Der Seele Raum geben

Rezension zu:

Thomas Moore, Der Seele Raum geben, Claudius 2010, 354 Seiten, ISBN 978-3-532-62403-6

Der Amerikaner Thomas Moore ist in den USA ein bekannter Mann. Von Hause aus Theologe, Psychologe und Musikwissenschaftler, was an sich schon eine ungewöhnliche Mischung darstellt, hat er dort in der Vergangenheit zahlreiche wichtige Bücher veröffentlicht. Das vorliegende Buch, das schon 1993 bei Droemer erstmals erschienen ist, und zuvor in den USA fast ein Jahr lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand, ist ein wichtiger Brückenschlag zwischen der klassischen Psychologie und Psychotherapie und der Spiritualität. Insofern ist er eng seinem amerikanischen Kollegen Richard Rohr verwandt, der erst jüngst mit „Pure Präsenz“ eine Zusammenfassung seines mystisch-spirituellen Denkens vorgelegt hat.

Das Buch von Thomas Moore mit dem Titel „Der Seele Raum geben“ hat einen weiteren Ansatz. Unter der Überschrift „Sorge für die Seele im alltäglichen Leben“ gibt er einen luziden kulturhistorischen und ideengeschichtlichen Überblick über Vorstellungen über die Seele und ihre Pflege in der Literatur, in den Mythen und Traditionen.

Im zweiten großen Kapitel „Spirituelle Praxis und psychologische Tiefe“ versucht er, die „Spiritualität und die Seele zu vermählen“. Wenn man insbesondere dieses Kapitel liest, wird einem deutlich, warum eine so große Zahl von Psychotherapien scheitern, weil es entweder auf Seiten des Therapeuten oder auf Seiten des Klienten nicht gelingen will, der spirituellen Entwicklung und Reifung den entsprechend nötigen Raum zu geben. Ohne diese Dimension ist für die Seele keine wirkliche Heilung möglich, weil es im alltäglichen Leben dann nicht möglich ist, etwas zuzulassen, ohne das eine tragfähige und nachhaltige Veränderung verhindert wird: ich nenne es mit dem Neuen Testament „Umkehr“. Die Veränderung der bisherigen Lebensprioritäten und die Loslösung und das Loslassen von allem, was mich bisher krank gemacht hat.

Diesen Zusammenhang ausführlich und anspruchsvoll dargestellt zu haben, ist das große Verdienst dieses wunderbaren Buches, das man allen Menschen gut empfehlen kann, die auf einem Veränderungsweg sind, oder spüren, dass sie sich , mit wie viel Angst und Zögern auch immer, bald zu ihm aufmachen müssen, wenn sie nicht lebend weiter tot sein wollen.
 

 
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