Bald vorbei

Anonym

Gast
Bald vorbei

Als ich jung war, lag ein Zauber
wohl auf jedem kleinen Ding.
Alles schien mir von Bedeutung,
was auch immer ich anfing.

Golden glänzte jede Gasse
bei Geschrei und Glockenklang.
Jede Pfütze – ein Geheimnis,
jeder Dornbusch – voll Gesang.

Als ich jung war, lag ein Lächeln
auf der Welt um mich herum.
Jedes Staubkorn hatte Seele.
Ach, ich war wohl ziemlich dumm.

Nun, im Alter, bin ich klüger.
Weiß Bescheid, kenn allerlei.
Auf den Straßen: Müll und Scheiße.
Wie mein Leben.

Bald vorbei.
 

Anonym

Gast
Ist das Gold auch längst verschwunden
Silber hast du nun im Haar,
und es war nicht alles Scheiße,
manches sicher wunderbar.;)

Liebe Grüße
molly
 

Anonym

Gast
Hallo A.,

ein Gedicht mit scharfer Wendung und bitterem Schluss. Nun, wahrscheinlich kann man dem LyrI die Bitterkeit nicht ausreden und vielleicht hat es auch gute Gründe, diese späte Lebensphase als trost- und ausweglos zu empfinden. Der aggresive Schluss macht betroffen und ein bisschen - pardon, wenn ich das so sage - wirkt er in dieser eruptiven Form auch unfreiwillig komisch.

nachdenkliche Grüße
wüstenrose
 

Anonym

Gast
Liebe Molly,

danke für den hübschen Reim und - Du hast natürlich recht: Es war nicht alles und ist nicht alles ... Literatur hat es so an sich, als Spielwiese für mutwillige und auch böswillige Über- und Untertreibungen herhalten zu müssen...

A.
 

Anonym

Gast
Hallo Wüstenrose,

Du hast es wirklich erfasst: das Gedicht ist wie ein Menschenleben: tragisch und meist auch komisch.

Nebenbei: ich bin noch gar nicht so alt und auch, von gelegentlichen Frustanfällen mal abgesehen, auch keiner "vom Wunsche des schnellen Endes"...

Danke für den einfühlsamen Kommentar!

A.
 

Anonym

Gast
Hallo anonym


Eigentlich ein guter Text, nur wirkt das "Müll und Scheiße" etwas unwirklich. Vielleicht gäbe es doch einen anderen Ausdruck der Trostlosikeit.

Eine Kleinigkeit: In der ersten Strophe fiel mir das "anfing" auf, das rhythmisch stimmt es nicht.

LG
Tula
 

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