Das Meer trug morgens spiegelblau

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Ciconia

Mitglied
Guten Morgen, Gernot,

so eine Aufregung am frühen Morgen um ein einziges Wort? Ich kann die Härte des Wortes in diesem Fall nicht so ganz erkennen, denn Deine Aussage
Neid ist pure Missgunst
würde ich immer nur in Bezug auf Menschen, niemals auf die Natur nachvollziehen können.

Wie würde Dir denn "sehnsuchtsvoll" gefallen?

Danke auf jeden Fall für die Beschäftigung mit dem Text.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Doc,

Deine Bemerkung verstehe ich nicht - oder willst Du die LL mit der Natur in einen Topf werfen? Für mich spielt sich das Leben größtenteils außerhalb der LL ab. ;)

Gruß Ciconia
 

HelenaSofie

Mitglied
Hallo Ciconia,

Gernot hat Recht. Neidisch ist sehr hart und macht den Menschen unsympathisch. Mir fällt in dem Zusammenhang "wehmütig" ein.

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und grüße dich
HelenaSofie
 

Ciconia

Mitglied
Hallo HelenaSofie,

Ihr habt mich überzeugt! Wehmütig gefällt mir sehr gut, werde ich gleich ändern.
Vielleicht gehe ich mit dem Begriff "Neid" etwas lockerer um, weil mir diese Wesensart an sich fremd ist und ich dem Begriff nicht eine so tiefe Bedeutung beimesse. (Was im Umkehrschluss nicht heißen muss, dass alle, die diesen Ausdruck hart finden, eher Neid empfinden. ;) )

Danke fürs nochmalige Reinschauen und auch Dir einen schönen Sonntag!

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Das Meer trug morgens spiegelblau, den Saum verziert mit rosa Muschelschalen. Eine Möwenkolonie in zartem Weiß-hellgrau dümpelte zufrieden im glatten Wasser und schwieg sich an. Kein Windhauch störte das Leuchten.

Wehmütig betrachtete ich das Idyll. Den Tag annehmen wie er kommt, jede Minute genießen, sich keinerlei Sorgen machen – welch einfaches Unterfangen.

Ich setzte meinen Spaziergang fort, atmete bewusst die reine Winterluft ein. Versuchte, Probleme und trübe Gedanken loszulassen, mich auf das Hier und Heute zu konzentrieren. Eine Weile gelang es.

Im Laufe des Vormittages erwachte das Meer, spielte zunächst sanfte, dann immer kräftigere Wogen ans Ufer. Möwen fanden Gefallen am Wellenreiten. Wurde die Brandung zu hoch, flatterten sie kreischend auf, nur um sich einige Meter weiter wieder in die Fluten zu stürzen. Ein ewig gleiches Schauspiel, das mich irgendwann ermüdete. Ich kehrte zurück ins Haus.

Am späten Nachmittag kam ein lautstarker Sturm auf. Nur wenige gefiederte Gesellen liefen noch zerzaust über den Strand. Jetzt war ich froh, nicht unter ihnen sein zu müssen. Ich heizte den Kachelofen an und bereitete mir einen steifen Grog.
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ach, das ist doch einfach zu verstehen, wie eine solche Allegorie zustande kommt:

Morgens ist es ruhig in der LL. Es sind zwar zahlreiche Mitglieder eingeloggt, aber niemand rührt sich. Alles dümpelt vor sich hin.
Das Ich steht auf, loggt sich ein und betrachtet den grünen Bildschirm. Hm, ein richtiges Idyll, denkt es. So ruhig und friedlich. Hier sorgt sich niemand. Alle scheinen zufrieden. Das Ich guckt wehmütig - neidisch.

Es versucht, eigene trübe Gedanken zu verdrängen.

Später betrachtet es erneut die LL. Ah, jetzt tut sich etwas, Kommentare fliegen hin und her, ab und zu gibt es ein leichtes Geplänkel, aber das beruhigt sich sofort wieder. Das Ich findet es erst gut, dann aber langweilt es sich. Eigentlich würde es gerne dazugehören, aber wenn es langweilig wird, doch eher nicht.

Irgendwann gibt es richtig Zoff im Forum, und jetzt - ja jetzt ist das Ich froh, doch nicht so ganz dazuzugehören. Nein, es bleibt lieber hinterm Ofen, schaltet den PC aus und trinkt sich einen.
:)

(Ich ahne deinen Kommentar: Das hatte ich gar nicht im Sinn, aber ich freue mich, dass der Text solche Assoziationen hervorruft.)
 

Ciconia

Mitglied
Oh je, was für ein trostloser Tagesablauf! Da solltest Du aber schleunigst etwas dran ändern, sonst geht es Dir noch wie den fünf Erbsen in dem Märchen von Andersen, die auch glaubten, die Welt sei grün, weil sie noch nie aus ihrer Schote herausgekommen waren ... :p

Freut mich aber, wenn meine Texte zum Nachdenken anregen!

Gruß Ciconia
 
U

USch

Gast
Hallo Ciconia,
Glückwunsch! Das habe ich damals gemeint mit: Versuche mal deine stark autobiographisch gefärbten Texte literarischer zu gestalten. Das ist dir mit diesem Text nach teilweiser Überarbeitung sehr gut gelungen.
Du warst mir damals sehr böse und trägst das wohl heute noch nach. Schade. Ich wünsche dir jedenfalls weiter solche Ergebnisse.
LG USch
 

rogathe

Mitglied
Noch 'ne Idee:

Am späten Nachmittag kam Sturm auf. Sein Brüllen schluckte das Kreischen der wenigen gefiederten Gesellen, die noch zerzaust über den Strand liefen. Ich genoss die wohlige Wärme des Kachelofens und schlürfte einen steifen Grog.

LG rogathe
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Rogathe,

es freut mich sehr, dass sich so viele Leser Gedanken über meinen Text machen.
Deine Idee ist sicher nicht schlecht, aber mir ist der Relativsatz ein wenig zu sperrig. Und das Einheizen des Kachelofens und die Zubereitung des Grogs sehe ich als notwendige Aktivitäten, ich wollte die Prota nicht einfach passiv dasitzen lassen.
Einen Grog würde ich übrigens nie schlürfen – einen Cocktail vielleicht … :D

Danke für Deine Beschäftigung mit dieser Geschichte.

LG Ciconia
 
S

Steky

Gast
Mich würde das sowieso interessieren, wie das mit dem unbekannten Bewerten ist. Bei mir sind nämlich meist alle Bewertungen unbekannt. Liegt das daran, wenn man nicht eingeloggt ist?
 

Vagant

Mitglied
Hallo Ciconia, der lyrische Titel hat mich auf diese kleine Geschichte aufmerksam gemacht. Eigentlich ist ja hier schon alles gesagt, deshalb einfach nur: mir hat es gut gefallen.
Aber natürlich habe auch ich eine stilistische Anmerkung. Es sind dann halt so Sätze wie " Am späten Nachmittag kam ein lautstarker Sturm...." die einen guten Text von einem sehr guten unterscheiden. Dieses 'spät' gefällt mir nicht, weil 'spät' eigentlich ein Wort ist, welches eine Relation andeutet. Früh - spät, groß - klein, usw. So wie der Morgen halt früh ist, so ist der Nachmittag spät, dies muss hier nicht extra gesagt werden. Ich verstehe aber gut, das man es für den Erzählfluss gern im Text haben möchte.
Und der lautstarke Sturm fiel mir beim lesen auf. Der Sturm an sich ist nicht lautstark. Es ist die vom Sturm verursachte Brandung, und vieles andere mehr. Dies sind dann halt diese kleinen sprachlichen Ungenauigkeiten, die uns Amateuren immer wieder unterlaufen, und am Ende den Unterschied ausmachen.
Aber; alles nur Kleinigkeiten. Ansonsten; ein schöner Text.
Vagant.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Vagant,
der lyrische Titel
Ertappt! Eigentlich sollte es ein Gedicht werden, aber ich kam wochenlang nicht über die ersten zwei Zeilen hinaus – so habe ich dann umdisponiert … :D
weil 'spät' eigentlich ein Wort ist, welches eine Relation andeutet
Hier wäre für mich die Relation vom „frühen“ zum „späten“ Nachmittag – es macht doch einen Unterschied, ob man von zwei oder fünf Uhr nachmittags spricht, oder?
Dies sind dann halt diese kleinen sprachlichen Ungenauigkeiten, die uns Amateuren halt immer wieder unterlaufen
Ja, so ist es leider – deshalb sind wir ja hier, um zu lernen.
Danke für Deinen Kommentar!

Gruß Cionia
 

Ciconia

Mitglied
Danke, revilo, dann muss wohl wirklich etwas Lyrisches drin sein, wenn Dir der Text gefällt ... :D

Was hättest Du denn für Vorschläge statt der "gefiederten Gesellen"? Ich wollte ja nicht noch einmal die "Möwen" bemühen.

Gruß Ciconia
 

sonah

Mitglied
Hallo Ciconia,

In Bezug auf poetische Texte ein absolutes Vorbild für mich. Danke!

Liebe Grüße,

sonah
 

Cafard

Mitglied
Einfach und schön, dein kleiner Text; und das Meer wäscht alle Wunden ab, heißt es, ich weiß zwar nicht, wie das gehen soll, aber man soll nichts unversucht lassen.
 

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