Auf Stahl wachsen keine Haare

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perosito

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Oliver wurde wach, obwohl sich Alina so leise wie möglich bewegte. Das Licht der aufgehenden Sonne flimmerte zwischen den Lamellen der Jalousie. Sie schaltete vorsichtig den Radio-Wecker aus, der erst in zehn Minuten angegangen wäre, rollte sich behutsam zur Seite und setzte sich auf die Bettkante. Als sie aufstand, spürte Oliver, wie die Matratze nachgab. Er blieb mit geschlossenen Augen liegen. Jetzt wird sie auf Zehenspitzen das Zimmer verlassen, kurz auf die Toilette, danach in der Küche etwas trinken und dann die Sport-Leggings und das pinkfarbene Running-Shirt anziehen. Er stellte sich vor, wie sie vor dem Spiegel im Flur ihre Haare mit dem violetten Gummi zu einem Pferdeschwanz band, dann auf die Fitness-App ihres Smartphones tippte und mit den Laufschuhen in der Hand die Wohnung verließ. Die Kinder schliefen, es war ja Samstag und erst halb acht. Noch bis vor ein paar Wochen hatte Oliver sich morgens anstandshalber mit aus dem Bett gequält um Alina wenigstens einen Kaffee zu machen. Als dann wegen dieses neuen Projektes die Tage im Büro regelmäßig erst nach 10 Stunden endeten, war er irgendwann einfach zu müde dafür geworden. Auch Alina arbeitete mehr als früher, seit sie zur Stellvertreterin der leitenden Stationsschwester aufgestiegen war – Besprechungen, Dienst- und Schichtpläne, Hygiene-Vorschriften, dazu weiterhin Überstunden und Rufbereitschaften. Trotzdem zog sie eisern ihr Sport-Programm durch, selbst wenn sie wie heute noch eine Wochenendschicht vor sich hatte. Oliver bewunderte sie dafür, doch er bemerkte auch die Veränderungen. Ihr stets etwas angespannter Unterkiefer zeigte ihm, wie viel Kraft sie diese Selbstdisziplin kostete, die nur um den Preis von Leichtigkeit und Spiel zu haben war. Die Kinder forderten ebenfalls ihr Recht auf Mama und Papa und dann noch das tägliche Einerlei, Haushalt, Wäsche, Einkauf... kurzum: ihr Liebesleben als Paar köchelte seit einiger Zeit auf sehr kleiner Flamme vor sich hin, selten schliefen sie mehr als einmal pro Woche miteinander, wenn überhaupt.
Jetzt wartete Oliver auf das klickende Geräusch der Wohnungstür, um dann wieder einzudösen. Stattdessen hörte er, dass die Schlafzimmertür geöffnet wurde. Alina schlüpfte herein und drehte den Schlüssel hinter sich im Schloss. Schlaftrunken rollte er sich auf den Rücken und hob mühsam den Kopf. Sie stand da in ihrem hellblauen, schon etwas ausgeleierten Sloggy-Slip, eine Flasche Wasser in der Hand, und lächelte. Oliver brauchte einen Moment um die Zeichen zu verstehen: das Abschließen der Tür, etwas zu trinken (gegen den Drachenatem der Nacht) – sie hatte Lust, sie wollte tatsächlich Sex, und zwar jetzt! Er stützte sich auf seine Ellenbogen und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „It´s Quickie-Time“, flüsterte Alina und versuchte dabei das Giggeln in ihrer Stimme zu unterdrücken. Sie ließ sich mit den Knien auf das Bett fallen und reichte ihm die Flasche. Oliver setzte die Öffnung an seine Lippen und spürte das Prickeln der Kohlensäure auf seiner Zunge. So unauffällig wie möglich spülte er seinen Mund, bevor er schluckte. Alina beugte sich zu ihm vor um die Flasche wieder entgegen zu nehmen. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, dann auf den Mund und roch an ihrem Hals. Sie duftete nach Seife und einem Hauch Parfüm. Oliver nahm dadurch seinen eigenen Nachtgeruch umso bewusster wahr und wunderte sich: So viele Jahre waren sie jetzt zusammen und trotzdem gab es immer noch diese Momente der Scham. „Lass mich vorher nochmal ins Bad gehen“ - er schlug die Bettdecke zurück und versuchte aufzustehen. „Wieso denn das?“ - sie blitzte ihn aus ihren braunen Augen herausfordernd an und machte keine Anstalten, den Weg frei zu geben. Er murmelte verlegen „Naja, du riechst so gut und ich... eher nicht so.“ Sie schüttelte mit einem „Mhm mhm“ langsam den Kopf. „Bitte, Alina, wir...wir haben auch gar keine Kondome hier.“ Verschwörerisch grinste sie ihn mit geschlossenen Lippen an, griff mit einer Hand in ihren Slip und warf zwei flache, silberne Kunststoffquadrate auf die Decke neben ihm. „Et voilá“ hauchte sie triumphierend und nahm erneut einen Schluck aus der Flasche. „Ok, schön, aber ich würde mich trotzdem gerne kurz waschen, ich fühle mich so nicht...“ Weiter kam Oliver nicht, denn eine Wasser-Fontäne aus Alinas Mund traf ihn voll ins Gesicht. Er sah sie entgeistert an. „Reicht dir das an Körperhygiene?“, fragte sie kichernd. Ohne eine Antwort abzuwarten, goss sie den restlichen Inhalt der Flasche über ihm aus. Oliver saß da wie der sprichwörtlich begossene Pudel. Was war denn heute mit ihr los?, dachte er fassungslos, da kniete sie bereits über ihm, zerrte an seinem nassen Shirt und zog es über seinen Kopf. „Denk nicht so viel nach“, flüsterte sie in sein Ohr, nahm sein stoppeliges Kinn in beide Hände und küsste ihn. Dann stieß sie ihn sanft nach hinten, beugte sich über ihn und fuhr mit ihren Lippen den Hals abwärts über seine nasse Brust. Er legte seine Hände um ihre schmalen Schultern und streichelte von dort über ihre Oberarme und ihren Rücken. Sie rutschte etwas tiefer und zog ihm seine Boxershorts aus. Dann rollte sie sich schnell auf den Rücken, schob ihren Slip über ihre Füße, ließ ihn neben das Bett fallen und drängte Oliver auf die trockene Seite der Matratze. Er spürte die warme Haut ihres schlanken Körpers, der sich nun der Länge nach an seine Seite schmiegte. Sie umschloss sein Geschlecht, das sich bereits aufgerichtet hatte und nun zu voller Größe anschwoll, und schob seine Vorhaut auf und ab. Oliver stöhnte leise. Seine Hand tastete ihre Wirbelsäule entlang und wanderte abwärts über die leichte Rundung ihrer Pobacken. Mit den Fingern teilte er den Spalt und fuhr über ihren Anus hinunter zu ihren nassen Schamlippen. Er krümmte sein Handgelenk und schob zwei Finger so tief es ihm möglich war in diese feuchte Höhle hinein. Alina hielt in ihrer Bewegung inne und seufzte, dann leckte ihre Zunge über seinen Mund, tastend, fordernd, bis sie zwischen seinen Lippen Eingang fand. Ihren linken Oberschenkel legte sie über seinen rechten und rieb sich an ihm. Oliver wollte jetzt nicht mehr warten, er rollte Alina auf den Rücken, drang in sie ein und stieß ein paar Mal vor und zurück. Sie umklammerte seinen Hals mit ihren Armen und presste den Mund gegen seine Schulter um einen Schrei zu unterdrücken. „Wir brauchen ein Kondom“, keuchte sie. Für einen Moment lagen sie still aufeinander. Dann glitt er vorsichtig aus ihrer Vagina, griff nach dem silbernen Briefchen, riss die Packung auf und rollte das Gummi über seine Eichel. Diese Unterbrechung veränderte ihren Rhythmus. Oliver betrachtete die dunklen Pigmente auf ihrer weißen Haut. Alina lag mit geschlossenen Augen und leicht geöffneten Lippen da. Sie hatte ihre Arme über den Kopf gestreckt. Auch nach 11 Jahren Ehe konnte er ihren Körper noch immer lieben und begehren. Es fühlte sich gut und richtig an, jetzt, hier, mit ihr. Er streichelte über ihre Rippenbögen, die sich deutlich unter der hellen Haut abzeichneten, während die flachen Wölbungen ihrer Brüste kaum merklich schwankten wie Seerosen auf dem Wasser. Nun griff er ihre weiche Taille oberhalb ihrer Hüftknochen und zog sie zu sich heran, sodass ihr Po auf seinen Oberschenkeln landete. Mit seinen Fingern umfasste er ihre Fesseln und winkelte ihre Beine an bis ihre Füße auf seiner Brust lagen. Dann legte er seine Hand auf ihren Busch, die Finger tasteten nach ihrer Vulva und als er die Öffnung fand, ließ er sein Geschlecht wieder in ihres gleiten. Sein Becken bewegte er langsam und kreisend, fast meditativ, während er mit dem Daumen ihre Klitoris massierte. Oliver beobachtete fasziniert ihr Gesicht - die geröteten Wangen mit den Sommersprossen, die einzelne Haarsträhne, die auf ihrer Stirn klebte, das leichte Zittern ihrer Nasenflügel - und vergaß darüber fast seine eigene Erregung. Es schien sehr lange her, dass sie sich einander so hingegeben hatten - wie ein Mann und eine Frau, die sich lieben. In diesem Moment öffnete Alina die Augen, ihre Blicke trafen sich und wichen einander aus, dann war der Moment vorüber und die Spannung ihrer Körper, die sich entladen wollte, gewann wieder die Oberhand. Alinas Finger krallten sich ins Kissen, sie neigte den Kopf zur Seite, ihr halb geöffneter Mund lag an ihrem Oberarm, manchmal knabberte sie mit den Schneidezähnen auf einer kleinen Hautfalte, dann wieder summte sie leise „Hhmmm... das ist gut, mhhm... oh, ja....“. Als sie den Höhepunkt schon fast erreicht hatte, legte Oliver sich ihre Unterschenkel auf die Schultern und stieß immer heftiger zu, wobei seine Lenden gegen ihren Hintern klatschten. Alina rieb sich nun selbst ihren Venushügel und kam schließlich mit hohen, unterdrückten Schreien, Oliver beschleunigte nochmal das Tempo und schleuderte keuchend und mit letzter Kraft seinen Samen hervor. Er sank auf ihr zusammen, sie rangen beide nach Atem. Schließlich griff Oliver nach dem Rand des Kondoms, stemmte sich mühsam mit dem anderen Arm hoch, und als sein Glied aus ihrer Scheide glitt, ließ er sich einfach zur Seite fallen und blieb mit geschlossenen Augen liegen. Er spürte ihre Hand, die über seine Brust strich, dann einen gehauchten Kuss auf seiner Wange. „Schön war das“, flüsterte sie und erhob sich. „Wo willst Du hin?“ murmelte er, schon halb eingeschlafen. „Na, joggen.“

Alina stand unter der Dusche als Oliver die sms las. Ihr Smartphone lag vibrierend auf der Kommode im Flur. Sie hat Rufbereitschaft, dachte Oliver, es könnte eine Nachricht von der Klinik sein. Er nahm das schlanke, schwarze Gerät und sah auf das Display. In einer grün unterlegten Blase stand: „Auf Stahl wachsen keine Haare. Ich küsse dich, wo immer du willst. P.“
Oliver legte die Stirn in Falten. Wohl eine dieser SPAM-Nachrichten – er kannte das aus den Phasen, in denen er häufiger als sonst bei YouPorn unterwegs war. Aber Alina – bei YouPorn? Und warum eine sms? Wie automatisch wischte er im Dialog weiter nach oben. Die Nachrichten von Alina waren gelb unterlegt. Sie hatte ihren letzten Text gestern um 09:23 verschickt:
„(Herzsymbol) Deine Brust. Sie ist so hart und fest – und dabei glatt wie ein Baby-Popo.“ Sie hatte noch einen zwinkernden Smiley angehängt.
Der grüne Text darüber war von 8:16 Uhr: „Du warst atemberaubend letzte Nacht. Ich glaub, ich hab noch nie so geil gef***ckt (und so lange). Am meisten turnt mich das Spiel Deiner Rückenmuskeln an, wenn ich Dich von hinten nehme. Und was magst du?“
Es ist erstaunlich, mit welchen Fragen sich das Hirn beschäftigt, wenn es überfordert ist. Oliver entdeckte gerade, dass seine Frau mit einem anderen Mann Geschlechtsverkehr hatte. Wäre es da nicht angebracht, über diesen Rivalen nachzudenken? Woher kannte sie ihn? Wie lang ging das schon? Liebten sie sich? Doch stattdessen versuchte er sich an das Spiel ihrer Rückenmuskeln erinnern. Er mochte das auch, es war ihm nur lange nicht mehr aufgefallen. Wenn sie in letzter Zeit miteinander gevögelt hatten, waren sie wenig kreativ gewesen, meistens in der Missionarsstellung. Er stellte sich vor, wie er diese Aussage auf einem Polizei-Revier zu Protokoll gab:

(Polizeibeamtin, kurze blonde Haare, Brille): „Ist Ihnen in der letzten Zeit an der Verdächtigen etwas Ungewöhnliches aufgefallen?“
(er, unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschend): „Nein, eigentlich war sie so, wie immer. Etwas müde und abwesend vielleicht. Ich habe das auf Ihre Arbeitssituation geschoben.“
(Kritisch-prüfender Blick, dann das Tippen der Schreibmaschine).„Sie haben also nichts Verdächtiges bemerkt – auch im Bett nicht? Bitte erinnern Sie sich genau, es ist sehr wichtig für das weitere Verfahren!“
(Konzentriertes Schweigen, dann): „Ich habe mit der Verdächtigen im vergangenen Monat etwa fünf Mal intimen Verkehr gehabt. Das ist weniger als unser sonstiger Durchschnitt. Aber in Zeiten hoher beruflicher Belastung ist das auch in den vergangenen Jahren schon mal vorgekommen.“
(Verlegenes Räuspern): „Bitte verzeihen Sie, dass ich so detailliert fragen muss, aber: Gab es besondere Auffälligkeiten bezüglich der Rückenmuskulatur der Verdächtigen.“
(nachdenklicher Blick durch das vergitterte Fenster): „Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es handelte sich bei dem Verkehr fast ausschließlich um Akte in der Missionarsstellung. Deshalb kann ich Ihnen in diesem Punkt leider keine detaillierten Angaben machen.“
(Kratzen am Hinterkopf, Achselzucken, Formular aus der Maschine ziehen): „Danke, das wäre dann alles. Bitte unterschreiben Sie hier. Wir melden uns, sobald wir etwas herausgefunden haben.“

Oliver hob den Kopf, sah in den Spiegel, schüttelte unbewusst und kaum wahrnehmbar den Kopf. Dann scrollte er etwas weiter nach oben. Gelbe Nachricht vom Donnerstag um 18:44 Uhr: „Es wird etwas später (leider – weinender Smiley). Treffen wir uns um 22 Uhr direkt im Hotel? “
Oliver überlegte kurz: Donnerstagabend hatte Alina eine Fortbildung in der Klinik betreut und war anschließend mit den Teilnehmerinnen essen gegangen. Das hatte sie ihm zumindest gesagt und dann noch: „Es wird wohl spät werden.“ Er rieb mit der freien Hand über sein kratziges Kinn. Die Beweise liegen sozusagen auf der Hand, dachte er und glotzte blöde auf das Display. Vielleicht sollte ich das Handy einfach wieder auf die Kommode legen. Er brauchte jetzt Zeit zum Nachdenken, er mochte keine Situationen, in denen spontanes oder gar intuitives Handeln gefragt war. Im Bad wurde die Dusche abgestellt. Jetzt würde sie sich abtrocknen, eincrèmen, die Zähne putzen und dann... Die Tür schwang auf und sie kam heraus in Slip und BH, ein hellblaues Handtuch um den Kopf gewickelt. „Was ist..?“ Ihr Lächeln fiel in sich zusammen als sie erst auf ihr Handy in seiner Hand und dann in seine Augen blickte – Oliver kam das ganze wie in Zeitlupe vor.
„Was soll das heißen – auf Stahl wachsen keine Haare?“
Sie schluckte, ihr verschwommener Blick floh zur Decke, dann schloss sie die Augen und atmete tief ein. „Er trainiert viel... im Studio. Seine Brust, also die Muskeln sind... sehr stark ausgebildet, er meint, sie sind sozusagen - hart wie Stahl. Und er hat da eben keine Haare.“
„Ach so.“
Sie schwiegen. Das blaue Handtuch war verrutscht, Alina hielt es fest, stand hilflos da, rubbelte schließlich noch einmal ihre Haare. Sie kämpfte gegen die Tränen, das konnte er sehen, riss sich zusammen, drehte sich zur Badezimmertür, nahm ihren Bademantel vom Haken und zog ihn über, außerdem schlüpfte sie in ihre Birkenstock-Latschen. „Lass uns bitte rüber gehen“, flüsterte sie, nickte zur Erklärung mit dem Kopf in Richtung Kinderzimmertüren und schob sich an ihm vorbei, machte sich dabei ganz dünn, als ob sie ihn vor ihrer Berührung beschützen wollte – oder war es umgekehrt? Oliver griff sich eine Sweatshirt-Jacke vom Bügel an der Garderobe, die er sonst nur zum Joggen benutzte, die roch schon dementsprechend, aber da mussten sie jetzt beide durch, er rechnete sowieso nicht mehr mit körperlicher Nähe. Er folgte ihr ins Schlafzimmer und verschloss die Tür, bevor er zu ihr nach draußen trat.
Auf dem Balkon war es kühl, die Sonne hatte es noch nicht ganz über das Haus gegenüber geschafft. Die Kälte der Mineralit-Platten schnitt in seine nackten Fußsohlen, auf seinen Waden bildete sich Gänsehaut. Oliver hielt immer noch Alinas Smartphone in der Hand. Als sie es ihm vorsichtig abnahm und in die Tasche steckte, ließ er es geschehen.
„Willst Du mehr über ihn wissen?“ Oliver schüttelte sofort den Kopf. Er fragte sich, ob sie erleichtert war. Sie sah jetzt klein und kraftlos aus. Er wandte sich von ihr ab, stützte die Hände auf die Brüstung und starrte auf die Straße. Ein älterer Herr sammelte gerade vorbildlich mit einer Tüte den Haufen ein, den sein Hund auf dem Fußweg hinterlassen hatte. „Passt“, dachte Oliver.
„Olli?“ Sie hätte ihn jetzt gerne berührt, hob den Arm etwas in seine Richtung, ließ ihn dann wieder sinken. „Sag bitte was.“ Er sah zu, wie der Mann da unten den Plastikbeutel mit einem Knoten verschloss und auf den orangenen Abfalleimer zusteuerte. Es hatte keinen Sinn, nichts zu sagen, das wusste Oliver. Alina wartete weiter auf eine Reaktion von ihm. Er stülpte seine Lippen spitz nach vorn, dann spannte er sie zu einem breiten, schmalen Band, so ein paar Mal im Wechsel, als müsse er Aufwärmübungen für seine Sprechwerkzeuge machen, zum Ende pustete er nochmal laut aus. Sein Text ratterte dann aus seinem Mund als würde er mit einem Nadeldrucker auf Endlospapier gedruckt: „ Vor allem finde ich das überraschend. Es ist ja nicht so, dass das gar nicht zu verstehen wäre. Ich hab auch schon mal solche Phantasien gehabt, weißt du, ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Du (hier stotterte der Drucker ein wenig)… obwohl andererseits, warum ausgerechnet Du nicht?“ Er hatte seinen Blick dabei die ganze Zeit auf den Mülleimer da unten fixiert. Jetzt stockte er und drehte den Kopf etwas in ihre Richtung. Aus den Augenwinkeln sah er die Tränen auf ihren Wangen und die Schneidezähne, die auf ihrer Unterlippe kauten. Ihre Schultern zitterten leicht. „Bitte glaub mir, es ist nichts...nichts, was mit uns zu tun hat. Ich liebe dich, Olli.“ flüsterte sie, und dann, noch leiser „Was machen wir denn jetzt?“ Sie lehnte ihre Schläfe an den Rahmen der Balkontür und wischte mit dem Ärmel die Tränen weg, dann zog sie die Nase hoch und sah ihn ängstlich an. Oliver verschränkte die Arme vor seinem Körper und zog die Schultern hoch, wegen der Kälte und weil er sich gerne in sich selbst verkrochen hätte. Er hatte keine Ahnung, was er jetzt tun sollte, doch offensichtlich war es an ihm, etwas zu machen, also warf er den Nadeldrucker wieder an: „Also zum jetzigen Zeitpunkt würde ich sagen, dass ich ein Leben mit Dir einem Leben ohne Dich immer noch vorziehen würde. Allerdings bin ich nicht bereit um dich zu kämpfen. Das erscheint mir würdelos, wenn ich da jetzt mit deinem Bodybuilder in einen Wettstreit treten würde. Ich denke mir, dass du das eigentlich entscheiden solltest, wie wichtig dir das ist und was dir das Zusammensein mit den Kindern bedeutet – und natürlich auch mit mir…“ Oliver atmete erschöpft aus, auch Alina schien ermattet. Sie versuchte ein Lächeln (das misslang), hob dann vorsichtig die Hand um ihm das Gesicht zu streicheln. Er ließ es geschehen, aber so, dass sie die Hand gleich wieder sinken ließ. Dann brach das Weinen aus ihr heraus, sie heulte und zuckte, schlang ihre Arme um seinen Hals und stammelte „Ichliebedichichliebedich“, zunächst kaum hörbar, dann hektisch keuchend, immer wieder, nur unterbrochen von heftigem Schluchzen. Oliver spürte die Nässe in seinem Gesicht, schmeckte die salzige Flüssigkeit, die ihr aus Augen und Nase rann, und dann ihre Zunge in seinem Mund, die er sofort in Empfang nahm und mit seiner Zunge beantwortete. Sie klammerte sich an ihn wie eine Ertrinkende, er wollte sie festhalten und stützen, sie griff seine Hand und presste sie auf ihre Brust, leckte sein Gesicht und küsste ihn, seine Augen, seine Ohren, seinen Hals. Er presste wieder seinen Mund auf ihren, die Zähne an den Lippen, dass es schmerzte, und krallte seine Finger unter dem Bademantel in ihren Rücken. Sie stöhnte, vergrub eine Hand in seinen Haaren und tastete mit der anderen nach dem Türgriff. Er drängte sie über die Schwelle, sie stolperten und stürzten fast. Während sie sich weiter küssten, zogen sie hastig ihre Kleidung aus - er warf seine Jacke hinter sich, sie ließ den Bademantel neben das Bett fallen. Als sie nackt voreinander standen, waren sie einen Augenblick wie erstarrt. Am Horizont ihres Bewusstseins tauchten grüne und gelbe Sprechblasen auf. In Alinas Augen flackerte so etwas wie Panik, dann presste sie ihre Lippen erneut auf seinen Mund, er grub seine Fingernägel in ihre Arschbacken, warf sie grob auf das immer noch feuchte Laken und ließ sich neben sie fallen, schob seine Hand zwischen ihre weit geöffneten Schenkel und versenkte einen Finger in ihrem nassen Spalt. Alina fühlte seinen harten Ständer in ihrer Hand, drängte Oliver auf den Rücken und kniete sich über ihn, half mit der Hand nach, sodass er direkt und tief in sie eindringen konnte. Aus ihrer Kehle drang ein raues „Oahhr“. Während sie auf ihm ritt, legte er seine Hände um ihre Brüste und zwirbelte mit Daumen und Zeigefinger ihre harten Nippel. Dann packte er ihren Hinterkopf, zog sie zu sich herunter, knabberte an ihrem Ohrläppchen und flüsterte: „Ich will dich von hinten.“ Sie biss ihm einmal zärtlich in den Hals, dann stieg sie von ihm herunter und wartete bereitwillig in der Hundestellung, während er ein Kondom überstreifte, sich hinter sie kniete und, mit dem Schwanz in der Hand, Maß nahm. In dem Moment, als er sich in ihre saftige Frucht versenkte, vibrierte das Handy.
 
Hallo peresito,
ein ganz alltägliches Thema. Passiert bestimmt oft genug so oder ähnlich.
Was aber massiv stört, sind die Monsterblöcke ohne Absatz. Man kämpft sich einen steilen Bergweg hinauf und gerät schnell aus der Puste.
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

perosito

Mitglied
Hallo Rainer,
Danke für Deine Rückmeldung. Bergsteigen ist zwar ein schöner Sport, aber ich kann Deinen Kummer über die Monsterblöcke verstehen. Beim nächsten Mal wird´s besser.
Grüße, P.
 

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