Beim Lesen einer Meldung

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blackout

Mitglied
Stumpf geworden die Worte,
der Lack ist ab. Wir entblößen erlernte Unfähigkeit,
wir selbst zu sein, rutschen nicht mehr aus
auf dem Parkett der tröstlichen Lügen.
Mystisch, gefangen im Käfig
unserer Vergangenheiten, verklären wir
die verschiedenen Gegenwarten
zur Unerklärbarkeit, und eitel (das haben wir ja
schon immer gewusst!), spiegeln wir uns
im Jargon ertaubter Skribenten
des Ungeheuerlichen. Wer nicht für uns ist,
ist gegen uns, da bleibt kein Stein
auf dem anderen. Zu Recht, wie die
Apologeten uns weismachen wollen.

Die Lingua Imperii marschiert,
die Headlines fest geschlossen, bis der Glanz
der Verstümmelung uns endgültig
zu Blinden gemacht und selbst unsere Mägen
auf Natron verzichten können.
 

Tula

Mitglied
Blackout

Ich finde dieses zum Beispiel ausgezeichnet, bis auf den zweiten Teil, der ist mir etwas zu dick aufgetragen.

LG
Tula
 

blackout

Mitglied
Soll das Textarbeit sein, Tula? Gefällt mir oder nicht, das können Hinz und Kunz sagen, aber nicht Autoren in einem Lyrikforum, da erwarte ich aber doch ein wenig mehr Arsch in der Hose.

blackout
 

Tula

Mitglied
Hallo blackout

mein Hintern ist mir breit genug, aber wenn du hier Textarbeit einforderst, liegst du völlig richtig, denn daran sollten wir arbeiten anstatt uns mit Blümchen oder Pferdeäpfeln zu bewerfen. Der “Verlust” des Bewertungs-Systems in der neuen LL-Version könnte da sogar einen positiven Nebeneffekt mit sich bringen. Ein geheimer Wunsch …

Was ich bei diesem Gedicht gut finde? - Zunächst drückt es mir nicht wie so oft eine Meinung des Autors auf, sondern verleitet mich als Leser dazu, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Genauer genommen muss ich mir auch dieses erst einmal erschließen: worum geht es eigentlich?
Nun, da ist die Meldung in irgendeiner Presse. Was diese im Detail beinhaltet, ist nicht unbedingt wichtig, es geht eher um den Gebrauch bzw. Missbrauch der Sprache, als Instrument der Manipulation, es widert den Leser (Lyri) an, als Objekt einer solchen verkauft und verschaukelt zu werden. Dabei vermittelt der Text (des Gedichtes) einige Widersprüche, die ich dahingehend deute, dass selbst der Leser (der Meldung, also Lyri) bereits voreingenommen an den Inhalt der Nachricht geht. Er hat sich längst manipulieren lassen, ohne es zu bemerken. Die Widersprüchlichkeit bzw. Zweideutigkeit der Aussage tritt zum Beispiel an dieser Stelle in Erscheinung :

Wir entblößen erlernte Unfähigkeit,
wir selbst zu sein, rutschen nicht mehr aus
auf dem Parkett der tröstlichen Lügen.
Und diesen Teil möchte ich gern so manchem Zeitgenossen unter die Nase halten:

Mystisch, gefangen im Käfig
unserer Vergangenheiten, verklären wir
die verschiedenen Gegenwarten
zur Unerklärbarkeit
Wobei ich sicherlich einräumen muss, dass ich selbst nur Produkt vermittelter Meinungen bin. Irgendetwas sickert bei jedem ins Hirn, wobei die Sicht auf heutige Dinge gewiss von Überzeugungen gesteuert wird, die zeitlich gesehen in einiger Enrfernung liegen.
Und was moderne Streitkultur, ob in den Medien oder einem Forum wie diesem angeht, da sollte man sich durchaus das Folgende durch die Windungen ziehen lassen:

Wer nicht für uns ist,
ist gegen uns, da bleibt kein Stein
auf dem anderen. Zu Recht, wie die
Apologeten uns weismachen wollen.
Ja, zu Recht, genau darauf legen es gerade jene gern an, die an konstruktiven Debatten oder gar Lösungen nicht im geringsten interessiert sind.

Aber da es am Ende um den Gebrauch der Sprache in alldem geht, würde ich den zweiten Teil als Synthese etwas umbauen; mich stört vor allem der Überschuß an Magensäure, der hier zwar nicht vollkommen fehl am Platze ist (ein Anflug an Übelkeit ist beim Lesen einer gewissen Art von Meinungsmache schwer zu vermeiden), doch scheint mir dieser wie auch “der Glanz der Verstümmelung” lyrisch gesehen etwas zu derb. Als Vorschlag ginge vielleicht etwas wie:

Die Parolen marschieren im Gleichschritt
der Lingua Imperii, auch das letzte Wort
schlägt noch im Takt und macht uns endgültig
still


LG
Tula
 

blackout

Mitglied
Es geht doch, Tula. Aber lass es mal bei meiner Conclusio, die ist bitterer als deine weichgespülte. Danke, dass du genau hingesehen hast, das vermisse ich sehr oft, im Grunde fast immer, nicht nur bei dir. Dankeschön.

blackout
 

 
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