Der Hofnarr

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Klaus K.

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Der Hofnarr

Ich blicke auf eine langjährige berufliche Tätigkeit zurück, auch wenn mein Metier inzwischen zum Aussterben verurteilt ist. Es war und ist immer eine intellektuelle Gratwanderung, dem Regenten, der Regentin, dem dazu untergeordneten Gesindel, den applaudierenden Vasallen, den Speichelleckern den Spiegel vorzuhalten. Sehr gefährlich für ein kleines Würstchen wie mich.

Eingekleidet in ein lächerliches Kostüm, mit einer Schellenkappe, mit Schnabelschuhen hüpfte ich bislang durch die Hallen der Macht. Ich war zur Belustigung vorgesehen, besonders wenn ausländische Besucher angesagt waren. Die verstanden unsere Sprache ja nicht, und bis die Dolmetscher dem König Knallerbse aus dem Kokosnuss-Land den Text übersetzt hatten, da war die eigentliche Botschaft, der Kern schon verhallt. Geklatscht und gegrinst wurde von unseren Hofschranzen, einfältig wie diese unnützen Kostgänger nun einmal sind, der Regierung zum Wohlgefallen ob der unglaublichen Leistung, einen Augen- und Hirnöffner wie mich mutig zu engagieren.-
Und meine scharfzüngigen Tiraden taten weh, ja, das waren Pfeile in die Schutzschilde der Täuschung, Verdrehung, der Beugung der Vernunft und des Rechts. Der Jammer ist, daß man dies als Belustigung empfand, nicht gedacht etwa zur Erhellung unserer Bevölkerung.
Die bekam davon nichts mit, denn dafür war unsere Presse, Funk und Fernsehen da. Die sogenannten Medien. Die Meister der Halbwahrheiten, der Medaillen mit nur einer Seite, der seltsam dosierten Wahl der Reihenfolge, der Selektion des ihrer Meinung nach vermeintlich Wichtigen. Halbherzig vorrecheriert, fast nie nachrecheriert, nie für dreiste Fehler entschuldigt, bis zur Schmerzgrenze einseitig kommentiert. Und wenn diese Helden und Heldinnen der derart präsentierten Information sich auf dem Bildschirm darstellen durften, dann konnte man an ihrer Mimik, ihrer Sprache und ihrer zu oft unterirdischen Moderation bereits ihr Mißfallen oder ihre Zustimmung ablesen. Ein Unding, denn ihr Auftrag gegenüber allen Bürgern lautete Neutralität. Dafür wurden sie bezahlt. Üppigst bezahlt. Ich hingegen wurde meistens mit einem kräftigen Tritt in meinen verlängerten Rücken verabschiedet, trollte mich in die Küche des Palastes, mußte um Reste betteln. Undank ist der Welt Lohn, und die Wahrheit bereitet Schmerzen. Aber nur mir.

Sie wünschen ein Beispiel meiner Tätigkeit? Wohlan, nichts leichter als das! Mein letzter Auftritt vor Ihrer Majestät, die gesamte versammelte Halbbildung war zudem anwesend. Man nennt sie in meinen Kreisen auch die Entourage des Unvermögens, man findet sie überall im Dunstkreis der Macht. Und es gibt keine Schädlingsbekämpfung gegen diese Parasiten, gegen die geballte heiße Luft ist kein Kraut gewachsen. Und ich bin nur eine kleine Sprühflasche mit harmlosem Seifenwasser, mehr nicht.


"So gönnt dem Narren seine Stimme, auf das es euch gefalle, in seinem Sinne! Eure Politik ist nicht von Gottes Gnaden, ihr fahrt dem Bürger an den Wagen! Ihr haut raus die Steuertaler bis es kracht, ist nichts mehr da, so verdrückt ihr euch und sagt gut' Nacht! Schwafeln und fabulieren, euch kann ja nichts passieren, die Preise hoch, die Daumenschrauben fester, im Hinterzimmer lacht ihr euch krumm, denn der Souverän, der bleibt ja dumm! Und ist eure Zeit dann endlich mal vorbei, ins Nest gelegt bleibt von euch das faule Ei!"

Ich höre jetzt lieber auf, dieser kleine Ausschnitt möge genügen.
Es war übrigens mein letzter Auftritt an diesem Hofe. Man hat mich gefeuert, also entlassen. Die Künstler-Sozialversicherung bohrt bereits kräftig nach, wo meine Beiträge bleiben. Die Rentenversicherung antwortet auf meine Anfrage und fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Rente? Zwanzig Jahre zu früh, mein Freund! Und immer schön locker durcharbeiten, der Staat will das so. Ach so, tanken muß ich auch gleich noch, sonst komme ich ja nicht zu meinen Bewerbungsgesprächen bei unseren möglichen nächsten Regenten.
Wie hieß der noch gleich, der "Das Narrenschiff" geschrieben hat? Ich bin Hofnarr und auch gerne Leichtmatrose, und ich bin bereits an Deck.
 
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Isbahan

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dann konnte man an ihrer Mimik, ihrer Sprache und ihrer zu oft unterirdischen Moderation bereits ihr Mißfallen oder ihre Zustimmung ablesen. Ein Unding, denn ihr Auftrag gegenüber allen Bürgern lautete Neutralität.
Man muss sich nur die Privaten anschauen, wie bereits ab Punkt12 alle Nachrichten und Sendebeiträge mimisch UND persönlich kommentiert werden. Fehlt nur noch Katja Burkharts offen in die Wahlurne gesteckter Wahlzettel. Aber im Hintergrund mimisch kommentieren und offen wählen kann Armin Laschet einfach (noch) besser.
 

Klaus K.

Mitglied
Hallo Franklyn und Isbahan,

Männlein und Weiblein, vor einer Kamera pumpen sie alle wie ein Maikäfer. Vornehme Zurückhaltung gibt es kaum noch. Reden, wenn man etwas zu sagen hat? Substanz in der Aussage, die gibt's ansatzweise nur noch beim Wetterbericht. Mit Gruß, Klaus
 


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