Das Rätsel um das Ei

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sabine simon

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An einem Morgen vor Ostern lag vordem kleinen Waldhaus ein großes buntes Ei, in einem hübschen Korb, auf weichem Polster und mit einem Brieflein: „Bitte passt gut auf mein Ei auf, sobald ich wieder gesund bin, hole ich es ab.“ Leider war die Unterschrift nicht lesbar. Die alte Frau, die im Waldhäuschen wohnte, wunderte sich. Sie glaubte nicht mehr an den Osterhasen, dachte also gar nicht daran, dass der vielleicht damit etwas zu tun haben könnte. Trotzdem holte sie das Ei erst mal herein in ihre warme Stube
Dann bewunderte sie das schöne Muster, denn es war sehr kunstvoll. Aufessen wollte sie es natürlich nicht, auch wenn sie gerade großen Hunger hatte. Denn es war ja nicht ihr Ei und außerdem war es so interessant gestaltet, dass sie es gern ansah. So legte sie es auf die Fensterbank, weil die Sonne hereinschien und wunderbar darauf leuchtete.

Auf einmal kratzte da was. Die Alte bekam einen Schreck. Sie war doch hier ganz allein… Oder war vielleicht eins von den Hühnerchen ausgebüxt? Sie lief hinaus, schaute sich genau den Hühnerstall an, zählte alle Hühnerchen durch, befragte streng das Oberhuhn, aber alle waren da.

Dann ging sie zurück in die Stube, denn es war Zeit zum Mittagessen. Aber da klopfte es, und Nachbarin Tilda kam herein. Da hatte die Alte das feine Kratzen schnell vergessen und kochte lieber einen leckeren Kakao. Sie beiden schwatzten eine Weile und dann schrak Tilda zusammen: „Hast du eine Maus? Denn irgendwas kratzt hier!“ Da erzählte die Alte, dass sie das gerade schon gehört habe. Sie holte auch das Oberhuhn herein, damit es helfen sollte, denn es war schließlich ein Kratz-und Eierspezialist. Und das hörte erst gut hin, schaute sich das Ei an und meinte nachdenklich: „Also ein Hühnerei ist das nicht. Dazu ist es viel zu groß. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass darin was kratzt. Das habt ihr schon richtig gehört. Vielleicht sollten wir es warmhalten.“ Es holte sofort zwei Hühner , die um das Ei herum ein feines, weiches Nest bauten und sich dann zu zweit drauf niederließen, denn das Ei war wirklich ganz schön groß.

Das ging eine Weile gut, die Alte passte auf die beiden Hühner auf und gab ihnen leckeres Futter, damit sie in Ruhe brüten konnten.
Auf einmal begannen die beiden Hühner zu kichern. Die Alte fing an, mit ihnen zu schimpfen, denn sie fürchtete, dass durch die albernen Hühner die ganze Brüterei verdorben würde. Also holte sie das Oberhuhn. Das schaute sich die Hühner an und meinte: “Ihr seid doch sonst nicht so albern, also was ist los?“ Die beiden Hühner gackerten und kicherten weiter, und dann fing auch das Oberhuhn an zu kichern. Der Alten ging das auf den Wecker.

Da meinte das Oberhuhn: „Leg doch mal eine Hand auf das Ei...“ Kaum war die Hand auf dem Ei, da kicherte die Alte auch. „Haach, ist das killerig, das Ei ist ja gar nicht hart, sondern weich und beult sich immer wieder aus, so dass es an der Hand kitzelt…. Hihihi….“ „Uns kitzelt es am….“: Popo wollten die Hühner erst sagen, aber sofort guckte das Oberhuhn streng, „uns kitzelt es an den Flügeln...“ .

Da klopfte es stürmisch an der Tür. Das Oberhuhn öffnete. Draußen stand Frau Osterhase. Ganz außer Atem. „Hat hier jemand auf mein Ei aufgepasst? Mir fehlt es so, aber ich war so lange krank….“ Sie war so besorgt, dass ihr fast die Tränen in den Augen standen. Das Oberhuhn führte sie zur Fensterbank, scheuchte die Hühner vom Ei runter. Und Frau Osterhase war ganz erleichtert. „Nur,“ meinte das Oberhuhn, „ich glaub, das schlüpft bald was...“

Frau Osterhase baute flink ein kleines Grasnest drumherum und fing an auf dem Ei rumzuklopfen. „Danke, übrigens, dass du drauf aufgepasst hast,“ meinte sie zu der Alten, „.Ich war in den letzten Tagen völlig fertig, ich glaube, ich habe nur an das Ei gedacht und es soooo vermisst... “

Die Hühner stießen sich an und kicherten: Frau Osterhase sucht das Osterei...“ Aber da guckte das Oberhuhn wieder streng und da halfen sie Frau Hase lieber.

Die drückte das Ei fest zusammen und sagte: „Jetzt muss es einfach raus...“ und das Ei zerplatzte, und heraus hüpfte ein feines kleines Osterhäslein. Da strahlte die Alte und das Oberhuhn sowieso und alle Hühnerchen, -- Herr Hase, die ganzen Hasenkinderlein und Nachbarin Tilda kamen vorbei, und alle, alle mussten sie leckeren Kakao auf das Wohl des neuen Osterhäslein trinken, das natürlich am allerbesten strahlte.
 


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