Das Meer trug morgens spiegelblau

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APO

Mitglied
Hallo Ciconia,

ein sprachlich sehr ausgewogener, bis ins einzelne Wort hinein durchkomponierter Text, der mir als Meerliebhaber schon allein von der Stimmung her gut gefällt. Schöne Bilder, die Möwen gut beobachtet und auch dien Ich-ErzählerIn berührt. Guter Text in der jetzigen Fassung.

Schönes WE
APO
 

Ciconia

Mitglied
Hallo APO,

danke für Deine anerkennenden Worte! Das Meer inspiriert mich eben immer wieder, da kann ich gar nichts dagegen tun …

Gruß Ciconia
 
A

Architheutis

Gast
Hallo Ciconia,

Das Meer trug morgens spiegelblau, den Saum verziert mit rosa Muschelschalen.
Das ist einer der besten Sätze, den ich hier je gelesen habe. Ein verdichtetes Bild, das mich direkt in das "Wie gehts weiter?" katapultiert. Eigensprachlich. Grandios!

Und dann kommt das:

Eine Möwenkolonie in zartem Weiß-hellgrau dümpelte zufrieden im glatten Wasser und schwieg sich an.
Eine langweilige Erzählung. Ein Satz mit 5 Adjektiven. Eine Katastrophe.

Der Rest ist ordentlich.

Ich verstehe nun die Verzweifelung meines Lehrers: mündlich 1, schriftlich 6, und ich soll daraus jetzt ne gescheite Endnote basteln.

Ganz so krass ist es hier nicht, aber das Gefälle raubt mir dennoch Atem.

Schade,
Archi
 

Ciconia

Mitglied
Moin Archi,

ja, wirklich schade, dass Dir der Text nicht im Ganzen gefällt. Aber gleich eine Katastrophe? Finde ich ein wenig zu hart geurteilt. Und fünf Adjektive? Da musst Du Dich aber verzählt haben …
Trotzdem danke fürs Reinschauen.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Das Meer trug morgens spiegelblau, den Saum verziert mit rosa Muschelschalen. Eine Möwenkolonie in zartem Weiß-hellgrau dümpelte im glatten Wasser und schwieg sich an. Kein Windhauch störte das Leuchten.

Wehmütig betrachtete ich das Idyll. Den Tag annehmen wie er kommt, jede Minute genießen, sich keinerlei Sorgen machen – welch einfaches Unterfangen.

Ich setzte meinen Spaziergang fort, atmete bewusst die reine Winterluft ein. Versuchte, Probleme und trübe Gedanken loszulassen, mich auf das Hier und Heute zu konzentrieren. Eine Weile gelang es.

Im Laufe des Vormittages erwachte das Meer, spielte zunächst sanfte, dann immer kräftigere Wogen ans Ufer. Möwen fanden Gefallen am Wellenreiten. Wurde die Brandung zu hoch, flatterten sie kreischend auf, nur um sich einige Meter weiter wieder in die Fluten zu stürzen. Ein ewig gleiches Schauspiel, das mich irgendwann ermüdete. Ich kehrte zurück ins Haus.

Am späten Nachmittag kam ein lautstarker Sturm auf. Nur wenige gefiederte Gesellen liefen noch zerzaust über den Strand. Jetzt war ich froh, nicht unter ihnen sein zu müssen. Ich heizte den Kachelofen an und bereitete mir einen steifen Grog.
 

nichts

Mitglied
Titel verlockte mich zum Anklicken und ich bereute es keineswegs

Fünf Adjektive!!! Oh mein Gott!!! Entweder sieben oder gar keine!!!
Totale Literaturexpertin wünscht dir einen schönen Abend und gratuliert dir zum Text.
 
A

Architheutis

Gast
Ich lasse die Häme über mich ergehen. Ich finds selber witzig. Zahlen sind nicht meine. :)

Einigen wir uns auf "zu viele"?

"Katastrophe" klingt zwar hart; ich habe aber diesen grandiosen ersten Satz, da ist die Fallhöhe entsprechend. Man kann es auch "Enttäuschung" nennen. Seis drum, meine Meinung ist ja nur eine Meinung, die allermeisten hier haben den Text ja sehr gut bewertet. Ich finde den Text ja auch nicht schlecht, ich finde nur, Du hast hier eine große Chance liegen lassen. Ich finde das eher schade.

Wenn ich Dich nicht schätzen würde und Dein Text mich unberührt gelassen hätte, dann hätte ich ihn ignoriert. Habe ich aber nicht. Wenn ich werten müsste, gäbe ich 6 Punkte.

Soweit, so gut ich freue mich auf Deinen nächsten Text. Dann werde ich auch besser zählen. ;-)

Lieben Gruß,
Archi
 

Ciconia

Mitglied
Häme? Aber nicht doch!

Im Prinzip verstehe ich Dich ja – von wegen Fallhöhe und so. Geht mir beim Lesen manchmal auch so: Eine Geschichte klingt zunächst superspannend, und nach der Hälfte macht es pffttt … und die Luft ist raus.

Nur andererseits: Hätte ich im Stil dieses „grandiosen ersten Satzes“ (rinnt runter wie Öl) weitergemacht, wäre es doch gar nicht zum Aushalten gewesen, oder? :cool:

Ich hoffe also, Du bleibst unter meinen Lesern. Ich versuche auch, beim nächsten Mal sparsamer mit Adjektiven umzugehen! ;)

Schönen Restsonntag
und liebe Grüße
Ciconia
 

Ralf Langer

Mitglied
hallo ciconia

ich will nur ganz kurz etwas loswerden, das mir immer auffiel,
wenn ich die ersten zeile deines textes lese:

"Das Meer trug morgens spiegelblau,
den Saum verziert mit rosa Muschelschalen"

das ist aber auch so etwas von lyrisch, vor allem der titel!
dein einverständnis vorasgesetzt, würde ich diese zeilen gerne "klauen" um daraus lyrik zu machen.

lg
ralf
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Ralf,

ich freue mich sehr, dass Dir diese Zeilen gefallen. Wie ich ja schon einmal schrieb, hatte ich sie zunächst als Beginn eines Gedichtes gedacht, habe das Projekt aber vorläufig zurückgestellt. Deshalb dann erst einmal die Kurzprosa.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass Du gute Lyrik daraus machen könntest – aber meine Zeilen „klauen“? Das meinst Du nicht im Ernst, oder? Da hätte ich schon etwas dagegen, dazu ist mir dieser Titel zu wichtig.

Ich hoffe, Du hast Verständnis für meine Entscheidung.

Gruß Ciconia
 

Ralf Langer

Mitglied
hallo,

ich habe mehr als verständnis dafür,
und gratuliere dir nochmals zu einem
"zweizeiler", der mein herz höher schlagen lässt...

lg
ralf
 

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