Deinetwegen

blackout

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Gute Verse, wird gesagt,
brauchen keine Erklärungen, sie sind
einfach da, Buchstabe für Buchstabe,
Metapher für Metapher,
was sonst.

Schreib dein Gedicht,
das alles sagt von der Welt, die Augen
öffnet den Menschen, die so lang
schon genarrt, Chance, sich endlich
selbst zu begreifen.

Dass die Trauer,
die kommt, nicht zum Strick wird,
der ihnen den Atem nimmt,
wenn die Freiheit, die uns gestattet,
an die Börse geht.
 
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FrankK

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Guten Morgen, blackout

Mhmmm ...

Für meinen Geschmack hakelt es in diesem Beitrag gleich an mehreren Stellen:
  • Lyr-Ich erscheint mir zu unreflektiert. Als Leser bekomme ich nicht den kleinsten Anhaltspunkt, wer (oder was) mich hier (persönlich!) anspricht. Ersatzweise gibt es Verallgemeinerungen (man, ihr, wir).
  • Die erste Strophe wirkt zu Text-Theoretisch. Ich (als Leser) bekomme mitgeteilt, wie sich "gute Verse" aufbauen. Gleichzeitig wird indirekt mitgeteilt, auch dieser Text bestünde aus guten Versen. Die Freiheit, mir selbst eine Meinung zu bilden, wird mir abgesprochen.
  • In der zweiten Strophe werde ich (als Leser) aufgefordert (Befehlston), meine eigenen Gedichte so zu schreiben, dass sie "alles von der Welt sagen" um den "Menschen die Augen zu öffnen". Dieser Anspruch wirkt auf mich viel zu Omni-Potent (und ist im mittleren Teil sprachlich auch ziemlich gestelzt).
  • In der letzten Strophe treffe ich auf einen soziologischen Rundumschlag. Dies ist mir zu allgemein und damit zu oberflächlich gehalten.
Nicht jeder Text wird zu Lyrik, indem man ihm ein paar willkürlich eingestreute Zeilenumbrüche gönnt.
Nicht jeder Text eignet sich, um die Welt zu retten.


Grüßend
Frank
 

blackout

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Frank K, dir ist vielleicht nicht bekannt, dass nicht jedes Gedicht ein lyrisches Ich haben muss. Deshalb halte ich deine Klage darüber, dass du nicht weißt, wer dich persönlich anspricht, für unbegründet. Nimm doch einfach mal an, es ist der Autor, der in diesem Gedicht spricht, und informier dich mal, was es eigentlich für Gedichtarten gibt. Und was das "Texttheoretische" angeht, so wirst du vielleicht bemerkt haben, dass dieses Gedicht keine Geschichte erzählt, also keine "Handlung" aufweist, sondern sich Gedanken macht über die Wirksamkeit von Gedichten: Welche Gedichte sind heute, in unserer Zeit, in der wir vor einem möglichen großen Krieg stehen, der die gesamte Menschheit auslöschen kann, wirklich nötig? Dieses Gedicht verurteilt auch keine anderen Gedichte, es macht einen Vorschlag, wie man Gedichte heute schreiben könnte, dass sie nicht als Belanglosigkeit beim Leser ankommen. Im Gegenteil, auch die Schönheit, die Natur, der Spaß, die Satire, die Trauer haben ihre Berechtigung im Gedicht, sie bereichern unser Leben, können uns auch ästhetisch erziehen.

Eine Aufforderung ist immer auch ein Vorschlag, kein Befehl. Wenn du dich als Lyriker nicht angesprochen fühlst, musst du der Aufforderung doch nicht folgen. Du wirst doch nicht gefoltert, damit du genau so schreibst, wie ich es in dem Gedicht vorschlage. Es ist ein Appell an die gesellschaftliche Verantwortung des Autors. Nie davon gehört? Was den Zeilenbruch angeht, so ist es wichtig, die wichtigsten Wörter an den Anfang oder an das Ende eines Verses zu stellen, wo sie ihre Stärke überhaupt erst erhalten. Dir kommt es so vor, als sei der Zeilenbruch willkürlich, und ich muss dir das ganz ehrlich sagen, ich fühle mich von dir, der offensichtlich noch nicht viel Erfahrung mit dem Gedicht hat, von einer hohen Warte aus belehrt und geschurigelt. Ich denke, dazu habe ich mit meinem Gedicht dir keinen Anlass gegeben. Denk mal darüber nach.

Ich stimme mit dir völlig überein, dass nicht jeder Text geeignet ist, die Welt zu retten. Genauer: Ich muss leider anmerken, dass überhaupt kein Text zur Weltrettung geeignet ist. Wie schön und wie einfach wäre es sonst, die Welt zu retten! Diese Anmerkung nur, falls du dir über die Rolle der Literatur und deren Wirkung auf die Leserschaft nicht bewusst bist. Literatur wirkt immer indirekt, ob es beim Leser zum Handeln kommt, hängt von sehr vielen Momenten ab, die der Autor gar nicht beeinflussen kann. Er hat Glück, wenn er nicht auf denkfaule Leser trifft.

Im übrigen, dass muss ich dir wohl sagen, habe ich nie vorgehabt und mir auch nicht eingebildet, dass ich Gedichte "für alle" schreibe. Du weißt sicher, wer allen etwas bringt, bringt niemandem etwas. Ich weiß, dass ich mit meinen Gedichten immer nur einen bestimmten Leserkreis anspreche, der offen ist für die unterschiedlichsten Themen, und selbst für die Themen, die sich mit dem Gedicht und der gesellschaftlichen Verantwortung des Autors beschäftigen, die vermutlich nicht zu deinem Lesereservoir gehören.

Vor gar nicht langer Zeit gab es einen großen Kongress der Schriftsteller, der sich mit der politischen Literatur beschäftigte. Dort wurde festgestellt,
dass sich auch die großen, bekannten Schriftsteller immer mehr aus der gesellschaftlichen Wirklichkeit zurückziehen, sich anpassen "an die Verhältnisse" und Leser verlieren, wodurch insgesamt die Literatur und mit ihr wir alle nur verlieren können, und dass es für die Schriftsteller nie so wichtig war wie heute, zur Zeit Stellung zu nehmen. Wenn man sich darüber klar ist, weiß man, Literatur ist das Gedächtnis nicht nur der Zeit, sondern sogar der Völker.

Ich hoffe, ich habe dich nicht allzusehr gelangweilt.

Gruß, blackout
 
Zuletzt bearbeitet:

FrankK

Mitglied
Frank K, dir ist vielleicht nicht bekannt, dass nicht jedes Gedicht ein lyrisches Ich haben muss.
Doch, ist mir bekannt.

... nimm doch einfach mal an, es ist der Autor, der in diesem Gedicht spricht ...
Aha. Dies zeigt sich aber nirgendwo. Bislang "lebt" dieses Thema von Verallgemeinerungen. (Substanzloses "Man" und "Wir")

Und was das "Texttheoretische" angeht, so wirst du vielleicht bemerkt haben, dass dieses Gedicht keine Geschichte erzählt, also keine "Handlung" aufweist ...
Und dennoch wird dieser Beitrag damit eingeleitet, was ein "Guter Vers" sei. Also - Theorie.

Dieses Gedicht verurteilt auch keine anderen Gedichte ...
Habe ich nicht behauptet.

Eine Aufforderung ist immer auch ein Vorschlag, kein Befehl.
Die Aufforderung erfolgte aber im Befehlston: "Schreib(!)"

Was den Zeilenbruch angeht, so ist es wichtig, die wichtigsten Wörter an den Anfang oder an das Ende eines Verses zu stellen, wo sie ihre Stärke überhaupt erst erhalten.
Niedlich, wenn ich diese Aussage wörtlich nähme:
Gute ... gesagt
brauchen ... sind
einfach ... Buchstabe,
Metapher ... Metapher,
was sonst.

Schreib ... Gedicht,
das ... Augen
öffnet ... lang
schon ... endlich
selbst ... begreifen.

Dass ... Trauer,
die ... wird,
der ... nimmt,
wenn ... gestattet,

an ... geht.
Mhmmm ... arg experimentelle Lyrik. ;)

Dir kommt es so vor, als sei der Zeilenbruch willkürlich, und ich muss dir das ganz ehrlich sagen, ich fühle mich von dir, der offensichtlich noch nicht viel Erfahrung mit dem Gedicht hat, von einer hohen Warte aus belehrt und geschurigelt.
Ich habe meine Meinung kundgetan, weiter nichts. Ich wollte nicht belehren (wie könnte ich?) und erst recht nicht "schurigeln" (umgangssprachlich: (jemanden) grundlos, willkürlich über längere Zeit quälen).
Als Beispiel im mittleren Vers:
Im Original heißt es:
Schreib dein Gedicht,
das alles sagt von der Welt, die Augen
öffnet den Menschen, die so lang ...
Meiner (unbedeutenden) Meinung nach würde es so besser funktionieren:
Schreib dein Gedicht,
das alles sagt von der Welt,
die Augen öffnet den Menschen,
die so lang ...


Ich stimme mit dir völlig überein, dass nicht jeder Text geeignet ist, die Welt zu retten. Genauer: Ich muss leider anmerken, dass überhaupt kein Text zur Weltrettung geeignet ist. Wie schön und wie einfach wäre es sonst, die Welt zu retten! Diese Anmerkung nur, falls du dir über die Rolle der Literatur und deren Wirkung auf die Leserschaft nicht bewusst bist.
Wer belehrt hier gerade wen? ;)

Ich weiß, dass ich mit meinen Gedichten immer nur einen bestimmten Leserkreis anspreche, der offen ist für die unterschiedlichsten Themen, und selbst für die Themen, die sich mit dem Gedicht und der gesellschaftlichen Verantwortung des Autors beschäftigen, die vermutlich nicht zu deinem Lesereservoir gehören.
Im Werk geht es darum, die "Freiheit" zu achten. Hier wird mir selbige aber gerade abgesprochen, indem meine Lesekompetenz missachtet wird.

Vor gar nicht langer Zeit gab es einen großen Kongress der Schriftsteller ...
Dies hat weder etwas mit dem Werk noch mit meinem Kommentar zu tun. Deshalb gehe ich da nicht weiter darauf ein. Aber:
"Vor gar nicht langer Zeit hatten wir hier auf der Leselupe einen User, der ähnlich lamentieren konnte."

Nach dem Antwortkommentar muss ich feststellen, dass dieses Werk doch einen gewaltigen Anspruch an sich selbst hat:
  • Welche Gedichte sind heute, in unserer Zeit, in der wir vor einem möglichen großen Krieg stehen, der die gesamte Menschheit auslöschen kann, wirklich nötig?
  • Dieses Gedicht verurteilt auch keine anderen Gedichte, es macht einen Vorschlag, wie man Gedichte heute schreiben könnte, dass sie nicht als Belanglosigkeit beim Leser ankommen.
  • Es ist ein Appell an die gesellschaftliche Verantwortung des Autors.
Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Thema den selbst auferlegten Ansprüchen auch nur halbwegs gerecht wird.


Ich hoffe, ich habe nicht zu sehr "gelangweilt".

Grüßend
Frank
 

blackout

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Oh, da hat sich aber einer mit meinem Gedichtchen " beschäftigt". Mein Eindruck ist, dass es dir überhaupt nicht um das Gedicht selbst geht, sondern um die Haltung, die dahintersteht. Das wurde schon immer so gemacht: Entspricht der Inhalt nicht deinen eigenen Überzeugungen und Vorstellungen, dann mach nieder, wo du kannst, greif die Form an! Nach diesem Kommentar weiß ich, dass das Gedicht eine immerhin kleine, aber immerhin explosive Substanz hat, das so manch einen aus der Deckung hervorgelockt hat. Vielleicht habe ich dich mit diesem Gedicht auch zu sehr getroffen, wie sonst soll ich deinen Aufschrei werten? In dieser Absicht aber habe ich es gar nicht geschrieben. Ich fühle mich unschuldig geehrt. Aber nicht deshalb habe ich es geschrieben, mir wäre es lieber, du selbst würdest durch ein gutes Gedicht, das ich bis jetzt von dir zu lesen noch nicht die Gelegenheit hatte, meine Aufmerksamkeit erzeugen können, das deiner hier proklamierten Selbstgewissheit eine Berechtigung gibt. Dass ich darauf bis zum St. Nimmerleinstag werde warten muss, dessen bin ich mir gewiss, nach der Devise "Wer nichts tut, macht keine Fehler". Na, dann komm mal raus, Frank K, aus deiner Deckung.

Bis dann, blackout
 

FrankK

Mitglied
Guten Morgen, @blackout

Oh, da hat sich aber einer mit meinem Gedichtchen " beschäftigt".
Falsch, ich habe mich mit dem Kommentar beschäftigt und die Scheinargumente widerlegt.

Das wurde schon immer so gemacht: Entspricht der Inhalt nicht deinen eigenen Überzeugungen und Vorstellungen, dann mach nieder, wo du kannst, greif die Form an!
Yepp, passt auch andersherum: "Wenn die kritischen Töne nicht passen, mach den Kritiker nieder wo du nur kannst."

Nach diesem Kommentar weiß ich, dass das Gedicht eine immerhin kleine, aber immerhin explosive Substanz hat, das so manch einen aus der Deckung hervorgelockt hat.
Seltsame Wahrnehmung. Nur, weil ein Werk kritisiert wird ist es gut?

... mir wäre es lieber, du selbst würdest durch ein gutes Gedicht, das ich bis jetzt von dir zu lesen noch nicht die Gelegenheit hatte, meine Aufmerksamkeit erzeugen können ...
So funktioniert das nicht.
Ich muss nicht selber Milch geben können um zu erkennen, dieses Glas Milch hier ist sauer.
Aber derlei "Argumentationsaustausch" hatten wir doch schon so oft ...

Na, dann komm mal raus, Frank K, aus deiner Deckung.
Was für eine Deckung?
Brechen "alte" Verhaltensmuster wieder durch?


Heiter ... sehr Heiter
Frank
 

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