Der Polizist als Sittenstrolch

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Seltsam, dass mich dieses Motiv immer wieder reizt: der Polizist als tragikomische Figur. Ordnung und Chaos, das ist eine komplizierte erotische Beziehung, die man schreibend ergründen und vertiefen kann. Die folgende Geschichte ist so wahr, wie sie kurz ist. Sie hat in den Zeitungen gestanden. So wahr mir Springer helfe.

Es begab sich also zu der Zeit des Bundeskanzlers Schröder und zwar irgendwo in der Norddeutschen Tiefebene, dass eine junge Polizistin in Zivil auf Streife ging. Dabei durchstreifte sie den dortigen Stadtwald, nicht ohne bestimmte Absicht. Der Polizei waren nämlich von Seiten des ordnungsliebenden Siebtels oder Achtels der Bevölkerung Klagen vorgebracht worden: Im Stadtwald treibe sich ein Unhold herum, ein Sittenstrolch, ein – horribile dictu – Exhibitionist.

Unsere tüchtige junge Polizistin kam ihm bald auf die Spur. In der Tat: Er streckte ihr da etwas entgegen – und sie ihm daraufhin auch etwas: ihren Dienstausweis. Der junge Mann brachte stotternd noch ungefähr Folgendes vor: Da scheine bei ihr ein Irrtum vorzuliegen, ein Missverständnis sozusagen, er habe nur ein gewisses natürliches, unabweisbares Bedürfnis verrichten wollen … Im Übrigen sei er selber Polizist. Ob sie ihn jetzt seiner Wege gehen lassen wolle? Wollte sie nicht. Es wurde ermittelt und Anklage erhoben. In der mündlichen Verhandlung wurden Sachverhaltsdarstellungen zu Protokoll gegeben, die nicht in Übereinstimmung zu bringen waren. Ich drücke mich mit Absicht gewunden aus.

Das Verfahren gegen den Polizisten wurde gegen Zahlung eines Geldbetrages eingestellt. Und das war schon alles. Sind Sie, unbekannter Leser, jetzt enttäuscht? Sie werden doch keine voyeuristischen Neigungen haben?

Also eine Zugabe. Ich, Arno Abendschön, habe selbst vor Jahren einmal einen Exhibitionisten bei seiner abscheulichen Betätigung gesehen. Ich saß im ICE nach Mannheim und der Zug rollte gerade mit geringer Geschwindigkeit über einen Bahndamm am Stadtrand von Frankfurt. Da unten lauerte er. Ich ihn sehen, die Situation rasch erfassen – und mein psychologisches Interesse war sofort geweckt. Ich sah ihm daher nur noch ins Gesicht, mehrere Sekunden lang, bis es meinem Gesichtsfeld entschwand. Seine Züge verrieten ein diabolisches Vergnügen: unser Erschrecken, seine Allmacht, unsere Ohnmacht! Nun, man hätte die Polizei anrufen können … Wo genau haben Sie ihn gesehen? Und dann suchen sie die Bahndämme mit Hundestaffeln ab? Ach, in Frankfurt hat die Polizei Besseres zu tun.
 
G

Gelöschtes Mitglied 8146

Gast
Ich finde den Exhibitionismus sehr interessant und bin mit der Darstellung nicht einverstanden.
Im Kern sagt dieser Text aus: na ja, so schlimm ist das ja auch wieder nicht.
Der Exhibitionismus kann verschiedene Formen haben. Er kann im Mitspielen von erotischen Filmen seinen Ausdruck finden. Ebenso können sich Exhibitionisten in Swinger-Clubs darstellen. In der Partnerschaft erfordert es schon einige Fantasie, und manchmal ist ein solches Ausleben auch nicht möglich.
Die bekannte Form des Exhibitionisten, der sein fremdes Opfer mit seinem Trieb überrascht, stellt jedoch eine Gewalttätigkeit dar. Mag man das Wort „Gewaltigkeit“ auch für übertrieben halten, so besteht diese Aktion doch aus einem egoistischen Übergriff, der nicht zu dulden ist.
 
Klarstellung

Tigerauge, mir scheint, da liegt ein Missverständnis vor. Kern der Geschichte ist eine komische Anekdote aus dem Polizeidienst. Es ist nicht wirklich aufgeklärt, was da überhaupt passiert ist. Da die Geschichte so kurz ist, habe ich mir hinterher zur Abrundung noch einen kleinen Scherz mit evtl. Erwartungen von Lesern erlaubt.

In Sachen Exhibitionismus bin ich kein Fachmann und vermute nur, dass es am Klügsten ist, dem Exhibtionisten das Spiel zu verderben, indem man ihn entweder ignoriert oder lächerlich macht.

Arno Abendschön
 

Cove

Mitglied
Ich kann nicht feststellen, was an dieser Geschichte erotisch sein soll. Eine Polizistin trifft einen Exhibitionisten an, der selber Polizist ist, und verzeigt ihn, was zur Verurteilung führt. Eine rein sachliche Wiedergabe eines Sachverhalts. Leider nicht mehr.
 
Cove, vgl. Absatz 1, Satz 2 des Textes. Oder, falls dir dieser Begriff von Erotik zu weitgefasst ist, betrachte den Text eben als antierotisch. Ich denke, ich habe ihn hier damals tatsächlich aus purem Oppositionsgeist eingestellt.

Arno Abendschön
 

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