Die eine Hand und die andre

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Ciconia

Mitglied
Und ständig wäscht die eine Hand die andre,
das war im Leben leider immer so.
Selbst wenn ich über tausend Plätze wandre,
mit solchen Spielchen werde ich nie froh.

Vielleicht gehör ich nicht zu den ganz Smarten,
denn Vorteilsnahme ist mir völlig fremd.
Warum bloß soll man Gegenwert erwarten?
Ich gäbe notfalls auch mein letztes Hemd.

Geschickte Winkelzüge find ich leidig,
denk überwiegend einfach und direkt.
Doch staun ich allzu häufig, wie geschmeidig
sich Menschen wenden können im Affekt.

So bleib ich bis ans Ende meines Lebens
wohl stets in observierender Funktion.
Ich hoffe nur, dass niemand mal vergebens
mich überfällt mit einer Donation.
 

blackout

Mitglied
Die eine Hand und die andere

Gut geschrieben, Ciconia. Ich sehe das genauso. Es gibt zu viele Leute, die sich gewöhnt haben ans Konkurrenzdenken (der andere ist der Feind), und weil sie nicht immer frontal etwas erreichen, nutzen sie Winkelzüge. Das ist das, was ich in meinem Gedicht "In der Maschinerie" beschreibe. Ich frag mich ernsthaft, wer das begriffen hat.

Zum Text selbst: Du bist eine gute Reimpoetin. Kannst dich ausdrücken, hast einen klaren Blick. Weißt, worauf es ankommt.

Ein gutgeschriebener, wichtiger Text.

blackout
 

Ciconia

Mitglied
Vielen Dank für Deinen lobenden Eintrag, blackout.

„Eine Hand wäscht die andre“ beginnt bei lächerlichen Kleinigkeiten wie Gefälligkeitswertungen in diesem Forum und endet beim Pöstchengeschacher in der großen Politik. Man ärgert sich einfach. Und deshalb musste dieses Gedicht gestern sein.

Gruß Ciconia
 

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