Das Futteral (Teil 4)

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Susi M. Paul

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Das Futteral (Teil 4)


Das nächste Jahr verging wie im Flug. Marie wuchs zum süßesten Kind heran, das ich jemals gesehen hatte. Und weil Sabrina und ihr Neuer die Lust am Herumreisen entdeckt hatten, verbrachte die Kleine praktisch jedes zweite Wochenende bei uns. Sven und meine Mutter verzogen sie, wie man eine Enkelin nur verziehen kann. Alles lief einigermaßen in geregelten Bahnen, bis dann zwei Ereignisse mein Leben von Grund auf durchrüttelten.
Es war im Mai, ein Freitag. Ich erinnere mich so genau daran, weil zu der Zeit die Freitage Irmitage waren und ich gerade ihre Lullilöckchen aufföhnte, als meine Mutter ins Bad kam und mich bat, hinterher nach unten zu kommen. Im Wohnzimmer eröffnete sie dann Sven und mir die schlimme Nachricht, die sie kurz vorher beim Arzt bekommen hatte: Gehirntumor, inoperabel.
Zwei Monate blieben ihr noch, in denen sich Sven rührend um sie kümmerte. Selbst im Hospiz blieb er Tag und Nacht bei ihr. Trotz unserer immer komplizierten Sohn-Mutter-Beziehung musste ich mir eingestehen, dass ich tieftraurig war, vielleicht noch trauriger als nach der Trennung von Sabrina. Doch mir blieb ja Marie. Sven hingegen hatte nichts und niemanden mehr, keine Eltern, keine Kinder, keinen ordentlichen Beruf und keine echten Zukunftsperspektiven. Ihn traf der Tod meiner Mutter so hart, dass ich mir ernsthaft Sorgen um ihn machte. Die beiden hatten in den sieben oder acht Jahren ihres Zusammenlebens zu einer emotionalen Bindung gefunden, die weit über die einer formalen Partnerschaft hinausging.
Hinzu kam, dass eine Woche nach der Beerdigung ein Brief kam, in dem die Schwester meiner Mutter uns aufforderte, das Haus innerhalb von drei Monaten zu verlassen. Als weibliche Nächstverwandte habe sie einen Antrag auf das gesamte Erbe gestellt. In der Hinsicht aber hatte sich mein liebes Tantchen, das ich immer schon aus dem tiefsten Grunde meines Herzens verachtet hatte, geschnitten. Ein paar Tage später teilte nämlich das Nachlassgericht ihr und uns mit, dass meine Mutter ein unanfechtbares Testament gemacht hatte. Sven und ich bekamen zu gleichen Teilen das Haus, Sven eine Rentennachzahlung für die Jahre ihrer Partnerschaft und ein Taschengeld für eine Übergangszeit von zwei Jahren. Nur der kleine Rest ging an ihre Schwester.

Schon in dem Moment, als ich den Brief vom Nachlassgericht las, reifte in mir die Idee, eine Männer-WG zu gründen und dafür meinen Vater aus Hamburg zu uns zu holen. Doch womit sollten wir das finanzieren? Sven und mein Vater waren beide um die 50, einen ordentlichen Job zu finden erschien schwierig bis unmöglich. Wenn Svens Taschengeld wegfiele, würde mein Gehalt gerade so eben die Nebenkosten des Hauses und unseren Unterhalt abdecken. Selbst für die Wochenenden mit Marie, für Spielzeug und andere kleine Freuden für sie bliebe da kaum etwas übrig, geschweige denn für meinen Vater.
Natürlich dachten wir daran, das Häuschen zu verkaufen und getrennte Wege zu gehen, aber das wäre auf lange Sicht ja auch keine Lösung gewesen. Vor allem nicht für Sven, den ich unter keinen Umständen im Regen stehen lassen wollte. Der schöne Plan, meinen Vater aus der Knechtschaft seiner Arbeit als Experte für Unterleibswellness Ü50 im Haus der Frauen herauszueisen, der zerstob genauso schnell wie ich ihn gefasst hatte.

Bis, ja bis sich nur einen Monat später eine völlig neue Perspektive auftat. Das zweite Ereignis dieses wahrlich denkwürdigen Jahres. In der Mittagspause hatte mich einmal mehr meine Chefin zu sich beordert. Nicht die Abteilungsleiterin, sondern die Oberste Chefin. Dieses Mal war sie viel nachdenklicher als sonst. Ganz langsam, gar nicht so gierig wie üblich, zog sie den Reißverschluss von meinem Futteral zurück und steckte die Hand in den Eingriff meiner Unterhose. Und obwohl mein Bummel mehr als reif dafür war, von ihrer praktisch immerfeuchten Biggi aufgesogen zu werden, kniete sie nieder und steckte ihn sich zuerst in den Mund, was sie normalerweise nur tat, wenn sie mit seiner Konsistenz unzufrieden war. Aus dieser Position, von unten her, schaute sie mich an, und das war nun wahrhaftig noch nie geschehen. Die Große Chefin hatte sich in eine Haltung begeben, die sie unter normalen Umständen als ausgesprochen unterwürfig und einer Frau nicht würdig abqualifizieren würde. Ich war verwirrt.
Schließlich gab sie sich einen Ruck, bat mich, mich aufs Sofa zu legen, und, noch während sie aufsaß, begann sie, mir ihr Anliegen vorzutragen: „Mein Helmut“, sagte sie, ihre Lieblingsposition suchend, „Sie haben ihn ja bei der letzten Weihnachtsfeier kennengelernt, ist ein durch und durch loyaler, anhänglicher und angenehmer Lebensabschnittspartner, der nahezu perfekt zu mir passt. Auch was unsere Ausgleichenden Geschlechtsbegegnungen angeht. Wenn ich hin und wieder auf Sie oder andere zurückgreife, so vor allem, um gewisse Anspannungen auszugleichen, die sich im Laufe eines Arbeitstages akkumulieren.“
Sie beschleunigte ihren Rhythmus, wie um das Gesagte zu unterstreichen und sich ihrem ersten laut herausgestöhnten Spannungsabbau näherzubringen. Doch dann hielt sie inne, senkte ihr Becken, vergrub meinen Gommel so tief in sich, wie es nur ging, und fuhr fort: „Nahezu perfekt, sagte ich. Doch leider ergibt sich nun ein kleines Problem. Ich bin nicht mehr die Jüngste und habe noch keinen Nachwuchs. Torschlusspanik mögen Sie dazu sagen. Seit einem Jahr versuchen wir es nun ohne Erfolg. Die Ärzte meinen, es liege an den Nebenwirkungen der beständigen temporären Sterilisierungen.“
Sie seufzte auf, rummelte ein wenig auf mir herum, so als ob mein voll ausgewachsener Pommel, der der Dinge harrte, die da kommen sollten, sie an einer ihr unangenehmen Stelle drücken würde, und kam dann endlich zum Punkt: „Wären Sie unter Umständen bereit, mich extern zu befruchten? Und wenn ja, zu welchen Konditionen?“
Ich war so geplättet, dass meine Spannung in Sekundenschnelle in sich zusammensackte und mein Gehirn die Gefolgschaft verweigerte. Von dem, was ich als Antwort vor mich hinstammelte, weiß ich absolut nichts mehr, aber ein zusammenhängender Gedanke war wohl nicht dabei. Ich erinnere mich nur noch, dass sie lächelte, was sie sonst nie tat, und mit den Worten von mir abstieg: „Das mit dem Rummeln lassen wir heute besser. Nehmen Sie sich den Nachmittag und den morgigen Vormittag frei und überdenken Sie die Sache. Morgen kommen Sie zu uns zum Mittagessen, mein Sekretär gibt Ihnen die Adresse.“
Die nächsten Stunden irrte ich in der Stadt umher. Ich, der Typ, der die Computer in der Firma installiert und am Laufen hält, Vater des Kindes der Großen Chefin? Sven, den ich als ersten einweihte, sagte, dazu könne er nichts sagen, das sei meine Entscheidung. Mein Vater mahnte am Telefon nicht ohne Grund zur Vorsicht, schließlich konnte er auf die Erfahrung mit vier Kindern verweisen, von denen er nur mit dreien wirklich Kontakt hatte. Sabrina, die mich in den letzten Wochen samstags wieder besucht hatte, druckste herum, ohne wirklich etwas zu sagen. Also musste Irmi den Ausschlag geben, und die war ganz pragmatisch: „Sie hat nach deinen Bedingungen gefragt? Dann musst du ihr Bedingungen setzten, so einfach ist das manchmal im Leben. Eine Hand wäscht die andere.“
Mit diesen Ratschlägen ging ich ins Bett, wälzte sie die ganze Nacht hin und her, und nach dem Frühstück ging ich mit Sven die Einzelheiten durch. Zwischendurch riefen wir noch meinen Vater an, und pünktlich zum Mittagessen bei der Chefin und ihrem Partner hatten wir alles fertig. Mein Forderungskatalog war eigentlich nur ganz klein. Drei Punkte. Die aber hatten es in sich, denn wenn ich sie durchbringen würde, wären sie die Lösung für fast alle unsere Probleme.

„Keine Geldforderungen, keine Gehaltserhöhung und keine Beförderung für Sie. Respekt. Ich hatte Sie also richtig eingeschätzt“, nickte die Chefin anerkennend mit dem Kopf, nachdem ich, proppevoll von dem Fünfgangmenü, bei Kaffee und Cognac kurz und knapp meine Konditionen vorgetragen hatte. „Aber erklären Sie uns doch noch einmal ausführlich das, was Sie da als Gegenleistung verlangen.“
Und ich erklärte ihnen. Punkt eins meiner Liste, dass Sven in der Kantine der Firma wahre Wunder vollbringen würde, ganz gleich ob in der Küche, bei der Ausgabe oder sonstwie. Punkt zwei, dass der Gehilfe des Hausmeisters im Betrieb sowieso bald in Rente gehen würde und mein Vater zumindest eine Dreiviertellehre als Elektriker vorweisen könne. Außerdem würde er ab und an sicherlich gerne beim Empfang aushelfen. Als würdiger Anfangsfünfziger mit großzügigem Futteral würde er sich dort bestimmt gut machen. Dazu führte ich aus, dass mein Vater, Sven und ich mit dann drei, wenn auch mageren Gehältern, das Dachgeschoss unseres Häuschens ausbauen könnten, damit sowohl meine Halbgeschwister als auch meine Kinder uns besuchen könnten, wann immer sie wollten.
Damit war ich dann bei Punkt drei angelangt: Dass ich für das Kind die gleichen Rechte forderte wie der Vater in einer regulären Lebensabschnittspartnerschaft, sprich das Umgangsrecht. Wenn möglich ein Wochenende, zumindest aber einen Tag pro Monat. „Ich finde, es ist egal, ob es extern gezeugt wird, Kind bleibt Kind“, schloss ich. Das war gewagt, denn offiziell, rein formaljuristisch, stand mir das zwar zu. Aber ich sollte ja nicht irgendeine bespringen, sondern die Große Chefin. Da knickt zur Not jeder Paragraph ein, wenn ein gutbezahlter Anwalt daherkommt und irgendwelche abstrusen Ausnahmen geltend macht.
Aber nichts dergleichen. „Einverstanden“, sagte sie nach einem kurzen Blickkontakt mit ihrem Partner. „Der Vertrag geht Ihnen morgen zu. Wenn Sie sich dann morgen auch gleich die Fruchtbarkeitsspritze setzen lassen, können wir am Montag beginnen. Täglich jeweils mittags, im Büro, wie gehabt. An den Wochenenden entweder hier, oder, wenn Ihnen die Anwesenheit meines Partners unangenehm ist, ebenfalls in der Firma.“

Die Variationsbreite der Frittelmöglichkeiten, die mir Sabrina während der Bespringzeit eröffnet hatte, bot mir die Chefin allerdings nicht. Als ich am Montag in ihr Büro kam, hatte sie eine hüfthohe Liege dort stehen. Jeden Tag, außer natürlich an ihren offensichtlich unfruchtbaren Tagen, vollzogen wir darauf das immergleiche Ritual: Sie legte sich, nur den Unterkörper entkleidet, breitbeinig am Rand der Liege zurecht, griff zu ihrem Wittimassierer und drückte ihn auf das kleine Organ, das besonders empfänglich für ein solches Gerät ist. Ich führte meinen Schrammel langsam ein und wartete auf ihr erstes Abstöhnen.
Nachdem das abgeklungen war, begann ich, mein Wohlgefallen zu suchen. Was sie in aller Regel nicht hinderte, mir noch ein zweites Mal ihre Zufriedenheit mit meiner Behandlung entgegenzuseufzen. Lautstärkeniveau eins, das musste sein, sie war ja die Chefin. Hatte ich meine Pflicht erfüllt, rückte sie die Liege hinauf, um bequemer zu ruhen. Ich legte eine Decke über sie, zog mich an und verschwand diskret.
Neun Wochen ging das so, und als ich mich schon fragte, wann wir denn wieder die monatliche Pause einlegen würden, empfing sie mich an einem Samstag zusammen mit ihrem Helmut. Freudestrahlend. Mit zwei Umschlägen in der Hand: den Arbeitsverträgen für Sven und meinen Vater. Ab da ging es Schlag auf Schlag.

Im Dezember kam mein Vater aus Hamburg und richtete sich häuslich in dem Zimmer ein, das einmal Bügelzimmer und Abstellkammer gewesen war. Er fing am zweiten Januar an zu arbeiten, als stellvertretender Hausmeister, so sein hochtrabender Titel. Sven musste noch einen Monat warten, dann bekam er zunächst eine Vaterschaftsvertretung im Spüldienst. Ein Jahr später hatte er sich zum Chef der Ausgabe hochgearbeitet.
Die Tochter meiner Chefin, Jana, kam an einem wunderschönen Sommertag zur Welt. Natürlich war ich bei ihrer Geburt nicht mit im Kreißsaal, aber zwei Tage später bekam ich die offizielle Einladung, mich in der Villa einzufinden. Sowohl Irmi als auch Sabrina, die übrigens inzwischen genug von der hohen Kultur hatte und sich einen neuen, pflegeleichteren Partner besorgt hatte, rieten mir dringend, in diesem Fall ein Vatergeschenk zu besorgen, und zwar ein würdiges. Unter Goldkettchen mit Anhänger gehe da gar nichts.
Was natürlich ganz blöd war, denn wir hatten gerade mit dem Umbau begonnen und waren absolut klamm. Irmi sprang ein und besorgte es sogar für mich, Frauen kennen sich da deutlich besser aus als wir. Das war auch gut so, denn an dem freundlich-zustimmenden Nicken von Helmut und vor allem von meiner Chefin konnte ich erkennen, dass sie genau das erwartet hatten. Und dann durfte ich auch Jana tragen, mein zweites Kind in so kurzer Zeit. Zwei Kinder, zu denen ich aller Voraussicht nach für geraume Zeit den Kontakt halten werde. Ich konnte es schier nicht glauben.
Glauben konnte ich auch nicht, was Helmut mir zum Abschied in die Hand drückte. Einen Umschlag. „Fragen Sie nicht nach“, flüsterte er mir zu. „Sie will, dass Sie glauben, es stamme von uns beiden. Nicht, dass Sie glauben, es sei als Bezahlung für Sie gedacht. Sie macht sich vielmehr Gedanken um die Wochenenden, die Jana zu Ihnen soll. Weil wir möchten, dass sich Jana dort genauso wohl fühlt wie hier, nehmen Sie das bitte für den Umbau. Richten Sie alles schön her für die Kleine.“

Wir haben alles wunderschön hergerichtet, denn der Scheck im Umschlag überstieg bei weitem unsere ursprüngliche Kalkulation. An den Wochenenden geht es jetzt oft hoch her bei uns. Marie und Jana wachsen, blühen und gedeihen, und sie verstehen sich prächtig, wenn sie einmal zusammen bei uns sind. Dazu besuchen uns jetzt zwei meiner drei Halbgeschwister einigermaßen regelmäßig; nur einer fehlt, den weder ich noch mein Vater wirklich kennen, denn den schirmt seine Mutter gnadenlos vor uns ab.
Sven hat sich vor einiger Zeit von der Küchenchefin zu einer Partnerschaft überreden lassen. Aber er hat nicht wirklich daran geglaubt, denn sein Zimmer hat er nie ausgeräumt. Er sollte Recht behalten. Ein halbes Jahr später ist er dort wieder ausgezogen. In beiderseitigem Einverständnis. Was allerdings die Ausgleichenden Geschlechtsbegegnungen angeht, so bedient er sie weiterhin, wenn sie ihn ruft. Ob es ihm allerdings Freude macht oder ob er sich nur besteigen lässt, um die gute Stimmung in der Arbeit nicht zu verderben, darüber äußert er sich sehr dunkel und kryptisch.
Mein Vater hingegen hat seinen Frieden geschlossen mit seinem Futteral und dem, was darin an Kraft und Erfahrung steckt. Wenn eine Frau ihn ruft, egal ob aus der Firma oder eine der Besucherinnen, dann folgt er selbstverständlich. Ein zweites Mal lässt er sich dann aber freiwillig mit der gleichen Frau nur ein, wenn beim ersten Mal auch etwas für ihn herausgesprungen ist. Sprinkelmäßig, versteht sich. Und wenn eine unbedingt meint, ihn zwingen zu müssen, macht er es ihr zwar. Aber auf eine Art und Weise, dass sie bestimmt nicht noch einmal auf den Gedanken kommt. So etwas spricht sich dann schnell herum.
Manchmal träume ich selbst natürlich immer noch von einer Partnerschaft mit fleischlicher und geistiger Zweisamkeit. Vielleicht kommt sie ja auch irgendwann, man soll die Hoffnung nie aufgeben. Bis dahin gebe ich mich zufrieden mit unserer WG. Mit den Kindern. Mit den drei Frauen im Betrieb, die mich weiterhin regelmäßig zu sich bestellen und mich fast immer irgendwie zum Zug kommen lassen. Mit dem Gehopse von Irmi. Mit einer von den beiden Gören von vor vielen Jahren, die irgendwann wieder aufgetaucht ist. Sie stellt ganz komische Anforderungen, was den Geschlechtsaustausch angeht, ist aber im Ausgleich durchaus bereit, etwas von mir mitzunehmen. Ab und zu, vor allem an den Samstagnachmittagen, an denen wir weder Kinder noch Geschwister im Haus haben, kommt Sabrina vorbei, um mir ihr Leid mit ihrem Neuen zu klagen und dabei mein Futteral durchzukneten. Natürlich lasse ich sie dann auf mich drauf, wobei ich selbst nicht sicher bin, ob aus alter Vernarrtheit in sie. Oder weil sie mich am Ende meistens so absprinkeln lässt, wie ich es am liebsten mag. Oder weil ich weiß, dass sie meine Hinterlassenschaft im Schlüpfer braucht, um daheim ihrem Partner zu zeigen, wie toll sie doch ist, und weil ich will, dass es meine Hinterlassenschaft ist, mit der sie angibt.

Gestern nun ist etwas passiert, was unser schönes Gleichgewicht wieder durcheinander bringen könnte. Irmi hatte sich wie üblich ihre Abstöhner rausgehopst und ich hatte sie nach meinem Sprinkeln wie immer saubergemacht. Während ich also dabei war, ihre Löckchen aufzuföhnen, rückte sie mit ihrem eigentlichen Anliegen heraus: Sie wolle mich als externen Bespringer haben.
„Mein Fritzchen“, sagte sie und hielt dabei meinen Woggel fest in der Hand, so als ob sie einen Nachschlag gebrauchen könnte. „Mein Fritzchen“, sagte sie, „du kennst ihn ja inzwischen ganz gut, ist in jeder Hinsicht lieb und nett. Ein begnadeter Hausmann, exzellenter Koch, zwischendrin sogar auch mal witzig. Und trotz, vielleicht sogar wegen seines schmächtigen Futterals, hat er auch in Bezug auf unsere Ausgleichenden Geschlechtsbegegnungen reichlich zu bieten.“
Und dann schwärmte sie in den höchsten Tönen von seinen ausdauernden und devoten Qualitäten. Alles sei fast perfekt. Nur ab und zu müsse sie sich bei mir einen Abwechslungskick abholen, sonst würde ja eventuell sogar der Verdacht aufkommen, sie als Anhängerin der Neuen Natürlichkeit propagiere da eine vollkommen egoistische und exklusive Partnerschaft.
„Aber leider, leider“, schränkte sie dann ihre Lobeshymne auf ihr Fritzchen ein, „hakt es bei seinen Intelligenzanlagen. Die sind einfach zu beschränkt, um meinen Nachwuchs der Gefahr auszusetzen, sie zu erben. Deshalb sollst du da zum Bespringen einspringen.“
Noch einmal eine Anfrage auf externe Befruchtung! So geplättet wie bei meiner Chefin war ich zwar nicht, aber irgendwie schon sprachlos. Das Gute daran ist, dass Männer solch ein besonderes Anliegen theoretisch ablehnen dürfen. Deshalb habe ich nun Bedenkzeit bis Sonntag. Aber irgendwie war mir gestern schon klar, dass ich mir am Montag die Fruchtbarkeitsspritze abhole, damit es am Freitag losgehen kann mit dem Bespringen. Eigentlich freue ich mich darauf. Hoffentlich wird es diesmal ein Junge.
 

CPMan

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Liebe Susi M. Paul,

in gewisser Weise teilen wir zwei das gleiche Los. Aus diesem Grund wollte ich dir eine Rückmeldung geben. Vieles,
was mir an deinem Text auffällt, wird gelegentlich auch über meine Texte gesagt.

1. Die Länge: abschreckend. Sich am Computer über vier Teile die Aufmerksamkeit zu erhalten, ist schwierig. ich frage
mich, ob dies besser funktionierte, wenn man nicht alles en bloc einstellte, sondern nach und nach. An den Klickzahlen
lässt sich das schwindende Interesse gut belegen (1. Teil: 500 Klicks / 4. Teil: 287) Mir wird dann und wann vorgeworfen,
ich könne mich nicht kurz fassen, ich verlöre mich zu sehr im Detail. Den Eindruck gewann ich bei der Lektüre deines Textes
gelegentlich auch. Die beschriebenen Geschlechtsakte ähneln sich in der Beschreibung, die Häufigkeit kann dann m.E.
nur den Sinn haben, die Macht des beschriebenen Matriarchats zu beschreiben (der Mann als Besamer und Lustspender).

2. Die erzählerische Dichte: Deine Utopie/Dystopie ist gut erzählt, es gibt keine Fragen, alles ist wohl überlegt und in sich
schlüssig. Das ist gutes Handwerk mit Tendenz zur Kunst. Die Science-Fiction Elemente werden nicht mit dem Vorschlaghammer
unterbreitet, sondern auf feine, angenehme Art in den Strom des Erzählens integriert. Gut!

3. Die Synonyme für die Geschlechtsteile stören mich. Geschmacksfrage. Gleiches gilt für die saloppe Art des Erzählnes. Meinen
persönlichen Geschmack trifft es nicht, ich mag es sprachlich eher gediegen, aber hier passt es zum Erzähler.

Insgesamt ein guter Text, der m.E. durch überbordende, sich wiederholende Beschreibungen des Geschlechtsaktes ein wenig ermüdet,
dafür ist die Gesellschaft, die beschrieben wird, spannend.

LG,

CPMan
 

Susi M. Paul

Mitglied
Lieber CPMan, liebe Aina, noch fremdeln wir mit dem neuen System, wird sich geben. Erstmal danke, dass ihr euch schon bis zur Kommentarfunktion, jetzt an zwei Stellen, durchgekämpft habt. Zur Länge, ja, der arme dritte Teil, er leidet. Wir wollten ja kürzen, aber es ging nicht. Wie oft haben wir die ersten Sätze weggestrichen, doch bei der nächsten Korrekturrunde waren sie wieder da. Der Erzähler. Zuerst wollten wir einen klassisch auktorialen, das passte nicht, und als wir alles umgeschrieben hatten, merkten wir, dass der Protagonist nicht so fröhlich-leicht daherkommt, wie wir dies mögen. Aber wie sagte schon Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Die aufgeföhnten Löckchen und die Boddels und Wummels konnten wir ihm noch unterschieben, dem Erzähler, nicht Adorno, mehr ging nicht. Ob wir uns, liebe Aina, mit ihm über sein bisschen Zufriedenheit freuen können oder ihn in Bausch und Bogen bedauern, das wissen wir selbst nicht so genau. Wohl eher Zweiteres.
 

tobys

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Liebe Susi M. Paul,

habe jetzt alles bis zur vierten Folge am Stück durchgelesen, also mir gefällt es...
Ich antworte der Einfachheit halber gesammelt:

Den Einstieg finde ich besonders gelungen: der erste Absatz deutet bis auf das Infosyst auf nichts "ungewöhnliches" hin. Ok, und die Musterung (ja, es gibt eine aktuelle Generation, die damit nichts mehr verbinden kann, ich schon.)

"Ausgleichende Geschlechtsbegegnung"
In der Zeit nach #meetoo und Emanzipation könnte das vielleicht wirklich mal so passieren? (Anm. Nicht alle Sozialfragen scheinen gelöst, aber es scheint kreative Lösungen zu geben...)
Mich fasziniert die Spannung zwischen dem Begriff "Ausgleichende" und der Oberhand der Weiblichkeit. Hier stöhnen die Frauen so oft ab wie sie wollen und die Männer sprinkeln vielleicht mal rein. Eine Umkehrung des Heutigen?
Es sticht aber nicht so hervor, dass es nervig wäre. Für mich eher eine gut dosierte Würze, die herauszuschmecken ist. Und daher kriegt es von mir noch nicht den Feminismus-Stempel (wenngleich wenn man den eben mal aufdrücken könnte).
In Folge 3 kommt mal kurz "waren jetzt tatsächlich ausgeglichen" - also aus Mannessicht?
-> Wie könnte eine "Ausgleichende Geschlechtsbegegnung" wirklich aussehen? (vielleicht in einer der nächsten Geschichten, oder wäre das dann langweilig?)

Die Begriffe für Körperteile finde ich übrigens phantasievoll, lautmalerisch und passend gewählt - so vielfältig wie heute und eigentlich besser... :p

PS: Mit dem Futteral und der zwischenzeitlichen Lösung habe ich noch Vorstellungsprobleme...
 
Liebe Susi M. Paul,
jetzt konnte ich echt nicht aufhören. Das hat richtig Spaß gemacht. Man versucht sich ständig, in den Protagonisten hinein zu versetzen, aber weiß nie so recht, ob man lachen oder weinen soll. Es geht ihm so gut, wie es einem Mann nur gehen kann (aus heutiger Sicht), und doch ist er nicht ganz glücklich. Er hat einen Traum, aber die beherrschende Gesellschaftsform lässt ihm dafür zu wenig Spielraum, weil halt die Damen das Sagen haben. Sie allein bestimmen, wie das Leben abzulaufen hat, die Männer fügen sich. Nun, sie haben ja auch ihren Spaß ;)
Die phantasievollen Begriffe für die expliziten Körperteile finde ich ganz witzig.
Sehr gerne gelesen, denn diese Geschichte hat es, trotz der Länge, verdient, beachtet zu werden.
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

Susi M. Paul

Mitglied
Lieber tobys, sorry dass wir uns nicht schon früher für deine ausführlichen kommentare bedankt haben, aber immer gleich auf jede antwort antworten, das sieht so aus, als ob wir die kommentarspalte aufblähen wollten - und nicht oder spät antworten sieht nach undankbarkeit aus.

Lieber rainer, dank auch dir, dass du, während wir in italien inspiration für neue geschichten gesucht haben, die vier teile von dieser durch deine kommentare wieder zusammengefügt und die geschichte für würdig befunden hast, neben dem wirklich tollen text von aina zu stehen zu kommen. Schön auch, dass du die erotische leselupe nach interessanten älteren sachen durchforstest, viel spass dabei.
 

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