Das Doppelhaus in der Coronazeit

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Susi M. Paul

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Das Doppelhaus in der Coronazeit


Ende Dezember musste Thommy aus der Doppelhaushälfte nebenan ausziehen. Kein Wunder nach dem Trennungsdrama, das die beiden hingelegt hatten. Nina hatte sich auf keinen auch noch so minimalen Zahlungsaufschub eingelassen, obwohl sie ja inzwischen im warmen Nest ihres Lovers lag. Verglichen damit habe ich bei meiner Scheidung von Regine Riesenglück gehabt, dass sie mir ein bisschen entgegengekommen ist. Immerhin aber hatte es Thommy geschafft, den Verkauf so lange hinauszuzögern, dass er mit seinen zwei Jungs zum letzten Mal dort Weihnachten feiern konnte. Zwischen den Jahren haben wir dann die paar Sachen, die Nina ihm gelassen hatte, in seine Wohnung gebracht und hinterher alles rausgeweißelt und hergerichtet.

Am 2. Januar mittags kam der Umzugswagen von Melanie. Thommy hatte mir erzählt, dass sie bei den Verkaufsverhandlungen einen ganz guten Eindruck auf ihn gemacht hatte, und auf Thommys Menschen- und Frauenkenntnis konnte man sich normalerweise verlassen - Nina natürlich einmal ausgenommen. Um mich nicht aufzudrängen, begrüßte ich meine neue Nachbarin zwischen Tür und Angel mit einem Sträußchen Blumen und bot meine Hilfe an, falls sie etwas brauchen sollte. Dann wartete ich in aller Ruhe ab.

Am Samstagnachmittag klingelte sie schließlich, immer noch in Umzugsmontur, mit einer Flasche Sekt in der Hand und der Bitte, ihr beim Anschließen der Waschmaschine zu helfen. Nachdem das erledigt war, stießen wir auf gute Nachbarschaft an. Sie war etwa in meinem Alter, ganz gut gebaut, soweit ich das bei dem dicken Winterpulli und der weiten Jogginghose beurteilen konnte, und an sich, da hatte Thommy recht gehabt, kam sie nett und sympathisch rüber.

Obwohl, sympathisch ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Freundlich spröde würde es vielleicht besser treffen, zumindest bei dieser ersten Begegnung. Und recht schweigsam dazu, was sie selbst anging, denn mehr, als dass sie als Teamleiterin bei einer Softwarefirma arbeitet, brachte ich über sie nicht in Erfahrung.

Am Sonntag setzte meine Ex unsere Tochter außer der Reihe bei mir ab, und als sie sie gegen sechs wieder abholte, stand nebenan ein weißer Polo in der Einfahrt. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Besuch für Melanie eben. Es lag also ganz ehrlich nicht an meiner Neugier, dass ich gleich darauf nach oben ins Schlafzimmer ging, sondern an dem Fingernagel, den ich mir eingerissen hatte, als ich den Spielekoffer unserer Tochter ins Auto von Regine gewuchtet hatte.

Während ich die Nagelschere suchte, hörte ich aber etwas, das ziemlich eindeutig nach einem wohlbekannten weiblichen Stöhnen klang. Dass ich das überhaupt so genau mitbekam, lag am Erbauer unseres schon in die Jahre gekommenen Doppelhauses. Der hatte nämlich die beiden Hälften spiegelbildlich aneinander gestellt: Küche an Küche, Bad an Bad, Schlafzimmer an Schlafzimmer. Und dazwischen hatte er eine gemeinsame Mauer hochgezogen, die wahrhaftig nicht die allerhöchsten Anforderungen an einen wirksamen Schallschutz erfüllte. Was sich auf er anderen Seite abspielte, mutmaßlich in Melanies Bett, konnte ich daher unmöglich überhören, und da ich gerade nichts besseres zu tun hatte, nahm ich mir die Zeit, mich hinzusetzen und mir gleich alle Finger- und Zehennägel zu schneiden.

Während unserer Ehe standen solche Stöhnkonzerte aus Nachbars Schlafzimmer natürlich auf der Tagesordnung. Regine war dafür besonders empfänglich. Sie wurde immer gleich zappelig, sobald sie merkte, dass Thommy und Nina hinter der Trennwand geschlechtlich zugange waren. Und sie wollte nicht nur hören, dass sie es trieben, sie wollte auch ganz genau zuhören, wie die zwei es sich besorgten.

Nachdem sie alles Mögliche ausprobiert hatte, fand sie heraus, dass ein einfaches Bierglas die besten Ergebnisse als Wandstethoskop brachte. Entsprechend stand das immer griffbereit auf der Kommode. Denn wenn die drüben loslegten, musste es schnell und präzise ablaufen: Mit dem Glas an der Wand geilte sich Regine am nachbarlichen Stöhnen auf, eine Hand von mir musste ihre Wonnebohne bearbeiten, während mein Rohr von hinten in ihrem Ofen steckte. Das war eine unfehlbare Methode, Regine völlig zum Ausrasten zu bringen. Es kam ihr dabei ungelogen immer.

Nina war in der Hinsicht übrigens auch kein Kind von Traurigkeit. Um das zu hören, brauchte ich noch nicht einmal ein Glas an die Wand zu halten. Manchmal hatten Thommy und ich ja den Verdacht, unsere beiden Frauen hätten sich da irgendwie abgesprochen. Aber das konnten wir ihnen nie nachweisen. War ja egal, Hauptsache, sie kamen, wie sie wollten. Wir hatten schließlich genauso unseren Spaß dabei.

Obwohl, mir wäre es eigentlich lieber gewesen, wenn Regine auch noch in den späteren Ehejahren an unseren Film-und-Sex-Abenden zu ihrer rolligen Hochform aufgelaufen wäre. Zu Beginn unserer Beziehung hatten wir unsere Wochenendficks nämlich meistens so zelebriert. Ausgiebig, am besten mehrmals, mit heftigem gymnastischen Zutun und akustischer Begleitung ihrerseits. Doch selbst an den Wochenenden, an denen wir unsere Tochter zu den Großeltern abschoben, überkamen sie inmitten der Kissen- und Deckenwelten auf unserem Wohnzimmerteppich immer öfter akute Frigiditätsanfälle. Gerne ausgerechnet in der Phase, wenn ich schon fest in ihr steckte und gerade dabei war, sie final zu bearbeiten.

Sobald sie eine solche Unlust ergriff, pflegte sie ohne Vorankündigung die Zusammenarbeit einzustellen. Vorsichtshalber griff sie dann schon mal nach einem Tempo, gestand mir aber gleichzeitig gnädig zu: „Kümmere dich nicht weiter um mich, spritz ruhig noch ab, wenn du das möchtest!“

Natürlich spritzte ich aus reinem Trotz jedes Mal, aber natürlich zunehmend unlustiger. Entsprechend wurden solche Abende weniger, bis unser Sex schließlich nur noch von Ninas Stöhnen abhing, das seinerseits immer seltener zu uns durchdrang, weil es ja auch mit der Ehe unserer Nachbarn bergab ging.

Nun jedenfalls bekam es da drüben im Schlafzimmer ohne jeden Zweifel Melanie besorgt, und zwar ganz offensichtlich saugut besorgt. Mit ein klein wenig schlechtem Gewissen, dafür umso mehr Anspannung in der Prostata und benachbarten Organen, legte ich die Nagelschere weg und machte es mir auf meinem Bett bequem. Mit Regines Glas an der Wand freute ich mich daran, dass jemand Melanie so viel Vergnügen bereitete, war aber gleichzeitig eifersüchtig, weil ich eigentlich gerne dieser jemand gewesen wäre. Wehmütig dachte ich an die guten alten Zeiten zurück und holte mir dann, während Melanie nach einer kurzen Pause neu ansetzte, in aller Ruhe einen runter.

Während der Woche rief sie mich mal zum Regalaufstellen, mal musste ich ihr helfen, ein paar Löcher für Dübel zu bohren, doch weder erwähnte sie den Besitzer des Polos, noch ließ sie ein Wort über ihr früheres oder gegenwärtiges Beziehungs- oder gar Geschlechtsleben fallen. Obwohl ich es mir natürlich bei keiner dieser Gelegenheiten entgehen ließ, meinen frisch erworbenen Familienstand eines freien Geschiedenen ins Gespräch einzubringen. Bei diesem Thema allerdings blieb sie spröde, auch wenn ich sie an sich immer sympathischer fand.

Als ich am Sonntag darauf meine Tochter abgeliefert hatte, stand der Polo wieder in der Einfahrt. Dass er mir diesmal eher gräulich als weiß vorkam, schob ich aufs Regenwetter, obwohl manchmal auch meine getrübte Stimmung dafür verantwortlich ist, dass ich alles durch eine graue Brille sehe. Ich hastete hinauf ins Schlafzimmer und bekam gerade noch die heiße Phase des Stöhnens mit. Es klang weniger verlangend oder fordernd als am Sonntag zuvor. Ich hatte den Eindruck, dass Melanie diesmal befreiter und befriedigter ihrem Orgasmus entgegenhechelte.

Die nächsten zwei Wochen musste ich auf das Horchen an der Wand und das damit verbundene Vergnügen verzichten. An dem einen Sonntag hatte ich mit Thommy und seinen Jungs etwas ausgemacht, für den anderen meiner Tochter versprochen, mit ihr ins Kino zu gehen und sie hinterher auf eine Pizza einzuladen. Oft durften wir das nicht machen, das mit der Pizza, von wegen ungesundem Fastfood. Aber als Vater muss man schließlich ab und zu seine Rechte durchsetzen, auch wenn es nur das Recht ist, dem mütterlichen Erziehungsdogma eins auszuwischen.

Was mich so gegen Ende Januar langsam wunderte, war, dass Melanie noch immer irgendwelche kleinen Arbeiten für mich fand, wo ihre Wohnung für meine Vorstellungen eigentlich schon perfekt ein- und hergerichtet war. Aber es musste eben da noch ein Vorhang gerafft werden, dort eine Unterschrankleuchte angeschlossen oder im Keller ein Vorratsschränkchen aufgestellt werden. Sogar den ganzen Februar über holte sie mich mindestens zweimal die Woche, aber trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass wir uns näherkamen.

An mir lag es nicht. Ich war längst zum Küsschen als Begrüßung übergegangen, setzte immer mein einladendstes Lächeln auf, lud sie auch einige Male zum Essen ein und stimmte dabei dann wohlkalkulierte Klagelieder über die Einsamkeit und darüber an, wie groß doch so ein Haus sein könne, wenn man alleine darin leben muss. Aber irgendwie biss ich auf Stein.

Nicht, dass sie abweisend reagiert hätte, keinesfalls. Sie war immer nett, freundlich, zuvorkommend. Sie scheute sich auch nicht vor einer körperengen Umarmung, die ich unter anderen Umständen als passende Einladung für einen nächsten Schritt der Annäherung angenommen hätte. Bei ihr hingegen schien diese Umarmung zu heißen: bis hierhin und nicht weiter. Der Polofahrer stand zwischen uns wie der sprichwörtliche Elefant, über den man nicht redet.

An jedem einzelnen Sonntag im Februar freute ich mich über Melanies Stöhnen und durchlitt es doch auch, weil es eben nur durch die Wand kam. Ich ging dazu über, meine Tochter an den Vaterwochenenden früher zu ihrer Mutter zu bringen, um zeitig in mein Schlafzimmer zu kommen. Ich wollte keine Minute dieses so betörend erotischen Hörspiels mehr verpassen, das sich, wie ich bald feststellte, immer genau über 45 Minuten hinzog, mit mehreren Anläufen, ja einige Male auch mit mehreren Höhepunkten.

Unvergleichlich erschienen mir die Modulationen und Nuancen, mit denen Melanie ihr Wohlbefinden in immer neuen Melodien, Rhythmen und Kadenzen auszudrücken vermochte. Einmal überraschte ich mich sogar dabei, so gespannt zuzuhören, dass ich völlig vergaß, mich um mich selbst zu kümmern.

Das war auch der Tag, am ersten Märzsonntag, an dem ich zum ersten Mal sah, wen sie da zu Gast hatte. Noch ganz gebannt ging ich runter in die Küche, um mir ein Glas Wein einzuschenken. Eher zufällig schaute ich aus dem Fenster auf den Polo, der im Licht der Straßenlaterne gelblich schimmerte. Der Mann, der da gerade einstieg, war, so fand ich jedenfalls, eindeutig zu jung für Melanie. Jung, dafür aber effektiv, das sprach wohl für ihn. Wie heißt es doch so schön: jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Die Woche darauf war Weltfrauentag. Wegen der um sich greifenden Viren feierte meine Ex ihn schon im kleinen Kreis daheim. Ich konnte also meine Tochter so abliefern, dass ich ziemlich genau zum Ende von Melanies Vergnügungsdreiviertelstunde heimkam. Ein schneeweißer Polo stand in der Einfahrt. Ich vertrödelte noch zwei, drei Minuten in der Garage, bis im Nachbarhaus die Tür aufging. Heraus kam ein zwar genauso junger Mann wie die Woche zuvor, aber wahrhaftig nicht derselbe. Der andere war viel größer und schlanker gewesen, dieser hatte fast einen kleinen Bauchansatz, und er hielt einen Umschlag in der Hand. Da fiel bei mir endlich der Groschen.

In der nächsten Woche überschlugen sich die Ereignisse. In meiner Firma begannen die Planungen für verstärkte Sicherheitsvorschriften anzulaufen, und Melanie, die inzwischen im Garten herumwerkelte, erzählte mir über den Zaun hinweg, dass sie möglicherweise bald auf Homeoffice umstellen würde. Corona verdrängte langsam aber sicher alles andere aus den Nachrichten und aus den Köpfen. Nur eines ging mir die Woche über nicht aus dem Kopf: Was würde am Sonntag passieren?

Ich lag zur üblichen Zeit hinter dem Badezimmerfenster auf Lauer, ob ein Polo kommen würde. Aber es kam keiner. Nach ein paar Minuten ging ich ins Schlafzimmer und legte das Glas an, und da hörte ich es. Leise, traurig und einsam stöhnte Melanie vor sich hin. Das Summen eines Vibrators kam natürlich nicht durch die Wand, aber ich stellte mir vor, wie sie einen in sich stecken hatte, ihn herauszog, ihn um ihr Knuddelchen herumzittern ließ, es dabei aber nicht direkt berührte, um es hinauszuzögern, und wie sie ihn dann fast zornig, weil es eben nur ein Vibrator war, wieder in sich hineinsteckte. Nie erreichte sie an diesem Sonntag den üblichen Tonumfang, nie das dynamische Drängen nach vorne und auch nicht die gewohnte Lautstärke.

In der Woche, die dann folgte, war das Ausbleiben der Männer mit den Polos das geringste Problem. Ich hatte das Gefühl, dass die Luft dünner wurde und sich gleichzeitig ein unsichtbarer, aber immer schwerer nach unten drückender Mantel über alles legen würde. Mit meinem und auch Melanies Homeoffice fing es an, dann kamen, Tag um Tag, Schlag auf Schlag, die Ladenschließungen, Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, die Maskenpflicht im öffentlichen Raum, das Aufenthaltsgebot in der Wohnung, die Meldepflicht für Einkäufe und was das ganze Arsenal an Notstandsmaßnahmen sonst noch hergab.

Am Donnerstag werkelte Melanie wieder im Garten, ganz augenscheinlich zutiefst niedergeschlagen. „Magst du es riskieren, auf einen Kaffee rüberzukommen?“, fragte ich sie, und schon nistete sich ein leises Lächeln in ihrem Gesicht ein. „Warte“, sagte ich und verschwand im Gartenhäuschen, wo irgendwo noch der Schlüssel für die Tür im Zaun versteckt sein musste.

Die hatten Thommy und ich vor Jahren eingebaut, als unsere Kinder anfingen, gemeinsam zu spielen. Erst als sie fertig war, hatten wir uns gefragt, warum wir nicht einfach den ganzen Zaun rausgerissen hatten. Aber da war es zu spät gewesen, und als er seine Haushälfte verkauft hatte, verschloss Thommy die Tür feierlich wieder. Wo er den Schlüssel dann hingehängt hatte, wusste Melanie offenbar nicht, denn sie war sichtlich überrascht, dass das Türchen und sein angerostetes Schloss noch ihren Dienst taten.

„Du sag mal“, fragte ich sie bei Kaffee und ein paar Plätzchen, die an Weihnachten in die Tiefen des Vorratsschrankes gerutscht waren, „warum erklären wir unser Doppelhaus denn eigentlich nicht zu einer zusammengehörigen Wohneinheit und uns zwei zu einem gemeinsamen Haushalt? Damit könnten wir etliche von den Ge- und Verboten umgehen. Gemeinsam einkaufen, gemeinsam kochen, gemeinsam essen. Das wäre doch der reine Luxus in den Zeiten von Corona.“

Wieder huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Für einen Augenblick schien es allerdings so, als überlegte es, ob es gleich wieder verschwinden sollte. Mit ihm dachte Melanie nach und sah in ihrer Unentschlossenheit, oder vielleicht auch Unsicherheit, zum Anbeißen aus. Vermutlich kam ihr ja erst in diesen paar Sekunden das in den Sinn, was sie schon viel früher hätte anpacken sollen, als sie sich so spröde gegeben hatte. Jedenfalls neigte sich ihr Nachdenken nun recht flott dem Ende zu, und auch das Lächeln entschloss sich zu bleiben.

„Das ist echt lieb, dass du das vorschlägst. Aber hast du vergessen, welche Bedingungen für Hausgemeinschaften und längerfristige Kontakte gerade gelten? Entweder schon vor dem Stichtag zusammengelebt zu haben, oder verheiratet zu sein, oder eine Intimpartnerschaft zu führen. Und ich erinnere mich nicht, mit dir bereits das allerintimste Vergnügen gehabt zu haben, das es gibt.“

„Willst du damit sagen, dass wir tunlichst eine Intimgemeinschaft mit allem Drum und Dran begründen sollten, wenn wir uns für Unternehmungen wie dieses Kaffeetrinken hier keine gewaltige Strafe einhandeln wollen?“

„Das wäre eine Möglichkeit. Die andere: tagtägliches gutnachbarschaftliches Plaudern mit Maske über den Gartenzaun hinweg.“

„Das klingt verdammt traurig in diesen traurigen Tagen.“

„Sehe ich aus so. Also tatsächlich Lösung eins? Mit allem, was dazugehört?“ Sie schien rundum erleichtert, es ausgesprochen zu haben. Und als ich heftig nickte, fragte sie nur noch: „Gibst du mir eine Viertelstunde?“

Fünfzehn Minuten Geduld hatte ich nicht. Ich gab ihr acht, dann schlich ich durch den Garten und ihr Wohnzimmer zur Treppe und horchte. Sie flitzte gerade barfüßig vom Bad ins Schlafzimmer. Ich gab ihr noch eine Minute, bevor ich die Treppe hochstieg.

Die Tür stand offen. Ein Traum von Nacktheit lag vor mir, der ich zuletzt vor bald zwei Jahren eine so nackte Frau gesehen hatte. Arme und Beine streckte sie weit von sich, wie um sich vorbehaltlos und voller Verlangen vor mir zu entblößen. Dass sie mir damit gleichzeitig auch ihre ganze Verletzlichkeit zeigen wollte, wurde mir gleich darauf bewusst.

„Darf ich dich um etwas bitten?“, fragte sie und fuhr fort, ohne auf mein Nicken zu warten. „Ich liebe es, wenn ein Mann erst einmal meinen ganzen Körper erforscht, und ich hasse es, wenn einer sofort zusticht. Würdest du mir den Gefallen tun, mich zu erforschen. Um dich kümmere ich mich dann schon, versprochen!“

Also begann ich zu erforschen. Ohne mich auszuziehen, um nicht in Versuchung zu geraten. Dabei entpuppte sich ihr Körper als ein erogenes Wunderwerk, bei dem schon die kleinsten Reize große Wirkung zeigten. Kaum hatte ich einen ihrer großen Zehen in den Mund genommen, setzte ein leises Stöhnen ein, das wohl nicht den Weg durch die Wand gefunden hätte, aber mich hier zu Melanies Füßen umso mehr anspornte. Und so ging es weiter: Küsschen hier, lecken dort, mal ein paar sanfte Bisse in die Innenschenkel, mal ein genüssliches Schlecken an den Brustwarzen.

Nach den obligatorischen 45 Minuten der Polomänner hatte ich Melanie bis auf wenige, aber die eigentlich entscheidenden Quadratzentimeter aktiv erkundet. Sie hatte dabei ihr ganzes Ausdrucksspektrum des erotischen Stöhnens durchgestöhnt und war, obwohl ich ja die für sexuelle Angelegenheiten nicht ganz unwichtige Zone noch ausgespart hatte, zweimal zitternd erstarrt, bevor sie heftig zuckend ein wenig Entspannung hatte finden können.

Dazwischen hatte sie es sich nicht nehmen lassen, mich auszuziehen, um selbst ein wenig auf Entdeckungsreise zu gehen. Meinen Warnruf: „Vorsicht, er ist nichts mehr gewohnt“, überhörte sie dabei souverän und nahm es dann sportlich, als kam, was kommen musste.

Erst als ich auf meiner Erkundungstour wieder einmal an den Innenschenkeln knabberte und dabei flehentlich zu ihr aufsah, gab sie klein bei: „Ok, jetzt darfst du auch an meine Maus ran, aber sei bitte vorsichtig mit ihrem Schnäuzchen.“

Wie recht sie doch hatte. Das vorwitzige Näschen war tatsächlich ein kleines Sensibelchen. Äußerst empfindlich, als ich enthusiastisch daran saugte, aber eben auch äußerst empfänglich für die Liebkosungen meiner Zungenspitze. Binnen kürzester Zeit fanden die beiden zusammen und Melanie dankte es ihnen lautstark.

Sie wollte es dann auch gleich meinem Mäuserich danken, der eigentlich nur darauf wartete, nun selbst seine Nase in die ihm zubestimmte Maus stecken zu dürfen. Aber ein Blick auf den Wecker auf dem Nachttisch verriet mir, dass in einer halben Stunde meine Videokonferenz losging, auf die ich mich noch nicht wirklich vorbereitet hatte.

Den Umschlag, der vermutlich seit dem Sonntag davor unabgeholt auf der Kommode lag, nahm ich einfach mit. Ich fand, ich hätte ihn verdient. Am gleichen Abend, nach der ausgiebigen Film-und-Sex-Session auf meinem Wohnzimmerteppich, bekam Melanie ihn allerdings wieder, mit einem großen Herzchen bemalt und einem Schleifchen verziert. Sie hatte ihn sich redlich verdient. Die Polomänner erwähnte übrigens keiner von uns jemals, und das Bierglas aus meinem Schlafzimmer ward dort nie mehr gesehen.
 

Tula

Mitglied
Hallo Susi
Unterhaltsam, auf die Spannung von Neugierde und Erwartung ausgerichtet. Das Ende vielleicht etwas zu "happy end", ich erwartete irgendeinen 'Reinfall'.
LG
Tula
 

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