Campingstuhl

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Henrys Großvater saß in so einem Campingstuhl vor seiner Wohnung. Auf einem kleinen Tisch vor ihm leere Flaschen Bier. „Hey, Jungs“,sagte er. Dabei lachte er laut und ich sah, dass er kaum Zähne im Mund hatte. Er bot uns einen Orangensaft an. Ich ekelte mich. Die Süße des Saftes tat trotzdem gut. Hinter Großvaters Rücken konnte ich den Garten sehen. Eine Katze lief durch das Gras mit einer Maus im Maul. Die Maus zuckte mit dem Schwanz und die Katze ließ die Maus wieder fallen. Wir gingen gemeinsam in seine Wohnung. Die Luft stand förmlich, es roch nach Essen und Katzenklo. Ich ging auf die Toilette und übergab mich. Dann tat ich so als wäre nichts gewesen. Mich juckte es am gesamten Körper. Der Großvater zeigte uns seine Büchersammlung. Die Cover waren vergilbt vom ganzen Zigarettenqualm. Er bückte sich, um ein Buch vom Boden aufzuheben, dabei sah ich dass er keine Unterwäsche trug. Mich juckte es wieder am ganzen Körper, aber dieses Mal viel stärker. Er versuchte seine Ex Frau anzurufen, nahm den Hörer, verdrückte sich mehrmals beim Wählen, legte wieder auf und sagte, dass da keiner ran ging. Draußen fing es plötzlich an zu Gewittern. Ganz grau war es. Blitze am Himmel, usw.. Wir waren gefangen und der Großvater machte uns einen Teller Erbsensuppe in der Mikrowelle warm.
 
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Das Casino lag im zweiten Stock direkt neben einem geschlossenen China Imbiss. Die Rolltreppe blieb auf halber Strecke stehen und ich lief den Rest. Ständig kontrollierte ich den Inhalt meiner Taschen. Wenn ich etwas nicht direkt finden konnte, durchzog mich irgendwie ein kalter Schauer, dann war ich wieder erleichtert, wenn alles an seinem richtigen Platz war.
Ich war ganz alleine im Salon. Die Bedienung war selber dem Spiel verfallen und warf Münzen in einen Automaten. Ich fragte nach einem Bier. Striktes Alkoholverbot war aber angesagt.

Ich wechselte 50€ in 2€ Münzen. Nach 20 Minuten waren 36€ weg. Ich überlegte mir, was ich mit dem Geld hätte machen können. Versuchte aber, den Verlust wieder einzuholen. Dort wo ich saß, gab es kaum Licht und auch keine Uhr. Ich verlor das Gefühl für die Zeit und musste weiter meine Taschen kontrollieren. Einmal bekam ich einen heftigen Schreck und dachte, dass ich meine Autoschlüssel verloren hätte. Wer wäre mich dann hier abholen gekommen? Der China Laden konnte nicht mein Ziel gewesen sein. Peinlich. Dann kam ein Typ mit einem Rollstuhl. Er setze sich direkt neben mich und popelte in seiner Nase. Er sagte ich sei ein Spasti.
Mir reichte es, ich hatte 50€ verloren. Ich ging die Rolltreppe herunter und trat in die Kühle der verregneten Nacht. Die Nacht tat gut. Ich hatte schrecklichen Hunger, aber kein Geld mehr. Ich fuhr sieben Stationen mit einem Bus und mit mir fuhren ätzende, dunkle und unfreundliche Gestalten.
 
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