August, natürlich

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Ciconia

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Die Sommermahd ruht duftend auf den Wiesen,
zwei Störche staksen konzentriert durchs Heu.
Im Rundfunk wird der Sonnentag gepriesen,
das Klima definiert man täglich neu.

Ein Hummelduo schwirrt um Sonnenhüte,
August eröffnet jetzt die Nachsaison.
Verbraucher meiden jede Plastiktüte:
Mehr Umweltschutz, kommt endlich zur Raison!

Maschinen formen trocknes Heu zu Ballen,
und Adebar zieht fort nach Afrika.
Demnächst lässt man es bei der Treibjagd knallen,
denn früher waren mal Fasane da.

Der Bauer plant fürs nächste Jahr ein Maisfeld,
die Biogasanlage wartet schon.
Und auch für Windkrafträder lockt ein Preisgeld.
Naturbelassen? Klingt nach blankem Hohn!
 

blackout

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Ciconia, ein Rundumschlag durchs bundesdeutsche Umweltthema, das kein Thema ist, sondern nur Füllstoff fürs Sommerloch. Die erste Strophe ist ein guter Einstieg. Danach werden die gängigen Themen im Grunde nur noch aufgezählt. Doch reicht meiner Ansicht nach das bloße Konstatieren "So ist es" als wirkliche Kritik noch nicht aus.

Handwerklich, wie wir es von dir gewohnt sind, sauber geschrieben.

Gruß, blackout
 

Ciconia

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Danke für Deine Einschätzung, blackout.

Sicher reißt dieses Gedicht das Umweltthema nur an, niemals könnte es mehr sein. Es sollte auch nur die realen Widersprüchlichkeiten im kleinsten Umfeld abbilden, wo auf den ersten Blick die Natur noch in Ordnung ist, aber rundherum immer mehr davon verschwindet: Noch ein riesiges Maisfeld, noch eine hässliche, stinkende Biogasanlage und – vor allem in Norddeutschland – noch mehr Windkrafträder, die den Blick auf Natur endgültig verstellen und vernebeln, während wir den Atomstrom mal eben jenseits der Grenzen dazukaufen. Welch ein Wahnwitz!

Gruß Ciconia
 

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