Bruchstücke III

4,60 Stern(e) 58 Bewertungen
Darf ich hier einfach so dazwischenschreiben?

Ich wollte dir eigentlich nur mal sagen wie gerne
ich diese kleinen Bruchstücke lese und verfolge.
Weiter so!

L.G
Patrick
 

Otto Lenk

Mitglied
Danke dir, Patrick. Die Bruchstücke sind so ein kleine verirrte, verwirrte Insel meines Seins. Kein Tagebuch im ursprünglichen Sinn, aber sind nicht alle unsere Gedanken Tagebucheinträge?

„Mein Tagebuch soll sein wie eine Reisetasche, in die ich ungeprüft allen Krimskrams hineinwerfe. Wenn ich später nachsehe, ist das Durcheinander wie von Geisterhand geordnet, gesintert zu einem Ganzen, so fest und unnahbar wie ein Kunstwerk – aber so transparent, daß das Licht des Lebens durchscheint.“

Virginia Woolf
 

Otto Lenk

Mitglied
Da ist diese Decke
Daneben liegt eine Puppe
So friedlich das Bild

Ich stelle mir vor
wie die Wellen im Hintergrund branden
Möwen über dem Bild wie schwerelos schweben

Alles so friedlich

Hier tickt die Uhr an der Wand
Nichts hält die Zeit

Auch dich nicht Kind
 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Ich hab alles probiert.
Mit F1 die Hilfe aufgerufen.
Nichts.
F5. Optionen.
Doch diese Optionen hatten keine Optionen.
Neustart. Eingaben löschen.
Nichts und wieder nichts.
Ich habe sogar versucht mit F7 die Darstellung zu ändern.
Nichts.
Da war nichts, was mir hätte helfen können.
 

Otto Lenk

Mitglied
Bald schon bald
werde ich mit den wellen um die wette schwimmen
abtauchen
in einem meer aus ohrenquallen treibend
gründe ergründen
auftauchen
nach donnerkeilen ausschau halten
mich mit meiner liebsten im kindischen wettstreit ereifern
ich hab die meisten, ich hab die meisten!
dem hypnotischen summen der windräder lauschen
dabei wolkenrebusbilder entschlüsseln
und heimlich ganz heimlich
möwen im fluge füttern
[neben dem möwen füttern verboten schild...versteht sich]
segel setzen in gedanken
und dem wind folgen
wohin auch immer er mich treibt
dort bleiben
einen moment lang
bleiben

https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/t31.0-8/10498201_823543217665672_8407546180472772822_o.jpg
 

Otto Lenk

Mitglied
Du sprachst darüber.
Dass wir nur uns selbst haben.
Dass wir uns nur ein paar wenige Lebenssekunden lang
selbst haben. So ganz und gar.
Und dass wir uns in diesen Momenten ängstigen,
so fremd erscheint das Bild.
Wie zum Beweis wischst du über den Spiegel.
Schaust tief hinein, scheinst zufrieden.
Die Summe des Lebens, sagst du,
ist die Erkenntnis des Nicht-Seins. Darüber hinaus,
sagst du, darüber hinaus, gedacht, gesprochen, geschrieben,
gäbe es nicht/s. Es sei eine Flucht.
Eine Flucht vor der Angst vor uns selbst.
Ich schaue dir bei deinen Worten über die Schulter.
Schaue in den Spiegel, sehe dich nicht,
nur eine gespenstige Gestalt, die sich für den Bruchteil
einer Sekunde selbst sieht und flieht.
Hab keine Angst, sagst du zum weggewischten Ich.
Der Schmerz dauert nur ein Leben lang.
 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Ich jetzt!
Hochzeitstag.
Papamm!
Vergessen.
Jedes Jahr die gleiche Tragödie.
Aber HALT!
Ich jetzt mal mein eigener Pflichtverteidiger.
Plädoyer:
Zu meiner Verteidigung möchte ich sagen,
dass für mich jeder Tag Hochzeitstag ist.
Und das nun seit 21 Jahren.
Jeder Tag wie der erste Tag.
Ein wenig ruhiger zwar, aber man ist ja schließlich nicht mehr 20.
Ich liebe meine Frau.
Ich liebe sie, weil sie es fertig bringt mich zu lieben.
Jetzt wirst du sagen:
Hallo. Kein Problem den Otti zu lieben.
Aber weißte...du siehst nur den, den ich spiegeln möchte.
Die 21 anderen Ottis kennste nicht.
Also vorsichtig mit voreiliger Lobhudelei.
Es gibt gewiss größere Arschlöcher, aber gewiss auch kleinere.
Und diese Frau, mein Schatz, liebt alle 22.
Da möchtest du nicht tauschen, sag ich dir.
Besteigung des Mount Everest Scheißdreck dagegen.
Ich liebe sie. Für ihr Mitgefühl, ihre Standhaftigkeit,
für diesen Glauben an uns.
Also, was soll ich sagen.
Ich gebe nicht viel auf diesen einen Tag.
Sicher war er geil, aber doch nur ein Tag.
Was zählte und zählt, sind all die Tage die danach kamen
und die, die kommen werden.
Und diese Gewissheit, dass mein Engel sie mit mir teilen wird.
 

Otto Lenk

Mitglied
Nothing´s real

Müde Straßenlaternen malen den Ort
in ein verschlafenes milchiges gelbes Licht.
Nichts ist real,
sieht man von der Fickerei gegenüber ab.
Wobei deren Gestöhne/Geschrei
uns als deren Bühne dient.
Wir deren Bühne sind.
Hört nur, hört!
Bei Mayerhöffers ist alles still.
Wie wohl der Glockenklang in deren toten Räumen klingt?
Und wie das wohl war für ihn?
Die letzten Sekunden,
bevor er das bisschen Leben aus sich raukotzte.
Und oben im Bett seine Rosi.
Bewegungsunfähig vom ewigen Suff.
Diesem Ehering, der beide verbandt.
Nach Mani schreiend,
und er tot unten in der Küche in seiner Kotze liegend.
Das Gestöhne der Rosi und der ewig Fickenden.
Vielleicht dazwischen noch ein letztes Stöhnen von Mani,
eingerahmt von der nächtlichen Kirchenbeleuchtung.
Der Ländchesdom, der, könnte er sprechen,
von unendlicher Scheiße berichten könnte.
Seinem Küster, der mein Schwiegervater war.
Ein einfacher ehrlicher Mann.
Vom Leben in ein Leben getrieben, das nicht dass seine war.
Angetrieben von einer Ehefrau, die sich der Traditon verpflichtet fühlte.
Wir sind Bauern, bleiben Bauern.
Alle gingen zu Opel, verkauften ihr Land an die Großen.
Machten ihr Glück.
Sie nicht.
Die verfickte Tradition brachte sie um.
Familie, oh ja, Familie.
Krebs und Suff und Drogen und Tod.
Wo Gott in diesem Spiel bleibt?
Ich sag´s euch.
Gegenüber der Kirche die Winks.
Deren Vater ein herzensguter Mann.
Seine Frau, vom Krebs durchlöchert, hatten sie nach `nem
Kernspin im Keller des Krankenhauses vergessen.
Gottes Dankbarkeit floß in Form eines andren Krebses in den Wink.
Ich fuhr ihn oft ins Krankenhaus zu seinen Untersuchungen.
Den Kindern war´s zu unangehm.
Er roch nach Scheiße und Tod.
Aber ich überzeugte die Kinder, ihn die letzten Wochen zu betreuen.
In seinem Haus.
Sie hielten es zwei Tage aus.
Schräg gegenüber ein andrer Trauerfall.
Er ging fremd und sie ertrug es.
Alteingesessen.
Sie hatte immer zu ertragen.
Unter den Alten munkelte man, dass sie säuft.
Und dann fiel sie.
Mal die Treppe runter, ein anderes mal war nicht gestreut.
Und nebenan ging der gute Barthels mit seinen Hunden spazieren.
Ging spazieren und fiel tot um.
Echt geiler Kerl, mit `ner super Familie.
Wenn die Liselotte aus dem Fenster schaut,
sieht sie all die Gespenster der Vergangenheit,
frag sich, warum sie noch da ist.
Der Rollator bewegt sie. Mehr schlecht als recht.
Sie sitzt oft bei uns und erzählt Geschichten aus Zeiten,
in denen sie noch lebendig war.
Durchscheinend wie ein Geist sitzt sie da,
nur darauf wartend, dass die Glocken für sie läuten.
Ich fühle mich wie eine der Straßenlaternen,
die kaum noch Licht spenden.
Frage mich, wie durchscheinend ich schon auf andere wirke.
Hundert Meter bin ich vielleicht gelaufen.
Zu viel, zu viele Geschichten, auf diesem kurzen Weg.
Die Glocken läuten.
Es ist Zeit nach Hause zu gehen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

Heute ist gestern.
Alles ist still und stumm.
Das milchige Licht der Laternen gleicht einer übergestülpten Taucherglocke.
Nichts dringt zu mir.
Ich wage mich zu dir.
Deinem letzten Ort.
Hoffe, wie so oft, auf eine Offenbarung.
Einen letzten Beweis.
Doch schon der Weg vorbei an den Steinen,
den stummen Lichtern,
weißt mir die traurige Wahrheit.
Du bist nicht mehr.
Alleine meine Gedanken halten dich am Leben.
Einem Leben, das nur für mich ist.
Wie oft saßen wir auf dieser Bank.
Gedachten deinen Eltern.
Erkannten, dass sie nur noch Sternenstaub sind.
Das bist auch du.
Tröstlich für mich,
der sich um`s eine Sein bewusst.
Um diesen unfassbaren Augenblick der Wirklichkeit.
Der doch, um´s ad adsurdum`s Willen,
so einzigartig ist.
Mit dieser Bank fing damals alles an.
Ich gedachte deiner auf ihr.
Schrieb meine ersten Worte für dich, für mich.
Wo fängt man an,
wenn es kein Ende, keinen Anfang gibt?
Wenn es letztendlich doch die Unendlichkeit ist,
die einen wie eine Taucherglocke umfängt,
die einen ins endlose Sein entlässt.

https://www.youtube.com/watch?v=u9Dg-g7t2l4
 

Otto Lenk

Mitglied
Vergenzen

Wenn ich in Gedanken in meine Kindheit wandere,
denke ich oft an Murmeln.
Besonders gerne an meine 5er.
Ihr Blau glich der Farbe des Meeres.
Luftblasen waren darin eingeschlossen
und zwei verwaschene Linien, die mich an Wellen erinnerten.
Hier, wenn ich mit meinen Freunden wetteiferte,
war ich der König der Schnipper.
In meiner Phantasie hielt ich Pokale in der Hand,
gewann alle Meisterschaften.
Mein Lachen kannte nur diesen Ort.
Aus Glas bestand das Herz dieser Welt.

Zu Hause wartete die Faust meines Vaters.
Er pflegte nicht zu schnippen.
Der Krieg in Afrika hatte ihn ruiniert.
Zurück blieb ein Asbach saufendes Wrack,
dessen Deliriumgespenster ich nachts von seiner Bettdecke pflückte.
Und wehe ich übersah eine der Spinnen, Würmer.
Noch immer fühle ich die Angst meines Schattenbildes,
kehre nur ungern an diesen Ort zurück.
Aber wer kann diese Bilder schon abstreifen?

Aus Stein bestand das Herz dieser Welt.
 

Otto Lenk

Mitglied
Bald schon

https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/t31.0-8/14054482_1259759647377358_4079716916916633625_o.jpg

Mit zunehmendem Alter wird das leichte Gepäck immer schwerer.
Man muss mit immer mehr Eventualitäten rechnen.
Kniemanchetten, Bandscheibengürtel, Tabletten gegen alles.
Es friert einen schneller, vom Schwitzen ganz zu schweigen.
Also Kleidung gegen dies und das.
Der Urlaub 'muss' total durchgeplant werden.
Leider hat man mit zunehmendem Alter immer weniger einen Plan.
Also braucht man schon fast eine Woche um alles Unvorsehbare einzuplanen.
Man beachte den Gegensatz!
Aus diesem Grund bin ich weniger anwesend.
Sage ich mir zumindest, wobei ich nicht sicher bin ob dies der wahre Grund ist.
[Gerade fällt mir ein, dass ich noch Energydrinks besorgen muss. Sonst schlafe ich zu viel, während ich fahre]
Das schwerste am zunehmenden Gepäck ist die Angst.
Eine vollkommen unhaltbare, durch nichts begründete Angst.
Haste an 'dies' gedacht und um Gottes willen 'das' nicht vergessen.
Was fehlt mir der jugendliche 'Leicht'sinn.
Eine Tasche, ein paar Klamotten reingeschmissen...und gut ist.
Es ist alles nicht mehr so einfach, weil man selbst nicht mehr so einfach ist.
Einmal noch einfach eine Tasche vollmüllen und ab, das wäre geil!
Aber iss nicht.

So it goes.
 

Otto Lenk

Mitglied
https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/v/t1.0-9/14040034_1260456117307711_210182332214450087_n.jpg?oh=e1d6a53fab3660c37d67897110fc90d9&oe=585E7221


Das kieseln der steine,
während sich die wellen den weg zurück ins meer bahnen.
Der gesang der libellen. Der wind,
der den schnee der nahen berge mit sich trägt.
Die fremdartigkeit der welt, die mir so nahe ist.
Dazwischen ein haltloser gedanke,
gerade so wirklich wie die diamanten
aus sonnenlicht und meer.

Du fragst mich nach dem morgen.
Sand rieselt durch meine hände.

Eine möwe singt ihr atonales lied.
 

Otto Lenk

Mitglied
Das Licht der Morgensonne liegt wie ein Laken auf dem Wasser.
Ein Fischkutter zerreißt es mit seinem Bug.
Bevor es die Sonnenstrahlen wieder vernähen ist mir,
als könne ich die See ergründen.

Alles ist
Vollkommen
Egal

Nachts wandere ich über die Dünen.
Unsichtbar die See.
Nur das Branden der Wellen erinnert an sie.
Während ich das schwarze Laken des Himmels betrachte
denke ich,
dass dies die einzige Möglichkeit ist die Ewigkeit zu sehen ohne zu sterben.

Ich schließe die Augen.
Cassiopeia schreitet mit mir rückwärts
durch die Zeit.

Dunkle Laken.
Nur hier und da zerrissen durch das Licht der Hoffnung.

Eine späte Möwe reißt mich mit ihrem atonalen Geschrei aus meinem Traum.

Ich verlasse die Düne, mache mich auf den Weg.
Alles in mir verlangt danach das Meer zu spüren, zu fühlen,
dass ich wirklich bin.
 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Also ich jetzt.
Also mehr so immer schon.
Immer schon auf der Suche.
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Also nicht dass du denkst!
Alles gut.
Leben ist schön.
Trotzdem denkste ständig: Da muss noch was sein.
So wie mit Gott, schwarzem Loch und überhaupt.
Reiste also herum um´s zu finden.
Durch deinen Kopp, durch die Welt.
Guckst bei Hesse nach und den ollen Philosophen.
Findst nix.
Weder in der Welt, noch im Kopp.
Könnste also denken:
Also gut, hör einfach auf zu denken.
Denkste!
Immer dieses unruhige Kribbeln.
Als würdste was versäumen.
Also lebste und lebste und lebste vor dich hin.
Und immer die Fühler ausgestreckt.
Von wegen: Gibts doch nicht.
Andere haben ihn doch auch gefunden.
Dalai Lama, Messner usw.
Auch mein früherer Nachbar, der blöde Hund.
Der machte immer so einen gefundenen Eindruck.
Allein dem sein Lächeln.
Da könnteste, wenn de könntest, dem grad so...
Aber ich weiß ja...
...iss nur meine Eifersucht.
Tief drin.
Von wegen: Warum der, und ich nicht.
Und so geht das weiter.
Löffelchen, Fühler, alles auf 12 Uhr.
Immer auf Empfang.
Irgendwann hab ich dann Douglas Adams gelesen.
Der iss per Anhalter durch Universum gereist.
Und dabei hat der festgestellt, dass es allen so geht.
ÜberAll die gleiche Frage: Was ist der Sinn des Lebens.
Melmac, Wega, Qo'noS, Brodo Asogi, Alderaan usw.
Also hat die universalle Gemeinschaft einen Computer gebaut.
Den gefüttert mit dem Wissen von überAll.
Und den dann gefragt, was der Sinn des Lebens sei.
Und dann hat der Compter gebrütet.
Millionen Jahre lang.
Ei die weil das iss schon ne Frage.
Und dann, noch ein paar Millionen Jahre später,
hat der Comuter die antwortet ausgespuckt.
Und ihr werdet es nicht glauben. Die Antwort war:
42.
Bis dahin gefiel mir die Reise des Herrn Adams sehr gut.
Aber dann...
...also echt jetzt. 42!?
Blöder gehts ja wohl kaum.
Dafür hat der Computerdepp Millionen von Jahre gebraucht?
Natürlich hättste denken können:
Vielleicht wollt er sagen, dass es keinen Sinn gibt.
Aber das gibts doch nicht.
All das für nix!
Einfach so?
Nee!
Ich also weiter am suchen.
Bis gestern.
Und ihr werdet es nicht glauben.
Der Computer hatte recht.
Fast wäre ich an der Lösung vorbeigelaufen.
Ei die weils so einfach iss.
Un der Kopp immer viel so dolle sucht.
Der Sinn des Lebens ist tatsächlich 42.
Keine Frage!
Ich bin angekommen.

https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/v/t1.0-9/14333180_1277816382238351_3399748307828355247_n.jpg?oh=2106e2ec97694671a92f5498adf8c016&oe=583D455A
 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Der Karl ist ein lieber Kerl.
Ja...er popelt ständig in der Nase.
Hat er das Nasennebenprodukt erwischt, zieht er es heraus
(ja...es kann sich in die Länge ziehen),
hält es zwischen den Fingern und begutachtet er es.
Er guckt dabei so, als benote er das Produkt.
Dann beginnt der Rollvorgang. Ausgiebig.
Anschließend wird der formvollendete Pobelball mit den Fingern,
gleich einer Murmel, fortgezwitcht.
Dabei scheint er die erzielte Weite abzuschätzen.
War es ein guter Zwitch, lächelt er gewinnend.
Manchmal greint er.
Eines Tages, da bin ich mir ganz sicher, wird er seine Technik ändern.
Denn tief in mir bin ich ganz sicher, dass er den Pobelweitzwitch
längst zu einer olympischen Disziplin erhoben hat.
Ich sehe ihn schon vor mir.
Einem Kugelstoßer gleich wird er die verschieden Stoßarten üben.
Die althergebrachte Angleittechnik bzw. die moderne Drehstoßtechnik.
Er wird sich für die Pobeldrehstoßtechnik entscheiden.
Ja...ich sehe ihn.
Wie er im Kreise wirbelnd, den Pobel immer weiter werfen wird,
Rekord um Rekord erzielend.
Und ja, er sieht sich auch.
Wie ihm olympisches Gold um den Hals gehängt wird,
und wie er anschließend im ARD Olympiastudio von den Anfängen erzählt.
Als die Kinder ihn Pobel nannten.
Er aber an seinem Traum festhielt, wissend, dass ihn eines Tages alle um seine Erfolge beneiden würden.
Er wird davon erzählen, dass er das Nischendasein aller Pobler durchbrochen, ihnen allen ein Fundament gelegt hat.
So steht Karl neben mir und arbeitet gerade an seinem neuesten Produkt während er davon erzählt, dass er wieder eine Katze aufgenommen hat.
So einen Streuner aus Spanien, den keiner haben wollte.
Fünf hat er mittlerweile.
Karl kümmert sich liebevoll um die verwaisten Tiere.
Ja...der Karl ist schon ein guter Kerl.
 

Otto Lenk

Mitglied
Das Haus sah aus, als würde es nur vom Efeu gehalten werden,der an den Mauern entlang kroch.
Ich hatte es anders in Erinnerung. Damals, als es mir noch Schutz vor der Welt bot, war es eine Burg, die der Welt außerhalb den Wänden trotzte. Hier verkroch ich mich vor dem Schatten.
Ja, es war nur ein Schatten, doch dieser Schatten hatte die Macht mich zu durchdringen, nein, er besaß die Macht sich meiner habhaft zu machen. Wie alle Schatten besaß auch dieser die Macht einem Licht vorzugaukeln. Auch wenn dieses Licht nur selten zu Tage trat, war es doch die Erfüllung
all meiner Sehnsucht. Man gab sich ihr hin, wohlwissend um den trügerischen Glanz. Immer und immer wieder vertraute man dem trügerischen Schein, gleich einem Reh im Scheinwerferlicht.
Mit der Zeit lernte ich.
Ich lernte zu erkennen, wann sich die Schatten dem Licht bemächtigten. Es war ein langsamer Vorgang,dem Sonnenuntergang nicht unähnlich. Eine dunkle Maske legte sich nach und nach auf das helle Angesicht und vergrub jeden Hoffnungschimmer, gleich einer Wolke, die sich vor die Sonne schiebt. Hatten die Schatten erst einmal die Macht übernommen, sie zeichneten sich in tiefen Falten ab,war alles danach nur eine Frage der Zeit. Erkannte ich die Zeichen zu spät, wurde auch ich zu einem Schatten.
Anders wäre ein Überleben nicht möglich gewesen. Ich verkroch mich in meinem Schatten, um das Licht in mir nicht zu töten. Erkannte ich aber die Zeichen rechtzeitig, floh ich an jenen Ort, dieses verlassene Haus, das mir Schutz bot, war es doch so verlassen wie ich. Es war, als umarmten wir uns in unserer einsamen Verlassenheit, Geborgenheit suchend.
Warum es noch steht? Ich habe keine Ahnung.
Als hätte man meine Erinnerungen bewahren wollen. Ein schlechter Witz!
Ich trage die Schatten in mir, sehe sie bei jedem Blick in den Spiegel.
Efeu bin ich geworden.
 

Oben Unten