Bruchstücke III

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Otto Lenk

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Das politisch lyrische Wort zum Tag

Politik beim Wort nehmen?
Geht nicht.
Man muss die Worte hinterfragen.
Sozusagen durchs des Wortes Tür gehen,
sehen, welche Räume sich dahinter auftun.
Wobei…in diesem speziellen Fall.
Nun gut…das sei dahingestellt.
Wohin auch immer.

'Ich möcht´ nicht auch noch darauf scheißen,
worauf schon längst geschissen ist.
Drum reicht´s gerade, wenn von mir
darauf verwiesen wird. Auf den Gestank,
auf die Moral, des dünngeschissnen Ist.
Geheiligt sei der Furz,
der dieses Denken untermalt.'
 

Otto Lenk

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Ihr Dutt gleicht einer chaotischen Galaxie.
Es unterscheidet sich nur unwesentlich von dem in ihrem Kopf.
Ihr Ich hat sich schon vor langer Zeit von ihr verabschiedet.
Sie kreist immer näher um das Zentrum ihres Kosmoversums,
in deren Mitte ein schwarzes Loch auf sie wartet.
Hin und wieder ist es ihr, als kenne sie einen der Sterne der sie umgibt.
Doch das Licht der Sterne leuchtet nur noch schwach.
Mit jedem Schritt darauf zu, entzieht es sich ihr.
Bei meinem gestrigen Besuch nannte sie mich Hans.
Gerne übernahm ich die Rolle meines Opas.
Why not...war ich doch schon Sohn, Onkel, Freund, Geliebter.
In diesen Momenten des scheinbaren Erkennens ist sie ein heller Stern.
Ich nehme teil an dem, was einst ihr Leben war.
Ihre Augen, sonst untergegangene Sonnen, leuchten,
nur um sich mitten in einem Gedanken zu verschleiern.
Was wohl hinter dem Erinnerungshorizont auf sie wartet?
Vielleicht ein Stern.
Dieser eine Stern, der wir selbst und alles ist.
 

Otto Lenk

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Und dann war da dieser Junge,
mit seiner so ganz eigenen Vorstellung vom Universum.
Abends, wenn er zu den Sternen blickte,
sah er dieses für alle anderen unsichtbare seidene Netz,
nannte das Wesen das es knüpfte beim Namen,
den nur der Junge kannte.
Er beobachtete das Wesen, wie es hier das Netz vergrößerte,
an anderer Stelle die Knoten löste.
Schließlich wurde aus dem Jungen ein Mann.

Und der Mann schaut immer noch zum Himmel,
sieht immer noch das Wesen und dieses Band,
von dem er weiß, dass er einer dieser Knoten ist,
der alles verbindet...

...und dass er eines Tages von allem entbunden sein wird.


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Otto Lenk

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Vom schönsten Gedanken

Es war einmal ein schöner Gedanke.
Er glaubte von sich, der schönste Gedanke der Welt zu sein.
Doch er war allein.
Niemand, dem er seinen Gedanken hätte erzählen können,
niemand, der sich mit ihm gefreut hätte.
Und so wurde aus dem schönen Gedanken, mit der Zeit, ein trauriger Gedanke.
Kaum war er ein trauriger Gedanke, kamen von überall her andere traurige Gedanken.
Erzählten von der Traurigkeit ihrer Gedankenwelt.
Endlich war unser Gedanke nicht mehr allein.
Er versuchte sich zu freuen, doch er konnte nur weinen.
 

Otto Lenk

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Immer verspüren wir die Obrigkeiten
Tanzen mit ihnen
Schritt für Schritt suchen wir
einen gemeinsamen Takt
Verlieren
Verlieren
Immer wieder
Weil dies der Natur entspricht
Dieser Takt
der der Natur des Unnatürlichen entspricht

Nimm meine Hand
in deine - Spüre
den rinnenden Sand

Es gab einst Nachtigall und Lapismont,
ein gerumpeltes Stielzchen.
Mittlerweile ist alles gleicht gut.

Es fällt mir so ungemein schwer.
Aber ich bin weg hier.
 

Otto Lenk

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alles so schön neugrün hier...und ganz und gar ohne die blaue flosse. fast schon paradiesisch.
in diesem zusammenhang bitte ich um entschuldigung für meine entgleisungen.
sie entstiegen einem gewissen unverständnis gegenüber diesem menschenkind und seinem tiergeschützten dasein.
 

Otto Lenk

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Du!
Jetzt der Walther.
Grad noch die Tage beim Seyho mit ihm gebabbelt.
Von wegen Tottenham oder Juve.
Er voll der Premier League Fan ich dagegen Buffon.
Jetzt hatt` ich mich schon so drauf gefreut, dem ein Ole, Ole entgegen zu schmettern.
Von wegen: Wo warnse denn, deine Tottenhamer?
Und dann stirbt der einfach so mir nix dir nix.
Jetzt nicht dass du denkst von wegen: Da werden aber viele trauern.
Eher nicht.
Ei die weil unser Walther schon ein rechter Eigenbrötler.
Allein die Erscheinung.
Nur noch 100 bis zweihundert Haare auf dem Kopf.
Und die hat unsern Walther lang werden lassen.
So von wegen kaschieren.
Von links nach rechts einzelne Strähnen über den Kopf gegelt.
Sah wie ne 8spurige Autobahn aufem Kopp aus.
Und dann die vielen Kisten Bier, die er in seinem Bauch trug.
'Mein Kind, mein Kind', hat er immer gescherzt und seinen Bauch gestreichelt.
Aber der Höhepunkt: Sein Bart.
Dieses 'das wird ja doch nix, Gewächs', welches sein Gesicht verzierte.
Beim Anblick, also Gesamtdraufsicht, wechselten Fremde die Straßenseite.
Aber wer ihn ein wenig näher kannte, wusste: Unsern Walther is en klorer Kerl.
Von seiner Platt im Kopp hat kaum einer was gewusst.
Die hatten ihm die Russen eingesetzt.
Ei die weil sich 1943 in Stalingrad eine Schrapnellteil in sein Hirn gebohrt hat.
Da war unser Walther so gut wie tot. Also sein Kopp.
Aber er war schon immer ein kräftiger Kerl, also ab nach Jakutsk.
Mitten ins eiskalte Sibirien.
Und da habense dem Walther so ne Platte in den Kopp rein gemacht.
Ich denk, dass das der Grund für die Autobahn auf seinem Kopf war.
Von wegen den Narben.
Hat sich schon geschämt, unser Walther.
Ei die weil der Kopp hat nicht mehr so dolle funktioniert hat.
Aber Fußball...Hammer! Der kannte alle Spieler der Premier League.
Punkte, Tore, Trainer, Vereine...alles.
Und sein Garten, unten bei der Schule.
Der Hingucker. Paradies.
Da haste unsern Walther immer finden können.
Sommer wie Winter.
Jetzt isser mit 87 gestorben.
Ein Kerl wie en Baum.
Bis zuletzt aufrechter Gang.
Und sein Kopp hat besser funktioniert, wie bei vielen anderen in dem Alter.
Dein Gebabbel wird mir fehlen, keine Frage.
 

Otto Lenk

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Vorgestern, gesten, heute...Tinnitus Interruptus.
War so,
als ob einem ein Shakespeare-Stück per Morse Code aufs Ohr gedrückt wird.
Aber ganz ohne Höhepunkt, immer gleiche Szene, gleicher Satz.

'Hohle Töpfe haben den lautesten Klang'.

Aus einem hohlen Topf geborene Töne, Klang.
Vielleicht so sagen mir die getönten Worte, ist es Heilung.
Füllt den hohlen Topf mit Tönen/Klang, auf dass überhaupt etwas in ihm klingt.
Wie man's auch dreht und wendet, hohler Topf, gefüllt mit schrägen Tönen...
...Kling, kling, kling, Klang!

hohl hohl hohl hooohl hooohl hooohl hohl hohl hohl

Morgen
 

Otto Lenk

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Du!
Ich gestern voller Vorfreude ins Bett.
Von wegen heute neue Bluetooth-Kopfhörer testen.
Wach geworden und der innere Schweinehund sich am melden:
Das kannste heut getrost vergessen.
Ich wusste auch direkt was er meint.
Ei die weil der dritte Lendenwirbel das Lied vom Tod spielte.
Schweinehund: Nimm `ne Tablette und chill.
Also ab an die hauseigene Apotheke.
Und gerade als ich in der Küche am rechts abbiegen bin, Blick aus dem Fenster.
Wow! Wie geil iss das denn?
Aus dem Fenster gucken und nix sehen.
Ei die weil da ein Nebel war, London Scheißdreck dagegen.
Dem Schweinehund gleich mal gekontert: Also, Tablette geht.
Aber von wegen chillen, kannste vergessen.
Musste wissen: Ich bin bei Nebel voll am drin aufgehen.
Ich erst mal die Tür auf und Temperatur am fühlen.
Kalt.
Also lange Unterbucks und warme Klamotten anziehen.
Die Ohren sind ja geschützt (siehe dritte Zeile).
Raus und überleg.
Was willste hören?
Nebelmusik...ja, The National.
Ich auf meinem Handy gespotifyt und ab mit dem neuen Album.
Hinein in die inneren und äußeren Nebel.
Unterwegs kreuzten verirrte Bäume meinen Weg.
An den scheuen Krähen vorbei, ohne dass sie mich bemerkten.
Später wurde mir bewusst, warum dies so war.
Nach 5 Kilometern, gerade als 'The Guilty Party' begann,
wurde ich schwerelos, Teil des Nebels.
Ich setzte mich auf eine Nebelbank und alles verging.
Die Welt vollkommen entleert von allen Äußerlichkeiten.
Wenn ich sterbe, werde ich zu Nebel, dachte ich.
Der Nebel verkörpert mein ganzes Sein.
Mit diesem Gefühl stieg ich aus dem Nebel ins unwirkliche Sein.
Bei Kilometer 8 endete das Album der Nationals.
Ich überlegte, was ich nun hören wollte.
Gazpacho, kam mir in den Sinn. Tick, Tock.
Wüstenmusik.
Nebelmusik, Wüstenmusik.
So scheinbar unnahbar und doch so nah.
Zwischen Nordenstadt und Wallau gab ich mich meinem Glauben hin.
Ich schloß die Augen und ging den Weg, den mir der innere Nebel aufzeigte.
Als ich die Augen öffnete,
fuhr ein alter Mann auf einem klapprigen Fahrrad an mir vorüber.
Er lächelt mich wissend an und verging.

Ich bin...ich bin
ein Vulkan, der Sand und Nebel spuckt.


 

 
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