Die Geschichte mit der Hypotenuse

4,00 Stern(e) 1 Stimme

Ciconia

Mitglied
Siebzig Kilometer Landstraße und ein lästiger Termin liegen vor mir, als ich am späten Vormittag übelgelaunt in mein kleines rotes Auto steige und mit überhöhter Geschwindigkeit davon brause. Erst mal suche ich im Radio nach „Oldies but Goodies“, die sind immer gut fürs Gemüt.

Ein paar Sekunden bin ich abgelenkt gewesen. Beim nächsten Blick in den Rückspiegel zucke ich zusammen. Direkt hinter mir sitzen zwei lebhaft gestikulierende junge Burschen mit Baseballkappen. Nein, nicht auf dem Rücksitz. Aber das nachfolgende Auto hält einen so geringen Abstand, dass ich die Milchgesichter der beiden sehr gut erkennen kann. Die jungen Kerle fahren einen ramponierten Kleintransporter mit offener Ladefläche. Strauchgut schwankt gefährlich über die Fahrerkabine. Der Beifahrer hat die Füße auf das Armaturenbrett gelegt, er stopft sich gerade etwas in den Mund, das nach einem sehr dicken Wurstbrot aussieht. Sein hyperaktiver Chauffeur hängt so nah an der Windschutzscheibe, als wolle er mich anschieben. Zappelnd setzt er immer wieder zum Überholen an, jedoch hindern ihn Kurven, Überholverbote, geschlossene Ortschaften und entgegenkommende Fahrzeuge daran. Fast eine Viertelstunde lang steckt er hinter dem kleinen roten Auto fest.

Korrekterweise möchte ich anmerken, dass ich in Situationen, in denen ich mich durch andere Verkehrsteilnehmer genötigt fühle, zur strikten Einhaltung aller Verkehrsregeln neige, mich nicht einschüchtern lasse und in Ausnahmefällen sogar etwas unterhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit bleibe. Seitdem ich nicht mehr jeden Morgen dem Geld hinterherfahren muss, sondern ein großzügig bemessenes regelmäßiges Monatseinkommen aus der Hauptstadt beziehe, hetzt mich niemand mehr.

Offensichtlich sind die Verfolger mit meiner Fahrweise überhaupt nicht einverstanden. Gestik und Mimik lassen auf Äußerungen wie: „Die Olle schieben wir jetzt von der Straße!“ schließen. Derweil lausche ich hingebungsvoll John Denvers „Country roads“, die mich an sehr schöne alte Zeiten erinnern.
Etwa nach der Hälfte der Strecke kommt eine Ampelanlage in Sicht. Hier muss ich rechts auf eine querende Vorfahrtsstraße abbiegen. Ich kenne die Straßenführung seit Jahren gut, vermute aber stark, dass auch die Burschen nicht ortsfremd sind. Kurz vor der Kreuzung führt eine schmale Zufahrt im spitzen Winkel nach rechts zu einem Rastplatz, der wiederum auf der gegenüberliegenden Seite in die Vorfahrtsstraße einmündet. Nicht schwer zu ahnen, was jetzt kommen wird.
Natürlich enttäuschen mich die Pfiffikusse nicht, sie biegen wie erwartet mit einem halsbrecherischen Manöver auf den Rastplatz ab. Im selben Augenblick erkenne ich die Gunst der Stunde: Die Ampel an der Kreuzung ist an diesem Tag außer Betrieb, von links scheint niemand zu kommen. Wagemutig ziehe ich mein Auto mit quietschenden Reifen um die Ecke, trete das Gaspedal voll durch und komme zeitgleich mit dem Pick-up an der Ausfahrt des Rastplatzes an. Pech nur für die beiden, dass sie im letzten Moment ihre rasante Fahrt durch eine Vollbremsung beenden müssen, um sich und andere nicht zu gefährden – denn das kleine rote Auto hat natürlich Vorfahrt. So weit hatten die Smarties wohl nicht gedacht. Freundlich lächelnd rausche ich vorbei und ignoriere ein kräftiges Zucken im rechten Mittelfinger.

Der Fahrer liegt über dem Lenkrad, als wolle er sich dort festbeißen, den Beifahrer kann ich nicht mehr sehen. Wahrscheinlich bückt er sich gerade nach seiner Trinkflasche, die er kurz vor dem Abbiegen noch in der Hand hielt. Auf der Ladefläche des Kleintransporters ist das Grünzeug in bedenkliche Schräglage geraten. Doppeltes Pech für die Jungs: Ein weiteres Auto hat sich hinter meines gesetzt, auch ihm müssen sie Vorfahrt gewähren. Wo das plötzlich hergekommen ist, erschließt sich mir wirklich nicht. Ich kann doch meine Augen nicht überall haben!
Zufrieden genieße ich die Weiterfahrt in einem gemütlichen Tempo und beobachte im Rückspiegel, wie die beiden Rüpel nun meinen Hintermann bedrängen. Im Radio läuft das letzte Stück von „Oldies but Goodies“. Für den Rest des Tages bin ich äußerst gut gelaunt, auch mein Termin endet längst nicht so unangenehm wie befürchtet. Der Rückweg am Nachmittag verläuft dann erstaunlicherweise ohne besondere Vorkommnisse.

Abends muss ich allerdings eine Sache nachschlagen, die mich seit dem Manöver am Mittag beschäftigt. Mathematik gehörte zwar nie zu meinen Lieblingsfächern, doch der simple Satz des Pythagoras ist selbst mir in Erinnerung geblieben sind: a-Quadrat plus b-Quadrat gleich c-Quadrat. Folglich (und hier bestätigt mich Wikipedia) könnte man sich die beiden Landstraßen als zwei Seiten, also Katheten, eines rechtwinkligen Dreiecks vorstellen, sodass die Strecke über den Rastplatz die Hypotenuse ergibt.
Also müsste nach meiner Berechnung die Summe
der Seitenlänge a gleich Strecke auf der bisher befahrenen Landstraße
plus der Seitenlänge b gleich Strecke auf der Vorfahrtsstraße bis zur Rastplatzausfahrt
theoretisch länger sein als die Hypotenuse c gleich Strecke über den Rastplatz.
Irgendwie scheint es mir heute gelungen zu sein, dieses Prinzip auszuhebeln. Ob Pythagoras irrte? Oder reicht hier etwa die einfache Geometrie gar nicht und man müsste dreidimensional rechnen? Vielleicht mit Vektorieller Analytischer Geometrie, dem Albtraum meiner letzten Schuljahre? Na ja, egal. Wichtig ist doch, dass ich de facto schneller war als die zwei Halbstarken.

Und noch eine Erklärung finde ich bei Wikipedia:
„Schadenfreude scheint eine dominante Rolle beim Erhalt von Gerechtigkeit und der Bestrafung von Normverstößen in menschlichen Gesellschaften zu spielen. …
Es werden geschlechterspezifische Unterschiede in Entstehung und Motivation angenommen.“

Ach! Hätte denn ein Mann in dieser Situation anders empfunden?
 
A

aligaga

Gast
Hallo Ciconia,

hier mühst du dich, witzisch zu wirken, kommst als lyrisches Ich aber so unsympathisch rüber, dass der Leser hofft, die ErzieherIn, die hier die pace vorgibt, würde sich mitsamt ihrer Missgunst in einem tiefen Schlagloch erst die Achse ihres Kleinwagens und dann beide Beine brechen.
Siebzig Kilometer Landstraße und ein lästiger Termin liegen vor mir, als ich am späten Vormittag übelgelaunt in mein kleines rotes Auto steige und mit überhöhter Geschwindigkeit davon brause. Erst mal suche ich im Radio nach „Oldies but Goodies“, die sind immer gut fürs Gemüt.
Wer eine Reise so fahrlässig beginnt und damit nicht nur sein, sondern auch das Leben Dritter aufs Spiel setzt, hat kein Recht, auf ein paar kleine Handwerker herabzuschauen. Den beiden Jungs scheint’s zu pressieren, und der Leser fragt sich, woher das lyrische Ich seine Motivation und die Bosheit schöpft, die es braucht, um die beiden dergestalt auszubremsen – in der Regel das typische Verhalten im Leben zu kurz Gekommener, Bedeutungsloser, die im Straßenverkehr auf Sinnsuche sind, ihre Instinkte zeigen und ihre Gesinnung ausleben.

Vielleicht gönnt ihnen das wohl schon etwas angejahrte Lyrich die jugendliche Unbekümmertheit nicht und neidet ihnen ihre „Milchgesichter“? Und ist am Ende so voll Hass, dass es Hals über Kopf um die Kurve fegt, ohne nach dem Radfahrer zu gucken, der nicht mit rechts abbiegen, sondern geradeaus fahren möchte?

Gott bewahre uns vor solchen Verkehrsrowdies und ihren Milchmädchenrechnungen! Der gute, alte Pythagoras hätte gewusst, dass es manchmal eher auf die Vektoren ankommt, und hätte sich derart einfältigen Missbrauch verbeten.

Für mich ist das G’schichterl nicht mal unfreiwillig komisch, sondern ein entlarvender Text, der betroffen macht. Weil er ahnen lässt, wie existentiell der Klassenkampf auf den deutschen Straßen wohl immer noch geführt wird.

Ich würde ihn nach „Horror und Psycho“ verschieben lassen. Dort wäre er wohl richtig aufgehoben.

Gruß

aligaga

p.s.: Wer nach "Oldies But Goodies" im Radio sucht, findet nichts. Die Sendung heißt "Oldies But Goldies".
 

John Wein

Mitglied
Ich hätte nach der Einleitung Beitrags zunächst etwas über die Funktion des rechtwinkligen Dreiecks in Bezug auf Geschwindigkeit und Chuzpe geschriftet, denn die Überschrift suggeriert mir doch, dass diese Geschichte insgesamt so einzuordnen ist. Dann wäre es u.U. auch ein bisschen wizziger rübergekommen Hier lese ich bis zum Schluss etwas über einen sich anbahnenden und fortsetzenden Straßenkrieg mit abschließender Schadenfreude. Das ist zwar alles sehr menschlich (bisweilen ertappe ich mich da auch schon mal) Verkehrserziehung aber ist ein Gräuel und (wie man hier auch liest) kann es durchaus schnell gefährliche Situationen heraufbeschwören.
Gruß JW
 

Ciconia

Mitglied
Hallo John Wein,

ich kann hier beim besten Willen keine gefährliche Situation und schon gar keinen „Straßenkrieg“ erkennen. Ich habe hier in überspitzter Form eine ganz alltägliche Verkehrssituation geschildert und unter "Humor und Satire" eingestellt. Es handelt sich also nicht um einen Bericht über verheerende Zustände auf deutschen Straßen, über den man sich Gedanken machen müsste.
Ein wenig Schadenfreude sei der Fahrerin übrigens gegönnt, nachdem sie mit etwas Glück die beiden Drängler überlistet hat.
Schade, dass die Geschichte nicht "wizzig" rüberkommt.

Gruß Ciconia
 
A

aligaga

Gast
ich kann hier beim besten Willen keine gefährliche Situation und schon gar keinen „Straßenkrieg“ erkennen.
Wer im Straßenverkehr mit überhöhter Geschwindigkeit fährt und gleichzeitig im Radio nach imaginären Sendungen sucht, gefährdet sich und andere. Das gleiche gilt für Rechtsabbieger, die um die Kurve radieren und nur nach links gucken. Das Kriechen in der Straßenmitte und sich nicht überholen lassen ist Nötigung.

Mag ja sein, dass solches Gebaren von der Autorin im Hinblick auf ihr eigenes Fahrverhalten als ganz "alltäglich" empfunden wird - de facto sind Ordnungswidrigkeiten wie die beschriebenen immer wieder Auslöser für schrecklich Unfälle mit Körperverletzungen und Todesfolgen.

Wenn sich dann noch der Hass auf andere Verkehrsteilnehmer hinzugesellt, haben wir jene Mischung, die den deutschen Straßenverkehr so gefährlich machen und einem das Fahren verleiden.

Witzig? Nein. Widerlich.

Gruß

aligaga
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Um die Schlussfrage zu beantworten:

Nee, ein Mann hätte die Hypotenuse gar nicht gekannt.
:)

Die Frage hätte die Fahrerin den beiden Milchbubis stellen sollen. Natürlich kennen sie die Hypotenuse nicht. Also zeichnet die Prot das Ganze in den Straßenstaub. Alsbald befinden sie sich in einer lebhaften mathematischen Diskussion. Sie wiederholen alle ihren gesamten Schulstoff und vergessen, weshalb sie eigentlich gerade hier sind.
Sie sitzen so lange da, bis die Autos verrottet sind.

So ungefähr hätte ich mir eine gelungene Satire vorgestellt ...

LG DS
 
A

aligaga

Gast
Nee, ein Mann hätte die Hypotenuse gar nicht gekannt.
Ich würde die "Milchbubis" nicht unterschätzen, @Doc. Mindestens einer der beiden ist ü 18; ich schätze mal, dass sie Gärtner oder Landschaftsgärtner sind. Das ist ein handwerklicher Ausbildungsberuf, in dem man mit 18 Geselle ist und im Fachrechnen den Pythagoras hatte - Flächen- und Streckenberechnungen sind für Landschaftsgärtner nämlich nicht unwichtig.

Es besteht also weder ein Grund, aus Hass gegen die Jugend den Verkehr zu gefährden, wie es die Autorin beschreibt, noch ihnen so hochnäsig zu kommen wie du gerade. Ganz offensichtlich sind es doch taffe Jungs, die einem Beruf nachgehen und sich dabei Mühe geben.

Das macht sie mir sympathisch. Die können bestimmt mehr als nur Hecken schneiden. Die Alten sollten sie inspirieren, motivieren und unterstützen, statt hämisch auszubremsen.

Dann klapppt's auch später mit der Rente, nicht?

Gruß

aligaga
 
A

aligaga

Gast
Wie schon weiter oben und auch an anderer Stelle bemerkt, @Doc, hab ich von Humor offenbar eine von der Autorin und auch von dir abweichende Auffassung. Über einen guten Witz lache ich gern - @John Wein hat hier unlängst einen sehr hübschen abgelassen. Guck doch mal unter "Carmen" und schreib ihm was Nettes dazu!

Schadenfreude und Häme zähle ich nicht zum Humorigsein, sondern halte sie für ekelhafte, menschliche Schwächen. Sie sind in meinen Augen alles andere als lustig und haben schon viel Unglück über die Menschheit gebracht. Wenn mir die begegnen, geh ich nicht in den Keller, wie du mir unterstellst, sondern mach das Gegenteil: Ich trete heraus auf die Straße und steh den Kiddies bei, auf deren Kosten man sich lustig zu machen versucht.

Sich lustig machen und lustig sein ist nicht das gleiche, @Doc. Ich glaub, das könnte man sogar googlen.

Gruß

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Jetzt wird das Ganze ja doch noch zu einer Klamotte, wie sie DocSchneider vorschwebt …

@aligaga

Von einem ernstzunehmenden Kritiker erwarte ich vor allem, dass er zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann. Man muss diese Geschichte nicht witzig finden, wenn man einen derberen Humor bevorzugt. Ich erwarte aber von jedem Kritiker so viel Respekt, dass er „der Autorin“ in der Realität nicht völlig aus der Luft gegriffene Eigenschaften unterstellt und sie wiederholt beleidigt.
Du hast in den letzten Wochen mehrfach bewiesen, dass Du diesen Respekt nicht aufbringst, und Dich damit als Kritiker selbst disqualifiziert.

Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Mal ganz ernsthaft, @Ciconia - du solltest Kritik am Inhalt und an der Form deiner Texte nicht sofort persönlich nehmen und mit direkten Angriffen auf Leib und Leben der Kritiker zu kontern versuchen. Das bringt dich vor allem literarisch kein Schrittchen weiter.

Das hier ist ein Paradebeispiel dafür. Niemand hat dich persönlich kritisiert, sondern am Verhalten deines lyrischen Ichs Züge entdeckt und herausgestellt, die jedem auffallen müssen, der den Text sorgfältig liest. Leider gehst du nicht darauf ein - bei mir nicht, aber auch beim "Kollegen" nicht. Sondern du versuchst, dich für etwas zu rechtfertigen , was man dir gar nicht vorgeworfen hat. Ich glaube, du identifizierst sich zu sehr mit deinen Protagonisten. Dass hier eine Frau am Steuer sitzt, weiß man erst, seit du es uns mitgeteilt hast - vorher hätte es auch ein jugendfeindlicher Alter sein können, oder nicht?

Tipp: Emotionen ausschalten und den eigenen Text nach vollbrachtem Werk so zu lesen versuchen, wie ihn ein Rezipient aufnimmt, der dich nicht kennt und dem deine persönliche Befindlichkeit völlig egal ist. Du könntest dann besser spüren, wie der Text "wirkt", und ggf. Änderungen vornehmen.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Rubrik zu wechseln, wenn du beabsichtigst, über eigene Wesenszüge oder selbst Erlebtes zu berichten. Dafür gäbe es das "Tagebuch". Tagebucheinträge werden nicht kritisiert, sondern höchstens "besprochen".

Dabei könnten wir es, so meine ich, belassen, denn zu dem Text ist bereits alles gesagt. Eine weitere Auseinandersetzung über Straßenverkehrsregeln, "deutschen" Humor und das rechtwinkelige Dreieck brächte uns wohl nicht viel weiter,, sondern würde in Streit ausarten. Und den will doch keiner.

Gruß

aligaga
 
Hallo Ciconia,
ob dein Beitrag nun unter Humor oder Satire eingestellt wird, ist unerheblich. Satire ist es allemal. Und ich finde, irgendjemand scheint hier bei der Bewertung der Verkehrsteilnehmer von falschen Ansätzen auszugehen. Die Bedrohung kommt nun einmal von hinten. Wäre der VorderMANN der Fahrer eines PS-starken Boliden, hätte der Spuk, immer in Abhängigkeit der sonstigen Verkehrssituation, im Nu sein Ende gefunden. Von einer Frau erwartet man vermutlich, dass sie sich samt Kleinwagen in den Straßengraben zurückzieht. Ich vermag mich mit solch Dränglern ebenso wenig anzufreunden, auch nicht im Straßenverkehr.
Gruß Paul.
 
A

aligaga

Gast
Bevor du hier weiter schlaue Sprüche ablässt und uns zeigst, dass du von der Straßenverkehrsordnung eher keine Ahnung hast, @Paul: Welche Verstöße der Fahrer des PKW alle begangen hat, wurden erläutert. Guck mal in die Verkehrsfibel und lass dich ggf. nachschulen. Wäre das eine Prüfungsfahrt gewesen, dann wäre der Lenker des PKW mit Pauken und Trompeten durchgefallen.

Von einer Frau ist in dem Text übrigens nirgends die Rede. Damit ist uns die Autorin erst im Nachhinein gekommen. Punkte gibt's dafür trotzdem keine.

Kopfschüttelnd

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Guten Abend, Paul,

danke für die Schützenhilfe! Es freut mich, dass jemand den Text nicht bierernst nimmt und ihn als das sieht, was er sein sollte: satirisch. Wie und ob ich überhaupt im richtigen Leben Auto fahre, ist für diese Geschichte nämlich völlig unerheblich.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Von einer Frau ist in dem Text übrigens nirgends die Rede. Damit ist uns die Autorin erst im Nachhinein gekommen.
Tipp @aligaga, bevor Du hier weiter Deinen Frust über Verkehrsteilnehmer aller Art loslässt: Immer schön genau lesen:
Gestik und Mimik lassen auf Äußerungen wie: „Die Olle schieben wir jetzt von der Straße!“ schließen.
Hätte denn ein Mann in dieser Situation anders empfunden?
So steht es im Text. Was hättest Du aus diesen beiden Sätzen lernen können? Hier schreibt eine Frau! Und zwar eine, die sich weder von zwei jungen Schnöseln noch von einem selbstherrlichen Kommentator beeindrucken lässt.
Du kannst jetzt mit dem Kopfschütteln aufhören.

Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Was hättest Du aus diesen beiden Sätzen lernen können? Hier schreibt eine Frau! Und zwar eine, die sich weder von zwei jungen Schnöseln noch von einem selbstherrlichen Kommentator beeindrucken lässt.
Das muss sie auch nicht. Das erledigt über kurz oder lang die Straßenverkehrspolizei bei dieser LenkerIn.

Alles nur eine Frage der Zeit!

Heiter

aligaga
 
Hallo aligaga,
gut, dass jemand wie dir eine Plattform zur Verfügung steht, auf der du dich respektfrei bewegen kannst. Und ein Lob den Dränglern, im Leben, im Straßenverkehr und in einer Internetplattform.
Apropos „nachschulen“:
Am 23.02.2015 beginne ich mit dem nächsten Kurs der Nachschulung. Du bist herzlich gern eingeladen und kannst den Kurs unter http://www.paul-schnabel.verkehrsschulung.de buchen.
Gruß Paul.
 
A

aligaga

Gast
Bist du sicher, Paul, dass du diese "Geschichte" auch wirklich gelesen hast? Denn wer sein und das Leben anderer Verkehrsteilnehmer nicht gefährden will, sollte (anders als die uns in der "Geschichte" vorgestellte Fahrzeuglenkerin):

- Nicht mit überhöhter Geschwindigkeit fahren

- Während der Fahrt mit überhöhter Geschwindigkeit nicht im Bordradio nach Sendern suchen

- Als Vorausfahrender keine anderen Verkehrsteilnehmer ausbremsen

- Beim Rechtsabbiegen immer in den Rückspiegel schauen

- und nie mit dem eigenen PKW VerkehrserzieherIn spielen wollen.

Du willst ein "Vekehrserzieher" sein, @Paul? Na, dann gut Nacht, schöne Großmutter! Den von dir "Nachgeschulten" möchte ich lieber nicht auf der Straße begegnen!

Kopfschüttelnd

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Siebzig Kilometer Landstraße und ein lästiger Termin liegen vor mir, als ich am späten Vormittag übelgelaunt in mein kleines rotes Auto steige. Erst mal suche ich im Radio nach „Oldies but Goodies“, die sind immer gut fürs Gemüt.

Ein paar Sekunden bin ich abgelenkt gewesen. Beim nächsten Blick in den Rückspiegel zucke ich zusammen. Direkt hinter mir sitzen zwei lebhaft gestikulierende junge Burschen mit Baseballkappen. Nein, nicht auf dem Rücksitz. Aber das nachfolgende Auto hält einen so geringen Abstand, dass ich die Milchgesichter der beiden sehr gut erkennen kann. Die jungen Kerle fahren einen ramponierten Kleintransporter mit offener Ladefläche. Strauchgut schwankt gefährlich über die Fahrerkabine. Der Beifahrer hat die Füße auf das Armaturenbrett gelegt, er stopft sich gerade etwas in den Mund, das nach einem sehr dicken Wurstbrot aussieht. Sein hyperaktiver Chauffeur hängt so nah an der Windschutzscheibe, als wolle er mich anschieben. Zappelnd setzt er immer wieder zum Überholen an, jedoch hindern ihn Kurven, Überholverbote, geschlossene Ortschaften und entgegenkommende Fahrzeuge daran. Fast eine Viertelstunde lang steckt er hinter dem kleinen roten Auto fest.

Korrekterweise möchte ich anmerken, dass ich in Situationen, in denen ich mich durch andere Verkehrsteilnehmer genötigt fühle, zur strikten Einhaltung aller Verkehrsregeln neige, mich nicht einschüchtern lasse und in Ausnahmefällen sogar etwas unterhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit bleibe. Seitdem ich nicht mehr jeden Morgen dem Geld hinterherfahren muss, sondern ein großzügig bemessenes regelmäßiges Monatseinkommen aus der Hauptstadt beziehe, hetzt mich niemand mehr.

Offensichtlich sind die Verfolger mit meiner Fahrweise überhaupt nicht einverstanden. Gestik und Mimik lassen auf Äußerungen wie: „Die Olle schieben wir jetzt von der Straße!“ schließen. Derweil lausche ich hingebungsvoll John Denvers „Country roads“, die mich an sehr schöne alte Zeiten erinnern.
Etwa nach der Hälfte der Strecke kommt eine Ampelanlage in Sicht. Hier muss ich rechts auf eine querende Vorfahrtsstraße abbiegen. Ich kenne die Straßenführung seit Jahren gut, vermute aber stark, dass auch die Burschen nicht ortsfremd sind. Kurz vor der Kreuzung führt eine schmale Zufahrt im spitzen Winkel nach rechts zu einem Rastplatz, der wiederum auf der gegenüberliegenden Seite in die Vorfahrtsstraße einmündet. Nicht schwer zu ahnen, was jetzt kommen wird.
Natürlich enttäuschen mich die Pfiffikusse nicht, sie biegen wie erwartet mit einem halsbrecherischen Manöver auf den Rastplatz ab. Im selben Augenblick erkenne ich die Gunst der Stunde: Die Ampel an der Kreuzung ist an diesem Tag außer Betrieb, von links scheint niemand zu kommen. Wagemutig ziehe ich mein Auto mit quietschenden Reifen um die Ecke, trete das Gaspedal voll durch und komme zeitgleich mit dem Pick-up an der Ausfahrt des Rastplatzes an. Pech nur für die beiden, dass sie im letzten Moment ihre rasante Fahrt durch eine Vollbremsung beenden müssen, um sich und andere nicht zu gefährden – denn das kleine rote Auto hat natürlich Vorfahrt. So weit hatten die Smarties wohl nicht gedacht. Freundlich lächelnd rausche ich vorbei und ignoriere ein kräftiges Zucken im rechten Mittelfinger.

Der Fahrer liegt über dem Lenkrad, als wolle er sich dort festbeißen, den Beifahrer kann ich nicht mehr sehen. Wahrscheinlich bückt er sich gerade nach seiner Trinkflasche, die er kurz vor dem Abbiegen noch in der Hand hielt. Auf der Ladefläche des Kleintransporters ist das Grünzeug in bedenkliche Schräglage geraten. Doppeltes Pech für die Jungs: Ein weiteres Auto hat sich hinter meines gesetzt, auch ihm müssen sie Vorfahrt gewähren. Wo das plötzlich hergekommen ist, erschließt sich mir wirklich nicht. Ich kann doch meine Augen nicht überall haben!
Zufrieden genieße ich die Weiterfahrt in einem gemütlichen Tempo und beobachte im Rückspiegel, wie die beiden Rüpel nun meinen Hintermann bedrängen. Im Radio läuft das letzte Stück von „Oldies but Goodies“. Für den Rest des Tages bin ich äußerst gut gelaunt, auch mein Termin endet längst nicht so unangenehm wie befürchtet. Der Rückweg am Nachmittag verläuft dann erstaunlicherweise ohne besondere Vorkommnisse.

Abends muss ich allerdings eine Sache nachschlagen, die mich seit dem Manöver am Mittag beschäftigt. Mathematik gehörte zwar nie zu meinen Lieblingsfächern, doch der simple Satz des Pythagoras ist selbst mir in Erinnerung geblieben sind: a-Quadrat plus b-Quadrat gleich c-Quadrat. Folglich (und hier bestätigt mich Wikipedia) könnte man sich die beiden Landstraßen als zwei Seiten, also Katheten, eines rechtwinkligen Dreiecks vorstellen, sodass die Strecke über den Rastplatz die Hypotenuse ergibt.
Also müsste nach meiner Berechnung die Summe
der Seitenlänge a gleich Strecke auf der bisher befahrenen Landstraße
plus der Seitenlänge b gleich Strecke auf der Vorfahrtsstraße bis zur Rastplatzausfahrt
theoretisch länger sein als die Hypotenuse c gleich Strecke über den Rastplatz.
Irgendwie scheint es mir heute gelungen zu sein, dieses Prinzip auszuhebeln. Ob Pythagoras irrte? Oder reicht hier etwa die einfache Geometrie gar nicht und man müsste dreidimensional rechnen? Vielleicht mit Vektorieller Analytischer Geometrie, dem Albtraum meiner letzten Schuljahre? Na ja, egal. Wichtig ist doch, dass ich de facto schneller war als die zwei Halbstarken.

Und noch eine Erklärung finde ich bei Wikipedia:
„Schadenfreude scheint eine dominante Rolle beim Erhalt von Gerechtigkeit und der Bestrafung von Normverstößen in menschlichen Gesellschaften zu spielen. …
Es werden geschlechterspezifische Unterschiede in Entstehung und Motivation angenommen.“

Ach! Hätte denn ein Mann in dieser Situation anders empfunden?
 
Hallo aligaga,
dir ist mit deinem letzten Text, der sich direkt an mich richtet, ein Musterbeispiel an Eristik auf dem Gebiet der Satire gelungen. Als beispielhaft kann man ihn deshalb hinstellen, weil er so dicht am wirklichen Leben dran zu sein scheint, dass sich die Grenzen zur Satire nahezu verwischen. Das hast du ganz großartig hinbekommen. Mir wird es schwer fallen, ähnlich gekonnt zu antworten.

Aber eines nach dem anderen:

Natürlich habe ich den Text von Ciconia nicht gelesen; es reicht doch, mir deine Beiträge anzusehen.

Nun wusste ich zwar gar nicht, dass in der Gegend, wo du rum läufst, in der Schule so eine gute Verkehrserziehung gelehrt wird. Aber die Theorie - der ruhende Verkehr in einer Fußgängerzone - und die raue Wirklichkeit auf einer offenbar viel befahrenen Bundes- oder Landstraße, von der in dem satirischen Beitrag die Rede zu sein scheint, liegen doch Welten auseinander.

Doch nun einmal zu deinem ersten Vorwurf, der Geschwindigkeitsüberschreitung:
Da darf ich einen der bekanntesten ehemaligen deutschen Fußballtrainer, Otto Rehhagel, mit folgenden Worten zitieren: „Abseits ist, wenn es der Schiedsrichter pfeift!“ Auf unseren Fall übertragen heißt das, eine Geschwindigkeitsüberschreitung liegt vor, wenn sie amtlich festgestellt wird bzw. wurde. Davon ist in diesem Bericht überhaupt keine Rede, geschweige denn, dass von einem Strafzettel auszugehen ist.
Und die subjektive Aussage einer Kleinwagenfahrerin, sie sei zu schnell gefahren, ist weder rechtsrelevant, noch beweiskräftig.
(Übrigens habe ich vergessen, darauf hinzuweisen, dass ich Verkehrsjurist bin.)
Derartige Aussagen werden in der Regel bei Rechtsstreitigkeiten mit einem Abzug von 20 km/h bewertet. Bei Fahrern oder Fahrerinnen von roten Autos kommen im Schnitt noch 10 km/h Abzug hinzu.
Wenn man nach dem Bericht zu urteilen von einer Landstraße mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausgehen kann, ist die Fahrerin, um die es sich handelt, ziemlich genau 70 km/h gefahren (d.h. 100, die sie meint gefahren zu sein minus besagter 20, die durch subjektive Fehleinschätzungen entstehen minus beschriebener 10 für Fahrer von roten Kleinwagen allgemein). Das ist bei dem Verkehrsaufkommen und den vorhandenen Kurven eine angemessene Fahrweise und deckt sich übrigens mit ihren Schilderungen ab Absatz drei.

Dass man bei dieser Geschwindigkeit beispielsweise Handys nicht bzw. nur unter besonderen Voraussetzungen, Radios hingegen doch bedienen darf, müsste bekannt sein.
Die Fahrerin hat in der Darstellung ihres LI auch ein kurzes Statement zu deren wirtschaftlicher Situation abgegeben. Daraus kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass der Kleinwagen zwischen drei und sechs Jahren alt sein dürfte. Mir ist nicht bekannt, dass sich bei diesen Autos die Radios noch auf dem Rücksitz oder im Kofferraum befinden. Im Regelfall werden sie per Tasten bedient.

Zum Problem des Ausbremsens:
Auch hier ist es nötig, einem vorrangigen Nutzer von Fußgängerzonen das klassische Ausbremsen zu erläutern. Nehmen wir einen Saab, angeblich das ehemals bevorzugte Fahrzeug von Oberlehrern, der auf der linken Spur einer Autobahn mit je zwei Richtungsfahrbahnen konstant 100 km/h fährt und auch dann nicht weicht, obwohl rechts alles frei ist, wenn von hinten ein Porsche mit erlaubten 200 km/h angebrettert kommt, dann bremst er den Porsche aus. Denn: der Porsche darf weder rechts überholen, noch darf er ihn nötigen, die Spur zu verlassen.

Nun frage ich dich, aligaga, sollte die Fahrerin für diese Drängler, jetzt sind wir wieder beim Thema, in der nächsten Ortschaft in eine Seitenstraße einbiegen oder sollten nicht die Rüpel lieber erst einmal die Ladung ordnungsgemäß festmachen. Und seit wann ist übrigens das Fahren (auch Beifahrern) mit den Beinen auf dem Armaturenbrett erlaubt?
Kleinen sympathischen Handwerkern vielleicht?
Oder großen Dränglern?
Mir scheint eher, dass der Kleintransporter in die nächste Verkehrskontrolle müsste. Und ich bezweifele, ob er diese übersteht.

Also, immer die Kirche im Dorf lassen und nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und tief durchatmen.

Noch ein Wort zu meinen Nachschulungen. Die „Rückfallquote“ der von mir Geschulten liegt unter 3%. Du, aligaga, darfst gern recherchieren, wie es sich mit dem Bundesdurchschnitt verhält. Und bei den 3% sind die biologischen Ausfälle mit eingerechnet.

Jetzt noch ein paar Bemerkungen zum Pythagoras: hier scheiden sich offenbar (fast) alle Geister. Voraussetzung für die Anwendung ist ein rechtwinkliges Dreieck.
Das wird hier wahrscheinlich nicht vorliegen!
Demnach gäbe es gar keine echte Hypotenuse. Aber es wird zwei kurze und eine lange Seite geben. Bei einem gleichseitigen Dreieck (ein sehr unwahrscheinlicher Fall) ist das Verhältnis so, dass die Fahrerin die doppelte Strecke gegenüber den Rüpeln gefahren wäre, beim gleichschenkligen rechtwinkligen (da rasseln die Handwerker dann doch wieder auf der Hypotenuse entlang, zumindest andeutungsweise) die 1,414..-fache (Wurzel aus 2), beim klassischen Dreieck mit den Kathetenlängen 3 und 4 und der Länge der Hypotenuse 5 wäre es die 1,4-fache Strecke und je stumpfer das Dreieck wird (der Winkel zwischen den Katheten), um so günstiger wird es für die Fahrerin des Kleinwagens. Da im Straßenbau als konstruktives Element jedoch die Klothoide (ein Gestaltungselement, das für ein regelmäßiges Lenken sorgen soll, um den Fahrer vom Einschlafen abzuhalten) zur Anwendung kommt, ist entscheidend, welche Schenkellängen für die Berechnung in Ansatz zu bringen sind. Außerdem müsste man noch die Bedingungen auf dem Parkplatz kennen, die aber nicht zur Debatte stehen.

Also: Satire ist etwas fürs Leben. Ob mit oder ohne Grünschnitt.
Denn der Ernst holt uns schneller ein als wir denken.
Paul.
 

Oben Unten