Bis zum nächsten Frühling, vielleicht

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Ciconia

Mitglied
Sanft schaukeln schlanke Sonnenhütchen
im milden Septemberwind.
Sonnenblumen mit schweren Köpfen
verneigen sich vor dem großen Sommer
der noch nicht gehen mag.

Silbern glänzende Libellen
durchschwirren
ihren eigenen Sommertraum.

Die schlummernde alte Frau
auf einer Bank am Gartenteich
hütet letzte Sonnenstrahlen.
Bis zum nächsten Frühling, so Gott will.
Vielleicht auch für immer.​
 
Liebe Ciconia,
ein wehmütiges und gelungenes Frühlingsgedicht.
"schlanke Sonnenhütchen" stören mich allerdings, da ich mir keine schlanken Hüte vorstellen kann. Die Verkleinerungsform würde reichen. Aber auch die finde ich nicht so besonders ausdrucksstark.
Was wäre z.B. mit winzigen Sommerhüten o.ä.
Herzliche Grüße
Karl
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Karl,

reden wir da von denselben Sonnenhütchen?

Der Sonnenhut oder auch Sonnenhütchen ist eine Sommerstaude mit sehr schlankem Stiel. Sie kann über einen Meter hoch werden – deshalb schaukelt sie so schön sanft im Wind.

Danke für Deinen freundlichen Kommentar und die Wertung!

Gruß Ciconia
 
Liebe Ciconia,
mir war schon klar, dass Du jene Blume meinst. Dann lass doch den Sonnenhut auf schlanken Stengeln schaukeln... So wird es eher zur Metapher...
Mir würde es jedenfalls besser gefallen.
Herzliche Grüße
Karl
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Karl,

ich denk mal drüber nach. Im Moment kann ich die Stengel gedanklich nicht mit einbeziehen, das wird dann zuviel für die erste Zeile.
Als Sonnenhütchen sehe ich auch die gesamte Pflanze und nicht nur die Blüte. Aber vielleicht löse ich mich noch von dieser Vorstellung. ;)

Gruß Ciconia
 

Label

Mitglied
Liebe Ciconia

Die "Sonnenhütchen" haben mich auch zunächst nicht an Blumen denken lassen.
Das sollte eindeutiger sein, sonst zieht sich das anfängliche befremdelnde Rätseln noch weiter in das Gedicht.

vielleicht so?

auf schlanken Stengeln schaukeln Sonnenhütchen
oder
Sanft schaukelt schlanker Sonnenhut
im milden Septemberwind.

lieber Gruß
Label
 

Ciconia

Mitglied
Ja, liebe Label, da habe ich mich wohl getäuscht: Bei uns heißen die „Sonnenhüte“ nur „Sonnenhütchen“, und auch im Internet ist dieser Begriff durchaus geläufig. Ich glaubte also, dass der Bezug durch die Beschreibung der Gartenszene, die mit den Sonnenblumen fortgesetzt wird, völlig eindeutig sei.

Aber wenn Du nun auch sagst, dass nicht sofort erkennbar ist, worum es sich handelt, muss ich es wohl glauben. Ich grüble noch ein wenig, wie ich die erste Zeile am besten ändern kann.

Vielen Dank für Deine Überlegungen!

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Sanft schaukelt gelber Sonnenhut
im milden Septemberwind.
Sonnenblumen mit schweren Köpfen
verneigen sich vor dem großen Sommer
der noch nicht gehen mag.

Silbern glänzende Libellen
durchschwirren
ihren eigenen Sommertraum.

Die schlummernde alte Frau
auf einer Bank am Gartenteich
hütet letzte Sonnenstrahlen.
Bis zum nächsten Frühling, so Gott will.
Vielleicht auch für immer.​
 

Ciconia

Mitglied
So, ich habe nun die erste Zeile geändert und statt [red]schlank[/red] [blue]gelb[/blue] einsetzt. Ich hoffe, dass es damit keine Unklarheiten mehr gibt.

Danke nochmals an Karl und Label!

Gruß Ciconia
 
Liebe Ciconia,
mir gefällt selbstverständlich Dein Gedicht so besser.
Aber - wie schon geschrieben - es war eher eine Kleinigkeit.
Insgesamt ist Dein Gedicht sehr gelungen.
Herzliche Grüße

Karl
 

revilo

Mitglied
Sanft schaukelt gelber Sonnenhut
im milden Septemberwind.
Sonnenblumen mit schweren Köpfen
[red]salutieren[/red] vor dem großen Sommer
der noch nicht gehen mag.

Silbern glänzende Libellen
durchschwirren
ihren eigenen Sommertraum.

Die schlummernde alte Frau
auf einer Bank am Gartenteich
hütet letzte Sonnenstrahlen.
Bis zum nächsten Frühling, so Gott will.
Vielleicht auch für immer.
 

Ciconia

Mitglied
Danke nochmals, lieber Karl!

Und danke auch Dir, lieber revilo, für Deinen Vorschlag, den ich allerdings nicht für gelungen halte. Salutieren ist ein Fremdwort, das hier nicht in den Text passt und eine ganz andere Bedeutung hat. Überreife Sonnenblumen (ver)neigen ihre Köpfe zum Ende des Sommers. Das ist die Aussage, und die möchte ich beibehalten. Nicht böse sein!

Gruß Ciconia
 

rogathe

Mitglied
Hallo Ciconia,
schlummern und hüten passen nicht zusammen.
Hüten erfordert Aufmerksamkeit, Wachsamkeit.
Ich ließe die alte Frau zumindest dösen.

LG rogathe
 

Ciconia

Mitglied
Hallo rogathe,

danke für Deinen Hinweis.
Du hast vollkommen Recht – mir gefiel das hüten auch nicht so richtig. Ich wollte eigentlich auch mehr ausdrücken, dass die alte Frau die letzten Sonnenstrahlen speichert, hortet. Wie gefiele Dir horten? Schlummern soll sie ruhig weiterhin.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Sanft schaukelt gelber Sonnenhut
im milden Septemberwind.
Sonnenblumen mit schweren Köpfen
verneigen sich vor dem großen Sommer
der noch nicht gehen mag.

Silbern glänzende Libellen
durchschwirren
ihren eigenen Sommertraum.

Die schlummernde alte Frau
auf einer Bank am Gartenteich
hortet letzte Sonnenstrahlen.
Bis zum nächsten Frühling, so Gott will.
Vielleicht auch für immer.​
 

anbas

Mitglied
... ich möchte ja kein "Spielverderber" sein, aber ... :D


Hallo Ciconia,

mit "horten" tue ich mich schwer. Warum? Nun: Als Wort klingt es mir zu hart für dieses Gedicht. Auch ist zumindest meine Assoziation bei "horten" eher eine negative (was nichts mit dem ehemaligen Kaufhaus zu tun hat :D). Bei "horten" denke ich an angestrengtes Sammeln, an Geiz, an Messitum usw.

Wie wäre es daher einfach mit "sammelt" (wäre das Gedicht etwas humorig angelegt, könnte auch "tankt" passen - hier aber lieber nicht ;) ). In meiner "internen Auswahl" steht auch noch "streicht letzte Sonnenstrahlen ein" oder "nimmt letzte Sonnenstrahlen auf" - doch da fehlt der Aspekt des Aufbewahrens.

An anderer Stelle könnte ich mir noch folgende Änderung vorstellen - wobei ich mir selber noch nicht ganz sicher bin:

Die schlummernde alte Frau
auf [blue]der[/blue] Bank am Gartenteich
Wieder warum? Nun: Der zweite Artikel würde - wie ich finde - gut mit dem ersten korrespondieren ("Die (...) alte Frau"). Außerdem wirkt "auf einer Bank" für mich in diesem Bild zu beliebig, "auf der Bank" ist zielgerichteter, zieht mich jedenfalls mehr in das Bild hinein.

Wie gesagt, hier bin ich mir selber noch nicht ganz sicher, ob diese Veränderung eine Verbesserung ist - aber ich wollte es zumindest gesagt haben :D.

Liebe Grüße

Andreas
 

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