Böhmermann schlimmer als Göbbels

Treffen sich Jan Böhmermann und Alexander Gauland. Den kennen Sie nicht? Das ist der, der eine blitzsaubere Karriere im System hingelegt hat, bevor er im fortgeschrittenen Alter in Opposition zu dem System ging, dass in viele Jahre an seiner vollen Brust genährt hat. Und Gauland ist der Scharfmacher der AFD, der jahrzehntelang auf dem Ticket der CDU fuhr.
Sagt Gauland zu Böhmermann: „Respekt junger Mann. Varofakis-Fake, Trump und jetzt die Kritik an Echo und Musikindustrie. Sie besorgen es denen ja so richtig.“ Böhmermann, ganz bescheiden: „Na ja, aber Sie sind doch auch nicht schlecht. Ihr „keiner will Boateng als Nachbarn haben“ hat doch eingeschlagen, wie eine V2 an Weihnachten in London.“ (beide giggeln). „Manchmal braucht es die derberen Worte. Die Konkurrenz ist ja groß.“ „Wem sagen Sie das, wem sagen Sie das“, seufzt Böhmermann.

Was hat das aber mit Göbbels zu tun? Gedulden Sie sich einen Moment.
Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Was aber heißt „waren“? Böhmi steckt mitten drin im System, auch wenn es nur der Spartensender ZDFNeo ist. Sollte ihn letzeres wurmen, schafft er es doch unter Nutzung der gesamten Klaviatur der sozialen Medien, seine Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Vielleicht sieht er sich auch in der Tradition vom Saulus zum Paulus, wobei sich dann die Frage stellt, was sein Damaskuserlebnis gewesen sein soll.

Prinzipiell gibt es ja nichts daran auszusetzen, wenn Menschen das Kritikwürdige, das von dem alle Involvierten wissen und es schweigend akzeptieren, in Frage stellen. Mahatma Gandhi hat das getan, Nelson Mandela hat es versucht und auch Martin Luther King. Und was den einen das schreiende Unrecht der Diskriminierung war, sind dem anderen offenbar ein Erdogan, die Musikindustrie, verlogene scripted reality Formate oder seichte Popliteraten – eine scheinbar wahllose Mischung. Auf jeden Fall es denen „da oben“ mal so richtig zeigen. Das Problem ist nur, wenn man selbst „da oben“ ist. Willkommen in der Welt von Trump und Schulz. Ist ein Böhmermann am Ende doch weniger als Gandhi oder Mandela und doch eher der der Lothar Matthäus der Spartenmedien?

Was aber hat das mit Göbbels zu tun? Geduld.

Warum fängt ein ehemaliger Radiomoderator plötzlich an, aus der zweiten Reihe scharf zu schießen. Das System hat ihm noch nix getan, ihn mit Grimmepreisen überhäuft. Wurmt es Jan Böhmermann, dass das ZDF einen wie ihn lediglich auszuhalten scheint und Rosamunde Pilcher Filme immer viel prominenter ausstrahlt, obwohl er viel mehr Facebook- und Twitterreaktionen erhältt? Was ist los mit Euch Mittdreißigern, dass Ihr Euch mitten im System mit dem System anlegt? Geht Euch die Geduld aus? Habt Ihr Angst wie Egon Krenz, dem ewigen FDJ Generalsekretär, zu enden? Als der endlich Honecker, den Frank Elstner der DDR-Führung, ablösen konnte, löste sich paar Monate später das ganze System auf.

Jetzt also hat er den Musikpreis ECHO aufs Korn genommen. Das scheint ja neuer Volkssport bei JokoKlaasBöhmermann zu sein, Preise auseinanderzunehmen, obwohl doch alle gerne Preise haben. Joko und Klaas haben es mit der goldenen Kamera vorgemacht und er hat jetzt nachgezogen. Beim nächsten Mal ist sicher der Grimmepreis dran, immerhin hast er ihn ja schon. Was willst Du denn Böhmi? Das Bundesverdienstkreuz? Soll ich Ihnen mal erzählen wie lächerlich das ist, wenn man von Staatskanzleien angefleht wird, Vorschläge für zu ehrende Personen zu machen, weil die ihr Preisverleihsoll nicht erfüllen können. Vielleicht machen Sie das nächstes Mal zum Thema.
Herr Böhmermann. Sie schießen mit Wattebäuschchen. Sie geben sich einen erhabenen und intellektuellen Anstrich und versuchen zu dekonstruieren. Sie suchen sich die Großen aus, denn es adelt mehr, wenn Campino zurückschießt, als Lieschen Müller. Aber Ihr seid doch alle Fleisch vom gleichen Fleische.

Herr Böhmermann – und das hat leider immer noch nichts mit Göbbels zu tun - Sie kommen mir ein bisschen vor wie der Erbe eines Riesenvermögens, der aus Langeweile zum Philanthrop oder Revoluzzer wird. Sind sie der Che Guevara des Öffentlich-Rechtlichen? Diese Art des Denkmalschleifens ist gerade sehr in. Oder brauchen Sie nur Platz für Ihr eigenes? Eines können Sie nicht: Bescheidenheit. Um der billigen Pointe willen ist Ihnen jedes Mittel recht. Sie machen Erdogan zum Sodomisten oder spielen die Klaviatur der Behinderungen. Zuletzt versetzten sie einen Sänger auf das „Schlagerfest der Schlaganfälle“ und scheuen auch nicht vor Tiervergleichen. Achtung, wir sind fast bei Göbbels…

Jan Böhmermann, sie sind laut und nutzen das von Ihnen kritisierte System, um das System zu kritisieren. Das ist billig. Sind Sie manchmal selbst verblüfft, wie weit Sie gehen können? Zeigen sie Anzeichen eines Suchtkranken, der seine Dosis laufend erhöhen muss?
Sind sie der junge Gerhard Schröder, der am Zaun des Kanzleramtes rüttelte und rein wollte? Sie sind doch längst drin und können, wie erwähnt, auf eine lupenreine Karriere in den Öffis verweisen, die sie nur dann verlassen, wenn Spotify noch mehr Geld bietet. Aber nein, das machen Sie sicher nur wegen der "künstlerischen Freiheit" und nicht wegen des schnöden Mammons.

Jan Böhmermann, ich komme zum Ende. Da Sie ja so gerne mit alter Fernsehwerbung arbeiten: Sie kommen mir vor, wie das aufgeputschte Duracellhäschen der Kritik an allem. Sie können sich im Zuspruch Ihrer wachsenden Fangemeinde sonnen. Schon jetzt ist Ihr „Satire“Song auf Platz 1 der Itune-Charts. Das bringt Geld und Anerkennung. Apropos wachsende Fangemeinde, die sich so freut, „dass es endlich mal einer wagt auszusprechen“, dass es endlich mal einer denen da oben (oder wo auch immer) zeigt. Das mögen auch die Anhänger der AFD von Gauland, Petry und Höcke.

P.S. Beim Lesen fällt mir auf, mit wie vielen Menschen ich Sie verglichen habe und wie viele Sprachbilder ich bemüht habe. Ich denke, das ist der Tatsache geschuldet, das mir zur Ihrer Persönlichkeit so wenig einfällt. Stichwort „Authentizität“ oder wie Sie es nennen „Deepness“.

P.P.S. Tut es Ihnen eigentlich weh, dass sich ihr großes – möglicherweise väterliches (glattes Eis) Vorbild Harald Schmidt nicht über Ihr Tun äußert?

P.P.P.S. Aber was hat das alles jetzt mit Göbbels zu tun? Hoffentlich nichts, aber ich hoffe, dass die Überschrift zu mehr Klicks führt…
 

morgenklee

Mitglied
Alt und witzig: Die "Elche" des Herrn Bernstein

Schreibensdochauf

Und... hat's inzwischen mal geklickt?

PS: Wenn man ein Zitat verwendet, was nicht
von einem selbst stammt, dann sollte man die
"Quelle" zumindest mal nennen:
F.W. Bernstein ("Neue Frankfurter Schule").

MfG m'klee
 

Oben Unten