Der Mitläufer

4,50 Stern(e) 2 Bewertungen

Ciconia

Mitglied
Die Fahne immer nach dem Wind gehängt,
folgt er stets dem, was alle sagen,
glaubt sich durch andre Sichten nicht bedrängt,
wird selten etwas Eignes wagen.

Er fühlt sich im betreuten Denken wohl
und lebt gedankenlos und heiter.
Das Herz ist leicht, das Hirn ein wenig hohl,
so kommt man in der Masse weiter.

Doch eines Tages ändert sich der Wind,
die Welt verlangt modernere Gewichtung.
Der Mann stutzt kurz und folgt dann ganz geschwind
der Masse in die gänzlich andre Richtung.

Es habe wirklich kein Mensch wissen können,
sagt er, was früher denn nicht richtig war.
Man solle Menschen freies Denken gönnen -
für ihn ist damit wieder alles klar.
 

hein

Mitglied
Hallo Ciconia,

die Kunst ist doch, immer den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.
Ist man zu früh oder zu spät, fällt man auf.

LG
hein
 

blackout

Mitglied
Immer uff det Schlimme, Ciconia. O ja, ich habe diese Typen massenhaft kennengelernt. So einer als ein Gras im Wind - frei nach Schiller. Tja, was will man machen - diese Leute gibt es nun mal, immer den Arsch an der Wand. Aber ich halte mal mein Maulwerk, auch diese Leute haben ein Lebensrecht, und wer weiß, wer weiß, wer sich angesprochen fühlt ...

Ich habe zwei Änderungsvorschläge:
S1V2 würde ich eine Inversion bevorzugen: "folgt stets er dem, was alle sagen". Keine Angst vor der Inversion, die ist metrisch begründet.
S4V1 würde ich umstellen: "Es hab kein Mensch doch wirklich wissen können", auch dies metrisch begründet.

Prima, Ciconia. Daumen hoch!

Gruß, blackout
 

Tula

Mitglied
Hallo Ciconia

Du schreibst ja sonst nicht nur recht gute Limericks, sondern auch einfühlsame Gedichte. Bei diesem bin ich wenig begeistert, d.h. inhaltlich wird dir niemand widersprechen wollen, wer will sich schon selbst als Mitläufer outen?
Das Problem ist, dass das Gedicht nur altbekannte Floskeln und Bilder verwendet, keinerlei sprachliche Überraschungsmomente. Nach dem Titel und Zeile 1 ist bereits "alles klar", der Rest lässt sich in Sekunden ohne weitere geistige Anstrengung verdauen.
Das kannst du irgendwie viiieell besser

LG
Tula
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Hein,
mag sein. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass ein Mitläufer selten zu früh ist – eher ein wenig hinterherhinkt.
Danke für die Wertung!

Immer uff det Schlimme
Ach, blackout, es gibt momentan doch sehr viel Schlimmeres, auf das ich gern druffhauen würde. Aber da ich zur Zurückhaltung erzogen worden bin … ;)
Gegen Inversionen sträubt sich übrigens alles bei mir, auch wenn Dein Vorschlag sicher metrisch berechtigt sein mag.
Danke auch Dir für die Wertung!

Hallo Tula,
gegen ein leichtverdauliches Teil für zwischendurch spricht doch eigentlich nichts. Das Leben besteht ja nicht nur aus Überraschungen … :cool:

Gruß Ciconia
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Hallo Ciconia,

der kritischen Richtung Tulas pflichte ich bei. Das Leichtverdauliche, wie du schreibst, ist dann doch zu wenig. Aber - du hast in zahlreichen Limericks dein humoristisches Talent bewiesen: Dann beschreibe nicht das Mitläufertum, sondern verulke es, mach' es lächerlich und zum Gegenstand einer ironischen Gesangsnummer - immer ruff ...
Vielleicht gelingt's dir ja.

Schönen Gruß von Dyrk
 

Ciconia

Mitglied
Hallo, DOSchreiber,
das mit dem Verdauen hat aber Tula ins Spiel gebracht … :p
Nein, im Ernst, ich sehe keinen Grund, ein beschreibendes Gedicht (und das muss es doch auch geben dürfen, oder?) in ein humorvolles zu verwandeln.
Zum Verulken hätte ich gleich einen Limerick zu diesem Thema geschrieben.

Gruß, Ciconia
 

Oben Unten