Dany mit Sahne

EviEngel

Mitglied
Dany mit Sahne




Er kam damit eine halbe Minute vor dem Ende des Semesters heraus, keine dreißig Sekunden vor Beginn der Ferien! In Gedanken war ich bereits weg, da packte der Soziologie-Prof die Aufgabe aus, eine Feldforschung vorzunehmen. Er erwartete, dass wir uns etwas ausdachten, uns bewarben und zum neuen Semester eine Ausarbeitung vorlegten. Schließlich seien Semesterferien keine Freizeit sondern nur vorlesungsfreie Zeit, meinte er süffisant. Er erwarte, zu Beginn des neuen Semesters einige ganz außergewöhnliche Arbeiten über durchgeführte Feldforschung vorzufinden, so äußerte er sich schadenfroh. Er grinste nicht dabei, du konntest aber sehen, was er für einen Spaß daran hatte, uns die Semesterferien zu verderben.

Ein Sadist.

In dem Moment hätten ihn wohl am liebsten neunzig Prozent der Kommilitonen auf den Mond gewünscht oder nach Sibirien oder dass er irgendwo dazwischen hängen blieb.

Also, ich brauchte nicht lang zu überlegen, denn es war vom ersten Augenblick klar, dass das bei mir nichts werden würde.

Ganz klar.

Die anderen, die Studienkollegen aus der Stadt, hatten im Prinzip viele Möglichkeiten, in ein anderes soziales Umfeld hinein zu schnuppern, aber ich? Wie sollte ich eine Feldforschung durchführen? Wie und wo? Bei uns auf dem Dorf?

Von einer Feldforschung spricht man dann, wenn man eine soziale Gruppe untersucht:

„indem man sich in deren Lebensraum begibt und das Alltagsleben der Menschen zeitweise teilt. Mithilfe eines oder mehrerer Informanten ... sowie teilnehmende Beobachtung werden wissenswerte Informationen über die betreffende Kultur oder Gruppe gesammelt.“ (Wikipedia)

Was sollte ich da bitteschön tun?

Sollte ich bei uns zu Hause auf dem Bauernhof eine Feldforschung starten?

Sollte ich mich als Schwein oder Kuh verkleiden, mich unter die Viecher mischen und anfangen zu grunzen oder wie?

Teilnehmende Beobachtung, ich werd ja nicht mehr!

In der Stadt kannte ich keinen Menschen, dafür war ich zu wenig dort, es gab niemanden, den ich um Rat oder Hilfe angehen konnte. Allein um dort hin zu kommen, musste ich anderthalb Stunden fahren.

Völlig illusorisch, sich dort etwas zu suchen, um einen Job betteln zu gehen, für mich war das einfach nicht umzusetzen.

Dreck, blöder!

An der Arbeit würde ich scheitern, das war mir sofort klar, sofort. Das gab Aussichten auf sehr schlechte Noten und eine miese Ausgangsbasis für das nächste Semester, eigentlich für das gesamte weitere Studium.

Mistdreck! Feldforschung! Was für eine Schnapsidee! Sadist, sadistischer!

In der Stadt, in der ich während des Studiums lebte und von der aus ich jetzt nach Hause fahren musste, würde ich mich für ein paar Stunden von den negativen Gedanken befreien und endlich die Ferien einläuten können, so hoffte ich. Es musste mir gelingen, in eine LmaA – Stimmung zu gelangen, um den Studienstress abschütteln und mich aktiv um meine Erholung kümmern zu können.

Überraschenderweise traf ich in meinem Stamm-Eiscafé Daniela, eine ehemalige Schulkameradin, sie stammte aus meinem Dorf. Wir waren nie wirklich befreundet, kannten uns jedoch gut. Sie erzählte mir ganz euphorisch, sie arbeite für eine Event-Agentur. Ihr Auftritt war vom Feinsten, sie sah total schnieke aus, trug edelsten Zwirn. Für mich als Mädchen vom Lande war sie unglaublich mondän. Sie war geschminkt, trug schlichten, aber kostbar aussehenden Schmuck und sah deutlich erwachsener aus, als ich es mir für mich jemals vorstellen konnte.

Ich fand, sie sah richtig gut aus, wie eine elegante Dame.

Sieh mal einer an, dachte ich für mich. Du musst doch kein Abitur und ein Studium vorweisen, um etwas zu werden. Sie stellte etwas dar, ohne all das.

Daniela hieß in der Schule damals nur 'Dany mit Sahne', in Anspielung auf die Tatsache, dass sie sich sehr viel und, wenn man den Gerüchten Glauben schenken durfte, wohl auch ausführlich mit Jungs herumtrieb.

Die Großmutter, bei der sie aufwuchs, soll ihr bereits als sie erst zwölf Jahre alt war, die Pille unter das Essen gemischt haben. Angeblich, weil sie mit ihrer Tochter, Danielas Mutter, schlechte Erfahrung gesammelt hätte. Es wurde gemunkelt, dass Danys Mutter keine fünfzehn Jahre älter wäre als sie, sie musste also ebenfalls schon in sehr jungen Jahren mit Jungen, nun, Erlebnisse gehabt haben. So hieß es damals zumindest. Keine Ahnung, ob an den Gerüchten etwas Wahres war, aber, wie sagt man auf dem Lande, wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Und diese Dany bewies mir jetzt, dass man auch ohne Abi etwas schaffen kann.

Sie erzählte tolle Geschichten. Was sie in ihrem Job für Leute kennen lernte, Rechtsanwälte, Ärzte, leitende Angestellte großer Firmen.

Sie machte mir den Mund wässrig und weckte Neid in mir. Mein Studentenleben war gegen das was sie erlebte trist und eintönig. Sie verdiente massig Geld und ich knabberte an dem bisschen Bafög und dem, was meine Eltern mir zusteckten. Sie lebte in einem Loft, ich teilte mir eine winzige Dreizimmerwohnung mit zwei echten Schlampen, die nicht wussten, an welchem Ende man einen Staubsauger anfasste, geschweige denn, wozu man ein solches Gerät benutzte.

Dass ich mir winzig und schäbig vorkam, kann man sich sicher gut vorstellen. Zum Schluss schob sie mir mit den Worten: „Ich muss los, hab noch Termine“, eine kostbar aussehende Visitenkarte herüber, auf der schlicht und einfach ihr Name und der Name und die Telefonnummer der Agentur zu lesen war.

Die Schlichtheit ließ das Kärtchen extrem wertvoll erscheinen.

Daniela schwebte auf hohen Absätzen und in einem teuer aussehenden Designerkleid geschmeidig davon.

Event-Agentur? Was wird da ihre Aufgabe sein?

Events ausrichten? Firmenjubiläen? Ärztekongresse? Ordensverleihungen? Bei solchen Veranstaltungen die Moderation übernehmen? Speisen und Getränke organisieren und dafür sorgen, dass alles zur rechten Zeit am rechten Platz war?

Als Events kannte ich vom Dorf her Schützenfest, Erstkommunion und Erntedankfest.

Ab und zu fand von der Kirche aus mal eine Kindstaufe, eine Hochzeit oder eine Beerdigung statt. Andere Events kannte ich nicht.

Erst am nächsten Morgen, als mich das Gebrüll des Stieres früh morgens aus dem Schlaf riss, fiel mir ein, dass ich in Danielas Event-Agentur meine Feldforschung starten könnte.

Die Idee erfüllte mich sofort mit Optimismus. Jawoll! Das war die Lösung!

Ob Daniela die Kleidung gestellt bekam oder müsste ich mir erst solche Fummel zulegen? Wenn man bei diesen Events viel Geld verdiente, dann war das vielleicht eine ganz gute Investition, so dachte ich.

Vor dem inneren Auge sah ich mich schon ebenso chic wie Daniela zwischen den Hilfskräften hin und her schreiten, alles dirigierend, dort eine Probe von einer Speise nehmen, hier die Tischdeko kontrollieren, einen Kellner zurechtweisen, hier ein Lächeln hinüberschicken, dorthin die Stirne runzeln. Das würde mir stehen, da war ich mir sehr sicher.

Diese Feldforschung würde ich gerne starten.

„Nicht lange überlegen, Stefanie, auf 'Los' geht es los!“, ermunterte ich mich.

Ich rief dort an und verkündete, ich wolle mich bewerben. Von einer Feldforschung erwähnte ich nichts.

„Aha!“, antwortete eine Raucherstimme. „Wie alt sind Sie?“

Wieso wollte der mein Alter wissen?

„Zweiundzwanzig“, antwortete ich. War das zu alt oder zu jung? Daniela war genau so alt wie ich, damit sollte ich mich doch wohl in deren Zielgruppe befinden oder etwa nicht?

„Ahja“, sagte die Raucherstimme. „Können Sie mir ein Foto von sich schicken? Per Mail oder haben Sie eines auf Ihrem Facebook-Account?“

Das Foto bei Facebook zeigte mich mit der Mistgabel in der Hand im Stall, das wäre wohl für eine elegante Agentur nicht das richtige.

„Ich habe meine Bewerbungsunterlagen hier, ich könnte mich persönlich vorstellen. Wenn Sie wollen, heute noch.“

„Bewerbungsunterlagen?“, fragte die raue Stimme ungläubig. „Kommen Sie her, dann kann ich mir ein Bild machen. Wissen Sie wo es ist?“

Die Agentur befand sich in einem schäbigen Hinterhaus. Im Vorderhaus, direkt an der Straße, gab es eine Kneipe, eine Abendgaststätte oder so etwas in der Art.

Die Agentur lud die Gäste ganz bestimmt nicht in die Geschäftsräume ein, sondern veranstaltete die Events ja wohl woanders. So erklärte ich mir den mehr als schlichten Auftritt.

Die Raucherstimme gehörte zu meiner Überraschung einer Frau, etwa fünfundvierzig oder fünfzig Jahre alt. Sie hielt einen Glimmstengel in der Hand als sie mich begrüßte.

„Lass dich mal anschauen, mein Kind!“

Die vertrauliche Anrede ging mir gegen den Strich, jedoch war ich auf den Job erpicht und ebenfalls darauf aus, mein neues Kostüm vorzuführen.

Es war zwar nur von C&A, aber für mich der Inbegriff des Schicks.

„Gute Figur!“, lobte sie mich, als ich mich einmal um die Achse gedreht hatte und klapste mir auf den Po.

„Bist du tätowiert?“

Was ging das die an, ob ich tätowiert war oder nicht?

„Öh, nöh!“, murmelte ich nach einiger Zeit, weil sie auf eine Antwort wartete.

„Nicht? Um so besser!“, meinte sie zufrieden und nahm hinter einem Schreibtisch Platz.

„Nun gut!“, begann sie nach einiger Zeit und schaute mich über eine albern wirkende halbe Brille an.

„Du weißt, womit wir unser Geld verdienen?“

„Logo!“, sagte ich, besann mich und fügte an: „Selbstverständlich, Sie sind eine Event-Agentur.“

Der Blick, den sie mir zuwarf, erinnerte mich an den Blick des Tierarztes letztens, als meine kleine Cousine die Meinung vertrat, dass die Kälbchen bei der Geburt aus dem Maul der Mutterkuh herauskämen.

„Ja, richtig“, meinte sie lässig. „Hast du an einem solchen, äh, Event schon einmal teilgenommen?“

„Na, sicher!“, behauptete ich. Erst vergangenen Monat hatte ich dem Kaplan dabei geholfen, die Firmung in unserer Kirche auszurichten. Das war auch nichts anderes.

„Du weißt schon, dass wir Events für Erwachsene veranstalten?“

Sie guckte wieder so komisch.

Bei einer Erstkommunion haben nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen ihren Spaß. Sie meinte wahrscheinlich, dass bei den Events Alkohol getrunken würde und es schon mal hoch her gehen konnte.

Das war bei jedem Schützenfest so, damit konnte sie mich nicht schockieren.

Daher zuckte ich mit der Schulter.

„Mir ist alles recht“, antwortete ich darauf.

„Gut!“, meinte sie, immer noch ein wenig von der Seite. „Unsere Damen nehmen immer auch teil an den Events, sie sind im Prinzip der Haupt-Act. Das ist dir klar oder?“

Das bedeutete sicher, dass sie die Oberaufsicht hatten, 'unsere Damen'. Darauf war ich vorbereitet. Es war ganz bestimmt eine Menge Verantwortung dabei, das schien mir nun eindeutig zu sein.

„Ich muss da sicher nicht allein hin, zu meinem ersten Event, oder?“, ich stellte mir schon eine gewisse Einarbeitungszeit vor, es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

„Natürlich nicht, Schätzchen. Aber du machst schon mit, ist klar oder?“

„Aber selbstverständlich. Natürlich mache ich mit!“

„Okay, dann zieh dich mal aus.“

Was wollte die? Ich dachte, ich hätte nicht richtig gehört.

„Wie? Was, wie? Was soll ich?“

„Nun zier dich nicht. Wir hatten letztens einen Transvestiten hier. Das passiert mir nicht nochmal. Außerdem sollst du auch untendrunter gut aussehen. Es muss alles stimmig sein, verstehst du?“

Das verstand ich nicht, aber so ein großes Ding war es auch nicht. Es leuchtete mir ein, dass die durch und durch gestylt auftreten mussten. Man hat wahrscheinlich ein besseres Auftreten, wenn man weiß, dass man auch unten drunter gut aussieht. Konnte ich mir jedenfalls so vorstellen.

Okay, ich akzeptierte und zog mich aus.

Sie warf nur einen Blick auf meine Unterwäsche und wandte sich sofort ab.

„Oh!“, meinte sie, ging zu einem Wandschrank und reichte mir daraus ein Unterwäsche-Set.

Aber Holla! Das war was! Das würde bei uns als Reizwäsche gelten.

„Anziehen!“, sagte sie. Sie schien mich in meiner eigenen Unterwäsche nicht mehr anschauen zu können, so angewidert blickte sie in eine andere Richtung.

Ja, mein Gott, so kleidet man sich auf dem Land eben. Es muss praktisch sein und lange halten. Schaute ja eh keiner hin.

Wo waren denn hier die Umkleidemöglichkeiten? Ich schaute herum, sah aber keine.

Da sie mir den Rücken zukehrte, schlüpfte ich raus aus meinem Zeug. Das herüber gereichte Unterwäsche-Set befand sich noch in der Verkaufsverpackung. Als ich begann, die aufzureißen, drehte sie sich herum.

Sie sah mich ganz nackt.

Ich brauchte mich meines Aussehens nicht zu schämen, aber trotzdem war es mir peinlich, ist ja logisch.

„Na, hab dich nicht so“, meinte sie locker, „lass dich mal anschauen.“

„OK, öffne mal die Haare.“

Die trage ich meistens zum Pferdeschwanz gebunden, ist praktischer. Lang sind sie, ist klar, als Frau lässt man sie wachsen.

Sie schaute kritisch und meinte dann:

„Du solltest sie immer offen tragen. Hier, die Haare an der Stelle dort“, sie zeigte auf das was sie meinte, „müssten mal kurz geschnitten werden, aber sonst gibt es nichts zu meckern. Schöne Haare, gute Figur.“

Sie wandte sich dem Schreibtisch zu und beachtete mich nicht weiter.

Ein bisschen stolz machte mich ihre Bemerkung, das kann ich nicht verhehlen. Es war nicht schlimm, angeschaut zu werden, vor allem nicht, wenn man ein Kompliment zu hören bekam.

Trotzdem schlüpfte ich rasch in die Unterwäsche. Mit den Gummibändern hatte ich so meine Probleme. Sie schaute kurz auf, als mir das eine immer wieder durch die Finger rutschte.

„Den Slip ziehst du über die Strapse“, meinte sie.

Darauf konnte ich mir keinen Reim machen, ich wartete auf eine Erklärung.

„Sonst musst du sie jedes mal öffnen, wenn du pinkeln musst“, ergänzte sie und widmete sich wieder den Unterlagen auf dem Schreibtisch.

Naja, ok, wenn sie denn wollte.

Ich kleidete mich wieder in mein Kostüm und stand abwartend da. Meine Unterwäsche hielt ich zusammengeknüllt hinter dem Rücken versteckt.

„Gut!“, meinte sie. „Bist du bereit, ein Event anzugehen?“

„Naklar!“, meinte ich locker. Mal sehen, hoffentlich hatte ich an dem Tag den sie mir nennen würde, nichts vor. Ansonsten würde ich ihn mir sicher frei strampeln, der Job war mir wichtig und ich war die Richtige dafür.

„Ok, du hast einen Termin in einer halben Stunde. Deine Kollegin heißt Nicole. Sie wird dich einweisen.“

„Öh?“, fragte ich. Ich war dermaßen verblüfft, mir fiel nichts anderes ein.

„Ömm!“, versuchte ich, einen Einwand zu formulieren. Sie fuhr fort, ohne sich um mein Gestammel zu kümmern:

„Sie erwartet dich unten in der Halle, wenn sie noch nicht da ist, dann warte dort einen Moment.“

Mit den Worten und dieser Geste entließ sie mich, das wurde deutlich.

Jetzt? Jetzt gleich?

Einverstanden, eigentlich war das in meinem Sinne, denn je eher ich begann, desto mehr erfuhr ich und desto mehr Zeit hatte ich, die Ausarbeitung zu entwickeln. Der Prof sollte staunen, das nahm ich mir vor.

Das, was ich hier erlebte, war ganz anders als das, was normalerweise um mich herum geschah. Dass ich das Besondere fühlte, hing natürlich damit zusammen, dass ich dieses elegante Kostüm trug und die Schuhe mit den für mich hohen Absätzen. Hinzu kam das sehr starke Bewusstsein, solche unanständige Unterwäsche drunter zu haben. Es bestärkte mich in diesem beinahe sexuellen Gefühl, das mich ein wenig unruhig machte. Das hatte jedoch nicht wirklich etwas zu bedeuten.

In dem schmalen Flur, den die Chefin großspurig als 'Halle' bezeichnete, traf ich nach ein paar Minuten auf eine aparte Blondine, die mich distanziert von oben bis unten musterte.

Als sie damit fertig war, meinte sie kurz:

„Mitkommen!“

Sie schwebte ähnlich elegant wie Daniela auf hohen Absätzen in einem bleistift-schmalen Kostümrock vor mir her in ein Taxi, das draußen auf uns wartete.

Ich versuchte, die Eleganz nachzuahmen, ich weiß nicht ob mir das gelang. In dem Moment fühlte ich mich unsicher und mehr wie ein Bauerntrampel als jemals zuvor.

Wohin wir fuhren war mir egal, ich war vollauf damit beschäftigt, die Haltung Nicoles nachzuahmen.

Cool, distanziert, gelangweilt.

Das gelang mir, glaube ich, nach einiger Zeit ganz gut.

Die Unterwäsche drunter zu haben gab mir ein sehr frauliches Gefühl, eines, das man nicht richtig beschreiben kann, eines, das sich steigerte, je länger ich mir darüber bewusst wurde, was ich da trug. Meine Freundin, die dicke Patrizia, benannte dieses Gefühl mit 'wuschig' und meinte damit etwas, das im weitesten Sinne mit Sex und dem Verlangen danach zu tun hat.

Das stellte sich bereits ein, als ich vorhin das Kostüm anzog, denn wann trag ich schon mal einen Rock? Jetzt die kratzige Unterwäsche zu spüren und zu wissen, dass niemand sehen konnte, was ich da trug, verstärkte das wuschige Gefühl.

An einem großen Hotel angekommen, stiegen wir aus. Darin würden sicher eine Menge Events stattfinden, mutmaßte ich. Es hingen einige Ankündigungs-Plakate dort. Zu welcher Veranstaltung wir unterwegs waren, fand ich im Vorübergehen nicht heraus.

Es hatte sich noch keine Schlange an Zuschauern gebildet, wie ich sie von Pop-Konzerten her kannte. Entweder wir waren sehr früh oder es handelte sich um eine kleinere Veranstaltung. Vielleicht sogar nur eine Familienfeier.

Von mir aus sollte mein erstes Event gerne klein sein, das war mir sehr recht.

Wir fuhren in eines der oberen Stockwerke. Ich ging davon aus, dass wir zuerst ein Briefing bekamen und dann in einem der Veranstaltungsräume im Erdgeschoss loslegen würden.

Nicole klopfte an eine Hotelzimmertür und setzte ein berufsmäßiges, erwartungsfrohes Lächeln auf. Ich versuchte so gut wie möglich, es ihr gleich zu tun. Lächeln gehörte jedenfalls offensichtlich zum Job.

Ein Mann im Hemd, mit Schlips und aufgekrempelten Ärmeln öffnete. Er strahlte, als er Nicole erblickte.

„Heh da ist sie ja!“, rief er begeistert aus. „Schön dich zu sehen. Komm rein!“

„Scharf siehst du aus!“, meinte er und klatschte ihr auf den Hintern. Nicole schien nichts dagegen zu haben, im Gegenteil. Sie gaben sich einen Wangenkuss, wie vertraute alte Bekannte.

Na, von mir aus. Dann hatte sie eben etwas mit einem der Veranstalter, das war mir auch recht.

Mich beachtete niemand.

„Was möchtest du trinken?“, wurde Nicole gefragt. Es stand noch einer der Veranstalter am Fenster, der hatte ebenfalls nur Augen für die Kollegin. Es war ja unmöglich, dass sie mit Beiden etwas hatte, aber es fühlte sich beinahe so an.

„Achja!“, sagte der erste und nahm mich erstmals wahr. „Wen haben wir denn da noch?“

Nicole machte eine abwertende Handbewegung in meine Richtung und meinte ganz nebenbei:

„Das ist die Neue. Wie heißt du noch gleich, Schätzchen?“

Ich musste mich erst räuspern und stellte mich mit Vor- und Zunamen vor, wie es sich gehörte.

„Ohja, ok, Steffi. Was möchtest du trinken?“

Vor allem heiße ich nicht Steffi. Ich kann es nicht leiden, wenn man meinen Namen abkürzt.

Vor lauter Ärger sagte ich erst einmal nichts.

„Prosecco?“, fragte er. Darauf zu antworten ging nicht, denn sagen wollte ich immer noch nichts. Ich fand mich hier nicht zurecht. Das Ambiente war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Von Arbeitsatmosphäre konnte nicht die Rede sein, es fühlte sich eher nach Party an. Dazu waren wir für meinen Geschmack jedoch zu wenig Leute.

Er drückte mir ein Glas in die Hand.

„Auf gutes Gelingen!“, auf den Spruch hin schauten sich alle in die Augen und hoben ihr Glas. Ok, darauf konnte ich trinken, meinen Segen hatten sie.

Nicole ging mit dem Hemdsärmeligen in die Ecke, sie hatten irgendetwas zu regeln. Der andere strich auf die Art um mich herum, wie der Viehhändler um eine unserer Kühe herumging, um deren Qualität zu erkennen. Ich zeigte ihm den kühl-distanzierten Ausdruck, den ich Nicole abgeschaut hatte, vermied Augenkontakt. Der konnte mich mal.

„Super!“, meinte er und hob den Daumen. „Siehst super aus, Schätzchen. Zeig mal, wie du ohne Klamotten aussiehst.“

Dass sich ein Mann, der in einen solchen Anzug gekleidet war und sich in einer solch einen Umgebung befand, eine derartige Entgleisung erlauben würde, hätte ich nicht vermutet.

Ich schaute zu Nicole.

Die kam mit dem anderen aus der Ecke zurück, sie hatte etwas in ihr Täschchen gestopft, das mir verdächtig wie ein Geldbündel aussah.

Konnte mir egal sein, was die zusammen gekungelt hatten. Mittlerweile war ich heiß darauf, mit der Arbeit zu beginnen und hätte am liebsten gefragt: „Wo steht das Klavier? Wo kann ich anpacken?“, jedoch, ein solcher Spruch gehörte sich sicher nicht in den Kreisen.

„Ok, Schätzchen“, meinte Nicole, als sie so leicht hinter mir stand und sich wichtig machte, „du hast es gehört, Ausziehen gehört dazu.“

Ich dachte, ich hätte nicht richtig gehört.

„Doch!“, nickte sie und raunte aus dem Mundwinkel. „Du hast doch diese neue Unterwäsche bekommen. Es gehört dazu! Du wolltest mitmachen, nun mal los! Lass dich nicht bitten!“

Das hätte ich jetzt nicht gedacht.

Also … , also, die sollten mich in Unterwäsche sehen? Dann fiel es mir wieder ein. Na sicher, Events für Erwachsene, 'unsere Damen sind der Haupt-Act' hatte die Raucherstimme gesagt. Das also war gemeint.

Das war nicht ganz in meinem Sinne, aber, wenn es dazu gehörte? Sie hatte ja gesagt, dass ich gut aussehe, zu schämen brauchte ich mich wohl nicht.

Ob ich die ganze Zeit in Unterwäsche herumlaufen musste?

Nun denn, ich öffnete die Knöpfe des C&A-Kostüms. Es war schon peinlich, wie sie glotzten, kann ich nicht anders sagen. Nicole stand da, grinste blöd und beobachtete mich scharf.

So richtig gefiel mir das nicht, ich machte langsam.

„Schau mal!“, raunte der im Anzug dem Hemdsärmeligen zu. „Sie ist schüchtern!“

„Achwas!“, antwortete der. „Die tut nur so. Das sind Profis, das gehört zur Show.“

Es dauerte lange, bis ich die Bluse ausgezogen hatte, und erst der Rock, mit dem tat ich mich sehr schwer. Wobei, das Begehren der Männer, das sich in den Blicken ausdrückte, ging nicht spurlos an mir vorüber. Ich habe bereits häufiger Männer eine Frau auf die Art betrachten gesehen, mir selbst war noch nie diese Form von Blicken zuteil geworden, immer nur anderen Frauen.

Sie so schauen zu sehen wärmte Wangen und den Unterleib. Die Blicke, das Begehren auf mich zu erleben machte mich stolz, auf mein Aussehen, auf meinen Körper, auf mich, als Frau.

Diese Blicke, hinter denen Verlangen stand, weckten etwas in mir, das ich nicht kannte, eine Art Schmachten, ein warmes, schwüles Gefühl. Es verursachte, dass ich es mochte, es genoss, wie sie meinen Po, meine Brüste betrachteten. Auch den Blick zwischen die Beine fand ich in dem Moment nicht aufdringlich, sondern er wärmte. Ich reckte mich den Blicken entgegen, betonte das, was sie begehrten, schließlich war ich Frau.

Mit der gebotenen Zurückhaltung natürlich, ich bin schließlich nicht so eine.

„Mein Gott, hat die lange Beine!“, sagte der im Anzug, als ich in der komischen Unterwäsche vor ihnen stand.

„Oben kriegen die sich mächtig in die Wolle!“, ergänzte er grinsend und zeigte auf mein Höschen.

Sie begafften mich gierig, sie schienen auf weitere Enthüllungen zu warten. Männer bekommen eben nie genug. Ihre Blicke taten mir trotz allem gut. Ich fühlte mich nicht mehr unwohl, vor ihnen in der Unterwäsche herum zu stolzieren.

Schließlich aber waren wir nicht zum Spaß hier, ich wollte jetzt an die Arbeit und wandte mich Nicole zu. Die schaute mich sehr seltsam an, drehte mich an der Schulter zu den Männern und öffnete mein Oberteil.

Also, das kann doch nicht … !

Entsetzt hielt ich die Körbchen fest, damit ich bedeckt blieb. Auf wessen Seite stand die Frau eigentlich?

Sie kümmerte sich nicht um meinen wortlosen Einwand, sondern zog in einem Rutsch mein Höschen herunter bis auf die Füße.

Das kann doch nicht, das darf doch nicht, das kann doch wohl nicht wahr sein! Sie konnten mich sehen! Nicht nur Nicole, sondern auch die Männer!

Mich oben und unten gleichzeitig zu bedecken, das war schwierig mit zwei Händen, ich war in größter Verzweiflung.

Nicole brummte verächtlich, trat vor mich, gab mir damit etwas Deckung, und begann, vor den Männern herum zu tänzeln, mit ihnen zu schäkern.

Zu meiner Erleichterung kümmerten sie sich nicht weiter um mich.

Nicole ließ sich von denen anfassen, ich konnte nicht glauben was ich da sah, denn, sie ließ sich von denen ausziehen!

Das sah scharf aus, echt jetzt. Ich staunte nicht schlecht, vernachlässigte meine eigene Not, auch weil die Männer sich ausschließlich um die Kollegin kümmerten. Das Lockere, das Leichte, das schwül-Warme war mittlerweile zur Grundstimmung im Raum geworden. Hinzu addierte sich das Mutwillige, das bewusst-Reizende, das Nicole ausstrahlte. Sie legte es darauf an, die Männer scharf zu machen, ganz offensichtlich.

Die Stimmung wurde ziemlich heiß, die Atemluft schien reine Erotik zu sein. So wie Nicole sich benahm, gehörte alles das dazu, zum Event. Viel Haut zu zeigen schien nicht verpönt zu sein, sondern im Gegenteil, es gehörte wohl dazu. Es sollte so sein, war Absicht. Nach und nach entspannte ich mich etwas. So nackt herumzustehen, wehrlos den Blicken ausgesetzt, hatte auch etwas, was wärmte, etwas Schwüles, Unartiges, Unanständiges, etwas, was sich nicht gehörte, aber nicht unangenehm war. Im Gegenteil.

Als auch Nicole nur noch den Strumpfgürtel, Strümpfe und Schuhe trug, also fast ganz nackt war, dachte ich, dass es jetzt endlich losginge. Sie ließ sich ausführlich von den Männern betrachten, schäkerte mit ihnen, hob die Haare, reckte die Arme über den Kopf, damit sie auch alles gut sehen konnten.

Meine Güte!

Anstatt nun zur Arbeit zu kommen, zu unserem eigentlichen Anliegen, legte sich Nicole zu meiner Überraschung aufs Bett und winkte den Hemdsärmeligen mit dem Zeigefinger zu sich.

Das konnte doch nicht wahr sein! Wollte die es tatsächlich mit dem hier und jetzt, … äh, machen? Ich sah mich um, wohin ich mich verziehen konnte, denn mich wollte mit Sicherheit niemand dabei haben und ich wollte auch nicht dabei sein, wenn sich die Zwei, äh …

Die einzig erreichbare Tür hinaus aus dem Raum führte ins Bad.

Der Anzugträger stellte sich mir in den Weg.

Nicole kicherte sinnlich und ließ sich von dem Hemdsärmeligen auf äußerst unanständige Art beschmusen. Sie lag da mit weit geöffneten Beinen und ließ sich an Stellen küssen, die sich bei mir noch nie jemand so genau angeschaut hatte, geschweige denn je berührt.

Mich faszinierte das was Nicole dort über sich ergehen ließ, sie schien Spaß daran zu finden. Es war mir unmöglich den Blick abzuwenden.

Der Anzugträger zog mich nahe an das Bett und schob mich darauf. Mich hatte dieses schwül-warme Gefühl im Griff, das ich so nicht kannte. Der Mann und das Gefühl waren sehr stark, stärker als ich jemals etwas gefühlt hatte. Es war mit wuschig nicht mehr recht zu beschreiben, wuschig hoch zehn vielleicht oder hoch hunderttausend.

Mir kam es mit einem mal nicht mehr schlimm vor, was Nicole dort anstellte, es schien ebenso dazu zu gehören, wie die Unterwäsche und die nackte Haut.

Beim Schützenfest vor zwei Jahren, da hatte ich im angetrunkenen Zustand ein ähnliches schwül-warmes Gefühl, nachts hinter dem Schützenzelt, im feuchten Gras. Hier jedoch waren alle nüchtern, es war taghell, man konnte alles sehen und zumindest Nicole legte es darauf an, dass es auch gesehen wurde. Sie kannte keinerlei Hemmungen.

Sie, die Zwei, gingen es bewusst an, was sie taten, es war geplant, gewollt. Alle Drei hatten dieses Gefühl, genossen es und vermittelten es auch.

Außerdem war diese unsagbare Hitze hier tausendmal stärker, Millionenmal stärker als damals.

Der Anzugträger machte sich an mir zu schaffen. Das schwül-Warme, das ich nicht beim Namen nennen konnte, überwältigte mich, ähnlich wie damals, nur unendlich viel stärker. Ich war mir dessen viel bewusster, es ängstigte mich, es lähmte mich, es wollte, dass ich es geschehen ließ.

Nicole und den Hemdsärmeligen hielt ich unverwandt im Blick.

Ihr Typ hatte sich mittlerweile die Hose ausgezogen und legte sich über sie, sogar auf sie. Nicole begann daraufhin sehr laut zu atmen und Töne der Begeisterung zu äußern.

Mein Anzugträger hatte sich seines Anzugs und der restlichen Kleidung entledigt und vertiefte sich bei mir in die gleichen Stellen, die der Hemdsärmelige bei Nicole besucht hatte. Das Gefühl, das mehr und mehr Besitz von mir ergriffen hatte, nahm an Intensität enorm zu, war viel stärker als alles, was ich bisher erlebt hatte. Es ließ mich bereitwillig alles geschehen lassen, ließ mich die Schenkel öffnen und begierig auf das sein, was der Mann tun wollte.

Durch den überstarken Reiz, den er, den es, den der Mann auf mich ausübte, verlor ich vollends die Kontrolle, verlor alles, was ich gelernt und mir vorgenommen hatte. Alles was es an Werten gab, alles was wichtig war, überhaupt Alles verschwand und machte diesem heißen Ereignis Platz, das da an mir praktiziert wurde. Ich weiß nicht, was der Mann alles mit und an mir unternahm, ich hielt die Augen geschlossen, ich wollte es nicht sehen. Dafür spürte ich um so mehr. Die Macht, die er auf mich ausübte schien grenzenlos, erlaubte keinen Widerstand und keinen Widerspruch.

Ich befand mich im Rausch.

Meine Kollegin wurde sehr laut, das vernahm ich noch, sie schien Freude zu haben.

Mein Anzugträger legte sich, nackig wie er war, auf mich. Ich wurde untenrum auf eine Art von etwas berührt, das mich japsen ließ. Etwas Warmes, Unnachgiebiges drückte gegen mein Intimstes. Etwas gab nach, etwas Heißes, Festes, Unnachgiebiges, drückte, rutschte, flutschte, drang ein.

Es wurde heiß, glühend, es reizte, erregte, der Reiz nahm riesige Ausmaße an. Es wurde Kraft auf mich ausgeübt, riesige, unwiderstehliche, alles beherrschende Kraft, die mir unendlich gut tat, die mir Gefühle schenkte, die ich nicht kannte und deren Dimension mich überwältigte.

Ab da weiß ich nichts mehr Richtiges. Das Gefühl wurde zu einer roten Flut, die mich überschwemmte, die mein Denken vom Körper loslöste und hinweg riss. Das überwältigende Rot machte mich willenlos, kickte etwas in meinem Schädel um und löste Bewegungen, Worte und Laute aus, die ich niemals tun, niemals sagen oder von mir geben wollte. Ich würde niemals bei vollem Bewusstsein einen bis dahin fremden Mann, dessen Namen ich nicht kannte, der mir nicht vorgestellt worden war, umarmen, ihn an mich pressen, ihm mein Intimstes zur freien Verfügung stellen.

Niemals.

Ohne diese rote Flutwelle würde ich niemals sagen, er solle es fester machen, ich würde ihm niemals in dieser Form entgegen springen, mich derartig hineingeben in dieses Sexuelle, Unanständige, Wunderbare. Das Rote versperrte mir den Blick auf die Umgebung, wurde zur Hauptsache, zum einzig Wichtigen, lähmte jeden anderen Gedanken, schenkte mir dafür reines Glück und Zufriedenheit.

Wunderbar, wunderbar, unfassbar wunderbar, nichts anderes als wunderbar. Der gewaltige, auf unfassbare Art stetig steigende Reiz fühlte sich an wie durch und durch massives, steil ansteigendes Glück, auf größte Erfüllung zustrebend, wie siebter Himmel, wie unendlich viel Erdbeeren mit Sahne. Das Gefühl sollte immer sein und für immer bleiben, immer, immer, nie enden.

Für meinen Geschmack war es jedoch viel zu schnell vorbei. Als ich wieder einigermaßen bei Sinnen war, lag ich nackt auf dem Bett und atmete schwer. Der Anzugträger schlüpfte gerade in seine Jacke, er betrachtete mich.

„Ganz schön heiß, Kleine. Wir sehen uns nächste Woche.“

Wie betäubt folgte ich Nicole aus dem Raum. Die Unterhose und den BH habe ich nicht wieder gefunden, war mir egal. Kostüm übergestreift und weg.

Im Taxi kam ich einigermaßen zu mir.

Das Erlebte war ungeheuerlich. So viel Glück und Zufriedenheit habe ich vor diesem Ereignis nie empfunden. Das Gefühl zu benennen, das in Worte zu fassen was mich überwältigt und mich zum Handeln gebracht hatte, dazu war ich nicht in der Lage, dafür fehlten mir die Vokabeln.

Ich schaute zu Nicole. Die beachtete mich nicht, sie schien pikiert und schaute aus dem Fenster.

Die war mir egal. Überhaupt alles war mir egal, nur dieses Ereignis nicht, das war mir nicht egal. Ich musste an Dany denken. 'Dany mit Sahne'. Die hatte das schon öfter erlebt, ein solches Ereignis, sehr viel früher, sehr-sehr viel früher und sicher auch sehr viel häufiger. Dass sie nichts anderes wollte, schien mir einleuchtend. Die brauchte keine Uni, die war auch ohne glücklich. Mir war das klar, sonnenklar. Bei dem was die erlebte, was sie an Gefühlen wahrscheinlich täglich oder gar mehrmals täglich erfahren durfte, war sie ohne Weiteres glücklich.

Dann dachte ich an den Prof, an meine Feldforschung.

Wie oft würde ich diese 'teilnehmende Beobachtung' noch durchführen müssen, bis ich die Feldforschung abschließen konnte? Tausend Mal? Eine Million Mal? Es war unabdingbar, alle Aspekte und alle Facetten dieser sozialen Gruppe zu entdecken, zu dokumentieren und in den rechten Zusammenhang zu bringen.

Wahrscheinlich würde das Ende der Arbeit frühestens im nächsten Semester erreicht sein. Frühestens. Vielleicht sogar erst mit Abschluss des Studiums.

Nach dem Ende der Ferien könnte ich vielleicht einen ersten Zwischenbericht abliefern. Das Thema und seine Vielfalt würden abschließend erst sehr viel später zusammengefasst werden können.

Bis dahin musste ich mich in die Gruppe integrieren und an deren Aktivitäten teilnehmen.

Ging nicht anders.

Schließlich handelte es sich um eine wissenschaftliche Arbeit, für eine solche sind Gründlichkeit und strukturiertes Vorgehen die Mindestanforderungen.

Freundlich zu lächeln ist wesentlicher Bestandteil des Jobs, das übte ich im Taxi ununterbrochen.
 
Finde ich nicht die feine Forums-Art, den gleichen Text nach einiger Zeit einfach noch mal zu bringen.

Ich fand schon bei der ersten Lektüre des Textes vom 20. Sept. 2016, dass es sich hier um ein sprachlich und kompositorisch ziemlich einfallsloses, dröges Geschichtchen handelt. Nichts rechtfertigt dich nochmalige Veröffentlichung.
Sollte die Story überarbeitet worden sein - das zu überprüfen überlasse ich denen, die von solch einem süßseichten, dafür aber tief verlogenen Stoff nicht genug kriegen können - so gehört da ein Hinweis dazu.
 

tobys

Mitglied
beim Lesen lag es mir auf der Zunge und jetzt schreibe ich es hier: den Text hab ich schon irgendwo mal gelesen...
 

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