Das Geburtstagsfoto (gelöscht)

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Maribu

Mitglied
Hallo Ciconia,

ein sehr anrührender und trotzdem realistischer Text!

Ich vermute, dass er autobiographische Züge hat. - Das hilft,
den Verlust und den Schmerz leichter zu ertragen.

Ja, früher oder später werden wir alle ähnliche Erfahrungen machen müssen.

Ein Tippfehler: "Tag oder offenen Tür"

L.G. Maribu
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Maribu,

herzlichen Dank fürs aufmerksame Lesen und Bewerten! Tippfehler ist schon korrigiert.

Gruß Ciconia
 
U

USch

Gast
Hallo Ciconia,
ich schließe mich da Maribu voll an "ein sehr anrührender und trotzdem realistischer Text!"

Ein Sonntag im Spätherbst.
Den Satz würde ich ganz an den Anfang stellen.

Überlege mal, ob du nicht einige Absätze zusammenfassen kannst. Zu viele zerreissen etwas den Fluss der Geschichte.
LG USch
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Uwe,

mit der Idee der Umstellung kann ich mich nicht anfreunden, das würde meine Geschichte völlig verändern. Mein Ausgangspunkt ist das Betrachten des Fotos und die Beschreibung dessen, was ich auf ihm sehe. Erst dann erinnere ich mich noch einmal an den Tag, an dem es aufgenommen wurde.

Bei den Absätzen sehe ich auch keinen Änderungsbedarf. Ich finde, der Leser braucht bei diesem traurigen Thema kleine Pausen.

Trotzdem danke fürs Vorbeischauen!

Gruß Ciconia
 
U

USch

Gast
Du hast mich wohl missverstanden. Ich meinte nicht den ganzen Absatz, sondern:

[blue]Ein Sonntag im Spätherbst. [/blue]Das Sektglas habe ich ihr in die Hand gedrückt, nur für dieses Foto. Sie hält es etwas unbeholfen, Sektgläser gehörten nie zu ihrem Alltag. Zur Feier des Tages trägt sie einen schmalen Brillantring und ihren Lieblingsschmuck, eine Perlmuttbrosche. Am Vortag hat sie sich vom Friseur, der einmal wöchentlich ins Heim kommt, eine neue Dauerwelle legen lassen. Mit der frischen weißen Bluse unter der beigen Wolljacke wirkt sie ganz kregel und viel gesünder als sie tatsächlich noch ist.

[strike]Ein Sonntag im Spätherbst.[/strike] Wir begießen mit einem Schlückchen Sekt Mamas 82. Geburtstag. Das Pflegeheim lädt zufällig heute zum „Tag der offenen Tür“ ein. Mama freut sich diebisch, dass Kaffee und Kuchen für alle kostenlos sind, da braucht sie nichts auszugeben. Ihre Sparsamkeit ist mittlerweile jenseits jeder Diskussion.
 

Ciconia

Mitglied
Nein, Uwe, auch wenn es nur der eine Satz ist, passt er für mich nicht, denn ich sehe den Sonntag ja nicht auf dem Foto, sondern erinnere mich erst beim Betrachten daran.

Ciconia
 

Cafard

Mitglied
Hallo Ciconia, ich wollte mich auch in dein Schreiben reinlesen: In dieser Kurzprosa steckt eine Vielzahl an Stimmungen, die im Laufe des Textes fein umschlagen, ich wurde zunächst von einer Heiterkeit angesteckt und im nächsten Moment folgte tiefer Ernst, schließlich wird man mit einer positiv gefassten Empfindung aus der Geschichte entlassen, was ich so nachvollziehen kann und was mir besonders gut gefallen hat. Insgesamt eine kleine Prosa mit sanft ansteigender Spannung, die bei aller Traurigkeit nicht traurig macht, sehr schön!
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Cafard,

danke für Dein Lob – ich freue mich sehr, dass Du die von mir geschilderten Empfindungen nachvollziehen kannst.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Man freut sich ja, wenn man nach Monaten noch Leser für eine alte Geschichte findet. Schade nur, dass sie Dir immer noch nicht gefallen hat, lieber Anonymer.

Ciconia
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia, der Text ist handwerklich gut geschrieben. Den Absatz "Ein Sonntag im Spätherbst. Wir begießen mit einem Schlückchen Sekt Mamas 82. Geburtstag. Das Pflegeheim lädt zufällig heute zum „Tag der offenen Tür“ ein. Mama freut sich diebisch, dass Kaffee und Kuchen für alle kostenlos sind, da braucht sie nichts auszugeben. Ihre Sparsamkeit ist mittlerweile jenseits jeder Diskussion." würde ich trotzdem an den Anfang setzen, das erleichtert das Leseverstehen.

Der Rest ist gut so.

Das Ende ist für mich nicht ganz gelungen. Wieso findet sie keinen Trost für die alte Frau? Wieso begnügt sie sich mit einem missratetenen Sitzplatz auf dem Bett, veranlasst nichts, um besser sitzen zu können oder eine Verlegung auf ein anderes Zimmer? Wieso verlässt sie die Frau, wenn das Ende doch nah zu sein scheint?

Das finde ich etwas traurig.

Das Geburtstagsfoto ist ein Trost. Es sollte aber nicht das Gesicht des Leidens auslöschen, denn zum Leben gehört immer beides. Auch das letzte Bild im Bett.

LG Doc
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Doc,

danke für Deinen Kommentar. Was den bemängelten Absatz angeht, kann ich nur noch einmal wiederholen, was ich weiter oben schon schrieb: Ausgangspunkt ist die Betrachtung des Fotos, dabei erinnert sich die Erzählerin an den Sonntag, an dem es entstand. Ich glaube, der Leser kann das später sehr gut nachvollziehen.
Wieso begnügt sie sich mit einem missratetenen Sitzplatz auf dem Bett, veranlasst nichts, um besser sitzen zu können oder eine Verlegung auf ein anderes Zimmer?
Verlegung? Da kann ich nur hysterisch lachen! Ich glaube, diese Frage kann nur jemand stellen, der die Zustände in manchen Kliniken nicht kennt. Ich habe schon erlebt, dass auch noch ein viertes Bett in ein enges Dreibettzimmer geschoben wurde, weil einfach alles überbelegt war. Da ist man als Besucher schon froh, wenn man noch einen Platz auf der Bettkante hat.
Wieso verlässt sie die Frau, wenn das Ende doch nah zu sein scheint?
Irgendwann ist die Besuchszeit zu Ende, die Schwestern wollen auch ihre Arbeit machen und komplementieren die Besucher hinaus. Wenn Angehörige immer im Voraus wüssten, wann es zu Ende geht, wäre es einfacher. Manchmal weiß man eben erst im Nachhinein, dass es die letzten Stunden waren, die man miteinander verbracht hat. Und da kann man dann wirklich nicht von einem gelungenen Ende sprechen, da gebe ich Dir Recht.

Es freut mich, dass Du Dich trotz dieser für Dich offenen Fragen mit meinem Text beschäftigt hast.

Gruß Ciconia
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Ciconia,
ein persönlicher Bericht, der durch seinen unaufgeregten und authentischen Ton zu Gefallen weiß.
Eine Formulierung solltest du meiner Meinung nach abändern:

Ihre Sparsamkeit [blue]ist[/blue] mittlerweile [blue]jenseits jeder Diskussion.[/blue]
Die (eher seltene) Wendung "jenseits jeder Diskussion sein" verstehe ich, von ihrer Bedeutung her, anders; scheint mir in deinem Satz nicht zu passen.
(wird die Wendung umgangssprachlich benutzt? Was ist dann - umgangssprachlich - die genaue Bedeutung?)

Da dein Text meines Erachtens den Schwerpunkt auf das Erzählen von Erlebtem legt (Erzählen hier eher wörtlich gemeint: die Erzählhaltung erinnert mich an die Großmutter, die den Kindern am Ofen Geschichten erzählt; Geschichten, die das Leben geschrieben hat, die persönliche Erfahrung weiter geben) und mit stilistischer Raffinesse ganz bewusst nichts am Hut hat, finde ich die anonymen, kommentarlosen Wertungen an dieser Stelle besonders nichtssagend.

lg wüstenrose
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Wüstenrose,

es freut mich sehr, dass Dir meine Geschichte gefällt und Du sie als erzähltes Leben siehst. So war es gedacht, auch wenn längst nicht alles selbst erlebt sein muss.

Du hast Recht, was die Formulierung „jenseits jeder Diskussion“ anbelangt. Ich habe den Satz entsprechend geändert.

Und was die anonymen, kommentarlosen Wertungen anbelangt: Ich bin speziell im Bereich Kurzprosa daran gewöhnt und betrachte sie so wie Du – als nichtssagend.

Herzlichen Dank fürs Lesen und Kommentieren!

Schönes Wochenende
Und liebe Grüße
 

Ofterdingen

Mitglied
Hallo Ciconia,

Nach langer Zeit habe ich mal wieder einen Text von dir gelesen und muss dir ein Kompliment machen: Du bist besser geworden. Besonders gut gefallen mir die Episode mit dem vergessenen Los und die wortkarge Darstellung des Endes der alten Dame.

Beim "Offenen Abend" schreibt man übrigens beide Wörter groß.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Ofterdingen,

welch eine Überraschung am Morgen: Mein anfangs schärfster Kritiker macht mir ein Kompliment! Ich freue mich, dass Du Fortschritte feststellst. Dabei ist diese Geschichte auch schon mehr als ein halbes Jahr alt, in letzter Zeit habe ich mich mehr bei den Lyrikern aufgehalten und dort erste Versuche eingestellt.

Widersprechen muss ich Dir aber doch ein wenig: Es ist kein „Offener Abend“, sondern ein „Tag der offenen Tür“, und da habe ich nur Beispiele mit kleinem „o“ gefunden.

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!

Gruß Ciconia
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Tatsächlich sagt der Duden, dass man "Tag der offenen Tür" so schreibt. Im Schriftgebrauch heißt es allerdings oft "Tag der Offenen Tür".
Naja, man muss ja nicht alles auf der Welt verstehen. ;-)
LG Doc
 
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