Das Kreuz am Straßenrand

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Ciconia

Mitglied
Kurz vor dem Ziel scheint die Welt gelb. Nicht durchgehend gelb, es ist ja erst Anfang April. Aber das bis zum Horizont reichende Rapsfeld trägt bereits genügend Blüten, um es zum Strahlen zu bringen. Nach der nächsten leichten Anhöhe der erste Blick aufs Meer, das einen tiefblauen Kontrast zu dem üppigen Gelb bildet. Die Straße wird zur Allee, wie für diese Gegend so typisch. Die knorrigen alten Bäume haben sicher schon zwei Regierungsformen in diesem Land überstanden. Viel wurde glücklicherweise nicht verändert, nur der Straßenbelag ist ausgebessert worden.

Am Wegesrand erkennen wir im Vorbeifahren ein kleines Holzkreuz, davor ein riesiger frischer Narzissenstrauß. Wieder dieses Gelb. Den Namen „Jürgen“ lesen wir, für die kleiner gedruckte Jahreszahl sind wir zu schnell. Wer heißt heute noch Jürgen? Was ist passiert an dieser Stelle, in der Nähe eines leuchtenden Rapsfeldes? Oder herrschte Winter und die Felder glänzten in Weiß?

Das schlichte Kreuz und seine uns unbekannte Geschichte gehen uns nicht aus dem Sinn. Beim ersten Strandspaziergang am Nachmittag diskutieren wir, ob man sagen darf:
„Ein schönes Fleckchen zum Sterben. Mit Blick aufs Meer.“
 
E

eisblume

Gast
Hallo Ciconia,

irgendwie ist mir da zu viel drin. Für mich ist jetzt nicht so ganz klar, worum genau es dir bei diesem Text geht. Darum halte ich mich erst einmal still, bevor ich dir mit etwaigen Vorschlägen komme :)

Ostergrüße von
eisblume
 

Ciconia

Mitglied
Kurz vor dem Ziel scheint die Welt gelb. Nicht durchgehend gelb, es ist ja erst Anfang April. Aber das bis zum Horizont reichende Rapsfeld trägt bereits genügend Blüten, um es zum Strahlen zu bringen. Nach der nächsten leichten Anhöhe der erste Blick aufs Meer, das einen tiefblauen Kontrast zu dem üppigen Gelb bildet. Die Straße wird zur Allee, wie für diese Gegend so typisch, mit uralten knorrigen Bäumen. Viel wurde im Laufe der Jahrzehnte glücklicherweise nicht verändert, nur der Straßenbelag ist ausgebessert worden.

Am Wegesrand erkennen wir im Vorbeifahren ein schlichtes Holzkreuz, davor ein frischer Narzissenstrauß. Wieder dieses klare Gelb. Den Namen „Jürgen“ lesen wir, für das kleiner gedruckte Datum sind wir zu schnell.

Die Unbeschwertheit eines Urlaubstages verfliegt. „Jürgen“ und seine uns unbekannte Geschichte gehen uns lange nicht mehr aus dem Sinn. Wie geschah dieser Unfall? War das Feld gerade rapsgelb? Oder herrschte Winter und die Felder glänzten in Weiß?

In jedem Fall ein schönes Fleckchen zum Sterben. Mit Blick aufs Meer.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Eisblume,

zuviel?? :confused:

Ich hab mal versucht, Deinen Einwand umzusetzen, vielleicht kommt so besser heraus, was ich beschreiben wollte.

Auch schöne Ostergrüße
Ciconia
 
E

eisblume

Gast
Hallo Ciconia,

so komme (zumindest) ich deutlich besser mit dem Text zurecht, auch wenn ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob mir die beiden Schlusssätze wirklich gefallen.
Mein "zu viel" bezog sich einmal auf die zwei Regierungsformen, die also von Bedeutung sind, sonst hättest du sie wohl nicht erwähnt. Dass sich "glücklicherweise" kaum etwas verändert hat, dürfte ebenfalls von Belang sein.
Dann kommt das Holzkreuz ins Spiel, die Gedanken bzgl. des Namens Jürgen - könnte also auch eine bestimmte Bedeutung haben.
Zu guter Letzt dann das schöne Fleckchen zum Sterben - zur Diskussion gestellt, ob man das so sagen darf.

Ich wusste einfach nicht, worauf das Augenmerk des Textes liegt (liegen soll).

Mir hätte es so gereicht (das ist jetzt bitte nicht als 'Verbesserungsvorschlag' zu verstehen, sondern soll nur verdeutlichen, welches Augenmerk ich für mich gelegt habe - ich hab auch nichts umformuliert, sondern nur Teilpassagen gestrichen):
[blue]Kurz vor dem Ziel scheint die Welt gelb. Das riesige Rapsfeld trägt bereits genügend Blüten, um es zum Strahlen zu bringen. Nach der nächsten leichten Anhöhe der erste Blick aufs Meer, das einen tiefblauen Kontrast zu dem üppigen Gelb bildet. Die Straße wird zur Allee, wie für diese Gegend so typisch.

Am Wegesrand erkennen wir im Vorbeifahren ein kleines Holzkreuz, davor ein riesiger frischer Narzissenstrauß. Wieder dieses Gelb. Den Namen „Jürgen“ lesen wir, für die kleiner gedruckte Jahreszahl sind wir zu schnell. ?

Das schlichte Kreuz geht uns nicht aus dem Sinn. Beim ersten Strandspaziergang am Nachmittag diskutieren wir, ob man sagen darf:
„Ein schönes Fleckchen zum Sterben. Mit Blick aufs Meer.“[/blue]
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Eisblume,

freut mich, dass mein Text jetzt deutlicher geworden ist.

Die „zwei Regierungsformen“ sind nicht unbedingt von Bedeutung, deshalb habe ich sie auch schon herausgenommen. Ich wollte damit nur erklären, dass diese Alleen in Meck-Pomm sicher noch aus Vorkriegszeiten stammen und die DDR unbeschadet überstanden haben. „Glücklicherweise“ hat man sie nach der Wende nicht abgeholzt, wie dies so oft im Westen geschehen ist. Dies gibt diesem Landstrich, in Verbindung mit den riesigen Feldern, wie man sie im Westen auch kaum noch findet, das Besondere.

Danke für Deine Gedanken zum Text.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Kurz vor dem Ziel scheint die Welt gelb. Nicht durchgehend gelb, es ist ja erst Anfang April. Aber das bis zum Horizont reichende Rapsfeld trägt bereits genügend Blüten, um es zum Strahlen zu bringen. Nach der nächsten leichten Anhöhe der erste Blick aufs Meer, das einen tiefblauen Kontrast zu dem üppigen Gelb bildet. Die Straße wird zur Allee, wie für diese Gegend so typisch, mit uralten knorrigen Bäumen. Viel wurde im Laufe der Jahrzehnte glücklicherweise nicht verändert, nur der Straßenbelag ist ausgebessert worden.

Am Wegesrand erkennen wir im Vorbeifahren ein schlichtes Holzkreuz, davor ein frischer Narzissenstrauß. Wieder dieses klare Gelb. Den Namen „Jürgen“ lesen wir, für das kleiner gedruckte Datum sind wir zu schnell.

Die Unbeschwertheit eines Urlaubstages verfliegt. „Jürgen“ und seine uns unbekannte Geschichte gehen uns lange nicht mehr aus dem Sinn. Wie geschah dieser Unfall? War das Feld gerade rapsgelb? Oder herrschte Winter und die Felder glänzten in Weiß?

In jedem Fall ein schönes Fleckchen zum Sterben, mit Blick aufs Meer.
 
U

USch

Gast
Hallo Ciconia,
ist jetzt ein schöner klarer Text in seiner Kürze. Ich muss an Bornholm denken.
LG USch
 
U

USch

Gast
Sorry, ich meinte Rügen, nicht Bornholm. Ja das Alter wischt die Inseln in der Ostsee schon durcheinander :)
LG USch
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

wenn dieser Jürgen einem Unfall zum Opfer gefallen ist, ist jeder Platz kein schöner zum Sterben.
Insofern stört mich diese Formulierung. Vor allem auch deshalb, weil ein Unfall einen gewaltsamen Tod suggeriert, ein qualvolles Sterben, eventuell sogar einen Todeskampf.

Ich würde deshalb den letzten Satz streichen.

L(Lebendige)G, Doc
 

Ciconia

Mitglied
Kurz vor dem Ziel scheint die Welt gelb. Nicht durchgehend gelb, es ist ja erst Anfang April. Aber das bis zum Horizont reichende Rapsfeld trägt bereits genügend Blüten, um es strahlen zu lassen. Nach der nächsten leichten Anhöhe ein erster Blick aufs tiefblaue Meer. Welch Kontrast zu dem üppigen Gelb! Die Straße wird nun zur Allee mit uralten knorrigen Bäumen, wie für diesen Landstrich so typisch. Viel hat man hier im Laufe der Jahrzehnte glücklicherweise nicht verändert.

Am Straßenrand erkennen wir im Vorbeifahren ein schlichtes Holzkreuz, davor ein frischer Narzissenstrauß. Kann es sein, dass solche Gedenkkreuze in den letzten Jahren häufiger geworden sind?

Die Unbeschwertheit eines Urlaubstages verfliegt. Wie geschah dieser Unfall? War das Feld gerade rapsgelb? Oder herrschte Winter und die Felder glänzten in Weiß?

Beim ersten Strandspaziergang grübeln wir später, ob es das gibt: ein schönes Fleckchen zum Sterben.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Doc,

ich habe ein wenig nachgebessert und bin damit im Schlußsatz wieder der Erstfassung gefolgt.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Kurz vor dem Ziel scheint die Welt gelb. Nicht durchgehend gelb, es ist ja erst Anfang April. Aber das bis zum Horizont reichende Rapsfeld trägt bereits genügend Blüten, um es strahlen zu lassen. Nach der nächsten leichten Anhöhe ein erster Blick aufs tiefblaue Meer. Welch Kontrast zu dem üppigen Gelb! Die Straße wird nun zur Allee mit uralten knorrigen Bäumen, wie für diesen Landstrich so typisch. Viel hat man hier im Laufe der Jahrzehnte glücklicherweise nicht verändert.

Am Straßenrand erkennen wir im Vorbeifahren ein schlichtes Holzkreuz, davor ein frischer Narzissenstrauß. Kann es sein, dass solche Gedenkkreuze in den letzten Jahren häufiger geworden sind?

Die Unbeschwertheit eines Urlaubstages verfliegt. Wie geschah dieser Unfall? War das Feld gerade rapsgelb? Oder herrschte Winter und die Felder glänzten in Weiß?

Beim ersten Strandspaziergang grübeln wir später, ob es das gibt: ein schönes Fleckchen zum Sterben.
 

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