Das Futteral (Teil 1)

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Susi M. Paul

Mitglied
Das Futteral



Früh war ich aufgewacht, viel zu früh. Und die ganze Zeit, die ich wach dalag, bis der Wecker klingelte, musste ich mir eingestehen, dass ich ziemlich aufgeregt war. Unter meinen älteren Klassenkameraden war die Meinung, was die ganzen Prozeduren anging, die mich erwarteten, ja einigermaßen geteilt: Es reichte von gerade noch so erträglich bis hin zu richtig übel. Ich hatte also allen Grund, aufgeregt zu sein. Der wichtigste Tag in meinem bisherigen Leben. Mein 18. Geburtstag. Die Initiation.
Als ich runterging, rieb ich mir vor Verwunderung die Augen: Meine Mutter hatte das Frühstück gemacht! Meine Mutter in der Küche! Eigentlich unvorstellbar. „Mein Kleiner, mein großer Kleiner!“, empfing sie mich strahlend mit einer Umarmung. „Heute wird ein echter Mann aus dir! Ich wünsche dir alles, alles Gute, mein Schatz!“
Sven, ihr derzeitiger Lebensabschnittspartner, strahlte mit ihr um die Wette. Den Tisch hatte natürlich er für mich gedeckt, festlich, das war seine Spezialität. Ich warf ihm einen dankbaren Blick zu, dann schob mich meine Mutter auf den Platz, wo die Geschenke warteten. Das nagelneue Infosyst, die Gutscheine für die Hosen, die wir am Samstag zuvor ausgesucht hatten, ein Umschlag, in dem ich eine Aufstockung meines bescheidenen Taschengelds vermutete, und das kleine Päckchen meines Vaters, das am Tag vorher angekommen war. Trotz meiner Neugier steckte ich es in die Hosentasche. Am Nachmittag, allein auf meinem Zimmer, würde ich es aufmachen.
Zunächst allerdings stand der erste der beiden fixen Termine des Tages an: die Musterung. Ich war gleich um acht dran, so dass meine Mutter mich auf dem Weg ins Büro am Großen Verwaltungsgebäude absetzen konnte.


„Viel Glück!“, rief sie mir nach, und als in dem Moment zwei junge Gören neben dem Auto auftauchten, setzte sie extra laut noch hinzu: „Hoffentlich steht alles nach Plan!“
Natürlich kam es, wie es kommen musste: Mein Gesicht verwandelte sich im Nu in eine überreife Tomate, was die zwei, höchstens Elftklässlerinnen, gnadenlos ausnutzten.
„Da scheint heute einer getestet zu werden“, kicherte die eine und griff mir beherzt in den Schritt. „Ob der da wohl mitmacht?“
„Schau mal, wie es sich schämt, das Muttersöhnchen“, ergänzte die andere und tat das, was ich noch mehr hasste, als das ständige Rumgefummel an meinem Bummel: Sie kniff mir in den Hintern.
„Obwohl“, wieder die erste, die andächtig mein Gehänge durchknetete, „da scheint tatsächlich Substanz in der Hose zu sein. Es könnte sich fast lohnen, seine Musterung abzuwarten. Was meinst du?“
„Heh ihr zwei, lasst ihn in Ruhe, er hat’s eilig“, mischte sich endlich meine Mutter ein, und sie trollten sich tatsächlich. Aber nicht ohne vorher ihre Infosysts an meinen Chip gehalten und die Adresse gespeichert zu haben.
„Wir melden uns!“, rief mir die zweite über die Schulter zu. „So ein frisch gemustertes Würstchen mit brandneuem Futteral lassen wir uns bestimmt nicht entgehen!“
Die Musterung selbst war so ähnlich, wie ich es mir nach den Geschichten meiner älteren Klassenkameraden vorgestellt hatte. So insgesamt für meinen Geschmack reichlich unangenehm. Die Formalitäten gingen ja noch: irgendwelche Zettel ausfüllen und unterschreiben, meinen neuen Apparat freischalten lassen, die Ergebnisse der Blutuntersuchung und die Bestätigung von der Hausärztin draufladen, die mir die erste Dosis des Fertilitätshemmers gespritzt hatte, und lauter so Sachen eben.
Dann aber ging’s ans Eingemachte. Nicht nur Hosen runter, sondern ganz ausziehen. Vor drei Frauen, die nichts anderes zu tun hatten, als mich anzustarren. Wieder puterroter Schädel, klar. Und das Blut, das mir da in die Höhe gestiegen ist, hat mir natürlich unten gefehlt, wo’s drauf angekommen wäre. Von der geforderten Standfestigkeit weit und breit keine Spur. Das war mit Müh und Not ein ambitioniertes, aber überfordertes Würmchen. Aber damit schienen die drei Erfahrung zu haben.
„So, mal sehen, ob er sich nicht doch freiwillig hochstreckt“, murmelte die, die den Ton angab, vor sich hin, während sie meinen Pummel in die Hand nahm, um ihn mit einem Desinfektionstuch ordentlich abzureiben. Als das noch nichts half, nickte sie der mit der Kamera und der am Computer zu. Ohne lange zu fackeln machten sich die zwei ganz professionell über mich her.
Die eine knöpfte ihren Kittel auf, setzte sich auf den Schreibtisch und machte die Beine breit. Die andere drückte meinen Kopf, Nase voran, mitten rein in die reifen Schlünde der Kollegin. Sie selbst kniete sich hin und schlorzte und schlabberte an meinem Hänschenklein herum. So lange, bis der ihr als stolzer Hans tief in den Rachen hineinwuchs.
Das hatte ich noch nie erlebt. Selbst Sabrina hatte das nicht gemacht. Sie hatte mich zwar schon abgemolken, um zu sehen, ob ich auch in der Hinsicht funktioniere. Probehalber und leider selten genug, aber immer mit der Hand. Darauf rumgekaut, nein, das hatte sie nie, das war mir neu und zugegebenermaßen extrem angenehm. So hätte es weitergehen können. Bevor das Ganze allerdings in einem Malheur endete, schritt die Chefin ein.
„Geht doch“, kommentierte sie trocken und klemmte meinen Dommel in eine Messvorrichtung. „Länge satt im Normbereich, Umfang ganz leicht darüber, aber da werden wir sicher keine Beschwerden kriegen. Insgesamt also klare Normerfüllung“, diktierte sie der am Computer, während die andere zu ihrer Kamera griff. Nachdem sie zur Sicherheit ihre Zunge über die glänzende Eichel gezogen hatte, damit auch bestimmt nichts mehr weich würde, schoss sie die entsprechenden Beweisfotos: zuerst mit dem Messgerät; dann vom freistehenden Wummel von oben, von unten, von der Seite; und schließlich noch zwei Ganzkörperaufnahmen von mir und meinem ständigen Begleiter.
Die Frau am Computer, die ihren Kittel vorsichtshalber offengelassen hatte, kontrollierte alles ganz genau. Diese Fotos waren schließlich so etwas wie ein Passierschein für mein künftiges Geschlechtsleben, das sie mir bestimmt nicht verbauen wollte. Als sie zufrieden war, kopierte sie meinen gesamten Datensatz auf einen Mikrochip, pulte den aus dem Plastikträger, legte ihn in eine Desinfektionslösung und überreichte ihn der Chefin. Die wiederum vereiste kurz die entsprechende Stelle auf meinem Sack: ein winziger Schnitt, mit einer Minipinzette den Jugendchip rausholen, den neuen vorsichtig unter die Haut schieben und Pflaster drauf. Keine Minute dauerte das. Dann jagte sie mir noch die zweite Dosis des Fertilitätshemmers in den Oberarm, fertig war die Musterung.
Zum Abschluss reichte sie mir feierlich die Hand: „So, Herr Friede, mit dem Einsetzen des permanenten Chips und der temporären Sterilisierung haben Sie die endgültige Geschlechtsreife erlangt. Ihr Roddel darf von nun an während der Ausgleichenden Geschlechtsbegegnung von einer Frau eingeführt werden, ohne dass der Alarm ausgelöst wird. Gehen Sie verantwortungsvoll mit dieser Ihrer neuen Aufgabe um, aber erfüllen Sie sie und stehen Sie zu diesem gesellschaftlich so wertvollen Dienst. Zu Ihrer eigenen Freude und vor allem zu der von uns Frauen. Ihre nächste obligatorische Impfung mit Blutuntersuchung ist in einem Jahr. Die entsprechende Aufforderung wird Ihnen automatisch auf Ihr Infosyst geschickt.“


Im Spezialgeschäft gleich neben dem Großen Verwaltungsgebäude hatten wir meine neuen Hosen zurücklegen lassen: zwei lange, eine kurze, eine Bade-, eine Trainingshose und einen Satz Unterhosen mit den entsprechenden Futteralausbuchtungen. Ganz stolz ließ ich die Verkäuferin zur Altersverifizierung das Lesegerät an meinen neuen Chip im Sack halten: sein erster Einsatz, der Kauf von echter Männerkleidung.
Ich muss ja ehrlich sagen, ich war gottfroh, dass die harten und unhygienischen Aufsteckfutterale früherer Zeiten schon völlig aus der Mode gekommen waren. Zugegeben, es hätte auch etwas für sich gehabt: ein Loch in der Hose, das steife Ding auf den Mommel draufstecken, mit zwei Knöpfen festmachen, und schon wär’s das gewesen. Zum Pinkeln und Gerammeltwerden einfach aufknöpfen und das Ding runterziehen. Aber hinterher musste der vielleicht noch tropfende Schrummel eben wieder in der guten, vorne fest geschlossenen Stube verstaut werden. Igitt nein, das muss selbst mit einer waschbaren Einlage bald zum Himmel gestunken haben.
Da lobte ich mir doch das neue System mit dem verstärkten, aber noch einigermaßen flexiblen Stofffutteral, das auf die Hose aufgenäht und mit einem Reißverschluss versehen ist. Dazu die passende Unterhose mit ihrem bequemen Eingriff. Damit ist der moderne Mann wirklich für alle Eventualitäten gerüstet, ganz so, wie es die Werbung verspricht. Und ganz bestimmt ist dieses System auch sicherer, was Unfälle angeht. Wie oft waren wohl unsere Vorfahren mit dem harten Ding irgendwo dagegengerannt oder hatten es sogar eingeklemmt, wo ich meinen Drummel bestimmt nicht einklemmen möchte. Jetzt setzt sich der nur dann den Gefahren der Zivilisation und den Unbilden der Natur aus, wenn er von sich aus versteift und in die Horizontale geht.
Damit aber kam ein ganz anderes Problem in die Welt. Früher hatten alle Männer untenrum irgendwie gleich ausgesehen: Alle waren sie die ganze Zeit über mit den weit abstehenden Futteralen rumgelaufen, egal ob darin etwas steif oder etwas weich war. Umgekehrt hatte ich in meiner Jugendhose so manchen Aufstreber verdrücken und verbergen können. Jetzt aber hing das Hosenfutteral nach unten, wenn Schlummel hing, und es stellte sich auf, sobald er anfing zu wachsen. Was der erfahrungsgemäß eher oft als selten zu tun pflegte, wenn der Tag lang war. Gerne auch mal mitten auf der Straße oder auf dem Pausenhof.
Seit der Musterung trug ich also ständig ein öffentlich sichtbares Barometer mit mir herum. Für alle, die es wissen wollten, und auch für die, die das nicht die Bohne interessierte, zeigte es konstant meine penetrationale Befindlichkeit an, wie manche Frauen das heutzutage nennen, also meine Bereitschaft zur Ausgleichenden Geschlechtsbegegnung. Tröstlich nur, dass auf diese Weise schlicht und ergreifend alle Männer beständig ihre Weich- und Steifheiten zu Markte trugen und tragen. Aber ich musste mich eben erst daran gewöhnen.


Die Gelegenheit dazu bot sich, als ich in die Schule kam und im Klassenzimmer zur Feier des Tages spießrutenlaufen durfte. Die Mädchen hatten sich in Reih und Glied aufgestellt. Wie nach einer Musterung üblich fingen sie an zu johlen, als sie mich mit meinem Hängeboddel sahen. Und wie immer setzten sie alles daran, ihn durch Kneten, Streicheln und gutes Zureden in einen Standlummel zu versetzen. Natürlich mit Erfolg. Und natürlich hielten dann alle ihre Infosysts an meinen Chip am Sack, so dass sie in Sekundenschnelle Zugriff auf sämtliche Daten und Bilder hatten. Länge, Umfang, Ansicht und Draufsicht, nichts blieb ihnen verborgen.
Wieder mal hochrot schlich ich zu meinem Stuhl, wo Sabrina, meine Tischnachbarin, den Versuch unternahm, mich zu trösten. Statt mir einfach eine Hand auf den Arm zu legen, packte sie mich allerdings herzhaft an meinem hoch aufgerichteten Schrommel. Dass sie es mit guter Absicht tat, war mir schon klar. Sie hatte ja immer schon an ihm rumgestreichelt, wenn sie etwas Besonderes ausdrücken wollte. Mal war es die Aufforderung gewesen, ihr doch endlich unter den Rock zu langen. Mal die Bitte, sie am Nachmittag so richtig ordentlich durchzulecken. Doch diesmal hätte ich wirklich eine andere Art von Aufmunterung gebraucht.
Zusätzlich flüsterte sie mir noch etwas ins Ohr, was für mich fast wie eine Drohung klang, auch wenn sie das bestimmt anders gemeint hatte: „Nimm’s nicht so schwer, Reinhold“, sagte sie, „es hat doch auch was für sich, dass du ihn jetzt so frei und steif herumtragen kannst. Heute Abend, da wirst du sehen, wofür er gut ist.“
Hinterher, in der zweiten Pause, verriet sie mir aber, dass sie mich nicht einführen würde. „Ich habe gerade meine Tage, außerdem finde ich es komisch, wenn so viele dabei zuschauen. Das lenkt mich immer ein bisschen ab. Ich finde, wir sollten irgendwann später in aller Ruhe ausprobieren, wie du in mich reinpasst. Was meinst du?“
Am Anfang war ich echt enttäuscht, denn ich hatte so darauf gehofft, dass Sabrina es sein würde, die meine Aufnahme in den Männerstand besiegeln würde. Seit sie sich ein halbes Jahr zuvor neben mich gesetzt hatte, war ich hoffnungslos in sie verschossen gewesen, und seit sie sich in der Schule eigentlich nur noch von mir ihre Spalte kraulen und auszullen ließ, war ich ihr praktisch verfallen. Ja, ich hatte sogar davon geträumt, dass sie mich über die bloße Geschlechtsbegegnung hinaus sympathisch finden würde. Das hätte ja nicht gleich dahin gehen müssen, mich von der Schule weg als ihren Lebensabschnittspartner einzutragen; aber zumindest, dass sie alles in die Waagschale werfen würde, um bei meiner Initiation zum Zug zu kommen.
Ich spürte schon, wie mir die Tränen in die Augen schossen. Aber als ich sah, wie sie mich bei dem Nachsatz anlächelte, da musste ich ihr fast recht geben. Lieber heute irgendwie mit den anderen die lästige Pflicht erfüllen, um später dann mit ihr einen unvergesslichen Augenblick des Ausgleichs in der fleischlichen und geistigen Zweisamkeit zu erleben. Genau diese Worte kamen mir damals auf dem Pausenhof mit hoch erhobenem Futteral in den Sinn! Und erstaunlicherweise empfand ich es dann ein paar Tage später auch genauso. Wie jung, unverdorben und optimistisch ich damals war! Ach, die Flausen der Jugend! Wie schön waren sie doch!


Eine goldene Halskette mit einem stilisierten Minifutteral als Anhänger hatte sich mein Vater für mich, seinen Ältesten, vom Mund abgespart. Dazu lag ein Zettel in dem Päckchen, den ich heute noch im Geldbeutel herumtrage, auch wenn die Schrift schon lange nicht mehr zu lesen ist: „Denk daran, dass das Futteral nicht nur Bürde ist, sondern auch ein Symbol von Würde sein kann.“
Ob er das damals wirklich geglaubt hat oder es jemals so erlebt hatte? Ich weiß es bis heute nicht, aber an meinem Geburtstag wollte ich es ihm glauben. Was für ein hartes Leben! Meine Mutter hatte ihn, einen wirklich schönen, intelligenten Mann mit ansehnlichem Futteral, ausdrücklich zeitlich befristetet als Bespringpartner aufgenommen, als bei ihr die Kinderfrage anstand. Das gesetzlich vorgeschriebene Jahr über hatte er sich nach meiner Geburt um mich kümmern dürfen, dann hatte sie ihn hinausgeworfen.
Drei weitere Kinder hat er danach für drei verschiedene Frauen gezeugt, und immer die gleiche Geschichte. Ein, maximal zwei Jahre durfte er bei ihnen bleiben, dann musste er weiterziehen und schauen, wie er sich mit seiner abgebrochenen Lehre durchschlug. Zwei Jahre vor meiner Musterung hatte er seine erste feste Anstellung gefunden, in einem Haus für Frauen in Hamburg! Zu weit weg, um mich an meinem Geburtstag besuchen zu können.
Natürlich arbeitete er dort nicht in der Abteilung Grundausbildung für die 16-Jährigen, dafür brauchten sie jüngeres, vielleicht auch nicht ganz so gut ausgestattetes Übungsmaterial zur Eingewöhnung für die Gören. Nein, sie hatten ihn in die Abteilung Ganzheitliche Gesundheit Ü50 gesteckt. Eine reichlich euphemistische Beschreibung für die dahinterstehende Realität: Selbstverständlich handelte es sich dabei ausschließlich um Unterleibswellness für ältere Damen. Wie gut, dass ich ihn da inzwischen rausgeholt habe.
 

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