Bruchstücke III

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Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Du!
Jetzt hat´s gerade geklopft.
Ich die Tür auf und geguckt.
War´s der Herbst.
HuidiePui kam er ins Haus geweht.
Rauschte was von wegen er wär´ auf dem Durchzug.
Und gerade…in mein ‚aber‘ hinein,
folgt ihm der volle Mond.
Ich jetzt…‘wie jetzt‘ worauf der Herbst:
Nur so!
Und er, der volle Mond:
Mir war danach…und außerdem ist´s kalt.
So kalt, jammert auch der verwehte Herbst.
Und nass!
Worauf der Regen geradewegs bzw. ab
wie auf Kommando im Haus erschien… nieselnd:
Ach was!
Was willste denn, von wegen nass?!
Bist doch der alte Herbst. Was wäre der denn,
du denn, so ohne Regen, nass?
Ein trockner Herbst halt, schnieft der Herbst.
Und ich bin unsichtbar, bist du erst da,
erbost der volle Mond, dem Regen entgegen.
Und ich, schimpf ich, brauch euch alle nicht.
Worauf ein zeterisches Jammern erschallt:
Na gut, dann gehen wir halt.
Türe auf mit HuidiePui und Mond hinaus,
Regen nieselnd hinterher.
Am End der Herbst: So wartet doch auf mich!
Zurück bleib ich,
geschmückt mit einem Kleid aus nassem Laub.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Es dachte und trank gegen die Zeit


Am Anfang war das Blatt Universum unbeschrieben
Kein Punkt kein Komma
Weder Frage noch Ausrufezeichen
Doch es war alles schon da
Immer da
Denn alles bestand und besteht aus Gedanken

Und gerade als der zwölfte Ton der Kirchglocke
Den neuen Tag begrüßte
Klatschte eine demente Fledermaus gegen das Fenster
Das in der Nacht zuvor nicht da

Ich erwachte mich fragend
Wer da ans Fenster geklopft
Öffnete es
Und lauschte mit erigierten Ohren
Dem Treiben der Nachbarn

Man muss etwas tun
Während man auf den Tod wartet
Dachte ich

Und eine Stimme
Die aus einem anderen Brunnen zu kommen schien
Sprach mit dem Klang der bittren Süße der Erfahrung:

Je älter man wird
Umso mehr wird man zu Grünzeug
Einem Möbelstück
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Kurz vor 24Uhr

Ich blicke aus dem Fenster
In die Ewigkeit
Einer unendlichen Nacht

Der volle Mond lächelt dazu
Plattitüde [ich weiß]
Scheiß drauf
Er lächelt...

...und Bogart zwinkert mir wissend
Vom Fenster gegenüber zu

Das Unbewusste
Hat sich ein Netz gewebt
Es beginnt zu vibrieren
Eine Melodie erklingt

Sie folgt meinen Gedanken
Hinein
In die perfekte Welt
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ihr Dutt gleicht einer chaotischen Galaxie.
Es unterschied sich nur unwesentlich von der in ihrem Kopf.
Ihr Ich hat sich schon vor langer Zeit von ihr verabschiedet.
Sie kreist immer näher um das Zentrum ihres Kosmoversums,
in deren Mitte ein schwarzes Loch auf sie wartet.
Hin und wieder ist es ihr, als kenne sie einen der Sterne,
der sie umgibt. Doch das Licht der Sterne leuchtet nur noch schwach.
Mit jedem Schritt darauf zu, entzieht es sich ihr.

Bei meinem gestrigen Besuch nannte sie mich Hans.
Gerne übernahm ich die Rolle meines Opas.
Why not...war ich doch schon Sohn, Onkel, Freund, Geliebter.
In diesen Momenten des scheinbaren Erkennens,
ist sie ein heller Stern.
Ich nehme teil an dem, was einst ihr Leben war.
Ihre Augen, sonst untergegangene Sonnen, leuchten,
nur um sich mitten in einem Gedanken zu verschleiern.

Was wohl hinter dem Erinnerungshorizont auf sie wartet?
Vielleicht ein Stern.
Dieser eine Stern,
der wir selbst und alles sind.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Du!
Jetzt sah ich grad das Video der 22-Jährigen aus Kassel,
die meinte, sie fühle sich wie Sophie Scholl seit sie im Widerstand sei.
Vor ein paar Tagen das Mädchen.
Es konnte ihren Geburtstag nicht feiern wie sie wollte,
und fühle sich deswegen wie Anne Frank.
Drüben in den Staaten glaubt einer er sei Gott.
Und überall Herrscharen von Lämmern,
die blöckend hinter ihnen herlaufen.
In mir: Tiefdruckstille.

Wir müssen da was übersehen haben,
in den letzten Jahren.
Ein schweigender Irrsinn, der nur darauf wartete,
dass ihm die Tore geöffnet werden.
Und es scheinen mir Tore zu sein,
die nicht mehr geschlossen werden können.
Keine Wege, keine Brücken, kein Land,
nicht einmal eine Insel.
Und in mir: Tiefdruckstille.
 

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