Bruchstücke III

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Otto Lenk

Mitglied

Ich möchte das unbeschriebene Blatt
deines Liebesromans sein
Du wirst dich hinsetzen
gedankenverloren
und zu schreiben beginnen
Und du wirst mich erfinden
Du wirst schreiben
dass ein Blick genügte
um dein Herz zu pulverisieren
Ich werde ein Baum sein
in deiner Geschichte
Und du wirst ein Nest bauen
in meinen Haaren
Wenn du mich liebst
werde ich dein Himmel
dein Blick hinter den Horizont sein
Und wenn du mich hasst
wirst du mir die Hölle beschreiben
Ich bin deine Feder, die Tinte,
das Blatt auf dem ich stehe
Wir werden gewinnen und verlieren
Immer wieder uns in uns verlieren
Und immer wieder werden wir uns trennen wollen
Kriege führen, Schlachten schlagen
Und wir werden verlieren
Am Ende verlieren
Und mein Name wird verblassen auf dem Papier
Und du wirst schreiben
Er war ein Atemzug des Universums
Und ich werde vergehen
 

Otto Lenk

Mitglied
Es war in jener Nacht
als die Sterne sich vor der Dunkelheit verneigend
untergingen
und zwischen Io und den Ringen des Saturn
Nichts ein Wort ersann
das dem Tod einen Sinn gab
welcher alles überdauernd
der Endlichkeit ein Un schenkte
und damit die Liebe schuf

Man könnte denken und sagen
was hat er nun schon wieder getan
um so zu denken
aber letztlich ist es Nichts als die Liebe
die es wahr


Wohl bekomm's

Weiterhin für immer Blau
mit einem Hauch von Rot darin
Darüber einen Honigkuss
der schmilzt und schmilzt dahin
und tropft süßtränenlachenreich
auf erdbeereises Sahneweiß
Nachspeisig mit Pürierpüra
meeresschaumiges Olelala


Und dann

so gleich
sogleich
so hin und weg
So du
So ich
So wir
So Weg
So
Sowieso
 

Otto Lenk

Mitglied
Gerne träfe ich dich noch einmal
im damalsland
als die straßen noch keine namen trugen
die liebe der anfang
und die idee einer zukunft
ein märchenhaftes etwas
mit aussicht auf wirklichkeit war
 

Otto Lenk

Mitglied
Mein Herz
Dieser selbstsüchtige kleine Muskel
der
wie es ihm gefällt
liebestaumelnd galoppiert
um im nächsten Moment bluesig
vor sich hin zu gammeln
und mich dabei
atemlos chillend glauben lässt
ich sei es
der da so gigolocoolig lebt
und dabei in Wirklichkeit
nur dem Schlag seines Herzens folgt
 

Otto Lenk

Mitglied
Die Nacht hing hinter dem Fenster
Zwischen von Rubens an den Himmel gemalten Wolken
lugte ein voller Mond schamhaft hervor
schlug hier und da lichte Wunden ins schwarze Seidenpapier
Ich umnebelte das Bild mit meiner E-Zigarette
Erstarrte
Wurde zum Fenster hinter dem die Nacht hing
 

Otto Lenk

Mitglied
Du weißt was es bedeutet Kind zu sein,
wenn du deiner Enkelin sagst,
dass du in den Film 'Krieg der Sterne' gehst
und sie fragt, ob man in dem Film Sterne kriegt.

Gerade fragte ich meinen Schatz, ob sie mir mal bitte den Sekundenkleber reichen kann.
Ihr hättet den Blick unserer Enkelin sehen sollen.
 

Otto Lenk

Mitglied
Ich bin verloren
geboren
In eine Ewigkeit
die keinen Raum lässt

In der sich alles
im Kreis dreht

Natürlich
Natürlich könnte ich
Nicht

Wer könnte schon
im Traum
der erträumten Götter

Jetzt mal im Ernst.
Wie überwindet man seinen inneren Pinguin?
Also...jetzt sind natürlich nur alle inneren Pinguine gefragt.
Innere Löwen, Siebenschläfer etc. pp. können weiter gehen.
Ihr, die jetzt noch da sind, wissen um was es geht.
Wir Pinguine wissen um unser Vogelsein.
Diesem verlorengegangenen Flug.
Diesem Erdensein.
Ja, ja...ihr angepassten Pinguine.
Das Wasser. Dieses Unterwasserfastfliegensein.
Ausflüchte, nichts als Ausflüchte.
Tief im Inneren wollen wir alle fliegen. Auch ihr!
Aber was tun wir. Wir Watscheln.
Ein endlos Hintereinanderwatscheln in Schwarz/Weiß.
Der ganz vorne hat längst das Ziel aus den Augen verloren.
Watscheln und watscheln
Auf der Suche nach den verlorenen Göttern
Längst vergessen, dass wir die Götter sind
Wir fürchten uns so sehr über die, die über das Meer kommen
Weil wir tief in uns drinnen fühlen
dass wir es sind, die da kommen
Verlorene Seelen
Flügellos
Atemlos
 

Otto Lenk

Mitglied
Oh Gott!
Ich bin ein Hesse.
Ein durchunddurch Hesse.
Gerade hab ich´s wieder gehört.
Embern hab ich gesagt.
Embern!
Heiliges Kanonenrohr.
Ich gestehe.
Schuldig.
In allen Punkten.
Ich bin.
Ein Hesse.
Ob ich als Hesse allerdings tatsächlich bin
wage ich zu bezweifeln.
Wer embern sagt, kann nicht wirklich sein.
Außer Hesse.
Und sein und Hesse ist ein Widerspruch in sich.
Am besten ember ich mich jetzt nicht mehr
und lasse das Sein sein.
 

Otto Lenk

Mitglied
Weißt du noch...

...die Kiesel rrrrrollten in der Brandung das R so schön
Diese Wasserpflanze, die dem Stein ein grünes Toupet aufsetzte
Und ja...die Sonne
Millionen ihrer Kinder zauberte sie aufs Meer
Du auf der Düne...als balanciertest du auf dem Horizont
The National spielten 'I need my girl'
Du breitetest die Armen aus und ließest dich nach hinten fallen
Als ich dich fragte, was du hinter dem Horizont fandest, sagtest du:
Uns

 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Jetzt iss de Werner verschwunden.
Wär vielleicht keinem aufgefallen, hätt der nicht seine Rituale.
Jeden Tag sein Gang zu unserem Lebensmittelladen.
Ein kleines Päckchen Marlboro Mix und ein Rubbellos.
Hier und da was zu Essen.
Montags bis Samstags.
Samstags natürlich zwei Päckchen Marlboro und zwei Rubbellose.
Er wohnt hinten im Kirchspiel, im Haus seiner Mutter.
Hat gewohnt?
Auf jeden Fall im Haus seiner Mutter.
Einen Vater hatte der Werner nicht.
Also so ‘nen richtigen Vater.
War wohl ein Ami, dem sein Vater.
Vom Luftwaffenstützpunkt in Erbenheim.
Die Leut hier in Delgem haben sich immer drüber lustig gemacht,
über dem Werner seinen Vater.
Von wegen als der am Morgen danach die Mutter vom Werner im Hellen sah,
der die Flucht ergriffen und ab mittem nächsten Flieger in die Staaten.
Muttersöhnchen, habense den Werner genannt.
War immer so `en kleinlaute.
Bei dem klangs immer so, als kämen die Worte auf Zehenspitzen daher.
Da mussteste die Lauscher aufsperren um den zu verstehen.
‚Un Werner, wie gehts dir so?‘
‚Geht schon‘.
Viel mehr haste von dem nicht gehört.
Hat beim Antworten immer so in sich hineingelacht.
So duckmäuserisch, wenn de verstehst was ich mein.
Hat zu ihm gepasst, war höchstens 1,60, de Werner.
Schaffe musst de nix.
Ei die weil dem Werner sei Mutter Ackerland verkauft hat.
Mindestens ne Million, ham die Delgemer geflüstert.
Und im gleichen Augenblick:
‚Aber was hilfst der, so wie se aussieht‘.
Na ja, wie auch immer…de Werner war halt da.
So ein bisschen da, halt.
Un jetzt isser weg.
Wär, wie gesagt, eigentlich keinem aufgefallen.
Aber die Rituale.
Als der so zwei Wochen oder so nicht in de Lade kam,
hats der Besitzer vom Lade gemerkt.
Wahrscheinlich am Geld, was in de Kass gefehlt hat.
Die Polizei iss dann ins Haus, ei die weil die gedacht ham,
dass der da liegt.
Aber denkste!
Nix…kein Werner.
Un natürlich gleich all am schwätze.
Von wege , dass der sich ab gemacht hat.
Mitt de Million.
Irgendwohin wo´s warm iss.
Aber ich denk mir, dass de Werner gar nicht wüsst, was er da soll.
Wo auch immer das sein soll.
Ich mein, alles was der braucht, sin die Zigaretten un es Los.
Wenn de mich fragst, hat der sich einfach aufgelöst.
Ei die weil der im Laufe der Zeit immer weniger wurde.
Wenn ich den Werner sah, dacht ich immer:
Bald sieht mern nicht mehr.
Ich hab dann oft zu ihm gesagt: ‚Ei Werner, du musst mehr essen‘.
‚Geht schon‘ hat der dann geantwortet und lächelnd geduckmäusert.
Ja, ich glaub, unsern Werner iss der erste Mensch, der sich in Luft aufgelöst hat.
Einfach so.
 

Otto Lenk

Mitglied
Delkenheimer Nächte

Du!
Jetzt hab ich gerade versucht einzuomen.
Ganz tief und fest.
Ei die weil ich kurz vorm supermanen war.
So überich und so.
Von wegen der Typ, den's nur im Traum gibt.
Aber jetzt so.
Also nicht das du denkst.
Ich voll der coole Typ.
Verständnis. Voll und ganz.
Für alles.
Also ...fast.
Ei die weil irgendwo iss da mal en Punkt.
So einer wie der Tellerrandpunktoder so.
Ich also am einschlafen.
Fast schon da, wo der Schlaf hingehört.
Nämlich und endlich ins Ungehörte.
Und dann dies: 'Oh ja. Oh, oh, ja'.
Ich, so mir nix dir nix, wieder da.
Da, wo das Dasein in diesem Moment nicht sein sollte.
Erster Gedanke: Wasn jetzt?
Antwort:' Mach mir's'!
Ich...immer noch im gedanklichen Delirium: Wasn?
'Sei mein Hengst'!
Wer jetzt, ich?
Und ich überhüpf in nen Traum Traum.
Ei die weil ich am Tag zuvor am spazieren.
Da war da die Weide und diese süße Stute.
Ich die angeguck und kam auch gleich ande Zaun.
Streichel, streichel.
Nicht mehr...ich schwör!
Und jetzt springen die Gedanken.
Fast wie Pfingstturnier in Biebrich.
'Du geiler Hengst'!
Wer jetzt, ich?
Da lappen und überlappen die Träume,
dass de gar nicht mehr weißt ob Mensch oder Hengst.
Ich schwör!
Und gerade, als die Realität so richtig über den Traum kommt,
drehste dich im Halbhierhalbdort und begräbst deinen Kater unter dir,
der es mit einem: Jaaauuuuuuuuuuuuuuu, kommentiert,
von demde letztendlich nicht weißt, ob es von hier oder da kam.
Danach...

Ruhe.
 

Ji Rina

Mitglied
Weißt du noch...

...die Kiesel rrrrrollten in der Brandung das R so schön
Diese Wasserpflanze, die dem Stein ein grünes Toupet aufsetzte
Und ja...die Sonne
Millionen ihrer Kinder zauberte sie aufs Meer
Du auf der Düne...als balanciertest du auf dem Horizont
The National spielten 'I need my girl'
Du breitetest die Armen aus und ließest dich nach hinten fallen
Als ich dich fragte, was du hinter dem Horizont fandest, sagtest du:
Uns
........................................................
Wunderschön!
 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Es geht mir gut.
Aber ab und zu gehts mir nicht so gut.
Also jetzt.
Also mehr so immer.
Es geht mir eher selten gut.
Es geht mir so immer also fast so solala.
Aber iss schon gut.
Also fast.

 

wirena

Mitglied
Von Du zu Du gesprochen
Stille wird gebrochen
Musik erfüllt das wir
Gedanken verstummen
ruhn in ihr

:) schön dies Erleben - herzlichen Dank
 

Otto Lenk

Mitglied
Du!
Die Leut, also eigentlich auch seine ganze Familie,
haben immer so getan als sei er ein Unfall.
Etwas das, verschweigt man es, so was wie unsichtbar wird.
Unsern …, Punkt Punkt Punkt, ei die weil er noch lebt,
und die Leut in Delgem alles lesen, auch wenn se so tun,
als könnte sie`s nicht, also unsern …
[natürlich werden sie´s lesen und wieder schwätzen,
weil sie die Punkte entschlüsseln werden,
und schwätzen in ihrer Natur, ihrer DNA liegt.
Aber ich kann zumindest so tun, als meinte ich jemand anderen]
iss neber de Kapp.
Unsern…war ein Nachzügler, der vierte Sohn.
Seine Brüder alles Kerle und ganz klar im Kopp.
Die Leut ham geraunt, dass sei Mutter zu alt gewesen sei.
Wenn du den … sehen würdest, und er grad nix sagt
[zu dem unsichtbaren Begleiter an seiner Seite],
würdeste nix merken, von wegen neben de Kapp und so.
Aber die meiste Zeit iss er da.
Musste dir so vorstellen: De … kommt dir entgegen. So mir nix dir nix.
Und plötzlich dreht er seinen Kopp zur Seite und fängt an zu schwätze.
Da kommen dann so Sätze wie:
‚Mit dir an meiner Seite verraumschiffe ich die Zeit‘.
Anschließend scheint er angestrengt einer Antwort zu lauschen.
Nickt, schüttelt den Kopp oder lacht…manchmal weint er auch.
Gestern ging er an mir vorüber und sagte:
‚Du bist mir doch nicht gleichgültig‘.
Ich antwortete, dass mich das freue, bis ich sah, dass sein Blick von mir abgewandt war
und ich kapierte,
‚Nein, nein! Du bist mir gleich (und hier machte er eine Pause) gültig‘.
dass er seinen unsichtbaren Freund meinte.
Ich stell mir dann immer einen großen Hasen vor.
Weißt schon, wie damals in ‚Mein Freund Harvey‘.
Ich stell mir den Hasen vor und bin ein wenig neidisch auf … .
Ei die weil ich es mir schön vorstelle, so einen Freund zu haben.
So einen ganz und gar persönlichen Freund.
Einen, der immer für einen da iss.
Und mir ist schon längst klar geworden,
dass dieses neben de Kapp sein, nichts mit dem zu tun hat,
was die Leut hier im Dorf sich darunter vorstellen.
Gar nix!
Würden die dem … mal zuhören, so richtig zuhören,
wüssten sie`s. Aber sie lauschen nur.
Sehen nur das für sie Offensichtliche.
[Das mit dem … iss eine dieser Bordsteinkantengeschichten.
Über die man drüber stolpert.
Wo immer was hängen bleibt.
Ei die weil man sich beim Gestolpere was ausgerenkt.
Und das meldet sich immer wieder.
Iss wie mit der Migräne und dem Wetter.
Eigentlich, sagste dir, haste mit der Geschichte nix zu tun.
Eigentlich.
Aber was iss schon eigentlich?
Schauen wir es uns mal an, dieses 'eigentlich'.
Nennen wir den Bordsteingeschichte einfach ‚Vorurteile‘.
Und schon biste bei Blicken und Getuschele.
Schon biste mittendrin, schon stolpert man,
ei die weil‘s einem auf `en Keks geht.}
Wo war ich?
Ach da!
Letztens hat der … zu seinem Freund folgendes gesagt
(und ich hab’s mir gleich notiert, ei die weil’s so geil war):

Der Tod ist unser Leben
Wir tanzen still um ihn herum

Jetzt weißte auch, warum ich gerne neben dem … gehe.
Hörste immer wieder Sachen, die nicht von dieser Welt sind.
Und die Leut denken bestimmt, dass ich mittlerweile auch neben de Kapp bin,
wenn sie sehen, wie ich mit ihm laufe und nicke, lache, traurig schaue und hin
und wieder auch mal weine.
 

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