Bruchstücke III

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Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
einfach mal 493
grade
sein lassen
den eigenen schatten
links liegen
oder drüberhüpfen
einrollen
per rohrpost
richtung
‚du kannst mich mal’
schlaraffen
was das zeug hält
die besserwisserische
klugscheißerwaage
quietschebiegen
beine baumeln
von herzen
wolken
sternen
und himmeln
ja himmeln
493
einfach mal
ungrade
sein lassen

und wolkenkuckuckse
schnappen
 
Zuletzt bearbeitet:

John Wein

Mitglied
Otto, du hast beine unerschöpfliche Werkstatt für saftige Begriffe. Irgendwann klau' ich mir ein paar davon für meine Camino Histörchen.
LG; John
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Du!
Am Anfang hat der liebe Gott den Urknall gemacht.
Anschließend ganz viele Universen gebaut, mit Sternen, kannste gar nicht zählen.
War ihm aber nicht genug.
Dacht er sich: Ein paar Planeten wären auch ganz nett.
Als er mit den Planeten fertig war und alles sah, fehlte ihm immer noch was…
…und haste nicht gesehen, waren wir Menschen da.
Na ja!

Nobody is perfect.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ohrfeige

Ich erinnere mich
Vater wieder mal besoffen
Frau, Sohn…alle Scheiße
Die Ohrfeige saß
Brannte noch lange nach

Bis heute
Spüre ich ab und an
Eine schwache Erinnerung
Auf der Wange
 
Zuletzt bearbeitet:
Das spricht mich unmittelbar an, geschätzter Otto. Nicht dass ich genau solches erlebt hätte, nur an Verbales erinnere ich mich auf vergleichbare Weise. Es kam sehr selten vor, bestand jeweils nur aus ein, zwei kurzen Sätzen und wurde sogleich als äußerst verletzend empfunden und im Gedächtnis für immer aufbewahrt. Dabei muss es nicht einmal besonders bezeichnend für die Verhältnisse gewesen sein. Also Vorsicht, möchte man den Eltern von heute sagen, hütet eure Zungen wie auch eure Hände.

Freundliche Grüße
Arno Abendschön
 

John Wein

Mitglied
Ohrfeige?
da frag ich
mich:
was tut das Ohr
mit einer Feige?

Und die Backpfeife?
hier,
will sich mir,
mit dem Ohr
nicht recht verpfeifen.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Arno,

ja, hütet euch. In mir bleibt es...

Dank an meinen Vater

Fast fehlen mir die Worte. Was hast du mir nicht alles mitgegeben. Ich trage deine Narben. Innerlich und äußerlich. Die äußerlichen sind verheilt. Aber...
Vielen Dank für die schlaflosen Nächte. Es war wunderschön an deinem Bett zu sitzen, und die Geister deines Deliriums vom Bettlaken zu pflücken. All die Spinnenmonster deines benebelten Gehirns.
Ich danke dir für die Angst, die du wie einen Nebel auf alle übertragen hast, die in deiner Nähe waren. Die Angst war die Melodie meiner Kindheit. Lachen war dir zuwider. Das Lachen zeigte dir, was du verlernt hattest. Hast dich gehasst. Uns. Alles Lebendige.
Ich danke dir für unsere gemeinsamen Mahlzeiten. Kein Wort durfte gesprochen werden. Kann mich noch an dieses eine Essen erinnern. Es schmeckte mir nicht. Hast mich immer wieder angeschrien. Was auf den Tisch kommt, wird aufgegessen. Ich hätte mich nicht weigern sollen. Wortlos nahmst du den Teller. Er landete in meinem Gesicht. Ich danke dir für die Narben.
Was warst du für ein toller Anblick. Wie habe ich deinen morgendlichen Anblick geliebt. Kamst in die Küche und legtest dir ein Handtuch um den Hals. Dein Plan. Wie sollte die Tasse Asbach nur den Mund finden. Tasse ums Handtuch gewickelt und am anderen Ende zum Mund gezogen. Schlaues Kerlchen. Der Suff hat immer seinen Weg gefunden. Hat dich gefunden.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie du mich immer zur Schau gestellt hast. Im Matrosenanzug. Dein Sohn! Habe immer gelächelt. Kann man im Lächeln die Schattierungen der Angst erkennen? Mein Lächeln war eine Maske des Grauens.
Ich war vier Jahre alt. Stand mit meinem Freund am Fenster zur Straße. Draußen spielten Kinder. Wir lachten mit ihnen. Im Hintergrund warst du, oder besser gesagt, dass was von dir übrig war. Auf einmal lag ich auf der Straße.
Alles war rot. Ich war aus dem ersten Stock gefallen, könnte man sagen. Als ich zur Besinnung kam, sah ich dich am Fenster. Ich konnte deine Gedanken lesen. Warum ist er nicht tot? Ich war vier Jahre alt. Und wurde innerhalb einer Sekunde erwachsen. Mein Lächeln war wohl zu laut gewesen. Hast dich in mir erkannt. Das, was du einmal warst. Ein unschuldiges, lächelndes Kind. Konntest es nicht ertragen. Ich danke dir dafür, dass deine Hand mich meiner Kindheit beraubt hat.
1963 hatte meine Mutter endlich die Kraft gefunden, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Sich von seiner Macht zu lösen. Seiner Ohnmacht.
Sechs Jahre der intensiven Liebe meines Vaters.
Mit 16 bekam ich einen Brief vom Sozialamt. Mein Vater war mittellos im Altenheim gelandet. Man verlangte von mir Unterstützung für dich.

Ich danke Dir.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Sodele...

...jetzt hab ich den Salat. Wo fang ich an?
Ach da!
Vor drei Wochen.
Plötzlich leichte Schmerzen in der linken Brust.
Macht nix, dacht ich.
Ei die weil fast zeitgleich ging der Rehasport (online) los.
Wird wohl was muskuläres sein, dachte der Otti.
Wird schon werden mit der Zeit.
Bist halt nicht mehr der Jüngste.
Sind die Muskeln erst mal gestärkt...alles wieder gut!
Aber denkste, Otti!
Falsch gedacht.
Plötzlich Beklemmung. Angstgefühle.
Otti so: Was'n des?
Und ständig dieser Druck...und Schmerz.
Dann am letzten Montag: Trommelwirbel!
Sticht mir doch so ein unsichtbarer Sack mit seinem Messer ins Herz.
Noch mal...und noch mal.
Und weil das nicht genügt, reißt der mir mit seiner Klinge auch noch den linken Arm auf.
Pure Angst. Angst um jeden Atemzug.
Dantes Hölle Scheißdreck dagegen.
Dienstag morgen ab zum Doc.
EKG...untersuch hier, untersuch da.
Erst ma Entwarnung.
Kein akuter Infarkt. Aber nix wie ab zum Kardiologen.
Der dann heute so am Ultraschallguck.
Und haste nicht gesehen, haste nicht gesehen.
Ei die weil da was diffuses in der rechten Herzkammer ist.
Macht dem Doc ein wenig Sorgen...nicht nur ihm.
Also gucken wir am nächsten Mittwoch mal rein.
Kathetergedönsmässig.
Und je nachdem was er da findet...
Stent, Bypass? Mer was es nit!
Bis dahin soll der Otti in sich gehen.
Hab schon einen Schonbezug über die Couch gespannt.
Mal schauen, ob der seinem Namen alle Ehre macht.
 
Ja, unbedingt schonen, werter Otto. Die Zeit möglichst ruhig verfließen lassen ... Mir persönlich würde es in solcher Situation vielleicht helfen, an etwas anderes zu denken, etwas Schöneres. Ich wünsche dir gute ärztliche Beratung und natürlich gute Besserung.

Freundliche Grüße
Arno Abendschön
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Danke Arno

Ja, Ablenkung wäre gut. Aber leider werde ich ständig auf das Dilemma hingewiesen. Es macht Angst. Gerade jetzt im Moment.
Doch es gibt durchaus positive Momente. Während ich mit meiner Enkelin lerne, bin ich fast ganz und gar bei ihr.
Meine Frau, unser Drei-Generationen-Haushalt, ja, es gibt diese Augenblicke. Aber jetzt, allein auf mich gestellt, ist es echt Scheiße.

Danke dir!
 

Ji Rina

Mitglied
Lieber Otto,
Wir sind jetzt sowieso alle ängstlich und verunsichert. Aber langsam wird sich alles wieder einpendeln und aller spätestens nächstes Jahr, so hoffe ich, sind wir überm Berg.
Ich wünsche dir viel Ruhe und alles, alles gute - lese dich immer, auch wenn ich nix schreibe.
Liebe Grüße, Ji
 

Cellist

Mitglied
Alles Gute, lieber Otto! Ich habe auch immer wieder Probleme mit dem Herzen, kann es ein wenig nachvollziehen. Wie klein sind doch die Wehwehchen hier in der LL, wenn einen mal das richtige Leben erwischt. Umso unverständlicher, dass viele Ärger provozieren, statt sich am Positiven zu freuen. Aber vielleicht haben sie sich längst verloren ...

Halt die Ohren steif!
 

John Wein

Mitglied
Ach lieber Otto,

Et kütt wie et kütt,
ich mach Dir ein bisschen Zuversicht, denn
et is noch emmer jut jejange.

Das Schlimmste ist die Angst durch Mutmaßung und Grübelei. Du bist beim Kardiologen in Guten Händen. Heute ist vieles möglich und einzustellen. Da wirst du in Zukunft eine Pille am Morgen mehr einnehmen müssen.
Schau, ich hab' auch keine Angst gehabt und bin danach wieder meinen Weg gegangen.
Geh auch du ganz entspannt deinen Weg und freu dich auf den Frühling!
Ich drücke dir fest die Daumen.

Liebe Grüße, John
 

molly

Mitglied
Lieber Otto,

mach einfach nur, was Dir Freude bereitet und Dich nicht anstrengt. Ich drück Dir auch die Daumen.

Alles Gute
molly
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Danke euch von Herzen ;) Ich habe mich in den Schonbezug eingewickelt und zappe mich durch innere und äußere Welten.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Man muss ja bei all dem Herzischmerzi locker bleiben. Drum...


All meine Sinne stehen auf Un,
Drum dreh ich mich im Schweif hinum.
Widowedel mit den Wahmen,
So dass sogleich die Drahmen dahmen.
Und ich, der Un und auch die Sinne,
Hinab und auf ins Orb sich schwingen.
Dort unten oben ist in Gänze überdrein,
Obenauf und Schweinebein.

Und Runddibumm verlaufen Un,
die Sinne,
Ich,
Im achterbahnen Himmelsquarkgedicht.

Das war und ist ein hintervor und untenauf,
Ein Drumdibumm und Heißgelauf,
Ein Mixgesilbt und Wortgeflecht,
Ein Heidernei und Weißnichtrecht.
Am Ende blieb ein kugelrund,
Quadratisch schön und Rummdifumm.
Es grüßen aus Niemals und Nicht,
Das Un, die Sinne und ein Ich.
 

John Wein

Mitglied
Lieber Otto,
Das sieht eigentlich mehr nach Chaos im Kopf aus, statt locker.
Mach mal auf Major Tom:

"Völlig losgelöst
von der Erde,
schwebt das Raumschiff
völlig schwerelos,.....
 

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