Date mit einer Maske

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Theo kam an einem Kiosk vorbei. Der Zeitungsständer erinnerte ihn daran, dass er sich jenes Blatt besorgen wollte. Dann saß er im Selbstbedienungs-Restaurant eines Kaufhauses und ging die Anzeigen durch. Sie sucht Ihn - man könnte es sich mal wieder beweisen … Später, irgendwann. Sein Blick glitt weiter die Spalte hinunter. Er sucht Sie – nicht sein Fall. Es wäre ihm unmöglich, sich Frauen so anzubieten. Meistbietend! Und dann noch: Sonstige Bekanntschaften. Er ging diese Rubrik jetzt nicht zum ersten Mal durch, aber heute blieb sein Interesse nicht mehr theoretisch: Warum eigentlich nicht?

Sie warteten in Lübeck, Balingen und Köln. Der Text ihrer verklausulierten Anzeigen unterschied sich wenig voneinander. Er beschloss, den Kölner anzurufen. Abends lernte er Nils am Telefon kennen, seine halbdunkle, angenehme Stimme. Er sprach flüssig, mit rheinischem Akzent, und seinen Vornamen sprach er ungefähr wie Ni-ils oder Ni-hils aus. Theo dachte, als er ihm zuhörte, an ein Boot, das leise schaukelnd im Wasser liegt und zum Einsteigen auffordert.

Also die Würzburger Gegend, sagte Nils, das sei ja noch nicht aus der Welt, es sei ja gleich hinter Frankfurt, keine Entfernung für sie. Ob sie sich am Wochenende treffen könnten, vielleicht irgendwo in der Mitte?

Als er erfuhr, Theo mache jetzt Urlaub und wolle noch mit dem Motorrad wegfahren, schlug er ihm gleich die Eifel vor. Sie könnten zwei Tage gemeinsam dort herumdüsen und sich nebenbei kennenlernen. Nils kannte ein kleines Hotel an der Mosel.

Da näherte sich also für Theo ein Hoch, er fühlte sich im Steigen und fuhr am Mittwochmittag wie mit vollen Segeln nach Westen, einer für ihn neuen Welt entgegen.

Seine ersten beiden Tage an der Mosel … Vielleicht waren es seine besten seit langem. Große, unbestimmte Vorfreude erfüllte ihn, und die wirklich gute Zeit würde erst noch kommen, glaubte er damals. Nils besaß in seiner Vorstellung noch keine unverwechselbaren persönlichen Züge, daher stellte sich die Frage nicht, ob er ihn anziehend oder abstoßend finden würde. Nils war jetzt einfach der, den er immer schon erwartet hatte, einer, mit dem er seine Zeit verbringen und um den er ab und zu den Arm legen konnte. Selbst dieser noch immer sehr allgemeinen Vorstellung von dem Mann an seiner Seite war er sich erst seit kurzem in diesem Grad bewusst, vorher hatte sie sich nur in diskreter Form geäußert. Nils sah für ihn nicht viel anders aus als ein beliebiger, schwarz gekleideter Motorradfahrer, bevor er den Helm abnimmt.

Allerdings hatten sie versucht, sich am Telefon ihr Äußeres zu beschreiben, um sich bei der ersten Begegnung rasch identifizieren zu können. Nils war also, wie er schon wusste, schwarzhaarig, groß, schlank, und mit gewissen Abstrichen bei der letzten Eigenschaft – hier waren es eher Zugaben – konnte Theo sein eigenes Bild genauso zeichnen, und das hatte er auch getan. Unter anderem lag es an diesen von ihnen festgestellten Übereinstimmungen, dass er die Wartezeit als in keiner Weise beunruhigend empfand. Er fühlte sich seiner sicher und vor unangenehmen Überraschungen ebenfalls, ohne dass er sie überhaupt in Erwägung gezogen hätte.

Nur ein schon relativ individuelles Merkmal kannte er: Nils trug, wenn er Motorrad fuhr, eine schwarze Jacke mit grünen Schulterstücken. Das sah man in der Tat nicht oft. Übrigens hatte er sein Alter mit vierunddreißig Jahren angegeben.

Er verzichtete darauf, jetzt schon allein durch die Eifel zu fahren. Nils würde ihm die schönsten Strecken erst zeigen. Da er nicht gern lange auf der belebten Talstraße blieb – er kam nicht einmal bis Cochem -, fuhr er vor allem auf den Höhen des Hunsrücks herum. Von hier sah er zu den Kegeln und Kuppen der Eifelberge hinüber.

Nils wollte am Freitagabend gegen zehn Uhr im Gasthof eintreffen. Doch er blieb aus und war am Telefon nicht zu erreichen. Nach unruhig verbrachter Nacht erfuhr Theo am anderen Morgen von der Wirtin, es habe am Vorabend keine Reservierung für ein weiteres Einzelzimmer vorgelegen. Erregt und verwirrt wollte Theo sofort telefonieren und erreichte Nils schon beim ersten Versuch.

Nils erklärte sein Ausbleiben mit Überstunden. Sie waren plötzlich, unerwartet angefallen. Wusste Theo nicht, dass er Polizist war? Er lasse nie ein Zimmer für eine Wochenendnacht reservieren. Wenn etwas dazwischenkomme, müsse man trotzdem zahlen. Heute sei er definitiv ab acht Uhr abends frei. All das klang einleuchtend. Die Stimme war unverändert sympathisch. Theo fühlte sich erleichtert.

Nils war noch entgegenkommender als neulich. Allerdings lief sein neuester Vorschlag wieder darauf hinaus, dass Theo ihm entgegenkam, nämlich –fuhr.

„Wir könnten uns schon in der Mitte treffen. Sagen wir am Laacher See, das ist dicht an der Autobahn, wir können uns da gar nicht verfehlen.“ Theo solle um elf auf dem großen Parkplatz sein, da sei um diese Zeit meistens keiner mehr. Und dann könnten sie noch eine Nachtfahrt unternehmen. Ob ihn das nicht reize?

Tatsächlich, so könnte es anfangen. Theo wandte nur ein, wo er, Nils, danach noch ein Zimmer finden wolle. Daraufhin kam der weitergehende Vorschlag, später in der Nacht nach Köln zu fahren und gemeinsam in Nils’ Wohnung zu übernachten. Theo fühlte sich angenehm überrumpelt.

Er blieb den Tag über am Ort, um nachts ausgeruht zu sein. Es lohnte sich nicht, für eine Nacht das Zimmer hier aufzugeben. Am Nachmittag stieg er zu den Burgen hinauf und besah sich das Dorf von oben.

Wirklich, ihr Treffpunkt war für ihn leicht zu erreichen. Von Kobern war er schnell auf der Autobahn, und dann ging es auf einer hohen Brücke über den Fluss. Der Verkehr war jetzt gering, die Strecke frei. Es schienen erst wenige Minuten vergangen und er war schon an der Abfahrt zum Laacher See. Die letzten Kilometer führten erst ansteigend in einen Wald hinein, dann leicht abwärts zum See. Rechts auf einmal die Abteikirche, massig und drohend ihre Türme vor dem Nachthimmel. Der riesige Parkplatz lag auf der anderen Seite der Straße. Man war hier auf jeden Ansturm vorbereitet. Jetzt lag das Areal, wenn auch beleuchtet, fast verlassen da, kein weiteres Motorrad zu entdecken, nur drei verlassene Autos, weit voneinander entfernt geparkt.

Er brachte die eigene Maschine in der Nähe einer Laterne zum Stehen. Nils sollte ihn bei seinem Eintreffen gleich finden. Es waren noch einige Minuten bis elf. Er saß quer auf der Sitzbank – den Helm hatte er abgenommen - und wartete. Vom See her roch es nach Süßwasser. Die Wellenlinie der Bergkämme rundum lief in sich selbst zurück. Es sah nach erloschenen Vulkanen aus – würden sie noch einmal aktiv werden? Die Glocke des ziemlich dunklen Nachthimmels lastete über dem Seebecken. Der Anblick schien etwas ausdrücken zu wollen – nur was? Vielleicht das Gefühl einer gewissen Ausweglosigkeit; als ob man sich unter Wasser befände, am Grund eines Meeres.

Schon zwanzig Minuten nach elf. Sollte er doch von ihm genarrt werden? Theo stand auf und machte sich Bewegung. Ohne es beabsichtigt zu haben, schlenderte er quer über den Parkplatz, bis zum anderen Ende. Ob die Fahrer der geparkten Autos am Seeufer waren? Oder in den Wäldern?

Gerade jetzt fuhr einer der Wagen, die er für verlassen gehalten hatte, los. Brauste anscheinend rasch davon, rollte dann aber dicht neben seinem Motorrad aus, dort mit noch laufendem Motor wartend. Theo ging zum Laufschritt über, dabei eine innere Stimme: Wollen mal sehen, ich stelle mich … In einer halben Minute war er drüben.

Er konnte gerade noch ins Wageninnere sehen. Der andere starrte ihn aus den Schlitzen einer schwarzen Motorradmaske an und wendete gleichzeitig den Wagen. Dann raste er zur Ausfahrt, um dort schon wieder zu halten. Theo machte sich zügig abfahrbereit. Man ließ ihn fast herankommen und das Kölner Kennzeichen noch erkennen und zog ihn dann in rasantem Tempo hinter sich her. Es ging zurück zur Autobahn. Nein, nicht versuchen, ihn zu überholen; ist zu gefährlich. Und wenn er’s trotzdem täte: was dann? Doch kochte er: Dieses Aas! Abschütteln wird er mich nicht! Der mit der Maske bog an der Auffahrt nach Köln ab und signalisierte mit den Bremsleuchten, Theo solle ihm folgen. Aber Theo schoss geradeaus weiter, ohne einen Gedanken dabei, nur aus Instinkt. Nachher fand er es richtig: was für ein Spiel, nicht mit ihm. Er wendete im nächsten Ort, fuhr zur Autobahn zurück und war um halb eins auf seinem Zimmer. Er schlief sogar einige Stunden und kam später als sonst zum Frühstück.

Mit dem Ei wurde ihm noch eine Nachricht serviert. Vorhin sei ein Anruf für ihn gekommen, von Nils, solle man ausrichten. Gestern habe es leider nicht geklappt, nun komme er heute Abend hier in den Gasthof. Theo solle ihn erwarten.

Zuerst wollte er ihn doch noch kennenlernen, zumindest das Gesicht einmal betrachten, das sich unter einer Maske dem Blick entzogen hatte – warum? War es so abstoßend? Es gab Brandverletzte, die furchtbar aussahen. So wenig ihn das konkrete Äußere von Nils bisher beschäftigt hatte, nach dieser ersten Begegnung kam er in Gedanken immer wieder darauf zurück. Es war schon klüger, vorher Fotografien auszutauschen. Und der andere war jetzt im Vorteil, er hatte ihn sich in voller Beleuchtung präsentieren lassen. Immerhin – und das war doch ein Trost – schien seine Erscheinung akzeptiert worden zu sein.

Was kann er ihm eigentlich vorwerfen? Nils war pünktlich gewesen, stand für die vereinbarte Nachtfahrt bereit und lud ihn noch einmal ausdrücklich ein, ihn nach Köln zu begleiten, alles so verabredet und von ihm eingehalten. Er, Theo, steht dumm da. Sich vor einer Maske fürchten … Er hätte ihn vielleicht durch Handzeichen bitten können, sie abzulegen.

Natürlich ist das alles Unsinn, vielleicht ist er ein Gestörter? Psychopathen gibt es auch unter Polizisten, falls er überhaupt einer ist.

Nach dem Frühstück sagte er zur Wirtin: „Ich reise doch schon heute ab. Bitte die Rechnung.“
 
Die Idee finde ich gut, die Umsetzung nicht so sehr. Es wird zuviel überflüssiger Klimbim erzählt. Das macht die Geschichte stellenweise langweilig.
 
Liebe Delfine, du solltest mir schon im Detail darlegen, wo du "überflüssigen Klimbim" siehst. Nur dann kann ich entscheiden, ob ich am Text etwas ändern möchte.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 
Lieber Arno,

hier z. B.:

Er verzichtete darauf, jetzt schon allein durch die Eifel zu fahren. Nils würde ihm die schönsten Strecken erst zeigen. Da er nicht gern lange auf der belebten Talstraße blieb – er kam nicht einmal bis Cochem -, fuhr er vor allem auf den Höhen des Hunsrücks herum. Von hier sah er zu den Kegeln und Kuppen der Eifelberge hinüber.
und hier:

Er blieb den Tag über am Ort, um nachts ausgeruht zu sein. Es lohnte sich nicht, für eine Nacht das Zimmer hier aufzugeben. Am Nachmittag stieg er zu den Burgen hinauf und besah sich das Dorf von oben.

Wirklich, ihr Treffpunkt war für ihn leicht zu erreichen. Von Kobern war er schnell auf der Autobahn, und dann ging es auf einer hohen Brücke über den Fluss. Der Verkehr war jetzt gering, die Strecke frei. Es schienen erst wenige Minuten vergangen und er war schon an der Abfahrt zum Laacher See. Die letzten Kilometer führten erst ansteigend in einen Wald hinein, dann leicht abwärts zum See. Rechts auf einmal die Abteikirche, massig und drohend ihre Türme vor dem Nachthimmel. Der riesige Parkplatz lag auf der anderen Seite der Straße. Man war hier auf jeden Ansturm vorbereitet. Jetzt lag das Areal, wenn auch beleuchtet, fast verlassen da, kein weiteres Motorrad zu entdecken, nur drei verlassene Autos, weit voneinander entfernt geparkt.
Das sind alles ausschweifende Details, die die Geschichte nicht vorantreiben.

LG SilberneDelfine
 
Liebe Delfine,

die beiden Stellen haben schon ihre Funktion im Rahmen der Erzählung. Die erste und die erste Hälfte der zweiten verdeutlichen die Erwartungshaltung, in die der Protagonist sich während der Wartezeit hineinsteigert und die am Schluss enttäuscht wird. Die zweite baut in ihrer zweiten Hälfte die Kulisse auf, in der sich das folgende Kurzdrama dann abspielt. Es ist mit Maria Laach kein beliebiger, zufälliger Ort.

Es ist auch, anders als von dir angenommen, für das Weitere durchaus von Bedeutung, dass auf dem fast leeren Parkplatz kein Motorrad vorhanden ist - Theo hatte mit einem gerechnet -, dafür drei Autos, von denen er irrtümlich annimmt, sie wären sämtlich ohne Insassen. Dass er das nicht näher überprüft, spricht für seine Leichtgläubigkeit und Sorglosigkeit.

Ist die Erwähnung des Burgenbesuchs am Nachmittag - mit nur einem Satz - etwa überflüssig? Nein, auch dadurch wird auf die kürzestmögliche Weise dargelegt, wie der Held sich auf den für ihn entscheidenden Abend vorbereitet.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 
Dafür,dass auf dem leeren Parkplatz kein Motorrad vorhanden war, hätte dieser Satz

Jetzt lag das Areal, wenn auch beleuchtet, fast verlassen da, kein weiteres Motorrad zu entdecken, nur drei verlassene Autos, weit voneinander entfernt geparkt.
ausgereicht.
Und warum ist es wichtig, dass es sich um Maria Laach handelt? Geht für mich aus der Geschichte nicht hervor.
 
Delfine, der Beginn deiner neuesten Entgegnung ist in sich nicht recht schlüssig. Der fragliche Sachverhalt - kein Motorrad auf dem Parkplatz - wird ja in meinem Text auch nur mit einem Satz abgehandelt. Die Sätze davor haben eine andere Funktion, nämlich den Ort und seine leichte Erreichbarkeit zu skizzieren, wobei Letztere die Illusion fördert, alles werde gut verlaufen.

Maria Laach, die alte Klosterkirche bei Nacht, der Vulkankrater mit dem See, das alles ist, meine ich, als Bühne für diese leicht düstere Geschichte gut geeignet. Oder hätte ich den Parkplatz eines Discounters in Neuwied nach Geschäftsschluss nehmen sollen? Ein bisschen Atmosphäre gehört auch zu einer Erzählung.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 
Lieber Arno,

Die Sätze davor haben eine andere Funktion, nämlich den Ort und seine leichte Erreichbarkeit zu skizzieren, wobei Letztere die Illusion fördert, alles werde gut verlaufen.
Wie kommst du darauf?

Ich glaube nicht, dass wir auf einen Nenner kommen werden. Du findest deine Geschichte gut so, wie sie ist. Ich finde sie stellenweise langweilig, und zwar durch langatmige Schilderungen. Und ich finde es ärgerlich, weil sie richtig gut sein könnte.

Sei's drum... :)

LG SilberneDelfine
 
Delfine, du müsstest eben sorgfältig lesen und beim Lesen die Perspektive der Hauptperson einnehmen können. In dem fraglichen Absatz ist die jetzt für Theo leichte Erreichbarkeit des Ortes klar formuliert. Für die Gemütsverfassung des Protagonisten heißt das: Er befindet sich nach zwischenzeitlichem Kriseln wieder auf dem leicht euphorischen Stand der früheren Absätze 5 und 6. Konterkariert wird dies unmittelbar danach durch den etwas düsteren Anblick der Abtei. So würde sinngemäße Lektüre funktionieren.

Selbstverständlich akzeptiere ich dein Missfallen am vorliegenden Text. Nur die sachliche Begründung, die du dafür lieferst, überzeugt mich im Detail nicht. Insbesondere den Vorwurf der Langatmigkeit hast du bisher nicht belegen können. Wir sind hier nicht in der Sparte Kurzprosa, dies hier ist eine Erzählung.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 
Für die Gemütsverfassung des Protagonisten heißt das: Er befindet sich nach zwischenzeitlichem Kriseln wieder auf dem leicht euphorischen Stand der früheren Absätze 5 und 6. Konterkariert wird dies unmittelbar danach durch den etwas düsteren Anblick der Abtei. So würde sinngemäße Lektüre funktionieren.
Meine Frage war, wie man darauf kommen kann, dass durch "leichte Erreichbarkeit alles gut" werden kann.

Ist auch egal. Du bist vollkommen überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Auch gut.
 
Delfine, dein letzter Satz ist eine Unterstellung. Keineswegs bin ich davon überzeugt, hier "alles richtig gemacht zu haben". Nur leider bekomme ich von dir keine verwertbaren Hinweise, wie ich dies oder das besser machen könnte. Das ist nämlich das Widersprüchliche an deinen Ausführungen, dass du einerseits "Langatmigkeit" kritisierst, andererseits aber als Leserin offenbar Schwierigkeiten hast, knapp Formuliertes oder bloß Angedeutetes wahrzunehmen bzw. zutreffend einzuordnen.

Im Nachhinein sehe ich meinen anfänglichen Verdacht bestätigt: dass hier eingangs aus dem losen Handgelenk heraus Pauschalkritik geübt wurde, mit deren nachträglicher Begründung es dann aber hapern würde.

Meinetwegen können wir diese literarisch fruchtbare Auseinandersetzung nun beenden.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

Vera S

Mitglied
Lieber Arno,
mir gefällt deine Geschichte gerade wegen der Beschreibungen der Landschaft, die Atmosphäre erzeugen. Vielleicht muss man in Maria Laach gewesen sein, um zu verstehen, dass dieser Ort etwas zur Stimmung beiträgt. Ich war am Ende der Geschichte erleichtert, weil der Protagonist so angenehm (und für mich persönlich sehr nachvollziehbar) leichtgläubig und ohne Misstrauen ist... Ich hätte das grausame Ende, welches sich drohend andeutet, weniger wirkungsvoll gefunden als dieses glimpfliche.
Viele Grüße
Vera
 
Danke, Vera, für deine freundlichen Anmerkungen. Was die Maske bedeutet, bleibt offen. Das Wahrscheinlichste: Für den "Polizisten" ist sie ein Utensil bei SM-Spielen. Er hat wohl die zu erwartende Reaktion von Theo, der noch ziemlich unbedarft scheint, falsch eingeschätzt = wechselseitiges Missverstehen.

Es gibt außerdem bei Theo eine tiefer reichende Problematik: Sein eigenes Begehren ist für ihn noch insofern maskiert, als er es sich selbst gegenüber nicht genügend klar gemacht hat. Als er mit dem konfrontiert wird, was er sucht, reagiert er panisch.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

Vera S

Mitglied
Lieber Arno, ich habe in meiner Interpretation zu kurz gegriffen. Ich sah in Nils tatsächlich nicht den SM-Spieler, sondern den heimtückischen Homophoben. Jetzt wird mir bewusst, dass diese Interpretation schon deshalb nicht plausibel ist, weil der Protagonist auf dem leeren Parkplatz schon zum Opfer einer böswilligen Attacke hätte werden können (ich glaubte zuerst, alle drei Autos seien mit entsprechend gelagerten Personen besetzt!) - und weil Nils danach das Katz-und-Maus-Spiel auf der Autobahn beginnt, dem der Prot. sich nicht zu folgen traut. Die unheimliche Atmosphäre, die durch dessen Gutgläubigkeit im Laufe der Erzählung noch verstärkt wird, hat mir Nils tatsächlich ebenfalls gefährlich erscheinen lassen.
Ich habe auch nicht sorgfältig genug gelesen!
Viele Grüße
Vera
 
Liebe Vera, kein Grund zur Beunruhigung. Auch deine frühere Theorie muss nicht im Widerspruch zum Text stehen, der ja bewusst den Hintergrund nicht ausleuchtet. Die Übergänge sind manchmal fließend. Denken wir an Fälle aus der Kriminalgeschichte, bei denen Lust gesucht und echte Grausamkeit gefunden wurde. Ambivalente Regungen plus Kontrollverlust, das kann gefährlich werden. So naiv der Protagonist ist, am Schluss hat er sich vernünftig verhalten.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

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