Der Feind lauert überall

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Ach, war das einfach, als in guten alten Zeiten der Feind beinahe ausschließlich in fremden Ländern vorkam.
Heute hingegen lauert er nahezu überall.
In der Hinterhof-Moschee in Hamburg und in Fan-Blocks von Bundesliga-Fußballvereinen, im kanadischen Regierungsviertel, in ruhigen Mehrfamilienhäusern oder versteckt unter friedlichen Demonstranten sowie unter Freunden bei facebook.
Der islamistische Terrorist tritt plötzlich auf und schießt um sich oder er wartet als harmloser Schläfer in der Nachbarwohnung ab und wacht als potentieller Selbstmordattentäter in Flugzeugen oder vor Moscheen auf. Nicht einmal vorderasiatisch dunkle Haare und bräunlichen Teint muss er haben. Nein, selbst ein siebzehnjähriger blasser Blondschopf kann für den heiligen Krieg derer, die den islamischen Staat nicht nur im Irak wollen, angeworben werden.

Welcher Verlierer träumt nicht davon, strahlender, unüberwindbarer Sieger zu sein?

Nun war es bekanntlich immer schon so, dass Menschen, die auf der gesellschaftlichen Verliererseite aufwuchsen, leicht dazu gewonnen werden können und konnten, für radikale Gruppen zu siegen.
Welcher Verlierer träumt nicht davon, strahlender, unüberwindbarer Sieger zu sein?
Die Erfolge der Nationalsozialisten bei den Bewohnern des damaligen Deutschen Reiches, das den ersten Weltkrieg verlor, liefern einen der vielen historischen Beweise für das Ausnutzen dieser Sieges(-sehn-)sucht. Besonders Arbeitslose, die nach dem verlorenen Krieg weiterhin zu den gesellschaftlichen Verlierern gehörten, waren von den Nazis beängstigend schnell zu überzeugen. Ja, sie ließen sich sogar nahezu ohne Gegenwehr in einen neuen Weltkrieg führen, von dem vor allem nur Fanatiker und Wahnsinnige annehmen konnten, dass er zu gewinnen war.
Hitler und seine Anhänger machten zudem willkürlich noch diverse Feinde im Innern aus, die zu dieser Rolle gezwungen wurden, ob sie wollten oder nicht.
Juden, Homosexuelle, Zigeuner und andere hatten als weitgehend hilflose und zu vernichtende Opfer herzuhalten. Gegen diese überwiegend Ohnmächtigen war der Sieg ein mehr als leichter. Und gegen die anderen inneren Feinde half ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem mit Gestapo, Blockwarten und sonstigen Spitzeln und Denunzianten, die alle den vermeintlichen Siegern zuarbeiteten, um endlich auch dazu zu gehören.
In unserer heutigen Ellenbogengesellschaft, in der vor allem erfolgsverwöhnte Siegertypen den Wohlstand abschöpfen und zudem eine relativ radikale Minderheit bilden, nehmen zwangsläufig die Verlierer zu, zumal immer weniger Wohlhabende immer mehr Reichtum ansammeln. Jene nehmen sich mit wachsender Gier, was sie zu brauchen meinen und wecken damit zugleich Begehrlichkeiten, auch zu nehmen.

Reichtum macht Männer für Frauen unwiderstehlich.

Wegen seines ungeheuren Reichtums von Frauen unwiderstehlich gefunden zu werden, in die Augen von armen Bittstellern zu blicken und großzügig Almosen verteilen zu können, einem Kaufrausch nachzugeben, ohne den Kontostand überprüfen zu müssen, weckt zwangsläufig den Neid von Verlierern und weniger Erfolgreichen.
Ich will mich (lieber) nicht in weitere Fantasien steigern, zumal ich gegen die Wachstumsideologie eher jene Bescheidenheit bevorzuge, die u.a. die Erde und deren Schätze vielleicht noch retten kann.
Doch was sind meine möglichen Fantasien anders, als jene von männlicher Potenz, die mögliche islamistisch-radikale Märtyrer vor ihren Selbstmordattentaten glauben lässt, im Paradies auf bereits wartende Jungfrauen zu treffen. Diese willigen weiblichen Wesen warten angeblich nur darauf, den im Jenseits eintreffenden Märtyrern freiwillig alle jene körperlichen Dienste anzubieten, die sich manche vorgeblich frommen Krieger auf Erden schon mit Waffengewalt von unwilligen Frauen und Mädchen ihrer Feinde erzwingen mussten.

Vermutlich schlummert in sehr vielen Menschen eine Bestie.

Die Opfer des radikalen Hasses, die durch Selbstmordattentate oder sonstige terroristische Gewalttaten umkamen, steht je nach Glauben möglicher Weise auch ein besonderer Platz in anderen unbekannten religiösen Himmeln zu. Ansonsten kommt ihnen für ihren Einsatz vielleicht nach Ende des Kampfes gegen die unberechenbaren radikalen Gewalttäter eine besondere Ehrung zu. So wird es vermutlich Orte, Zeiten und Kunstwerke des Gedenkens und der Dankbarkeit geben. Und den Hinterbliebenen bleiben Erinnerungen, Trauer oder eben das Sinnen nach Rache. Und damit lauern neue Feinde im Inneren und außen, die letztlich kaum weniger brutal heimzahlen werden, was ihren Freunden, Gesinnungsgenossen, Familienangehörigen und sonstigen Anhängern angetan wurde.
Im übrigen wird innen immer noch eine Anzahl junger Feinde im gesellschaftlichen Abseits auf die Chance, ins Zentrum der Aufmerksamkeit radikaler Gruppen vorzurücken.
So lange gesellschaftliche Ungerechtigkeiten verbrämt mit radikal religiösen Glaubensinhalten Neid und Hass schüren, wird sich daran kaum etwas ändern können.
Und nicht zuletzt lauert vermutlich in sehr vielen Menschen je nach Lebenserfahrung eine mehr oder minder tief schlafende Bestie, die besser nicht geweckt werden sollte.
 

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