Aufgegriffen

Terminator

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Aufgegriffen


Ich hatte es sehr bald spitzgekriegt, dass ich ihn nicht mehr befriedigte. Vor einer Minute noch hatten wir es fröhlich gemeinsam getrieben, Fleisch rieb sich an Fleisch. Und im nächsten Moment ließ er mich fallen, ich stand allein da, fühlte mich total abgefuckt und wusste nicht, wohin mit mir. Ich stupfte mit dem Kopf gegen den samtweichen Stoff der Bettdecke, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, ich hüpfte und tänzelte unterm Bettlaken, aber er war einfach nicht mehr interessiert. Er blieb kalt und abweisend. Es war gerade so, als hasste er mich. Ich sage es Ihnen ganz offen. Ich hatte das Gefühl, kein Schwanz wollte was von mir wissen.
Na gut, Schwanz bin ich selber, obwohl, persönlich ziehe ich den Begriff Penis vor. Natürlich hat dieses Wort ein bisschen etwas Steriles an sich, es erinnert an Abbildungen in Biologie-Schulbüchern von etwas schlaff Herunterhängendem. Aber das ist weitaus besser, als Gegenstand von Slangwörtern oder beschönigenden Umschreibungen zu sein. Bitte, bezeichnen Sie mich als wuchtig, imposant oder erregend. Nennen Sie mich sogar mächtiges Glied. Mächtiges Glied gefällt mir übrigens besonders gut. Aber bitte sagen Sie niemals Pimmel oder Prügel zu mir.
Warum wundert es Sie eigentlich so, dass ich mich persönlich zu Wort melde? Seit Jahren reden Frauen über das Eigenleben des Penis. Was ist denn so schockierend daran, wenn man herausfindet, dass wir auch tatsächlich eines haben? Wir bestehen nun mal nicht nur aus einem Bündel sensibler Nervenenden und Schwellkörper (obwohl dies, ehrlich gesagt, einen unserer großen Reize ausmacht). Wir haben starke und tiefe Gefühle. Wir sind zu edlen Gedanken fähig. Einige von uns rezitieren Gedichte, wenn auch sehr leise. Wir haben Freude am Tanzen, an schöner Kleidung, an Gymnastik.
Und wir sind verletzlich. In jener Nacht, als er und ich im Bett lagen und er mich einfach von sich stieß und links liegenließ, war ich vollkommen fertig. Denn ehrlich gesagt, wenn ich dazu nicht mehr tauge, dann bin ich kaum zu etwas anderem zu gebrauchen. Leider war dies nicht gerade ein Thema, über das wir uns offen unterhalten konnten. Unsere Beziehung mag zwar eng sein, aber sie ist rein körperlich. Wenn ich erfahren will, was eigentlich abläuft, muss ich mit dem Unbewussten reden. Das tat ich dann auch.
„Sorry, mein Lieber“, sagte das Unbewusste, „aber es langweilt ihn ein bisschen.“ Das Unbewusste ist nichts weiter als ein furchtbarer Aufschneider; es bildet sich ein, alles bestimmen zu können. „Langweilen? Wieso langweilen? Verdammt noch mal, wir machen das jetzt schon 15 Jahre lang zusammen.“
„Eben, mein lieber Herr, eben.“
„Was soll das heißen?“
„Wie gesagt. Sie beide treiben das gleiche schon seit 15 Jahren zusammen.“
„Und plötzlich fällt ihm ein, dass ich nicht mehr gut genug für ihn bin?“
„Ist natürlich äußerst deprimierend, verstehe ich, aber so sieht es nun leider mal aus.“
„Was hat sich denn geändert? Irgendwas muss sich doch geändert haben!“
„Nichts hat sich geändert, mein lieber Freund, das ist ja der springende Punkt, fürchte ich. Fünf Minuten oder wenn´s hochkommt, zehn, ein unscheinbarer Fleck auf dem Bettlaken und die Sache hat sich…“
„Ich bitte Sie! Sie reden über mein Lebenswerk.“
„Tut mir leid, mein Lieber, aber so ist es nun mal.“
Das habe ich natürlich nicht so einfach hingenommen. Man ist einer Sache nicht einfach so überdrüssig, nicht das Masturbieren. Zu sagen, dass ein Mann genug vom Masturbieren hätte, käme der Behauptung gleich, dass er keine Lust mehr hat zu atmen. Also sagte ich: „Da steckt doch noch was anderes dahinter.“
Das Unbewusste starrte verlegen auf meine Füße.
„Um Himmels willen, spucken Sie´s aus.“
Das Unbewusste seufzte. „Oje, oje, oje. Also hören Sie, erinnern Sie sich, vor einigen Nächten, an die Rothaarige?“
„Aber gewiss. Die war ja nur Haare und Klitoris.“
„Ganz recht. Genau die; das Mädchen, das eine Voyeurismus-Nummer vorschlug.“
„Na klar. Zuerst hatte sie mir dabei zugesehen, dann sollte er ihr dabei zusehen. Ich war doch einsame Spitze, oder? Das waren bestimmt 15 Minuten Schwerstarbeit.“
Es zog die Luft durch die Nase. „Ja, mein lieber Freund, und danach sind Sie eingeschlafen.“
„Na und? Ich war fix und fertig.“
„Bei ihr hat es ein wenig länger gedauert.“
„Wieviel länger?“
„Erheblich länger.“
„Wieviel ist erheblich länger?“
Das Unbewusste zögerte. „55 Minuten. Sie ist siebenmal gekommen.“
„O Gott.“
„Sie verstehen, er laboriert zur Zeit an einem kleinen Trauma. Er glaubt, die ganze Sache lohnt sich nicht mehr. Fünfzehn Minuten und ein Orgasmus können es nun mal nicht mit 55 Minuten und sieben Orgasmen aufnehmen, nicht wahr.“
„In der Tat“, erwiderte ich und ließ beschämt den Kopf hängen. „Das kann ich gut nachvollziehen. Haben Sie es mit den beliebten Dauerbrennern versucht?“
„Aber natürlich, Kumpel. Masturbatorische Fantasien, die er sich niemals zu äußern wagen würde, stehen ganz oben auf der Liste meiner Tätigkeitsbeschreibung. Mein Angebot enthielt Jenifer Aniston, drei Gläser Erdnussbutter und eine Wuchtbrumme namens Sophie, das sechzehnjährige Mädchen mit den großen Brüsten, das er zum letzten Mal mit kaum zwölf Jahren gesehen hatte; ich habe ihm sogar die Fernsehsprecherin der Wettervorhersage mit dem vernünftigen Schuhwerk, Claudia Schiffer und die beste Freundin seiner Mutter in einer menage à trois angeboten.“
„Und nichts passiert?“
„Sie sagen es.“
„Tja, er hat wohl wirklich aufgegeben.“
Wir schwiegen beide. „Hören Sie, mein lieber Freund“, sagte das Unbewusste schließlich. „Machen Sie sich keine allzu großen Sorgen. Er wird die Sache schon in Ordnung bringen. Er muss. Sie sollten sich jetzt allerdings darauf gefasst machen, dass nun Dinge passieren werden, die ein wenig…“
„Die ein wenig was?“
„Na ja, die ein wenig unkonventionell sind.“
Wie ich bald darauf feststellen sollte, hatte das Unbewusste auf einmal ein Talent zum Understatement entwickelt.
Drei Tage später hörte ich das sirrende Geräusch des Metallreißverschlusses und fühlte, wie ich vorsichtig ans kühle Tageslicht hinausgehoben wurde. Anfangs war ich natürlich begeistert. Ich ging davon aus, dass er den Entschluss gefasst hatte, diese blöde Miß-Sieben-Orgasmen-in-der-Stunde zu vergessen, um wieder den normalen Betrieb aufzunehmen. Und ich reagierte auf seine Berührung, in seiner Handfläche reckte ich mich auf und fühlte, wie mein Puls mit seine-m Herzschlag im gleichen Takt schlug. Bis ich zu voller Lebensgröße ausgefahren war. In dem Augenblick schlug mein Kopf gegen etwas Großes und Gebogenes direkt über mir. Außerdem bemerkte ich ein starkes Vibrieren und vernahm leise knatterndes Motorengeräusch. „Herrgott noch mal, was geht hier vor?“ schrie ich.
„Kein Grund zur Aufregung, mein lieber Freund“, sagte das Unbewusste. „Wir werden nur eine kleine Spritztour machen.“
„Wer sitzt am Steuer?“
„Natürlich er. Das war´s auch, gegen das Sie Ihre kleine Person gestoßen haben. Das Steuerrad“.
„Ist mir schon klar, dass ich diese Frage bereuen werde, aber warum?“
Das Unbewusste hielt eine Sekunde inne, während der Gang gewechselt wurde. „Er dachte, das Ganze etwas interessanter gestalten zu können, wenn ihr beide zur Sache kommt und er dabei im Auto fährt. Man könnte es wohl als ein Experiment in…“, das Unbewusste kicherte, „…Auto-Erotik nennen.“
„War das Ihre Idee?“
„Strenggenommen ist es eine Erweiterung der Auto-Penis-Symbolik, ein aufgemotztes großes
Fahrzeug dient als konkreter Ausdruck für den männlichen Größenwahn in puncto seiner Genitalien.“
„Mit anderen Worten, es war doch Ihre Idee.“
„Ich hatte mir gedacht, es wäre einen Versuch wert. Er hatte es schon immer mit Autos.“
Plötzlich durchzuckte mich ein fürchterlicher Gedanke. „Moment mal. Sein Wagen hat eine manuelle Schaltung. Wenn er mich in einer Hand hat, muss er jedes Mal das Steuerrad loslassen, um den Gang zu wechseln. Das kann ja richtig gefährlich werden.“
„Um Himmels willen, so beruhigen Sie sich doch“, sagte das Unbewusste. „Er hat extra für diesen Anlass einen Wagen mit automatischer Gangschaltung gemietet. Damit sich die Umsetzung seiner Fantasie in die Wirklichkeit auch lohnt, darf man ein wenig Kosten und Mühe nicht scheuen.“ Der Wagen machte einen Ruck und die Hinterreifen schlitterten über die Straße. „Es ist natürlich ein wenig schwierig, mit einer Hand um eine Kurve zu biegen, aber ich finde, langsam hat er den Dreh raus.“
„Verdammte Scheiße“, brüllte ich. „Ich hau hier ab. Ich werde doch nicht meine Person in Gefahr bringen, nur um seinen Todestrieb zu befriedigen.“ Schnell verzog ich mich in die Wärme seiner Hose. Ich fühlte, wie er heftig an meinem weicher werdenden Fleisch zupfte und zog, aber ich blieb ungerührt. „Sagen Sie ihm, wenn er sich das nächste Mal etwas wunderbar Ausgefallenes vornimmt, dann bitte etwas in Ruhelage.“
Und, das muss man ihm zugutehalten, er hat sich genau daran gehalten: als er mich bei der nächsten Gelegenheit wieder rauszog, stellte ich sofort fest, dass wir uns nicht bewegten, außer den üblichen rhythmischen Bewegungen seiner Hand. Allerdings standen wir, und ich sah mich von meiner aufgerichteten Stellung aus einmal genauer um. Die Gegend war mir fremd. Große, zusammengewickelte Schläuche und Werkzeuge aus Metall stapelten sich um mich herum, und ich hätte schwören können, dass ich in der Ferne einen Schubkarren erblickte. „Okay“, sagte ich und gab dem Unbewussten einen kleinen Stoß. „Heraus damit. Wo sind wir? In einem Schuppen?“
„Welch armselige Fantasie“, meinte das Unbewusste. „Wieso, um alles in der Welt, sollte jemand in seinem Schuppen masturbieren wollen?“
„Was weiß ich. Aus Liebe zum Torfmull? Vielleicht ein Bedürfnis nach Tapetenwechsel?“
„Tapetenwechsel? Haben Sie nicht mehr drauf?“
„Natürlich hätte ich das, aber das verstieße gegen einige Gesetze“, schnüffelte ich indigniert und wiederholte meine erste Frage: „Wo sind wir eigentlich?“
„In einem Eisenwarengeschäft, Gartenabteilung.“
„Warum haben Sie ihn hierhergebracht?“
„Ich habe nichts damit zu tun, mein lieber Freund. Das war Egos Idee. Ego meint, es würde ihn interessanter machen, wenn er sich irgendeinen Fetisch zulegte. Frauenkleidung und Gummiwäsche sind ein wenig passé. Also hat er sich für Gartenwerkzeug entschieden.“
„Haben Sie ihm das nicht ausreden können? Schließlich ist doch Ego ein Teil des Unbewussten.“
„Natürlich ist Ego ein Teil von mir, aber nur soweit, wie ein Sohn eben zu seiner Familie gehört. Es wäre unangemessen gewesen, wenn ich mich da eingemischt hätte. Abgesehen davon fand ich die Idee gar nicht mal so schlecht. Ich meine, sehen Sie doch mal da drüben. Die Zinken an dieser Heugabel sind einfach hinreißend; die verführerische Kurve des Metalls; die scharfe, gefährliche Spitze; der dunkle, kohlschwarze Glanz ihrer Oberfläche…“
Ich muss gestehen, ich sah, auf was er hinauswollte. Als das Unbewusste über den sinnlichen Reiz der neuen Eisenwaren ins Schwärmen geriet, fühlte ich, wie sich die Blutzufuhr bei mir verstärkte und sich mein Kopf aufrichtete, als wir gemeinsam dem ersehnten Augenblick der Wahrheit entgegendrängten.
Und dann kreischte das Unbewusste los: „O Gott, o Gott, da kommt jemand.“
„Jaa! Ich.“
„So halten Sie doch die Klappe, Sie blöder Saftheini, und ab zurück hinter den Reißverschluss. Man könnte Sie sehen.“ Daraufhin wurde ich zusammengelegt und weggesteckt. Die ganze Sache war äußerst unwürdig und zudem auch äußerst unbequem.
Also war ich mehr als ein wenig besorgt, als ich beim nächsten Mal den Reißverschluss vernahm und ich aus der kuscheligen Wärme meines Bettes herausgehoben wurde. Unwillig schlüpfte ich hinaus, ein weiches, in sich zurückgezogenes Etwas, das die alten Tage unter der Bettdecke herbeisehnte, die wohl nun endgültig zur Vergangenheit gehörten.
Aber dann bemerkte ich, wie mir das Sonnenlicht angenehm warm auf den Kopf schien und Wiesenblumen hoch um uns herumstanden. Ich hörte den zarten, lockenden Ruf der Singvögel in den Bäumen und das sanfte Rascheln der Wiesengräser, die im lauen Sommerwind hin und her wogten.
„Schönen guten Tag, mein lieber Freund“, sagte das Unbewusste mit weicher, gedankenverlorener Stimme. „Schön, Sie wieder mal unterwegs zu sehen.“
Ich reckte mich auf, um so viel wie möglich von der Sonnenwärme zu ergattern. Seine Hand bearbeitete mich mit streichelnden Bewegungen, aber sanft und langsam, als stünde ihm alle Zeit der Welt zur Verfügung. „Tja, da sind wir wieder.“
„In der Tat, mein Bester, aber Sie haben nichts zu befürchten. Im hohen Gras sind wir vor allen Blicken geschützt.“ Ein Schmetterling kam herangeflattert und landete auf seinem Knie, für einen kurzen Augenblick faltete er die glänzenden Flügel, ehe er sich wieder in die Lüfte erhob.
„Ich muss gestehen, gar nicht übel hier. Verdammt erholsam, sich mal einen in der freien Natur runterzuholen.“
„Genau das haben Ego und ich auch gedacht. Wir sind zum Schluss gekommen, euch fehlte der Anblick von hübschen Dingen, wenn ihr beide losgelegt habt. Meist befinden Sie sich ja im Dunkeln oder starren auf seine Zimmerdecke, was man wohl kaum als berückende Aussicht bezeichnen kann.“
„Nein“, erwiderte ich. „Nicht wirklich, jetzt, wo Sie es erwähnen.“
„Hier sind wir also auf einem Tagesausflug draußen auf dem Land und genießen alles, was die Natur uns zu bieten hat. Der Wind streicht uns sozusagen durchs Haar. Wir atmen die herrlichen Düfte von Mutter Natur ein. Was kann man sich mehr wünschen?“
„Nichts“, sagte ich und fühlte, wie ich unter seinem Griff vor Wohlbehagen anschwoll. „Überhaupt nichts.“
Da stand ich nun stolz aufgerichtet in freudiger Erwartung und drängte dem ekstatischen Höhepunkt entgegen. Ich war schlicht und ergreifend in meinem ureigensten Paradies. Dann stach mich eine verdammte Biene.
Das hätte das Ende bedeuten können. Im Ernst. Nach der bewussten Autofahrt, nachdem ich in der Eisenwarenhandlung unsanft aus dem Weg geräumt worden war und ein blödes Insekt mich mit seinem Gift gespritzt hatte, war mir alles wirklich und wahrhaftig vollkommen gleichgültig geworden. Miß-Sieben-Orgasmen könnte von mir aus bis ans Ende ihrer Tage an sich herumspielen. Sie könnte vier Dutzend Mal in der Nacht kommen. Mir war das ganz egal. Ich wollte nichts mehr damit zu tun haben. Ich war fest entschlossen, mich für den Rest meines Lebens auf nichts Weiteres als auf Urinale zu richten. Zugegeben, nicht gerade ein aufregendes Leben, aber es schien mir doch erheblich sicherer zu sein als die Alternativen.
Und dann geschah etwas völlig Unerwartetes. Eines Abends wurde ich vom Unbewussten aufgeweckt, das mich wie ein Bauarbeiter anbrüllte. „Hey! Penis! Aufstehen!“ Ich drehte mich um und versuchte wieder einzuschlafen.
„Ich spreche mit Ihnen, Penis! So rühren Sie sich doch, Sie faules Aas. Das müssen Sie sich einfach ansehen.“ Ich vergrub mich tiefer zwischen dem Spalt seiner Schenkel und hoffte, das Unbewusste würde verschwinden. Aber das tat es nicht. „Penis! Bitte!“ Er bat mich jetzt inständig. „Schauen Sie nur schnell mal hin. Wenn es Ihnen nicht gefällt, müssen Sie auch nichts tun. Aber bitte! Nur einen kurzen Blick. In Erinnerung an alte Zeiten.“
Widerwillig begann ich mit meinem Kopf gegen die Rückseite des Reißverschlusses zu stupsen, bis sich die Zahnketten aus Metall öffneten und ich mich ruck, zuck im gewohnten Schummerlicht des Wohnzimmers befand. Wir saßen auf dem Sofa und sahen fern. Und da, auf dem Bildschirm, liefen sechs hinreißende Frauen in knallengen Badeanzügen den Strand entlang. Anfangs versuchte ich natürlich so zu tun, als ob mich das überhaupt nicht interessieren würde. Denn schließlich und endlich, warum sollte es auch? Ich für meinen Teil hielt das Masturbieren für eine körperliche Gefahr. Es war riskant. Eigentlich hätte ich eine Medaille verdient für das, was ich durchgemacht hatte.
Aber lange Zeit konnte ich das nicht aufrechthalten – oder, ich sollte wohl besser sagen, runterhalten –, denn mamma mia! Sechs Stück davon. In Badeanzügen. Mit großen Brüsten. Sie rannten auf und ab. Und ihre Brüste wogten auf und ab.
Auf und ab.
Auf und ab.
Bald bewegte sich auch seine Hand auf und ab. Und, zu meiner großen Überraschung stellte ich fest, es machte mir Spaß. Riesenspaß sogar. Wir legten richtig los, er und ich, wir hatten großes Vergnügen aneinander und schwelgten in den Bildern vor uns im Fernseher. Wir gingen ineinander auf, wir bildeten eine vollkommene Einheit und bahnten uns gemeinsam den Weg zum besten Höhepunkt seit Jahren. Vielleicht dem besten überhaupt. So gut war es. Dann, ein paar Minuten später, fingen wir wieder von vorn an. Und noch ein drittes Mal. Wir saßen wieder im Sattel, und ich hätte nicht stolzer sein können.
Halt, ich weiß genau, was Sie denken. Sie finden, bei Baywatch zu masturbieren ziemlich abgeschmackt. Vielleicht haben Sie sogar recht. Gut möglich, dass es abgeschmackt ist. Aber das liegt daran, dass die Selbstbefriedigung von Haus aus keine so tolle Angelegenheit ist. Sie ist weder ein glanzvolles Ereignis noch sensationell und auch nicht von politischer Bedeutung. Niemand wird ein schönes Gedicht darüber schreiben oder ein Gebäude zu ihren Ehren errichten noch ihr zur Feier eine Symphonie komponieren. Was nicht heißt, dass die Selbstbefriedigung nichtsnutzig ist. Schließlich hat sie noch niemals einen Krieg entfacht und dick macht sie auch nicht
. Sie hat Millionen von Jugendlichen vor dem Wahnsinn bewahrt, und obendrein ist sie völlig für umsonst.
Wir werden uns deshalb also nicht den Kopf zermartern. Letztendlich haben wir ja die ganze Affäre hinter uns gebracht. Er traf die Rothaarige nicht mehr, er ging nicht mehr ins Eisenwarengeschäft, eine echte Erleichterung. Außerdem hatte er die Nummer im Auto aufgegeben. Der Nachmittag auf dem Berghang hatte ihm klargemacht, dass dies eine reine Umweltverschmutzung gewesen war. Was mich betraf, hätte ich gerne das Unbewusste gebeten, zwischen uns zu vermitteln, damit er und ich uns einmal über alles aussprechen könnten, was er mir da zugemutet hatte. Aber, wie gesagt, unsere Beziehung ist rein körperlich. Wahrscheinlich funktioniert sie auch so am besten.
 

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