Die falsche Münze

Terminator

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Die falsche Münze




Kathie warf drei Markstücke in den Fahrkartenautomaten und wartete ungeduldig auf das Wechselgeld. Fünfmal machte es „klack“, dann lagen vier Zehner und ein Fünfziger in der schmalen Auffangschale.

Hinter Kathie fing ein junger Mann zu drängeln an. „Nu mach mal `ne Runde schneller. Klaub deine Kohlen zusammen, damit andere Leute vor Ostern auch noch `ne Chance haben, `n U-Bahn-Fahrschein zu lösen“.

„Ja, ja, ja“, Kathie guckte den Muffelbruder schräg von unten an. Sie steckte ihm ein ganz klein bisschen die Zunge raus. „He, he“, protestierte der Typ. „He, he“, auch Kathie müpfte auf. „Jetzt guck dir das an!“ Sie zeigte dem U-Bahn-Bruder ein silberglänzendes Geldstück. „Da krieg` ich als Wechselgeld statt `nem Fünfziger `n Falschgeldtaler!“

„Lass sehen!“ Mike nahm das runde Ding in die Hand. „Is `ne portugiesische Münze. Wird nicht viel wert sein, ist nur genauso groß wie unsere deutsche 50-Pfennig-Münze.Ist echt `n Ding!“

„Mist!“ Kathie war sauer. Sie stieß mit dem Fuß gegen den Automaten. „Betrüger!“ blaffte sie.

„Ärger dich nicht!“ Mike legte eine winzige Sekunde lang seinen Arm um Kathie. „Vielleicht

ist das Escudo-Stück ja `n Glücksbringer. Pass auf, ich spuck` jetzt dreimal drauf, und du wünschst dir dabei heimlich was ganz Tolles. Wirst sehen, das geht in Erfüllung!“

„Meinst du?“ Kathie hatte plötzlich `ne Stimme – süß und weich wie `n Nougatplätzchen.

Mike, der vor wenigen Minuten am Fahrkartenautomaten noch so gedrängelt hatte, schien plötzlich irre viel Zeit zu haben. „Was haste dir gewünscht? Was Großes oder was Kleines!“

Kathie lachte: „Was Großes!“

„Aha“, Mike stieg zusammen mit dem Mädchen in die U-Bahn. „Was Kostbares?“

„Sehr kostbar!“

„Nicht bezahlbar?“ Mike ließ nicht locker. Auf der schmalen Zwei-Personen-Sitzbank saßen die beiden nun schon so eng zusammen, dass glatt ein dritter Mann noch Platz gehabt hätte.

„Kann ich helfen, damit der dicke Wunsch in Erfüllung geht?“ fragte Mike mit schmusiger Stimme. Kathie nickte kaum merklich. Sieben Stationen waren sie nun schon gefahren. „Ich muss „Kornweg“ aussteigen“, sagte Kathie.

„Ich auch!“ erklärte Mike fröhlich.

„Wohnst du denn auch in der Gegend?“ Kathie strahlte.

„Nö, ich hab` meine Bude genau am anderen Ende der Stadt...“

„Und trotzdem bist du einfach so mit mir mitgefahren...,obwohl´s doch die ganz falsche Richtung ist...?“

„Es ist nicht die falsche Richtung!“ murmelte Mike. „Ich bin genau auf dem richtigen Weg...

mit dir...!“



Die beiden jungen Leute blieben zusammen. Nicht nur an diesem Spätnachmittag. Nicht nur eine Woche oder ein paar Monate lang. Auch nach drei Jahren waren sie immer noch heiß verknallt ineinander. Nur von Heirat war nie die Rede. Hundertmal wollte Kathie schon mal kleine Andeutungen machen. Aber dann verkniff sie es sich doch wieder.

Es war an einem Sonnabend. Kathie spielte nachdenklich mit der kleinen portugiesischen Münze, die sie nun schon seit langem in Silber eingefasst an einer Kette trug. „Sie hat dir doch Glück gebracht“, sagte Mike zwischen zwei Küssen. „Ich weiß nicht!“ war Kathies seltsame Antwort. „Soll ich dreimal draufspucken, weil vielleicht wieder ein Wunsch in Erfüllung gehen soll?“ Mike guckte Kathie zärtlich an.

„Was wünschst du dir denn diesmal? Wieder was Großes?“

Kathie schüttelte den Kopf. „Was Kleines...“und dann flüsterte sie mit einer kleinen zerbrochenen Stimme: „Ich bin schwanger.“

Mike reagierte sehr seltsam. „Dann ist es also heute soweit!“ sagte er, stand auf und holte eine

Blechbüchse, und ehe sich Kathie versah, schüttete ihr der junge Mann den ganzen Inhalt in den Schoß. Lauter Fünfzig-Pfennig-Stücke. „Hab` ich alle gesammelt, seit wir uns kennen!“ erklärte Mike. „Ich wollte dir davon irgendetwas Tolles mal kaufen. Aber jetzt...Was hältst du davon, wenn wir den Silberschatz in eine Wiege anlegen. Ich bemal` sie, und du nähst einen Tüllhimmel dazu. Und ein Stückchen davon binden wir an unsere Autoantenne. Du weißt, das ist doch so Brauch, wenn zwei Hochzeit machen.“

„Wir?“ Man sah es Kathie an, dass ihr eben wahre Felsbrocken vom Herzen fielen.

„Wir“, lächelte Mike. „Du und ich und dieser Winzling in deinem Bauch – sofern ihr zwei mich wollt...“

„Wir drei“, flüsterte Kathie, „es werden nämlich Zwillinge...“
 
Hallo Terminator,
nette Geschichte einer Zufallsbekanntschaft. So ist es, wenn das Schicksal es gut meint.
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

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