Der Realist

blackout

Mitglied
Es klagt der brave Mann voll Zorn und Frust:
„Das ganze Leben ist ein Kompromiss!"
Das wurde kürzlich ihm sehr klar bewusst,
sein Schicksal nennt er nur noch Nemesis.

Drum setzt er seinen Fuß nur Schritt für Schritt:
Wer übertreibt, der ist ganz übel dran.
Mit jugendlichem Eifer ist er quitt,
er ist jetzt wer, jetzt ist er stark: ein Mann.

Verantwortung! Das ist sein Zauberwort,
und voll Elan trägt er sie Tag und Nacht.
Er hat sich, wie man sagt, in sie verbohrt,
für sie wirft er sich mutig in die Schlacht.

Die Mitte ist sein angestammter Platz.
Denn was er braucht, ist nun mal Sicherheit.
Was rechts und links, das übergeht er stracks,
er steht für strenge Ausgewogenheit.

Gerecht teilt er die Welt in Bös und Gut,
wie einst zu ihm der Lehrer Hempel sprach.
Was er am meisten hasst, das ist die Brut,
die nichts als Chaos schafft und Krach.

Als Realist sieht er die Welt real.
Wer spinnt, der ist ihm äußerst obsolet,
und er verabscheut jede Art Skandal.
Man sieht, der gute Mann hat Qualität.
 

Mondnein

Mitglied
Gerecht teilt er die Welt in Bös und Gut,
wie einst zu ihm der Lehrer Hempel sprach.
Was er am meisten hasst, das ist die Brut,
die nichts als Chaos schafft und Krach.

"Er", das ist blackout, wie sie leibt und lebt. Und die Brut, das ist Harry Kupfers Parsifal.

Find ich gut, hat was von Humor.

Fast.
 
Ich sitze vor meinem Mac nachts um 2 Uhr 49 und gucke mir dieses Gedicht an, eine Flasche guten Rose schon hinter mir. Was erzählst du uns denn da, blackout? Was für eine blöde Zeile: «Wer spinnt, der ist ihm äußert obsolet». Hör doch einfach mal auf, in der Gegend herzureimen und schreib einen schlagenden Vierzeiler oder Achtzeiler. Reicht doch. Und keine ellenlangen Apothekerverse, um aus Problemen Wörter zu machen. Und sag gleich in der ersten Zeile, was dir wichtig ist. Und verkneif dir, was du dazu sonst noch alles sagen könntest in vierunddreißig schönen Strophen. Und wenn du dann irgendwann deinen Sound gefunden hast, dann schreib so viele Gedichte, wie du willst. Dann werden sie alle gut sein. JF
 

blackout

Mitglied
Ich hätte nicht gedacht, dass die relativ harmlose Satire so tiefe Wunden schlägt und mir hier einer ersteht, der mir Anweisungen erteilt, was ich zu schreiben habe und was nicht. Ich hatte schon Befürchtungen, Joe, wenn ich noch deutlicher heranginge, würden du und Co. sich nicht wieder einkriegen, täte mir zu leid. Satire ist nicht dein Ding, verstehe. Ich habe mit meinen Gedichten einfach nur Pech, ständig treffe ich ins Schlimme. Ich sollte über nichts als die Liebe und die Natur schreiben. Aber auch in diesen Genres kann ich für nichts garantieren.

Aber was anderes: Glaubst du, dass Mark Twain angesichts deines Kommentars ernst bleiben könnte? Ich habe ihn im Verdacht, dass er heute genauso - wenn nicht noch bissiger - herumfeixen würde wie über die Dummköpfe seiner Zeit. Grund gibt es genug. Und darauf eine Flasche guten Rosé.

Prost, blackout
 
Letzte Worte in dieser Sache, blackout,
deine "Satire, die tiefe Wunden schlägt". kannst du in der Abteilung Wunschdenken unterbringen. Oder du lässt es, denn niemand erteilt dir hier Anweisungen, was du zu schreiben hast und was nicht. Und ich nehme zur Kenntnis, wir beide werden in diesem Forum keine Gesprächspartner mehr. JF
 
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