Bruchstücke III

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Otto Lenk

Foren-Redakteur
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Ich reiste an die Sanriku-Küste in der Nähe von Hachinohe in der Präfektur Aomori. Dort befindet sich eines der sagenumwobensten Torii Nippons. Es heißt, dort könne man sich sehen. Nicht das, was wir nach außen darstellen, sondern unser wirkliches Ich.
Was soll ich sagen. Ich stand dort und fand es schön. Dieser Blick durchs Tor aufs Meer. Schön...wunderschön, mehr nicht. Aber so ist das meistens, wenn man ein Wunder erwartet. Es entspricht nie dem, was man sich davon erträumt. So dachte ich.
Dann kam dieser Mann. Ganz offensichtlich ein Bettelmönch. Er trug den typischen Strohhut, die offenen Holzsandalen, einen Hakama und eine schwarze Kariginu-Robe. Er schien mich nicht zu sehen, zumindest würdigte er mich keines Blickes.
Der Samana ging zum Wasser und wusch sich Hände und Mund. Danach stellte er sich vor das Torii, verbeugte sich und klatschte anschließend in die Hände. Der Mönch begann zu singen. Ein seltsamer Sprechgesang, der mir irgendwie vertraut war. Wie eine Melodie, die tief verborgen in einem ist und die man nun zum ersten Mal hört.
Schalaba mana, Schala mana, Schalaba mana
Ich stellte mich hinter den Mönch, blickte durchs Tor aufs Meer und lauschte dem Gesang und dem Branden der Wellen.
Schalaba mana, Schala mana, Schalaba mana
Ich schloss die Augen. Zeit und Raum verloren sich. Nur noch dieser Gesang und die Wellen. Wie lange ich dort stand, weiß ich nicht. Als ich die Augen öffnete, war der Mönch verschwunden.
Vor mir das Tor. Nein...Es war, als ob ich durch tausend Tore sähe und hinter all den Toren eine leuchtende Welt. Ob dies einem Traum oder der Wirklichkeit entsprang...wer weiß? Auf jeden Fall ging ich durch die Tore dem Horizont entgegen, auf dem eine lichte Insel zu schwimmen schien.
Je näher ich kam, umso deutlicher zeichneten sich die Konturen der Welt ab. Es war ein Abbild all dessen, was ich mir immer erträumt. All die Wünsche und Träume lagen vor mir, zum Greifen nah. Die Erfüllung eines Lebens.
Wenige Schritte nur...ein Schritt. Doch dann vernahm ich die Stimme. Meine Stimme. Sie rief vom Ufer her zu mir herüber.
'Erkenne die Wahrheit', rief sie, 'erkenne die Wahrheit'.
Ich blickte zurück und sah mich neben dem Samana stehen. Ich winkte mir zu. Schalaba mana, Schala mana, Schalaba mana, sang mein Ich. Mein Blick schwenkte vom Paradies zum Ufer. Immer wieder und immer wieder. Im nächsten Augenblick stand ich am Ufer. Vor mir das Tor. Ich lächelte und ging meinem nächsten Schritt entgegen.

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Otto Lenk

Foren-Redakteur
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Die Toten sind nicht so weit entfernt,
sie sind auf der anderen Seite der Wand.
Ich lege mein Ohr an den kalten Stein,
schaffe einen Raum zwischen den Räumen.

sei hier, sei mein,
zwischen räume fugen
stein

Die Toten sind nicht so weit entfernt,
sie sind auf der anderen Seite des Seins.

https://www.youtube.com/watch?v=bTqUaeDL0pk
 

Otto Lenk

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Grad gestern sagte ich ihm, dass er in Verzug sei. Und das jetzt schon seit Monaten.
In Verzug zu sein, sei sein Leben, meinte er, lächelnd.
Aber, antwortete ich ihm, wo kämen wir hin, dächten alle so.
Genau da hin, wohin eben jene wollen, die so denken, beschwichtigte er wissend.
Wissend im Sinne von: Stirn nach oben gezogen, so dass die Falten mannigfaltige IQ's bilden.
Nichtsdestotrotz bleiben sie mir gegenüber im Verzug.
Dies sei seinerseits so angedacht, weil es sonst ihnen gegenüber keinen Sinn ergäbe, erklärte er mit einem Wissen in der Stimme, die jeden Gegenentwurf meinerseits im Keim erstickte.
Nun gut, flüsterte eine Stimme, die ich kaum als die meine wahrnahm, wenn sie es sagen.
Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass wir uns geeinigt hatten.
Oh, ist das so, oder war es nicht eher so, dass sie sich mit sich selbst geeinigt hatten?
Gerade so, als wären sie sich selbst gegenüber im Verzug, mit mir als Spiegel ihrer selbst?
Wissen sie, all ihr altkluges Gehabe kommt dermaßen blasiert daher, als wäre der in Verzug geratene nicht Schuldner, sondern Fordernder.
Ist er das nicht, in gewisser Weise?
Kommt auf die Sichtweise an.
Eben!
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
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Bald schon...bald!

Leben ist Bewegung.

Die Menschen in Barcelona bewegen sich. Ein unstillbarer Strom. Immer in Bewegung. Metro, La Rambla, Hafen, Verkehr...Bewegung, Bewegung.
Die Sprache, Ausdruck einer schnellen Bewegung. Barcelona bewegt sich.
Kunst ist Bewegung. Ein sich aus alten Einsichten hinaus heraus bewegen. Ins immer wieder Moderne hinein. Bewegung als Ausdrucksform. In allen Gestaltungsmöglichkeiten.
Aus der Vergangenheit ins ewig neue Moderne hinein. Bis sich die Kunst aus der Zeit, aus der Bewegung, löst. Ewig bleibt.
Der Versuch einer bildlichen Wegfindung, an deren Ende Kunst steht, die aus der Zeit gelöst für alle Zeiten steht.

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Otto Lenk

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Du!
Das war unser bisher schwierigster Urlaub.
Bereits Tage vor der Abreise wurde Uschi influenziert.
Frag nicht! Volles Programm.
Aber da mein Schatzeboppes Sternzeichen Löwe, gibt es kein Zurück.
Also Abflug.
Zweierlei Ankunft.
Zu 1.: In Barcelona.
Zu 2.: In Fluenza.
Meinereiner.
Die grippösen Fühlerchen hatten sich erfolgreich nach mir ausgestreckt.
Von nun an von Tag zu Tag entscheiden.
Ja, nein. Packen wir, packen wir nicht.
Problem: Ich!
Sternzeichen: Löwe, Aszendent: Sterbendes Weichei.
Leiden entfaltet mit mir als ausführenden Darsteller ganz neue Dimensionen.
Beispiel: Sagrada Familia.
Otti sieht zur Skulptur 'Jesus am Kreuz'. Er sieht und versteht.
Beispiel: Museum 'Fundació Joan Miro'.
Otti sieht zur Skulptur 'Ocell Lunar'. Sieht und versteht.
Beispiel: Metro
Otti steht in der Metrostation 'Fado'. Er sieht und versteht.
Tatsache...es ging und geht uns (und speziell mir) nicht gut.
So konnten wir nur die Hälfte unseres Programms bewältigen.
Und natürlich fehlt auch ein wenig das Gefühl der Leichtigkeit,
welches einen Fliegen lässt, steht man z.B. zwischen den Säulen der Sagrada.
Aber wir waren tapfer (speziell ich).
Ja...Uschi auch, im Ertragen meiner Unpässlichkeit.
Doch es gab trotz allem diese 'nicht von dieser Welt Gefühle'.
Da war dieser Moment in der Sagrada.
Von einem auf den anderen Augenblick zerriss die Wolkendecke.
Jeder einzelne Sonnenstrahl schien sich in den bunten Fenstern millionenfach zu brechen.
Der gesamte Innenraum der Basilika ein einziger Regenbogen.
Eine tiefe Stille und Ergriffenheit erfasste die Hunderte von anwesenden Menschen.
Es war fast so, als hätte Gott den Raum betreten.
Ich komme bestimmt noch auf ein oder anderen Moment zu sprechen.
Aber jetzt muss ich erst mal wieder ein wenig leiden.
Bis dann und wann.

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Otto Lenk

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Schuldig


Schuldig

Nach allen Regeln

Oh geile Schuld
Über alle Regeln hinweg

Ich liebe dich

Komm
Ich schulde dir noch was
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
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Schichtmusik,
die aus Gitarreneffektgitarren und Synthesizern mit durchgetretenem Sustain-Pedal in die Welt suppt. Der perfekte Soundtrack zum Morgengrauen in Delkenheim.
Ich sitze am PC und brüte selbstvergessen über einem Sudoku.
Alles so schön 1,2,3,4,5,6,7,8,9 im kleinen und großen Quadrat.
Wieder ein Tag, der keine Arbeit für mich übrig hat.
Mein Sohn schreibt über WhatsApp, dass er eine Lohnerhöhung erhalten hat.
Macht mich auch nicht gerade größer.
Mein Hirn zermartert sich über angstfreie Räume den Kopf.
Angstfreie Räume gibt es nicht. Sind ausgestorben.
In meiner Kindheit gab´s einen.
Niemand kannte mich so gut wie die dunkle Ecke meines Kinderzimmers.
Mit ihr teilte ich alles. Angstfreier Raum im ureigenen Kosmoversum.

Scheint so was wie ne kleine übriggebliebene Novemberdepri zu sein.
Fallen, fallen...lassen, lassen, lassen.

1,2,3,4,5,6,7,8,9

Gerade hab ich mal wieder raus geguckt
mach ich eigentlich nicht mehr
bleib lieber /viel lieber/ in mir drin
ei die weil das da draußen an mir nagt
so als wäre ich ein baum
und das da draußen ein biber

Ich weiß wie das endet
immer wieder endet

Drum lass ich nur meinen schein raus
das muss denen da draußen
mit den großen zähnen
genügen

Früher dachte ich, es läge ein ewig auf allen Dingen.

Sich (daraus) ins Nichts inszenieren.

Mir fällt es schwer
Tage zu beschreiben
die keine sind

Oft denke ich: Was wäre gewesen

Wäre ich gewesen

Ich male Bilder in meinem Kopf
die mich nicht erreichen
weil ich nicht bin was ich da zeichne

Im kleinen Quadrat.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
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Le premier jour du reste de ta vie

Kenne dieses Gefühl der langsamen Ergebenheit.
[Ist so ähnlich wie ein altes Auto
das sich ein H verdient hat]

Auf den Äckern liegt die Traurigkeit des Februars.
Selbst die zwischen dem Grau hervor gepressten Sonnenstrahlen vermögen nichts. Diese seltsame Kontrastlosigkeit zwischen Himmel und Erde.
Was soll sein, wenn man sich nach dem März sehnt?

Ja, ich sehne mich nach einem März,
einem gütigen Frühling, vielleicht gar nach einem Sommer.
Nach einer kleinen Ewigkeit 'darüber hinaus'.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
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Was wäre wenn?

Sag
was wäre wenn
nicht nein
und kann nicht sein

Sag
mag sein
vielleicht
nicht nein

Sag
es kann

Sein
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Meistens ist es wie Montag
Mit ein wenig Glück Freitag
mit Aussicht aufs Wochenende
Manchmal ist es wie Samstag
und wenn´s ganz gut läuft wie Sonntag
Nie ist es wie Apfel-
mehr wie Grapefruchtsaft
MIt so kleinen Piksern Stachelbeere

Feiertagserdbeerisch ist´s nur
wenn du mich am Morgen danach
anlächelst
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Den Lauf der Zeit
Verraumschiffen
Richtung:
Scheiß drauf
Einfach sagen:
Jetzt und hier
Für alle Zeit...

...und darüber hinaus

Dem Schicksal
Einmal die Zunge rausstrecken
'Du kannst mich mal'
Schreien und dabei
Auf Teufel komm raus
Derwischen
Dass selbst die Gezeiten
vor Neid verebben

Daran glauben
Dass nichts ist
Wie es ist

Dass alles
Absolut alles
Sein kann

Und glauben
Fest
Daran glauben
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Alpträume
waren die Teddybären
meiner Kindheit


Aber nicht dass du denkst!
Ich hatte ein eigenes Land, das niemand außer mir betreten konnte.
Es war die dunkle Ecke in meinem Zimmer.
Dort war ich unsichtbar.
Ein Ort jenseits der Angst, an dem ich mich ins Nichts inszenieren konnte.
Hier hütete ich meinen Schatz.
Superman Comics.
Die G.I.`s brachten sie dem Sohn des Kneipenbesitzers mit.
(Heute denke ich mir, dass sie die Angst in meinen Augen sahen.
Das Zucken, erhob sich die Stimme des Vaters. Sie erkannten, dass ich einen Superhelden an meiner Seite brauchte)
Die Sprache der Comics war mir fremd.
Aber mir genügte dieses ZACK BUMM mit dem er das Böse zerschlug.
Superman traf mich in der Dunkelheit.
Natürlich, why not, sprachen seine Augen.
Auch er hatte einen Zufluchtsort.
Erst viel später erfuhr ich den Namen des Ortes: Festung der Einsamkeit.
Heute ist mir natürlich klar, dass mich Vater in jener Ecke sah.
Doch er blieb ihr fern. Niemals wagte er sich mich dort zu tyrannisieren.
Er muss die Kraft Supermans gespürt haben. Meines Helden.
In dieser Ecke ging die Kraft auf mich über.
Vielleicht weil Vertrauen die stillste Art von Mut ist.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Es frühlingt. Die Zugvögel
sind wieder bei mir eingezogen.
Haben ein Nest gebaut.
Mein Herz hineingelegt.
Wie es sich wieder sehnt.
Und pumpt.
Immer wieder sehnt.
Trotz all der Jahre sehnt und pumpt.
Sehne ich mich wirklich?
Kann das mein altes Herz sein?
Wie es sich sehnt
und sehnt?
Ja!
Ja und ja und ja.
Da ist es.
Dieses alte immer junge Gefühl.
Mein Herz.
Wie es schlägt!
Für dich, für dich, für dich.

https://www.youtube.com/watch?v=RbUMKenn5l8
 

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