Der letzte Sommertag

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Ciconia

Mitglied
Wenn süßer Duft der Macchia
betörend von den Klippen weht,
die Kiesel in der sanften Brandung
sich flüsternd aneinander schmiegen

Wenn filigranes Muschelwerk
leis unter nackten Füßen knirscht
und abends schrill Zikaden zirpen

Dann ist er doch zurückgekehrt
der letzte Sommertag mit dir

Im Traum kann ich sie wieder spüren
die zärtlich starken Hände
auf meiner sonnenwarmen Haut​
 

Franke

Mitglied
Hallo Ciconia!

Ich habe sehr lange überlegt, ob du hier nicht etwas zu dick aufgetragen hast.
Aber nein, das muss genauso sein und nichts würde die leichte Melancholie dieses letzten Sommertages besser beschrieben. Da braucht es auch keine komplizierten Bilder und Metaphern, das würde die Leichtigkeit nehmen.
Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 

kad sgard

Mitglied
hallo ciconia,
sehr berührende worte.

die letzten 3 zeilen jedoch, finde ich beim lesen störend und frage mich, ob dein einfühlendes gedicht sie wirklich nötig hat.


gern gelesen


liebe grüße in die nacht

kad
 

Der Andere

Mitglied
ich habe die befürchtung, es ist tatsächlich zu dick aufgetragen. einerseits die klischierten motive der muschel, der kieselsteine, nicht zuletzt auch der, ja, zirpenden zikaden. andererseits wegen der zusätzlichen überbetonung durch wörter wie "betörend", "süß", "sanft", "schmiegen" usf.

der bruch, der durch die traumwendung entstehen soll, versandet aber gleich wieder, weil er, vielleicht, schlicht zu weich gerät, um gewissermaßen zurückzuwirken auf die vorherigen strophen.

darüber hinaus, das will ich nicht unerwähnt lassen, scheint mir das gedicht aber sehr sorgfältig gearbeitet zu sein. es fehlt letztlich der endgültige SCHLAG.
 

Ciconia

Mitglied
Vielen Dank für Deinen Leseeindruck, Der Andere.

Mag sein, dass die eine oder andere Formulierung zu dick aufgetragen ist – für mich ist dieses Gedicht aber genau so richtig. Ich wüsste jetzt nicht, wie ich es besser machen könnte, dazu habe ich einfach zu wenig Erfahrung mit Ungereimtem.

Gruß Ciconia
 

Der Andere

Mitglied
was tun? aus meiner sicht exakt das, was ich - implizit - vorschlug: alles kürzen, was die atmosphäre zu versüßt scheinen lässt, und am ende die zäsur härten. ein spontaner (sehr spontaner) vorschlag könnte sein:

Wenn der Duft der Macchia
von den Klippen weht,
die Kiesel in der Brandung
sich flüsternd aneinander -

Wenn das Muschelwerk
unter nackten Füßen knirscht
und abends schrill
Zikaden -

Im Traum
kann ich sie wieder spüren
Hände
auf sonnenwarmer Haut
 

Ciconia

Mitglied
Danke für diesen Vorschlag, Der Andere, aber das erscheint mir zu schroff, nicht weich genug für diesen warmen Sommertag. Dann lieber ein wenig zu süßlich. ;)
Es muss ja nicht jedem gefallen.


Gruß Ciconia
 

hermannknehr

Mitglied
Hallo Circonia,
lass dich nicht irre machen. Du hast Erfahrung. Dein Gedicht trifft die Empfindung eines warmen Sommertages treffend und lyrisch perfekt. Die Erinnerung an eine Liebe ist dann das i-Tüpfelchen.
Gerne gelesen
Hermann
 

Cellist

Mitglied
Hallo Ciconia,

es ist in der Tat ein Gedicht, das hart an der Grenze zum Schwulzigen, Kitschigen, zumindest Übertriebenen ist. Aber eben an der Grenze.

Die Variante von "Der Andere" zeigt, wie blutarm und leblos die (fraglos etwas stümperhaft) zurechtgestutzte Alternative wäre.

Nein, mir gefällt schon recht gut, was ich hier von dir lese.

LG
Cellist
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Hermann,

vielen Dank für Deine Einschätzung. Das freut mich natürlich.

Gruß Ciconia


Hallo Cellist,

auch Dir vielen Dank für Deine Meinung und die Wertung.

Gruß Ciconia
 

Der Andere

Mitglied
interessant, wie sich hier gleich unbeteiligte einschalten und gar von stümperei zu sprechen anheben. nun gut, die gesprächskultur scheint sich hier doch wieder verändert zu haben.

deine reaktion jedenfalls, ciconia, kann ich sehr gut nachvollziehen.

vorschläge sind auch nichts weiter als das: vorschläge.

dass dieser hier keinen nobelpreis zu erlangen erwartete, habe ich, finde ich, schon recht deutlich gemacht. ich hätte sogar noch stärker gekürzt, mit etwas zeit. aber ja: ab einem bestimmten punkt, ist es ein anderes gedicht, von mir aus auch blutleer (auch wenn sich darüber streiten ließe, was "blutleer" in einem text überhaupt bedeutet...).

die entscheidung obliegt, gleich, was gesagt oder gesprochen wird, immer bei dir.

der andere, der versucht den anderen in der eigenen zeit zu denken...
 

Cellist

Mitglied
Hallo Der Andere,

Unbeteiligte? Ist das hier eine geschlossene Gesellschaft? Als Leser bin ich dorch beteilgt am Thread, oder etwas nicht?

Was ich mit "stümperhaft" meinte? Du hast, nur um zu kürzen, mal eine schnelle Version eingestellt. Dabei hast (nach meiner Ansicht) alles entfernt, was den Text eigentlich ausmacht, was ihn besonders macht und womit er den Leser anzusprechen versucht. Kurz (und kitschig): in meinen Augen hast du dem Text das Herz herausgerissen.

Nach meiner Ansicht sollte man, wenn man schon eine andere Version des Textes eines anderen Autors einstellt, diese mit etwas Sorgfalt erarbeiten und nicht als "schnelle Variante".

Aber das ist nur mein persönliches Empfinden. Du darfst selbstverständlich anderer Ansicht sein. Und: du darfst versuchsweise sogar noch weiter kürzer, was du ja oben erwähnt hast. Fragt sich nur, was dann noch bleibt.
 

revilo

Mitglied
Mich stört nur das "betörend"....das ist in Verbindung mit dem süßen Duft zu dick aufgetragen......

Lg revilo
 

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