Der Prinz und der Praktikant (1)

Bastian lachte mich zur Begrüßung erst mal aus: „Dass es dich hierher verschlagen hat, na so was … Und dass gerade wir zwei uns in der Anlage Ferienglück treffen müssen - Kismet, würd ich mal sagen. Also, dann willkommen und viel Glück, wenn’s auch keine Ferien sind. Ich werd dich schon einweisen …“ Er grinste breit und schien sich über meine Ankunft tatsächlich zu freuen. Ich kannte ihn mehr oder weniger flüchtig aus den Kneipen, nur vom Reden und Rumalbern. Wir würden nie was miteinander haben, das hatte von Anfang an festgestanden. Er war kaum älter als ich und hier schon Geschäftsführer und ich war der neue Praktikant.
Bald verstand ich, dass ich für ihn jetzt doch die große Abwechslung in einer monotonen Einöde sein musste. Ich war den Weg vom Bahnhof zu Fuß über die Landstraße gegangen, nur das Nötigste für eine Woche dabei. Falls ich überhaupt bleiben sollte, würde ich am ersten freien Tag mehr von meinen Sachen aus Berlin nachholen. Man weiß doch vorher nie, wie es vor Ort abläuft. Der Anblick von „Ferienglück“ war von unten wirklich imposant: die vielen übereinander gestaffelten kleinen Holzhäuser, dunkelbraun, auch horizontal dicht beieinander. Es kam mir fast wie ein altes Bergdorf im Himalaja vor, so wie es für Bildkalender gern aufgenommen wird. Doch als ich den steilen Hang hinaufging, auf der schmalen Zufahrt mit der uralten, rissigen Teerdecke, sah ich, wie heruntergekommen die Anlage insgesamt war: die meisten Terrassen von Unkraut und Gebüsch überwuchert, hier und da im Gelände einzelne Baumruinen, Birken oder Kiefern, großflächig abblätternd der dunkelgrüne Lack an Fensterrahmen und Türen. Bastian sagte, die Bungalowkolonie sei vor gut dreißig Jahren als Betriebsferienheim für sächsische Werkzeugmacher gebaut worden. „ … und nach der Wende nie grundsaniert, bloß notdürftig in Schuss gehalten und billig vermietet.“
Von den drei Dutzend Bungalows waren noch zehn vermietbar und nur drei davon gegenwärtig belegt: langfristig von zwei Monteuren und einem Handelsvertreter. Bei Bedarf kam eine Frau aus dem Dorf zum Reinemachen. Bastian hatte wenig zu tun, weder an der Rezeption noch mit der Aufsicht über die Anlage. Wozu brauchten sie dann einen Praktikanten, auch wenn er fast umsonst arbeiten würde? „Du übernimmst einfach meinen Job“, sagte Bastian. Es war so: Anfang des Jahres hatte der Eigentümer gewechselt, der neue Investor aus Westfalen, Brömmelmeier mit Namen, würde nach der Saison die Häuser modernisieren, die Außenanlagen wieder herrichten lassen, und Bastian hatte, wie er sagte, schon genug mit den Vorarbeiten dafür zu tun. „Außerdem stehen die Sommerferien vor der Tür. Da kommen immer spontan Familien. Es gibt viele Seen in der Umgebung …“
Ich erfuhr, dass ausnahmsweise sogar Prominente, Künstler in diesem Billigparadies unterkämen. „Adlershof schickt uns manchmal Leute, die bei einem Film mitwirken. Nächste Woche kommt wieder einer für acht Wochen, ein Schauspieler diesmal, ganz was Exotisches …“ - „Kenn ich den Namen?“ – „Ich glaube, Han-Sen oder so ähnlich.“ – „Klingt irgendwie berühmt, nicht?“ – „Ach, nein, er spielt nur eine Nebenrolle. In einer Serie besetzen sie eine Hauptnebenrolle mit ihm, er ist dann irgend so ein Prinz aus dem Morgenland.“ – „Aber ist Han-Sen nicht chinesisch?“ – „Ja, kann sein. Aber er kommt aus Thailand. Oder war es Vietnam?“ – „Vielleicht Singapur oder Malaysia?“ – „Frag ihn selbst. Er soll hübsch sein, hat man mir gesagt.“

Der Filmprinz hatte einen thailändischen Pass und trug sich mit Dong Hansen ein. Ich sprach ihn mit „Welcome, Mr. Han-Sen“ an, und er korrigierte mich auf Deutsch: „Hansen, wie mein Vater, aus Hannover. Er war auch in der Hotelbranche.“ Als er sah, wie verdutzt ich war, fügte er hinzu: „Nur der Vorname ist asiatisch. Meine Mutter ist Chinesin, aber aus Thailand.“ – „Also Deutsch als Muttersprache vom Vater, sozusagen – Sie sprechen es gut.“ – „Hildesheim, von Hildesheim, da war ich lange, bei meiner Tante.“
Er war tatsächlich gutaussehend, doch auf eine Art, die mich nicht anzieht, sondern nur langweilt. So sieht vielleicht ein amerikanisierter Ostasiate aus, wenn er Broker an der Wallstreet ist, stelle ich mir vor. Aber ein Schauspieler, der auf zwei Kontinenten zu Hause ist? Alles an ihm war brav und unauffällig, die Kleidung, die Manieren, die Mimik, sogar der Schnitt seines Gesichtes – es war noch etwas durchaus Asiatisches darin enthalten, aber es war, wohl vom deutschen Vater her, zugleich so dezent geworden, dass das Fremde sich halb unsichtbar gemacht zu haben schien: ein biederer Bewohner der norddeutschen Tiefebene mit Andeutung von Mongolenfalte. Er trug unter einem weißen Jackett ein schwarzes Hemd, darin wirkte er wie der jüngste Angestellte eines Beerdigungsunternehmens auf dem jährlichen Betriebsausflug. Befangen schweigend ließ er sich von mir zu seinem Bungalow führen. Während ich ihm die Räume zeigte und die Funktion von Dusche und Jalousien erklärte, wandelte sich sein Gesichtsausdruck ein wenig ins Prinzlich-Hochmütige. Ich fing schon an, seine guten Manieren zu hassen.
„Lass dich nicht gehen“, sagte Bastian zwei Stunden später, „er Gast, du Rezeptionist.“ Bastian war geschäftlich unterwegs gewesen, ich beklagte mich jetzt bei ihm über die Erscheinung des Prinzen. Meinem Chef fiel noch etwas ein: „Einmal hat er doch eine Hauptrolle gehabt, die Rolle seines Lebens wahrscheinlich. Hast du mal ‚Der hundertste Längengrad?’ gesehen?“ – Und ob ich den Film kannte! Er war einer der seltenen Streifen, die mir nach einmaligem Anschauen nach Jahren noch mit vielen Details präsent sind. Dieser junge Herr Hansen aus Hannover, Hildesheim und meinetwegen auch noch aus Bangkok, er hatte den jungen Thai gespielt, der im Kampf mit der Mafia untergeht? Schwer zu glauben. Ich konnte es jetzt nicht in Ruhe überprüfen … Ich überlegte, wann ich den Film im Kino gesehen hatte: vor etwas mehr als zwei Jahren, und zwar als Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
In meinem Bungalow kam ich mit dem Smartphone nur schwer ins Internet. Bastian hatte mir eines der Häuschen zugewiesen, die nicht mehr vermittelt wurden. Die billigen Möbel aus der ersten Nachwendezeit waren abgenutzt, reif für den Sperrmüll. Das verstand sich hier alles von selbst, die durchgelegenen Matratzen, die fleckigen Polster, die abgestoßenen Ecken der Möbel, die ihr Zellulose-Innenleben vorzeigten. Einige Jalousien ließen sich nicht mehr hochziehen, andere klemmten, wenn ich sie herunterlassen wollte. Ich war dort nur zum Schlafen, ich aß in dem kleinen Büro im Hauptgebäude oder ich ging für warmes Essen ins Dorfgasthaus. Abends surfte ich meistens von der Rezeption aus im Netz, so auch an diesem ersten Tag.
Zuerst sah ich mir den Trailer zum Film an. Dann überprüfte ich Hansens Angaben – alles stimmte, der Vater aus Hannover, die chinesische Mutter, die Hildesheimer Tante. Er war Dong Hansen, schon lange nur noch in Bangkok zu Hause, und Dong – ich fing jetzt an, ihn bei mir mit Vornamen zu nennen – war Arun gewesen. Ich ließ den Trailer noch mal ablaufen, ich fand einzelne ins Netz gestellte herausragende Szenen. Der Film war wieder als Ganzes in meinem Kopf.
Wie die anderen Thai-Filme, die ich kannte, war auch dieser extrem gewesen: wieder einmal Blut, Schweiß und Tränen, also sehr viel Gewalt und noch mehr Gefühl. Dong hatte das Kunststück fertiggebracht, seine Rolle sowohl stark zu idealisieren wie auch zugleich eine Figur zu präsentieren, die vollkommen natürlich erschien. Er gab sie warmherzig, ohne dabei zu übertreiben. Häufig zeigte er mit einem Lächeln sein Empfinden für komische Situationen an. Das wirkte sehr sympathisch. Es war auch erotisch, aber nur nebenbei, es war vor allem allgemeinmenschlich einnehmend. Dasselbe galt für sein zweites mimisches Hauptmittel. In problematischen Situationen verriet sein Gesicht in verschiedenen Abstufungen Unsicherheit, Besorgnis, Frustration, und zwar so, dass man wiederum stark mit ihm fühlte. Arun war eine Art irdischer Bodhisattva. Er war sanft, mitfühlend, verantwortungsbewusst, redlich und weise. Er wirkte auch physisch viel asiatischer als unser Herr Hansen, vielleicht das Ergebnis von Postproduktion, seine Haut dunkler, stark ins Olivbraune spielend.
Bastian ließ sich am Tresen blicken, das tat er auch in der Folgezeit abends manchmal, wenn ich dort saß. Ich klickte die Filmszene rasch weg. Bastian fragte nie, was ich mir ansehe. Er sagte: „Der Prinz ist zurück. Das Taxi hat ihn gerade aus Berlin gebracht.“ – „Wird er auch morgens abgeholt?“ – „Ja. Sie haben wohl einen Vertrag.“ Unser Gespräch kam nicht in Gang. Ich schob vor, bald schlafen gehen zu wollen und verzog mich.

Spätabends stand ich einige Tage später hinter meinem Wohnzimmerfenster und ließ den Blick wieder über „Ferienglück“ schweifen. Ich hatte bei mir im Zimmer noch kein Licht gemacht und meine Augen gewöhnten sich rasch an den geringen Grad von Helligkeit draußen. Rundherum, neben und unter meinem Quartier, standen alle Bungalows dunkel und leer unter einem halb verhangenen Nachthimmel. Verstörend wirkte der Umstand, dass die Häuschen einander so eng benachbart waren. Die verwahrloste Terrasse vor mir, die ich nie benutzte, hatte das Teerpappendach eines der unteren Bungalows direkt vor sich. Schweigen und Verfall waren umfassend und bezogen meine Innenräume mit ein. Ich war ein isoliertes Individuum in einer entvölkerten Stadt, die ebenso tot wie dicht gebaut war.
Warum war ich noch hier? Es gab bei so wenigen Gästen, so wenigen Anfragen kaum etwas für mich zu tun. Von Bastian kamen gelegentlich defätistische Äußerungen. Er glaubte nicht mehr an die Zukunft der Anlage. Bei meiner Ankunft hier war er vermutlich nicht ganz aufrichtig gewesen. Ich glaubte, dass er sich längst nach einer neuen Stellung umsah. Nun, meine Zeit hier war auch begrenzt. In so und so viel Wochen würde ich wieder in Berlin sein, frei, mit einem Stück Papier für weitere Bewerbungen und einem kleinen Plus auf meinem Konto, hoffentlich.
Ein Lichtfunke sehr hoch am Himmel war ein Flugzeug, das seinen Weg nach Schönefeld suchte. Es kam von Osten, da Westwind wehte, vielleicht kam es aus Asien. Ich folgte erst seiner sehr langsam absteigenden Bahn, dann zog ein anderes Licht am Boden meinen Blick davon ab. Ein breiter Spalt zwischen zwei Bungalows schräg unter mir bildete einen Sehkanal in Richtung auf das Haupthaus, das selbst nicht sichtbar wurde, dafür an seiner Stelle das noch vorzeigbare, vermietbare und jetzt von innen erleuchtete Haus daneben. Dong war also daheim und wach. Bereitete er sich auf seine jetzige oder eine künftige dramatische Rolle vor, in die er mit Hilfe vollständiger Metamorphose demnächst für einige Stunden schlüpfen würde, um abends wieder der blasse Privatmensch zu werden?
Vollkommen naiv war ich natürlich nicht. Ich wusste recht gut, dass Schauspielerpersönlichkeit und Rollencharakter zwei möglichst sauber zu trennende Sachverhalte sind. Den Darsteller des Karl Moor am Bühnenhintereingang zu küssen, würde mir nicht einfallen. Dennoch musste es irgendeine Brücke, ein inneres Verbindungsglied geben vom Darsteller zum Dargestellten, einen Anknüpfungspunkt, ein Minimum von Seelenverwandtschaft. Das im konkreten Fall im Verhältnis von Dong zu Arun herauszufinden, ich empfand es in diesem Stadium zunehmend als eine von mir zu lösende Aufgabe. Langeweile hier und Enttäuschung über Dongs desillusionierende Erscheinung verbanden sich zu dieser fixen Idee in mir.
Wir hatten in jenen Tagen wenig Kontakt zu unserem Prinzen. Einmal kam er morgens, da sein WC defekt war und ständig Wasser nachfloss. Das ließen wir noch am selben Tag reparieren. Dong kam abends bei mir am Tresen vorbei, um sich freundlich, wenn auch prinzlich gemessen, fast reserviert, zu bedanken. Ich war nicht mehr im Dienst und nur noch privat im Netz unterwegs und klickte rasch weg, was ich mir gerade ansah: den Wikipedia-Artikel über Bangkok. Er beklagte sich über die seit Tagen herrschende Schafskälte. Ich gab ihm eine Decke aus unserem Wäschelager mit. Ich rollte sie zusammen, er klemmte sie unter seinen linken Arm und ich glaubte dabei erstmals etwas Spontanes auf seinem Gesicht zu entdecken: ungespielte Vorfreude auf Bettwärme.
Den übernächsten Tag hatte er frei und verbrachte ihn fast ganz in seinem Bungalow. Es war ein Sonntag, ich arbeitete trotzdem. Ich wässerte den Rasen vor dem Haupthaus, als er dazukam, offenbar um einige Worte zu wechseln. Ja, es war wieder wärmer geworden, ja, er kam in Adlershof gut zurecht. Schwierig sei nur das Einkaufen von Lebensmitteln für daheim. Manchmal lasse er den Taxifahrer unterwegs an einem Supermarkt halten und besorge rasch das Nötigste. Ich bot Hilfe an, übereifrig, wie Bastian mir später vorhielt. Dong gab mir also zweimal in der Woche eine kleine Liste und ich ließ mich von Bastian zum Discounter im größeren Nachbarort fahren. Es waren nur wenige einfache Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Brot oder Fischkonserven. Wenn Dong sie abends entgegennahm und mit mir abrechnete, tat er es gelassen freundlich. Obwohl es nicht selbstverständlich war, was wir für ihn taten, schien er es vielleicht doch so aufzufassen.
Ich war also inzwischen in ein nicht näher zu definierendes persönliches Fürsorgeverhältnis zu ihm getreten. Ich war jetzt neugierig auf ihn selbst, auf eine neutrale Weise, im Kern nicht mehr angetrieben von Enttäuschung, wenn auch noch nicht von Erwartung. Nur dass er meiner Neugier vorerst so gut wie keine Befriedigung verschaffte.

Meine Vorahnung sollte sich bestätigen. Ende Juni stand Bastian eines Morgens reisefertig vor mir am Tresen, beinahe wie ein Gast, der den Schlüssel abgibt.
„Brömmelmeier ist am Ende. Er hat Insolvenzantrag gestellt.“ Bastian wirkte noch aufgeräumter als sonst, fast fröhlich. Er schob seine Reisetasche mit dem Fuß ein wenig hin und her. „Das Ende ist nah, nur noch nicht ganz bis zu uns gekommen. Aber ich werde es hier nicht erwarten - fällt mir nicht ein. Ich fahre gleich nach Leipzig, da steht schon was in Aussicht.“ Ihn nach Leipzig zu begleiten, komme für mich kaum in Frage, sagte ich ihm und hoffte zugleich, er würde es mir anbieten. Doch nicht einmal nach Berlin hätte er mich mitgenommen. Der Geschäftsbetrieb müsse aufrechterhalten werden, jedenfalls vorerst, sagte Bastian, und zwar durch mich; alles mit Brömmelmeier so abgesprochen. Er legte mir dar, wie wenig ich überhaupt zu tun hätte und dass für mich immer noch Aussicht auf Gehaltszahlung bestehe, es sei denn, ich würde vor Ablauf meines Vertrags „Ferienglück“ im Stich lassen.
Als er nachlegte und mir mit Haftung drohte, falls die Anlage ohne Aufsicht Schaden nähme, unterbrach ich ihn: „Du hast das kommen sehen und mich reingezogen, damit ein anderer die Stellung halten muss …“ Er quittierte es amüsiert lächelnd und ging nicht weiter darauf ein. Stattdessen sagte er „Ich glaube, du willst jetzt gar nicht wirklich fort … Wie weit bist du eigentlich mit dem Thai?“ Darauf war auch meinerseits besser nichts zu erwidern, ich machte nur eine abwehrende Handbewegung. Dann besprachen wir das Praktische und zwanzig Minuten später startete er den Wagen. Mir ging durch den Kopf, ich müsse Dong noch am Abend wegen der Einkäufe Bescheid sagen.
Der Prinz erfuhr von mir nur, dass mein Chef geschäftlich länger fort sei. Ich würde nur noch einmal in der Woche mit dem Bus in die Stadt fahren und einkaufen können. Er nahm es, wie mir schien, sehr gleichmütig hin, als hätte es keinerlei Bedeutung. Ich stand vor seiner Tür, er bot mir nicht an einzutreten. Also ging ich zurück ins Büro und bald für meine Verhältnisse früh schlafen.
Am übernächsten Tag kam eine Mail von Brömmelmeier, ich durfte keine neuen Gäste mehr aufnehmen. Die beiden Monteure waren schon fort, sie waren gleich nach Bastians Weggang ausgezogen. Außer dem Prinzen und mir selbst wohnte also nur noch der Handelsvertreter in der Anlage, dachte ich. Ich sollte sie jetzt täglich inspizieren und auf einem meiner Kontrollgänge sah ich mitten am Tag die Tür zum Bungalow des Vertreters weit offen. Ich rief hinein und trat dann in den Vorraum. Auf dem kleinen Tisch dort lag der Schlüssel. Tatsächlich war auch dieser Gast, wovon ich mich drinnen überzeugen konnte, vorzeitig abgereist und er hatte es nicht einmal für der Mühe wert gehalten, Bescheid zu sagen. So etwas kam wohl vor, das wusste ich, doch mir schien es zu bedeuten: So weit ist es gekommen, hier spitzt sich jetzt alles zu …
Ich verbrachte die Tage mit Lesen, Schreiben, im Internet Surfen. Keiner kam mehr zu mir an die Rezeption, auch kein Anruf, keine Post, keine sonstigen Nachrichten. Ich hörte Dongs Taxi morgens herauf- und dann wegfahren, hörte, wie er abends zurückgebracht wurde. Seit jenem Abend war er nicht wieder zu mir gekommen und hatte keinen Einkaufszettel mehr abgegeben. Ich kaufte also nur noch für mich ein, trug die wenigen Artikel vom Bus den Berg herauf, auf dem ich festsaß. Die Einsamkeit und die Stille um mich herum nahmen nach meinem Gefühl immer mehr zu. Nur in großen Abständen ließen sich von der Landstraße unten her leise Fahrgeräusche vernehmen.
 
Auch hier danke ich Delfine fürs intensive Lesen und Überdenken. Nicht ganz falsch liegt, wer das für einen Vorwand hält, die beiden Textteile sich wieder annähern zu lassen. Leider fehlt die Verlinkung, lässt sich wohl nicht nachholen?
 
Geschätzter Binsenbrecher,

leider kann ich hier im Originaltext nicht mehr korrigieren. Ich würde sonst rasch dem IE einen Vornamen geben, aus dem sein Geschlecht unzweideutig hervorgeht. Es handelt sich nicht um eine Protagonistin! Es scheint mir wenig wahrscheinlich, dass eine junge Hotelkauffrau in einer solchen Situation einen Gast bei sich übernachten lässt, den sie persönlich noch so gut wie gar nicht kennt.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

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