Dem Kinde

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blackout

Mitglied
Ich möchte ein Gedicht dir schreiben, Kind,
das alles sagt und nichts verschweigen muss.
In dieser Zeit von Lügen und Verdruss
gib Kraft mir, dass das rechte Wort ich find.

Fort eilt des Menschen Leben wie der Wind,
die Welt ist krank, nicht mehr im guten Fluss,
sie braucht dich sehr, mein kleiner Pfiffikus,
sie ist kein rätselhaftes Labyrinth.

Voll Schönheit ist die Welt und voller Fragen.
Lass dich vom höchsten Genius geleiten,
nur Edelmut und Wahrheit zu verkünden.

Ach, Kind, es wäre noch so viel zu sagen.
Nur Glück und Frieden wollt ich dir bereiten.
Ich fühl's, du wirst die Wege dorthin finden.
 
Guten Abend Blackout,

wie alt mag denn das Kind als Adressat des lyrischen Ichs sein?

Der Duktus scheint mir persönlich nicht ganz zum kleinen „Pfiffikus“ zu passen.
Handelt es sich etwa um einen 32-jährigen Germanistikstudenten, der vom (groß)mütterlichen Lyri via Gedicht ein paar Ratschläge erhält, um im wahren Leben zu bestehen?
Oder widmen sich die Verse dem Pfiffikus in der Zukunft, der dankbar ob der konkreten Tipps aus dem praxisorientierten Fundus der Vergangenheit sein darf?
Ist es vielleicht ein hochbegabtes Kind (ein Teenager scheint es nicht zu sein), das den Begriff “Genius“ locker goutiert?

Die Frage nach der Natur des Adressaten wird meines Erachtens nicht stimmig beantwortet.

Gruß,
Artbeck
 
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blackout

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Guten Morgen, Artbeck Feierabend,

dich treibt die Frage um, wie alt das Kindchen ist, an das die Ansprache gerichtet ist. Ich verrate es dir: Es handelt sich um einen Säugling im Alter von 10 Monaten, spricht nur lallend, also völlig überfordert. Wenn du keine weiteren Fragen zum Sonett hast - alles klar? Gegenfrage: Wie alt bist du denn?

Gruß, blackout
 
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blackout

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Schreibfan, ich antworte dir mal auf deine Begründung bei den Sternchen, da hast du ein Problem erwähnt, das dir nicht so recht klar zu sein scheint.
Dir gefällt nicht die Formulierung im 1. Quartett, 4. Vers: ... dass das rechte Wort ich find . Du hast natürlich recht, korrekt müsse es (ich) "finde" heißen.
Das ist aber kein Zwang, nicht nur umgangssprachlich und auch nicht in der Lyrik. Beide Formen, sowohl "finde" als auch "find" sind korrekt. Hier habe ich das "e" mal unterschlagen wegen des Reimes auf "Kind", solche Formen sind also durchaus gestattet.

Hab Dank fürs Reinsehen. Und schöne Feiertage wünsche ich dir.

Gruß, blackout
 

James Blond

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Weder die Elision noch das (Klein)Kindesalter scheinen mir hier die entscheidenden Schwächen, sind doch beides übliche Methoden, ein Gedicht ins Format zu bringen. Die Elision richtet das Metrum, die Ansprache richtet sich an ein fiktives Gör zwecks Kaschierung der eigenen Weltkritik als Appell an die nachfolgende Generation. Das ist natürlich nicht neu oder ungewohnt - im Gegenteil, es wurde vielfach schon besser verwendet.

Mir scheint das Sonett schwächelt an seinem Vorhaben. Nach einer fulminanten Ankündigung zur Wahrhaftigkeit liefert es dann weder eine ausgeklügelte, tief schürfende oder originelle Einsicht in die Weltzusammenhänge, noch enthält der Appell ans zukünftige Leben des Erdenbürgers irgendwelche fruchtbaren oder nützlichen Hinweise: Die Welt ist krank an Lügen und Verdruss, nicht mehr im Fluss, aber voller Schönheit und Fragen, doch kein Labyrinth. Diese Einsicht füttert den Appell an den Genius des Pfiffikus zu Edelmut und Wahrheit.

Nun ja, möchte man fragen - ist das schon alles? Geht's vielleicht noch ein wenig allgemeiner und nichtssagender? Ja, es geht, wenn darauf der Hinweis folgt, dass es noch so viel zu sagen gäbe, Glück und Frieden schon noch gefunden werden.

Soll das Mut machen? Mich erschrecken derartige Leerformelsammlungen, als dass sie mir Hoffnung auf eine von Pfiffikussen gelenkte Welt geben könnten. "Pfifferlinge im Laberrinth" wäre wohl die passendere Überschrift.

Gruß
JB
 

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