Zeit zum Durchatmen gibt es nicht. Der Schlangenbeschwörer ist als nächste Attraktion angekündigt. Es wird gebeten, keine unruhigen Bewegungen zu machen und Ruhe zu bewahren. Das Bühnenbild wechselt und ein Mann mit einem großen Korb betritt die Bühne. Er setzt sich in die Mitte und spielt auf seiner Flöte. Die Melodie wirkt hypnotisierend auf mich und meine Augenlider werden schwer, ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich sehe den geschmeidigen Körper der Schlange vor mir und spüre wie ihr Körper von der Melodie erfasst wird. Der Drang sich zu ihr zu bewegen ist groß und so tanzt sie langsam aus dem Korb heraus, bis sie vollständig zu sehen ist. Ein leises Raunen durchströmt den Raum. Das Spiel geht noch einige Zeit weiter, bis die Melodie immer leiser wird und dann vollkommen verstummt.
Ich spüre eine seichte Berührung auf meinen Lippen und öffne meine Augen. Umberto hat immer noch einen Finger auf ihnen und fährt erschreckt zurück, als er bemerkt, dass ich ihn beobachte. Das Abendprogramm hat seinen Höhepunkt erreicht und ich möchte nach draußen in die Nachtluft. Umberto begleitet mich. Es ist ein sternenklarer Nachthimmel und Neumond. Die Kälte schlägt mir ins Gesicht und der unberechenbare Wind zerzaust mein Haar. Leicht fröstelnd drehe ich mich Umberto zu und da sehe ich wieder diese Veränderung in seinen Augen. Sachte legt er seine Hand um meine Taille und zieht mich vorsichtig an sich heran. Seine Lippen berühren die meinen, doch ich kann mich ihm nicht öffnen.
„Umberto, bitte, verdirb nicht den schönen Abend, ich kann nicht, das geht mir zu schnell“. Erstaunt schaut er mich an und muss sich wohl überlegen, was er dazu sagen will. „Es tut mir leid, ich weiß auch nicht, was über mich gekommen ist. Deine Anwesenheit hat mich einfach verführt und ich dachte es wäre der richtige Moment, anscheinend nicht. Komm, ich bringe dich noch zur Kabine, wie es sich für einen Gentleman gehört“.
Da wir wieder zeitig aufstehen müssen verabschieden wir uns vor meiner Kabine. „Lorena ich wünsche dir eine gute Nacht und ich hoffe, dass wir uns zum Frühstück sehen, wenn nicht, weiß ich, dass du mir meine Dreistigkeit nicht verzeihen kannst“. Bevor ich darauf antworten kann, ist Umberto schon aus meinem Blickfeld verschwunden.
Müde lege ich mich in das Bett. Umberto verweilt noch ein wenig in meinen Gedanken, er ist schon ein komischer Kauz. In einer Hinsicht verschlossen, doch dann wieder ohne Berührungsängste. Die Müdigkeit schlägt sich auf meine Augenlider nieder und so döse ich langsam ein.
Bevor der Steward an meine Tür klopft, um mich zu wecken, stehe ich schon komplett angekleidet vor dem Spiegel und frisiere meine Haare. Mein Magen fragt vorsichtig nach dem Frühstück und ich gebe ihm nach. Am Buffet im Speisesaal ist es noch leer, ich bin wohl doch etwas früh. Ich suche mir etwas einheimisches Obst und nehme das englische Frühstück. Nach und nach strömen die anderen Reisegruppen ein und bedienen sich am Buffet. Da gibt es die Japaner, die ich am interessantesten finde. Sie sind sehr höflich und ihrem Interesse gilt jeder Kleinigkeit, alles wird mit einer Kamera und Digitaltechnik festgehalten. Die italienische Gruppe ist selten getrennt. Sie unterhalten sich meistens über die architektonischen Gegebenheiten und jeder will wohl den anderen davon überzeugen, dass er mehr von Architektur versteht, als alle anderen.
Umberto kommt mit einem gefüllten Teller und Kaffee an den Tisch. „Guten Morgen Lorena, hast du gut geschlafen“? „Ja, danke der Nachfrage“. Der Ober trägt eine große Vase, gefüllt mit wundervollem Lotus, an unseren Tisch. *„Schukran“. Umberto gibt ihm Trinkgeld und lächelt. „Liebe Lorena, wie ich in deinen Augen lesen kann, gefällt dir das Geschenk. Ich möchte mich noch einmal bei dir entschuldigen“. „Ich bin überrascht, woher weißt du, dass ich Lotus liebe“? „Deine Begeisterung für dieses Land und die Menschen spiegeln sich in dir wieder, es ist nicht zu übersehen und ich mag dich sehr“. Umberto nimmt meine Hand und streichelt sie zärtlich, seine dunklen Augen strahlen und seine Lippen haben sich zu einem sympathischen Lächeln verformt.
„Du hast mich überzeugt, du bist entschuldigt“. Ich lächle ihn an und wir genießen unser Frühstück.
Die Zeit ist knapp, denn heute wird es stressig. Esna und Edfu stehen auf dem Plan. In Esna besuchen wir den Khum-Tempel, jedes Monument ist in seiner Architektur und Einzigartigkeit umwerfend. Meine Freude darüber nimmt keinen Abbruch und der Horus-Tempel in Edfu lässt mich fast in die Knie gehen. Es überrascht mich wie viele Details nach so vielen Jahrhunderten noch zu erkennen sind.
Umberto ist die ganze Zeit an meiner Seite und wir betreten Hand in Hand das Monument, die Götterwohnung des Horus-Falken. Es ist der besterhaltende Tempel Ägyptens. Durch das Pylonentor schreitet man in den Hof, kommt so in die Vorhalle. Nach weiteren Metern gelangen wir zum Sanktuar, hier war das goldene Götterbild verborgen, in einem Schrein geschlagen aus einem einzigen Granitblock. An der Westwand der Vorhalle hießen Könige die Gottheiten Ägyptens willkommen, eingemeißelt als Verzeichnis. Im „Saal des Erscheinens“ trat der Gott zur Prozession hervor und im Laboratorium findet man Rezepte für Öle und Salben. Am Neujahrstag brach Horus mit seiner Göttergefolgschaft in einer Prozession zum Dach auf, um aus der Sonne neue Kraft zu schöpfen. Er besiegte Seth, den Mörder von Osiris und Gegner des Sonnengottes.
Manchmal spüre ich die Verbundenheit zwischen dem Falken und mir, ich fühle mich zu ihm hingezogen und er lässt mich eintauchen in seine Welt.
Es ist schön Umbertos Hand in der meinen zu halten, ich fühle mich dann nicht so einsam. In meinem Herzen hat die Trauer und Entbehrungen lange genug Einzug gehalten. Es wird Zeit die Tür zu öffnen, um die wärmende Sonne herein zulassen.
Wie alte Freunde verbringen Umberto und ich unbeschwert den ganzen Tag. Der Abschluss des Tages ist genau so schön und das Abendprogramm schlägt Wellen unter den Mitreisenden. In der Nacht liege ich unruhig in meinem Bett. Umberto schleicht sich wieder ein und ich erwische mich dabei, wie ich mir vorstelle, wie er wohl vollkommen entblößt aussehen mag, denn seine gebräunte Haut hat etwas orientalisches an sich, was meinen Schoß in Erregung versetzt.
Ich versinke in meiner Fantasie und der Gedanke an ihn treibt mich dazu an mich zärtlich zu streicheln. Was würde er an meiner Stelle machen? Küsst er meine Brüste und streichelt meine erregten Früchte? Liebkost er meinen Bauch und labt sich an meiner Oase? Meine Streifzüge werden immer abenteuerlicher und ich kann nicht anders, als mich bis zum Rand des Dünenkamms zu führen, bis ich vollkommen entspannt einschlafe.
 

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