Der Tag vor CSD

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Midian

Mitglied
Es war Sommeranfang, die Sonne schien, die Vögel sangen, die Welt war wunderschön, und morgen war Christopher-Street-Day. Aber für Mathias war der Himmel grau, denn Michael, seine feste Beziehung, war ausgezogen. Michael war seine große Liebe gewesen – nun, jedenfalls die letzten drei Monate. Missmutig schlenderte Mathias durch den Stadtpark. Hinter den Büschen hörte er leises Gelächter und andere Geräusche. Früher hatte er da mitgemacht, aber Michael hatte es nicht gewollt. Für Michael war Mathias treu geblieben – meistens. Aber dann war Manrico aufgetaucht, dieser Schönling! Italiener, mit einem Body wie von der Sonnenöl-Werbung, braungebrannt, sprühend vor Charme.
Mathias, intelligent, prima Kumpel, aber leider etwas blässlich, dünnes Haar, Körper von den vielen Vorlesungen in der Uni leicht gebeugt, hatte da keine Chance gehabt.
Als Mathias so seinen trüben Gedanken nachhing, stand plötzlich ein Wesen vor ihm mit langer, roter Perücke, angeklebten Wimpern, einem tiefen Dekolleté über dem Silikon-Busen, Strapsen und schwindelerregenden Pumps, winkend.
„Hallöchen, hallöchen, ich bin die Fee vom CSD!“
„Haha“, sagte Mathias. „Was für eine originelle Anmache. Ich stehe nicht auf Tunten.“
„Alle männlichen Feen sind Tunten. Ich bin die rote Lilli, und du hast heute drei Wünsche frei.“
„Toll. Du willst eine Fee sein? Wo hast du denn deinen Zauberstab?“
„Na, du kannst Fragen stellen! Wo Feen wie ich so ihre Zauberstäbe haben, aber zeigen tu ich ihn nicht, na jedenfalls nicht hier.“
„Wäre wahrscheinlich sowieso nicht viel zu sehen“, brummte Mathias. „Lass mich in Ruhe, ich habe Liebeskummer.“
„Weiß ich doch. Der blonde Michael. Du glaubst gar nicht, wie oft ich schon Liebeskummer hatte. Kaum habe ich sie ins Bad gelassen, sind sie durchs Toilettenfenster wieder raus und haben auch noch die Seife mitgenommen. Na ja, das war, bevor ich Fee geworden bin. Fee vom CSD. War meine einzige Chance. Wünschen hilft ja nur an Feiertagen, weiß man aus den Märchen.“
„Ich glaube nicht an Märchen. Ich glaube an gar nichts mehr.“ Mathias schniefte.
„Fang bloß nicht an zu heulen, sonst fange ich auch noch an, und dann verschmiert mein Mascara.“ Lilli tupfte sich vorsichtig die Wimpern. „Zwei Stunden habe ich für dieses kleine Kunstwerk gebraucht. Feen müssen nun einmal gut aussehen.“
„Du siehst prima aus“, sagte Mathias lahm.
„Wie nett von dir. Danke! Du bist ein so höflicher Junge. Also, wünsch dir endlich was, schließlich habe ich heute noch woanders zu tun. Was meinst du, wie viele gebrochene Herzen und Beziehungen wieder auf der Tagesordnung stehen. Ich sage dir, Fee bei den Schwulen zu sein, ist reinste Akkordarbeit. Keine freie Stunde. Ich meine, die Hetero-Feen haben auch ihr Pensum, sicher, aber bei denen gibt es schließlich nicht diese vielen süßen Verlockungen – Saunen, Dark-Rooms, Cruising Areas, du weißt schon, wovon ich rede.“
Mathias lächelte versonnen. „Wäre schon schön, so drei Wünsche frei zu haben.“
„Du musst sie nur aussprechen.“ Lilli klimperte mit den falschen Wimpern. „Allerdings musst du klug und mit Bedacht wählen, so ist das immer mit den Feen-Wünschen.“
„Na gut“, grinste Mathias, „als erstes möchte ich noch besser aussehen als Manrico.“
Er hatte es kaum ausgesprochen, da war er eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und Antonio Banderas. Mathias sah an sich hinunter und konnte es nicht glauben. „Es hat gewirkt“, flüsterte er.
„Was hat du denn geglaubt?“ sagte Lilli und feuchtete sich die Lippen. „Und dein zweiter Wunsch?“
„Nun ja, ich – „ Mathias wurde rot. „Ich möchte zu jeder gewünschten Zeit so potent sein wie Manrico.“
Schon sprangen ihm fast die Knöpfe von der Hose.
„Oh, oh“, stöhnte Mathias, „das ist ja unglaublich. Das ist – als drittes möchte ich gleich, dass – „
„Halt!“ rief Lilli und fuchtelte mit den Armen. „Nicht so schnell. Der dritte Wunsch will reiflich überlegt sein, bedenke das.“
„Ja, du hast recht“, keuchte Mathias.
Da kamen plötzlich Manrico und Michael Arm in Arm herbeigeschlendert. „Sieh dir dieses Prachtexemplar von einem Mann an!“ sagte Manrico zu Michael und wies auf Mathias. „Da kann man ja neidisch werden.“
Mathias glühte vor Stolz. Er ließ sich bewundern und tat, als kenne er die beiden nicht. Der schöne Manrico wollte ihn gleich zu einem flotten Dreier einladen, und Mathias bebte vor Entzücken. „Vielleicht schaue ich mal vorbei“, sagte er lässig und flüsterte Lilli zu: „Danke! Du hast mir einen Lebenstraum erfüllt. So eine Fee wie dich möchte ich immer bei mir haben.“
„Wunsch erfüllt!“ jauchzte Lilli, fiel Mathias um den Hals und drückte ihm einen dicken Kuss auf die Lippen. „Wir werden das allertreueste Paar sein, Liebster.“
Schönen Christopher-Street-Day!
 

Midian

Mitglied
Es war Sommeranfang, die Sonne schien, die Vögel sangen, die Welt war wunderschön, und morgen war Christopher-Street-Day. Aber für Mathias war der Himmel grau, denn Michael, seine feste Beziehung, war ausgezogen. Michael war seine große Liebe gewesen – nun, jedenfalls die letzten drei Monate. Missmutig schlenderte Mathias durch den Stadtpark. Hinter den Büschen hörte er leises Gelächter und andere Geräusche. Früher hatte er da mitgemacht, aber Michael hatte es nicht gewollt. Für Michael war Mathias treu geblieben – meistens. Aber dann war Manrico aufgetaucht, dieser Schönling! Italiener, mit einem Body wie von der Sonnenöl-Werbung, braungebrannt, sprühend vor Charme.
Mathias, intelligent, prima Kumpel, aber leider etwas blässlich, dünnes Haar, Körper von den vielen Vorlesungen in der Uni leicht gebeugt, hatte da keine Chance gehabt.
Als Mathias so seinen trüben Gedanken nachhing, stand plötzlich ein Wesen vor ihm mit langer, roter Perücke, angeklebten Wimpern, einem tiefen Dekolleté über dem Silikon-Busen, Strapsen und schwindelerregenden Pumps, winkend.
„Hallöchen, hallöchen, ich bin die Fee vom CSD!“
„Haha“, sagte Mathias. „Was für eine originelle Anmache. Ich stehe nicht auf Tunten.“
„Alle männlichen Feen sind Tunten. Ich bin die rote Lilli, und du hast heute drei Wünsche frei.“
„Toll. Du willst eine Fee sein? Wo hast du denn deinen Zauberstab?“
„Na, du kannst Fragen stellen! Wo Feen wie ich so ihre Zauberstäbe haben, aber zeigen tu ich ihn nicht, na jedenfalls nicht hier.“
„Wäre wahrscheinlich sowieso nicht viel zu sehen“, brummte Mathias. „Lass mich in Ruhe, ich habe Liebeskummer.“
„Weiß ich doch. Der blonde Michael. Du glaubst gar nicht, wie oft ich schon Liebeskummer hatte. Kaum habe ich sie ins Bad gelassen, sind sie durchs Toilettenfenster wieder raus und haben auch noch die Seife mitgenommen. Na ja, das war, bevor ich Fee geworden bin. Fee vom CSD. War meine einzige Chance. Wünschen hilft ja nur an Feiertagen, weiß man aus den Märchen.“
„Ich glaube nicht an Märchen. Ich glaube an gar nichts mehr.“ Mathias schniefte.
„Fang bloß nicht an zu heulen, sonst fange ich auch noch an, und dann verschmiert mein Mascara.“ Lilli tupfte sich vorsichtig die Wimpern. „Zwei Stunden habe ich für dieses kleine Kunstwerk gebraucht. Feen müssen nun einmal gut aussehen.“
„Du siehst prima aus“, sagte Mathias lahm.
„Wie nett von dir. Danke! Du bist ein so höflicher Junge. Also, wünsch dir endlich was, schließlich habe ich heute noch woanders zu tun. Was meinst du, wie viele gebrochene Herzen und Beziehungen wieder auf der Tagesordnung stehen. Ich sage dir, Fee bei den Schwulen zu sein, ist reinste Akkordarbeit. Keine freie Stunde. Ich meine, die Hetero-Feen haben auch ihr Pensum, sicher, aber bei denen gibt es schließlich nicht diese vielen süßen Verlockungen – Saunen, Dark-Rooms, Cruising Areas, du weißt schon, wovon ich rede.“
Mathias lächelte versonnen. „Wäre schon schön, so drei Wünsche frei zu haben.“
„Du musst sie nur aussprechen.“ Lilli klimperte mit den falschen Wimpern. „Allerdings musst du klug und mit Bedacht wählen, so ist das immer mit den Feen-Wünschen.“
„Na gut“, grinste Mathias, „als erstes möchte ich noch besser aussehen als Manrico.“
Er hatte es kaum ausgesprochen, da war er eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und Antonio Banderas. Mathias sah an sich hinunter und konnte es nicht glauben. „Es hat gewirkt“, flüsterte er.
„Was hat du denn geglaubt?“ sagte Lilli und feuchtete sich die Lippen. „Und dein zweiter Wunsch?“
„Nun ja, ich – „ Mathias wurde rot. „Ich möchte zu jeder gewünschten Zeit so potent sein wie Manrico.“
Schon sprangen ihm fast die Knöpfe von der Hose.
„Oh, oh“, stöhnte Mathias, „das ist ja unglaublich. Das ist – als drittes möchte ich gleich, dass – „
„Halt!“ rief Lilli und fuchtelte mit den Armen. „Nicht so schnell. Der dritte Wunsch will reiflich überlegt sein, bedenke das.“
„Ja, du hast recht“, keuchte Mathias.
Da kamen plötzlich Manrico und Michael Arm in Arm herbeigeschlendert. „Sieh dir dieses Prachtexemplar von einem Mann an!“ sagte Manrico zu Michael und wies auf Mathias. „Da kann man ja neidisch werden.“
Mathias glühte vor Stolz. Er ließ sich bewundern und tat, als kenne er die beiden nicht. Der schöne Manrico wollte ihn gleich zu einem flotten Dreier einladen, und Mathias bebte vor Entzücken. „Vielleicht schaue ich mal vorbei“, sagte er lässig und flüsterte Lilli zu: „Danke! Du hast mir einen Lebenstraum erfüllt. So eine Fee wie dich möchte ich immer bei mir haben.“
„Wunsch erfüllt!“ jauchzte Lilli, fiel Mathias um den Hals und drückte ihm einen dicken Kuss auf die Lippen. „Wir werden das allertreueste Paar sein, Liebster.“
Schönen Christopher-Street-Day!
 
D

Dominik Klama

Gast
Sehr hübsch, midian!

Wenn sie alle so sind, kaufen dir die Schwulen deine schwulen Märchen ab wie warme Semmeln.

Antonio Banderas und Arnold Schwanzenegger natürlich nur in den Achtzigern! Und ich nehme den Antonio und geb Arnold den Arschtritt.
 

Midian

Mitglied
Hallo Dominik,

danke für dein Lob.

Antonio und Schwarzenegger natürlich wie sie früher mal waren, so alt sind die Märchen auch fast schon.
 
D

Dominik Klama

Gast
:)
Es kommt jetzt ein Film mit Liam Neeson und Antonio Banderas, einen, den ich leider nicht besonders empfehlen kann: "The Other Man - Der Andere" (nach Bernhard Schlink). Das hab ich als Sneak Preview gesehen und die Titel verpasst am Anfang. Da taucht Banderas anfangs nur auf Fotos als der verschwiegene Liebhaber einer verschwundenen Frau auf.

Ich dachte: Na, irgendwie nett, wer ist das? Ein sehr kleiner Mann, der wie die Karikatur des grau melierten Latin Lovers in den besten Jahren wirkt. So ein bisschen ein Gockel, routinierter Charmeur, ein Ladies' Man, aber schon halt auch einigermaßen lächerlich. Ein wenig der Typ wie Banderas, dachte ich. Dann war er es selbst. Er ist ein Hausmeister in Mailand, der sich für einen großen Herrn ausgibt. Da passt dieser erste Eindruck, den ich hatte, sehr gut zur Rolle.

Ja, aber er hat ganz bizarre Finger. (Fielen mir bisher nie auf.) Er sieht immer so klein und wuselig aus. Ein wenig mitgenommen und verlebt. Und, er sieht wie eine kleine, zarte schwule Maus aus. Ich frag mich dann immer, ob die Frauen, denen solche Leute als Männerschwärme angeboten werden, das denn nicht sehen...

Aber jetzt der erste Film, in dem ich ihn jemals erblickte: "Das Gesetz der Begierde" (1986) von Pedro Almódovar. Da war das dermaßen exakt mein Typ, ich war total verrückt nach ihm. Ich will übrigens gar nicht sagen, Banderas sei schwul oder bisexuell. Groß geworden ist er halt als der schöne Junge in den Almódovar-Filmen. Und Almódovar ist selbstverständlich schwul.

Und Schwarzenegger ist es selbstverständlich nicht. Der sah mir immer zu sehr nach Humorlosigkeit, Härte aus, um ihn je wirklich mögen zu können. Auch steh ich halt nicht auf Muskeln, also nicht im Übermaß. Aber stimmt schon, viele Schwule träumen tatsächlich von solchen Männern, die sie zerrrrbrrrrechenn könnten, à la Zarah Leander.

Zur Zeit wird an solchen Stellen wie in deinem Text ja immer noch der Name Brad Pitt genannt. Obwohl das auch mehr dem Stand von vor zehn Jahren entspricht. Ich hab mal ne Zeitlang auf James McAvoy gesetzt (u.a. "Abbitte" nach Ian McEwan), der ist aber zur Zeit verschwunden von den Leinwänden. Als Zarter, was eher "mein" Fach ist, gefiel mir Ben Wishaw, der Grenouille aus "Das Parfüm". Schwuler Held wird der aber nie, eben weil er zart und also nicht männlich genug ist. Und außerdem Segelohren hat, das nehmen die nicht hin.

Wer eine sehr charmante, wunderbar natürliche und auch zur Selbstironie fähige Männlichkeit hat, ist Gerard Butler. Den ja auch die Frauen ganz toll finden. Also, das will schon enorm was heißen, wenn ich gern mit einem "Bären"-Typen ins Bett wollte, der AUCH zu viele Muskeln hat.

Nicht uninteressant ist Jason Statham. Der endlich mal die Glatze wieder rehabilitiert hat. Außerdem ist dessen Ausstrahlung so beruhigend dümmlich-heterosexuell, da stimmt einfach die Weltordnung wieder: Die besten Männer sind immer hetero und man kann sie leider niemals kriegen. ;-))

Also, wenn du die Märchen als Buch in den schwulen Buchläden verkaufen wolltest, dann müssten gewisse Populärkulturverweise stimmen für das aktuelle Szenepublikum. Das heißt Leute, die jetzt zwischen 20 und 35 sind. Das sind in dem Bereich immer die, die das "Sagen" haben. Die Älteren hecheln der Musik, der Mode, den Stars nach, die in sind bei dieser Altersgruppe. Da weiß ich jezt gar nicht, wen man nennen sollte. Notbehelf Brad Pitt geht immer noch, aber nicht mehr lange.

Es müssten eher Schauspieler aus der Generation jener sein, die jetzt durch diese schauerliche Vampirsaga "Twilight" für Jungmädchen geistern. Absolut top für die Mädels ist da der "Held" Edward, gespielt von dem James-Dean-Wiedergänger Robert Pattinson. Den find ich aber so fürchterlich, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass junge Schwule den auch nur halbwegs so gut finden wie junge Mädchen. (Obwohl: Ich traue ihnen alles zu.) Allerdings gibt es in diesen Filmen noch einen Werwolf-Menschen, der wohl von einem namens Taylor Lautner gespielt wird. Dessen darstellerische Vorzüge bestehen vor allem darin, dass er wie ein sehr starker, aber sehr, sehr harmloser Bubi ausschaut, die Art von Tier, die jeder Siebzehnjährigen aus der Hand frisst. Er hat einen überaus prächtig entwickelten, haarlosen Körper, der ist so prächtig, dass er ständig halbnackt durch den Wald rennen und nur mit Shorts bekleidet stundenlang im Regen warten muss. Man schüttet sich aus vor Lachen. Guckt aber schon gerne hin.
 


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