Begegnung

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blackout

Mitglied
Begegnung

Mehr aus Versehen kamst du in die Stadt.
Dein Haus hat noch die alte Nummer Sieben.
Du stehst davor wie neu, ein wenig platt,
wer weiß, was dich hierher getrieben.

Die Kinderjahre. Hier hast du gewohnt.
Den Zaun gibt‘s immer noch, nur ohne Loch.
Wie schade, denkst du, hätte sich gelohnt …
Was bleibt, ist heute nur noch ein Jedoch.

Ach ja, denkst du mit leichter Nostalgie.
Das ist ja lange her, schon halb vergessen.
Im zweiten Stock hängt quer die Jalousie,
dem Hause irgendwie nicht angemessen.

Es ist so still, du hörst nur deinen Schritt.
Ein Ort heut, wo selbst alle Spatzen schweigen.
Kein Kind, die Straße hat ein Defizit,
dein Innenblick sieht noch die Drachen steigen.

Hier bist du fremd, hier sieht es traurig aus.
Und du gehst weiter, denkst an alte Zeiten.
Drehst dich noch einmal um zu deinem Haus:
Auch Häuser haben ihre Sterblichkeiten.
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo,

das könnte ein schnönes Gedicht sein, würdest Du das Metrum nicht so sträflich vernachlässigen. Irgendwie will bei mir da keine Sprachmelodie erklingen. Da geht noch was.

Gruß

Jürgen
 

blackout

Mitglied
Jote, was meinst du mit "Metrum sträflich vernachlässigen"? Das sind einwandfreie Jamben. Es ist doch so: Ein Gedicht ist ja nicht eigentlich zum Lesen da, wo man unwillkürlich in den gleichmäßigen Rhythmus von Senkung - Hebung fällt, was auch beim Trochäus passieren kann, sondern zum Vortrag, und Vortrag heißt natürlich Gestalten, starke oder schwache Betonung, Zäsuren. Ich lese meine und auch fremde Gedichte immer laut, da höre sofort, wenn es irgendwo hakt und kann auch gleich das Metrum bestimmen. Schwierig wird es dann, wenn man einen muttersprachlichen Dialekt spricht, der stark vom Hochdeutschen abweicht. Ich weiß nicht, sprichst du Dialekt?

Dank dir fürs Interesse an dem Gedicht.

blackout
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
...ja aber man muss den natürlichen Sprachrhythmus meines Erachtens zu sehr verbiegen, um diese Zeilen zum klingen zu bringen. Und man könnte sie mit etwas Feilarbeit auf jeden Fall "geschmeidiger" machen.
 

blackout

Mitglied
Da hast du sicher recht, Jote. Jedes Gedicht könnte man immer noch besser schreiben. Falls man es könnte. An welche Richtung dachtest du mit dem "Klingen"? Ich bin hier ein bisschen melancholisch, betrachtend rangegangen, ich glaube, das entspricht dem Thema.

blackout
 

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