Beim Ruf des Nebelhorns

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Ciconia

Mitglied
[ 4]Von fern dröhnt angestrengt ein Nebelhorn,
[ 4]die Flut nagt grimmig an den Deichen.
[ 4]Ein alter Mann kämpft gegen Sturm von vorn,
[ 4]erpicht, sein Ziel bald zu erreichen.
[ 4]
[ 4]Die junge Frau in Schwarz am Friedhofstor
[ 4]erwartet ihn schon voller Sorgen.
[ 4]Inbrünstig singt ein zarter Kinderchor
[ 4]von einem himmelsgleichen Morgen.
[ 4]
[ 4]Der Mann verharrt und starrt auf diesen Fluss,
[ 4]sein einz‘ger Sohn wurd ihm genommen.
[ 4]Dann weiß der Alte, dass er handeln muss:
[ 4]Noch heute wird er zu ihm kommen.
[ 4]
[ 4]Ganz langsam senkt der Sarg sich in die Gruft,
[ 4]verstummt sind letzte Trauerreden.
[ 4]Aus dieser dichten kalten Nebelluft
[ 4]scheint es zu weit zum Garten Eden.
[ 4]
[ 4]Fast lautlos schluckt der Strom den alten Mann,
[ 4]zieht ihn hinab in graue Tiefe.
[ 4]Am Grab des Sohnes kommt er niemals an,
[ 4]doch klingt’s, als ob jetzt jemand riefe:
[ 4]
[ 4]Von weit, weit her seufzt leis ein Schiffstyphon,
[ 4]versucht den Nebel zu durchdringen.
[ 4]Ergriffen strebt die Trauerschar davon.
[ 4]Kein Sonnenstrahl mag Hoffnung bringen.
 

Mondnein

Mitglied
Ich vermute, liebe Ciconia,

Du wolltest Theodor Storm würdigen, des Jubiläums wegen?

Aber ich weiß nicht - ist es eine gute Würdigung, alte Meister nachzuahmen, anstatt ein Lied zu singen, das die Entwicklungen der letzten hundert Jahre fruchtbar in sich trägt oder eine frische Jetztzeitigkeit aufkeimen läßt?
Ich fände es schade, wenn wir in einem Dichtungswinter lebten, der kein Blattgrün und keine Blüten- und Früchte-Farben kennt. Immer nur die schwarzen Gerippe der kahlen Bäume, und altes Holz, trockengelagert?

grusz, hansz
 

Ciconia

Mitglied
Nein, lieber Mondnein, da muss ich Dich enttäuschen: An Theodor Storm habe ich bei diesem Gedicht überhaupt nicht gedacht, und nachgeahmt habe ich alte Meister noch nie – dazu kenne ich viel zu wenig Lyrik.

Dieses Gedicht entstand nach einem Aufenthalt an der Elbe an einem grauen, stürmischen Tag. Und dabei erinnerte ich mich an den dumpfen Klang von Nebelhörnern in dunklen Winternächten, der mir in Kindertagen immer ein wenig unheimlich erschien.

Ansonsten habe ich sehr viele andere, „frischere“ Gedichte geschrieben, die hier aber auch niemand liest …

Gruß Ciconia

P.S. Bei uns im Dorf hieß es früher lakonisch "Der/Die ist in die Elbe gegangen", wenn sich jemand im Fluss das Leben genommen hatte. Auch daran erinnerte ich mich an diesem Tag.
 

Carina M.

Mitglied
Hallo Ciconia,

ich habe deinen Text nun schon mehrmals gelesen, fürchte aber ich finde nicht die richtigen Worte, um zu beschreiben, wie ich deine Worte empfinde. Es hinterlässt bei mir ein schauriges Gefühl und tiefe Traurigkeit.

Berührte Grüße
Carina
 

Mondnein

Mitglied
Liebe Ciconia,

es ist nicht schlecht, nur altmodisch. Aber davon gibts einige hier im Gereimten, wie auch in den Festen Formen. Wobei man sagen muß, daß sich im Ungereimten viel Pseudolyrik offenbart, die von mir so genannte "Flatterrandprosa". Bekanntermaßen schauen die Ungereimten selten in die anderen Rubriken. Und im Gereimten meinen einige Gartenlaubentanten, sie müßten mich regelmäßig für meine sprachspielerischen Kühnheiten ohrfeigen ("1"). Ein schlechtes Zeichen für die Qualitätsmaßstäbe in der Leselupe. Ach ja, es gibt keine. Nur diese unsäglichen Balken.

Und Dein Gedicht hat auch nicht so wenige Leser.
Obwohl es schon ein Problem auf der Leselupe ist, daß zu wenige Leute hier lesen, zu wenige hier schreiben, zu wenige hier nach guten Gedichten suchen. Das Märchen von den literatursuchenden Entdeckern (Verlagslektoren) - wer glaubt noch daran ...

grusz, hansz
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Mondnein,

die Wertung altmodisch sehe ich nicht als Negativum. Ich finde sogar, dass sich dieser Stil für die hier von mir erzählte Geschichte gut eignet. Mit Ungereimtem tue ich mich sehr schwer, da fehlt mir einfach das Gerüst. Deshalb wird es wohl bei Gartenlaubenlyrik bleiben.

An Märchen glaube ich übrigens schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Ich bin mir daher ziemlich sicher, dass ich unentdeckt ins Grab gehen werde.

Danke für die Beschäftigung mit meinem Gedicht.

Gruß Ciconia
 

JoteS

Foren-Redakteur - tippende Inquisition
Teammitglied
Hallo,

auf mich wirkt das Gedicht ambitioniert und voll in den (Fluss-)Sand gesetzt. Die Bilder könnten schiefer nicht sein.

Nebel und Sturm schließen sich aus. Man denkt zuerst ans Meer, dann ist es ein Fluss. Das Meer hat eine Flut, der Fluss Fluten.

Ein Sarg kann sich nicht in eine Gruft senken, denn diese ist ein Grabgewölbe und kein Erdgrab.

Ich könnte so weitermachen, hier stimmt einfach gar nichts und außer mir sagt es mal wieder keiner laut.

Sorry, auch wenn mir das keiner glaubt: Das tue ich nicht (mehr) gerne.

Gruß

Jürgen
 

Ciconia

Mitglied
Das tue ich nicht (mehr) gerne.
Dann lass es doch einfach bleiben, lieber JoteS. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Du mir ein Gedicht mit verqueren Behauptungen verreißt.
Nebel und Sturm schließen sich aus.
Blödsinn. Hast Du noch nie etwas von einem Nebelsturm gehört?
Man denkt zuerst ans Meer, dann ist es ein Fluss.
Es gibt keinerlei Hinweise auf ein Meer. Warum Du an ein Meer denkst, ist nicht nachvollziehbar.
Ein Sarg kann sich nicht in eine Gruft senken, denn diese ist ein Grabgewölbe und kein Erdgrab
.
Hierzu kurz eine Erklärung aus Wikipedia:
Seltener wird auch das bei einer Erdbestattung für die Aufnahme des Sarges ausgehobene, nicht ausgemauerte „Erdloch“ als Gruft bezeichnet; entsprechend bezeichnet das Verb gruften die Tätigkeit des Aushebens auf Friedhöfen.
In Norddeutschland durchaus gebräuchlich.
hier stimmt einfach gar nichts
So sehe ich das auch, was Deine Einwände anbelangt. Bevor man so hart urteilt, sollte man sich vorher vielleicht besser informieren.

Gruß Ciconia

P.S. Und das müsstest Du mir auch noch erklären:
Das Meer hat eine Flut, der Fluss Fluten.
 

JoteS

Foren-Redakteur - tippende Inquisition
Teammitglied
Hallo,

bittesehr, dann eben noch mehr Kritik.
Du kannst Wikipedia zitieren soviel du wilst. Dort steht indirekt, dass im normalen Sprachgebrauch ein Erdgrab keine Gruft ist. Punkt.

Einen "Nebelsturm" gibt es nur im Krimi eines gewissen Johan Theorin.

In den Bergen kann man mal bei Gewitter Sturm und "Nebel" erleben... dann ist man in eine Wolke geraten. Im Flachland gibt es das nicht (schon gar nicht an Flüssen).

Entschuldigung, aber ich finde die verwendeten Bilder völlig überzeichnet. Gemalt wäre das ein Ali Mitgutsch Wimmelbild mit Caspar David Friedrich-Optik.

Der zarte Kinderchor, der inbrünstig im Sturm singt... bitte! (..vom Winde verweht...)

Das "dröhnende" Nebelhorn... pfui! Ist das Ding kaputt? Ein Nebelhorn ist durchaus sonor, das dröhnt nicht.

"Am Grab des Sohnes kommt er niemals an" nö, wie auch. Wie könnte er das auch glauben? Es klingt nämlich so, als ginge er in die Fluten, um dann in die "Gruft" zu schwimmen. Lächerliches Bild.

Ergiffene Menschen bleiben stehen, sie streben nicht davon (das tun nur verschreckte Menschen). Die Tiefe eines Flusses ist nicht grau, höchstens schwarz, vielleicht auch schlammig braun.

Das Schiffstyphon versucht nicht den Neben zu durchdringen, es gelingt ihm nämlich ganz offensichtlich wunderbar und dass kein Sonnenstrahl Hoffnung bringen mag überrascht nun wirklich keinen und ist als Schlusssatz denkbar schwach.

So, jetzt haben wir beide unsere Standpunkte wohl hinreichend deutlich gemacht.

Gruß

Jürgen
 

Ciconia

Mitglied
im normalen Sprachgebrauch
Du bist also der Meinung, dass der norddeutsche Sprachgebrauch nicht normal ist. Die mir vorliegende Rechnung eines Bestatters zur Beisetzung einer Familienangehörigen mit der Position „Aushüllen und Verfüllen der Gruft“ ist dann also eine unübliche Absonderheit.
Im Flachland gibt es das nicht (schon gar nicht an Flüssen).
Du wirst im Internet verschiedene Beispiele für Nebel und Sturm finden (wenn Du denn wolltest). Ich weiß nicht, welche Flüsse Du kennst – aber es soll Flüsse geben, die mehrere Kilometer breit sind und in die Nordsee münden. Du kannst mir glauben, dass ich die Wetterlagen in diesem Gebiet sehr genau kenne und auch über die Tidenverhältnisse sehr gut Bescheid weiß.
Das Meer hat eine Flut, der Fluss Fluten.
Eine Erklärung zu dieser Bemerkung bist Du mir schuldig geblieben.

Alles in allem ist Deine Kritik komplett an den Haaren herbeigezogen und zeugt davon, dass Du wenig über norddeutsche Landschaft und regionale Besonderheiten weißt.
Zum sonstigen Aufbau des Gedichtes (Metrik, Reime) hast Du Dich leider nicht geäußert.

Gruß Ciconia

Auf die zwischenzeitlich erfolgte Erweiterung Deines Kommentars gehe ich nicht weiter ein. Es ist sinnlos.
 

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