Dichters Unsterblichkeit

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blackout

Mitglied
Ich sage dir das. Die Gedichte hier sind fast alle nur für den Hausgebrauch tauglich. Das zu erkennen, da genügt ein realistischer Blick. Vielleicht kann ich diese Behauptung mit einer Anekdote untermauern:

In den zwanziger Jahren, als in Deutschland die Klassenkämpfe tobten, war Brecht Vorsitzender einer Lyrik-Jury anlässlich eines Wettbewerbes. Er las sich die 500 Einsendungen durch und verwarf sie alle, weil er festgestellt hatte, dass die Lyriker seiner Zeit sich allesamt an Rilke und Trakl orientiert hatten, ohne eigenschöpferisch zu sein und vor allem auf die Probleme der Zeit einzugehen. Er brauchte aber ein Siegergedicht, es war zum Verzweifeln. Das Siegergedicht fand er dann in einer Zeitschrift für Motorradfahrer, das zwar auch nicht ganz seinen Vorstellungen von moderner, zeitgemäßer Lyrik entsprach, aber wenigstens aktuell war und eigene Bemühungen aufwies. Übrigens hatte sich der Autor gar nicht am Wettbewerb beteiligt.

Gruß, blackout
 
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